Entpuppen sich 8K-Fernseher als Rohrkrepierer?

Die prognostizierten Verkaufszahlen von 8K-Fernsehern zeigen sich als maßlos überzogen, die Nachfrage ist faktisch nicht vorhanden

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Branchenintern gab es wohl Vereinbarungen, oder sagen wir Absprachen, dass 8K-Fernseher frühestens im Jahre 2020 in den Einzelhandel eingeführt werden sollten. Samsung wollte, nachdem es bei den Absatzzahlen im TV-Segment nicht ganz so rosig aussieht, der erste Anbieter von 8K-TV-Geräten am Markt sein. So stellte man zur IFA 2018 in Berlin bereits erste Modelle vor und kündigte zudem an, dass erste 8K-Fernseher bereits ab Mitte Oktober 2018 verfügbar seien.

HDMI 2.1
Der neue HDMI-2.1-Standard ist für 8K unumgänglich

Doch nach der ersten Freude und den geplanten Umsätzen für 2018 und 2019 scheint man wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen zu sein. Die anvisierten Verkaufszahlen sind schlichtweg unrealistisch, und das gebetsmühlenartige Wiederholen der Künstlichen Intelligenz (KI), die 4K-Bildmaterial sozusagen perfekt in 8K überführt, scheint keiner wirklich zu glauben. Zudem gibt es momentan weder 8K-Inhalte, noch sind diese in Sicht. Im asiatischen Raum sind erste Ansätze vorhanden, 8K-TV-Sender zu etablieren. Und wie sieht es in Deutschland aus? Ohne zusätzliche monatliche Gebühren sind die TV-Sender der Privaten nur in SD-Qualität zu empfangen. Und wer will für Werbung in Full HD auch noch zahlen? Hier reichen die Full-HD-Fernseher doch völlig aus.

Aber ohne Inhalte ergibt das Ganze keinen Sinn. So gibt es momentan noch nicht mal die Möglichkeit, 8K-Fotos anzuzeigen, da die aktuell gängigen Kameras aufgrund ihrer technischen Kapazitäten nicht in der Lage sind, solche extrem hochauflösenden Fotos zu erstellen. Wer 8K-Fotos produzieren will, müsste sich schon eine Hasselblad H6D mit 100-MP-Sensor zulegen. Übrigens kostet die Kamera knapp 50.000 Euro! Noch Fragen? Mittlerweile sind zwar immer mehr 4K-Inhalte bei den Streaming-Anbietern wie Netflix oder Prime Video verfügbar, aber durch die schlechte Breitbandabdeckung in Deutschland kommen längst nicht alle in den Genuss. Wer lediglich einen DSL-16000-Anschluss besitzt, kann schlichtweg kein 4K streamen, dafür reicht die Bandbreite nicht. Und wer jetzt hofft, dass aktuelle Kino-Blockbuster künftig in 8K produziert werden, hofft vergeblich. Die Filmstudios in Hollywood haben schon dankend abgewunken.

Samsungs Frühstart im Bereich der 8K-Fernseher verleitet nun auch andere Hersteller wie beispielsweise LG dazu, neue Modelle zu präsentieren. Niemand will sich schließlich die Blöße geben, bei aktueller Hardware zu passen. Ein wichtiger Punkt, warum die Markteinführung der 8K-Fernseher als verfrüht gilt, ist die Tatsache, dass HDMI 2.0 keine 8K-Inhalte mit 50 oder 60 Hz zuspielen kann. Der notwendige Standard HDMI 2.1 ist gerade mal in der Testphase, von marktreifer Hardware sprechen wir gar nicht erst. Samsung plant deshalb, einfach die „One Connect Box” der 8K-Modelle auszutauschen, sobald HDMI 2.1 verfügbar ist. Jedoch gibt es von Samsung zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussage dazu, ob und mit welchen Kosten dieses Upgrade verbunden sein wird.

Ein immer wieder gern zitierter Grund, warum 8K 4K überlegen ist, ist die enorme Bildschärfe. Das ist prinzipiell schon richtig, doch wer setzt sich schon so dicht vor einen Fernseher, um davon zu profitieren?

8K wird sicherlich kommen – irgendwann, wenn auch Inhalte zur Verfügung stehen und die entsprechenden Schnittstellen für die Datenübertragung verfügbar sind. Stand heute kann man vom Kauf eines 8K-Fernsehers nur abraten und abwarten. Und die Verkaufszahlen belegen, dass die Verbraucher auch genau dies tun.

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5 KOMMENTARE

  1. 100K Hasselblad für 8K TV?
    So ein Bödsin habe
    lange nicht gelesen! Digitale Kameras verwenden meistens Byern algoritmus wo in der Wirklichkeit nicht jeder Pixel alle 3 RGB aufnimmt. Als ouput kommt aber : Anzahl der Pixel von der Kamera ist A zahl der RGB Pixel. Z.B. eine Sony 7R ii mit 42 mbp ist für 8K ausreichend- kostet derzeit etwa € 2.500.
    Viele Tests vom Samsung 8K haben gezeigt, dass auch bei 4K wird Bild besser gezeigt.
    Anfang 2019 soll Sony 8K Video und Kameras mit 8K Video ankündigen.

  2. Ich kauf mir einen 8K Beamer.
    Aber erst in 2-3 Jahren. 4K hab ich schon seid über 5 Jahren Zuhause. Zeit fürs nächste Level.

  3. die Angabe stimmt. Eine normale Digitalkamera kann an einem Bildpunkt nur eine Grundfarbe sehen. Entweder Rot, Grün oder Blau. Daher müsste man die Auflösung der Kamera durch 3 teilen. Also kommt man mit den 100 Mega Pixeln der Hasselblad H3D ganz gut hin 🙂 oder alternativ eine Sigma Kamera mit Foveon Sensor 😉

  4. Das wundert mich jetzt das euch der Fehler (Vorsatz kann ich mir nicht vorstellen 🙂 ) mit der Hasselblad unterlaufen ist, es gibt seit geraumer Zeit 8K fähige Digitalkameras für Foto. Entweder hab ich einen Denkfehler oder ihr habt eine ander Berechnungsgundlage der Auflösung:

    8K: 7680 x 4320

    August 2015: Sony A7R2 7.952 × 5.304
    Sept 2017: Nikon 850D 8.256 × 5.504

    Klar, es sind immer noch 2000 bis 3000 Euro aber sicher eine Alternative zu der Hasselblad.

    Grüße
    mindfest

    • Also ich bin hier kein Experte, aber habe mal gehört, das die 42 MP der SONY A7R2 nicht ausreichen. Die Hasselblad hat 100 MP.

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