Aktuelle Display-Technologien im Vergleich
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Welches Panel sollte mein neuer Monitor besitzen? Diese oder ähnliche Fragen stellt sich wohl jeder vor der Anschaffung eines neuen Monitors

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IPS (In-Plane-Switching)

Die IPS-Technologie stellte in der Vergangenheit sowohl die teuerste als auch hochwertigste Klasse der Panel-Technologien dar. Heute werden aber selbst Monitore im unteren Preissegment mit IPS-Paneltechnologie ausgestattet. Dabei kommt es bei dieser Technik nicht zu einem Wechsel zwischen waagerechter und senkrechter Orientierung der LC-Moleküle, wie dies bei TN- und VA-Technologien der Fall ist, sondern zu einer „liegenden Orientierung“, die mit der Bewegung eines Uhrzeigers vergleichbar ist. Liegt eine Spannung an, so sind die LC-Moleküle parallel und horizontal in Bezug auf einen der beiden Polarisatoren ausgerichtet. So wird das Licht der Hintergrundbeleuchtung bei einem Polarisator blockiert.

Liegt nun jedoch keine Spannung mehr an, so ändert sich die Orientierung der LC-Moleküle um 90° und eine entsprechende Lichtdurchlässigkeit ist gegeben. Der Bildpunkt erscheint nun nicht mehr schwarz, sondern weiß. Pionier auf dem Gebiet der IPS-Paneltechnologie ist LG Electronics.

Neuerungen im Bereich der IPS-Technik sind beispielsweise sogenannte S-IPS-Panels. Diese bieten durch die nun nicht mehr parallel, sondern schräg zueinander angeordneten Bildpunkte einen noch höheren Blickwinkel an.

LG 27MP38VQ-B

LG 27MP38VQ-B mit AH-IPS Paneltechnologie. Erhältlich bei Amazon (Foto: LG)

In der Praxis haben sich die IPS-Technik-Monitore in der Vergangenheit bei Privatpersonen nicht wirklich durchsetzen können, da die Herstellungskosten im Vergleich zu den anderen Methoden verhältnismäßig hoch waren und sich dies direkt auf den Verkaufspreis ausgewirkt hat.

Um die Auflösung weiter zu erhöhen sowie die Reaktionszeit an die TN-Technologie anpassen zu können, wurde eine Weiterentwicklung der IPS-Technik unter dem Namen AH-IPS veröffentlicht. Die Advanced-High-Performance-IPS-Technologie bietet nun Reaktionszeiten von rund 5 ms und reicht damit bereits knapp an jene der TN-Technologie heran. Die Bildwiederholungsrate liegt bei maximal 165 Hz. Höhere Werte ermöglichen nur TN-Panels (bis 240 Hz) oder VA-Panels (bis zu 200 Hz).

PLS (Plane-To-Line-Switching)

Die PLS-Technik ist zum großen Teil identisch mit der IPS-Technik und wurde von der Firma Samsung entwickelt. Dies ist auch bei den Eckdaten der PLS-Technik zu erkennen. Der Blickwinkel liegt wie bei der IPS-Technik bei 178° sowohl horizontal als auch vertikal. Das bedeutet, dass auch aus einem sehr breiten Blickwinkel die vom Display dargestellten Farben nicht verändert werden. Auch sind die Kontrastwerte mit bis zu 1000:1 vergleichbar mit der IPS-Technologie. Beachtenswert ist ebenfalls, dass eine Verwendung mit einer Bildwiederholungsrate von 60 Hz empfohlen wird. Ab Bildwiederholungsraten, die darüber liegen, gilt das Display als übertaktet. In aktuellen Gaming-Monitoren wird diese Panel-Technologie kaum eingesetzt. Samsungs aktuelle Gaming-Monitore setzen deshalb auf die SVA-Technologie.

Samsung S27D850T

Samsung S27D850T mit S-PLS Paneltechnologie. Erhältlich bei Amazon (Foto: Samsung)

Um den etwas höheren Stromverbrauch der IPS-Technik entgegenzuwirken, setzt die PLS-Technologie genau hier an, denn sie ermöglicht eine Stromeinsparung von bis zu 15 Prozent. Grund dafür ist der Einsatz von lichtdurchlässigen (transluzenten) Kristallen, wodurch die nötige Lichtintensität der Hintergrundbeleuchtung deutlich reduziert und trotzdem ein ebenso gutes Ergebnis erzielt werden kann.

AHVA (Advanced Hyper-Viewing Angle)

Das System der AHVA-Technik beruht grundsätzlich ebenso auf der Anwendung der klassischen Kristallmethode. Hier gleicht die Technik in weiten Teilen der IPS-Technologie. Bezogen auf den Kontrast erreichen AHVA-Panels Werte bis zu 1000:1. AHVA und VA bedienen sich unterschiedlicher Technologien, was durch die Verwendung der Buchstaben VA in beiden Paneltechnologien, etwas verwirren mag. AHVA-Panels können Bildwiederholungsrate von 144 Hz ohne Übertaktung darstellen. So ist ein AHVA-Monitor vor allem für Gaming-Zwecke eine interessante Monitortechnologie.

BenQ BL2710PT

BenQ BL2710PT mit AHVA Paneltechnologie. Erhältlich bei Amazon (Foto: BenQ)

Display-Technologien im direkten Vergleich bei unterschiedlichen Nutzergruppen

Je nachdem, welche Anforderungen an einen Monitor gestellt werden, kommt es also auf die Entscheidung hinsichtlich der richtigen Panel-Technologie an. Dabei sind vor allem bei der breiten Masse Monitore mit TN-Technologie beliebt. Diese überzeugen durch den verhältnismäßig geringen Preis, der durch die ebenso preiswerten Herstellungskosten zustande kommt. Dabei verfügen die TN-Panels über die Eigenschaft, dass diese praktisch die schnellste Reaktionszeit aufweisen, jedoch bezogen auf den Blickwinkel nicht die besten Resultate liefern. Daher eignen sich diese Displays vor allem für Gamer, die ihre Leidenschaft im unteren bis mittleren Preissegment anordnen.

Gaming-Monitor Acer GF276

Preisgünstiger Gaming-Monitor Acer GF276 mit TN Paneltechnologie und AMD Freesync. Erhältlich bei Amazon (Foto: Acer)

Bei VA- beziehungsweise MVA- und PVA-Monitoren ist eine deutlich bessere Blickwinkelunabhängigkeit gegeben, auch Farben und Kontraste werden bei dieser Technologie weit besser, tiefer und detailgetreuer dargestellt. Der Nachteil dieser Methode ist jedoch der höhere Stromverbrauch. Ebenfalls ist diese Technologie in der Herstellung sowie auch in der Anschaffung deutlich teurer als die zuvor genannte TN-Technik. Durch die deutlich langsamere Reaktionszeit ist diese Art der Monitore für Gamer in der Regel ungeeignet. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, so sind auch VA-Panels am Markt zu finden, die mit Reaktionszeiten von 1 ms spezifiziert sind, wie ein SVA Panel von Samsung, was im 24 Zoll Curved-Gaming-Monitor Samsung C24FG70FQU zum Einsatz kommt. Die PRAD-Redaktion hat diesen Monitor übrigens ausführlich getestet. Hauptsächlich findet die VA-Panel-Technik breite Anwendung in der CAD-Industrie, in technischen Berufen wie der Bildverarbeitung sowie in grafischen Berufen wie der Bildbearbeitung. Auch in der bildgestützten medizinischen Diagnostik wird vermehrt auf diese kontrastreicheren und blickwinkelstabilen Monitore gesetzt.

Vor allen in der Industrie, bei CAD-Entwicklern, in der Bildverarbeitung und im medizinischen Sektor kommen vermehrt PVA-/MVA- sowie IPS-Displays zur Anwendung.

CAD-Monitor BenQ BL3200PT

Guter CAD-Monitor BenQ BL3200PT mit VA-Paneltechnologie. Erhältlich bei Amazon (Foto: BenQ)

Bei der IPS-Technologie und ihren Vertretern handelt es sich um die Variante der Panel-Technologien die für jeden Einsatzzweck Verwendung findet. So sind IPS-Panels in Budget-Monitoren, Gaming-Displays und selbst in High-End Grafikmonitoren zu finden. Selbstverständlich unterscheiden sich die IPS-Panels in Qualität und Preis, sowie in den verwendeten Varianten. Dennoch überzeugt gerade die IPS-Paneltechnologie durch ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Alternativ liefert die VA-Technik vergleichbare Eigenschaften zu geringeren Preisen, wobei teilweise Abstriche beim Blickwinkel gemacht werden müssen.

AOC Agon AG271QG

AOC Agon AG271QG mit 1 ms schnellem 165 Hz IPS-Panel und G-Sync. Erhältlich bei Amazon (Bild: AOC)

Die nahezu perfekt gelungene Angleichung der Reaktionsgeschwindigkeit von IPS-Displays gegenüber TN-Displays wurde mittels der AH-IPS-Technologie geschaffen. So wird diese auch für Gamer immer interessanter, auch wenn Sie etwas teurer ist. Die bessere Bildqualität und Blickwinkeleigenschaften, machen diesen Umstand aber auf alle Fälle wieder wett, was natürlich in gleichem Maße auch für AHVA-Panel-Technologie gilt.

Für Gamer stehen die schnellen TN-Panels immer noch hoch im Kurs. AHVA- und AH-IPS-Panels holen aber kräftig auf

Fazit

Wer ganz günstig kaufen möchte, oder eine sehr schnelle Bildaufbauzeit bevorzugt, ohne dass die Bildqualität im Vordergrund steht, wird wohl auf ein TN-Panel setzen. IPS-Panels, insbesondere in der Ausführung AH-IPS oder AHVA stellen aber eine ernstzunehmende Alternative dar. Auch in Budget-Monitoren sind mittlerweile immer mehr IPS-Panels zu finden und ein geringer Aufpreis gegenüber einem TN-Modell ist auf alle Fälle überlegenswert, einfach aufgrund der besseren Bildqualität und Blickwinkelstabilität.

Wer im Bereich CAD, Design oder Bildbearbeitung einen Monitor sucht, ist mit einem IPS- oder VA-Panel bestens bedient, wobei wir die IPS-Panels noch etwas vor der VA-Technologie sehen. Gleiches gilt für Nutzer die einen Allround-Monitor bevorzugen.

Die Qual der Wahl liegt beim Nutzer, egal ob der geplante Einsatz privat oder geschäftlich ist. Aber eines haben aktuelle Flachbildschirme gemeinsam: Es handelt sich um LC-Displays mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung. Andere Technologien wie beispielsweise OLED, spielen derzeit keine Rolle. Leider!

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2 KOMMENTARE

  1. Das 32-Bit-Farbspektrum umfasst jedoch nicht nur 16,2 Millionen Farben, sondern 16,7 Millionen Farben

    Das muß wohl 16,7 Milliarden Farben heißen?

  2. D.h. egal, welche der vorgestellten Technologien verwendet wird: Man legt eine Spannung an und die Kristalle ändern sich zu dieser Spannung (wie auch immer das im Detail bei der jeweiligen Technologie funktioniert über Neigen oder irgendwas anderes). Man legt eine andere Spannung an (neuer refresh) und die Kristalle ändern sich entsprechend zu dieser anderen Spannung.

    Frage 1: Wenn die Spannung gleich bleibt, dann ändert sich gar nichts und die Kristalle bleiben genau gleich, sodass bei kontinuierlicher Hintergrundbeleuchtung zu jedem Zeitpunkt gleich viel Licht in der jeweiligen Farbe emitiert wird (Flickern gibt es dann sowieso nicht)?

    Frage 2: Was passiert, wenn man dann overdrive stark aktiviert? Nach meinem Verständnis wird dann bei obigen Beispiel nicht nur auf die neue Zielspannung gewechselt, sondern kurzzeitig wird eine noch in der gleichen Richtung (z.B. wenn die neue Zielspannung stärker ist, als die vorherige) ein extremerer Spannungswert gegeben, damit sich die Kristalle schneller ändern (wobei dieser Spannungswert dann nach kurzer Zeit wieder auf den eigentlich Zielspannungswert geändert werden). Was ist aber, wenn im nächsten Refresh die Zielspannung genau die gleiche wie vorher ist (Bild bleibt gleich)? Wird dann auch irgendwie ein besonderer Spannungseffekt erzeugt, oder ist das in diesem Fall gleichwertig zu der Situation, in der man Overdrive aus hat (overdrive an oder aus ist also egal; das würde also auch bedeuten, dass overdrive Negativeffekte bei einem Standbild nicht sichtbar sind)?

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