Farbraum-Emulationen
Farbraum-Emulationen dienen dazu, den Farbraum des Monitors auf einen gewünschten Zielfarbraum zu begrenzen. Das ist immer dann notwendig, wenn eine genaue Farbwiedergabe gefordert ist, aber die verwendeten Anwendungen bzw. Signalquellen kein Farbmanagement unterstützen. Das wären etwa Office-Anwendungen, die meisten Internetbrowser oder externe Signalquellen wie BD-Player.
Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Bereits die Farbraum-Grafiken zeigen, dass der Zuschnitt des nativen Farbraums per Hardware-Emulation im Vergleich zum Werkspreset noch etwas akkurater gelingt – auch wenn die Farbraumabdeckung im Gegenzug mit 97 statt 98 % geringfügig niedriger ausfällt.

Auch bei den Messwerten zeigt sich im Vergleich zum Werkspreset ein Geben und Nehmen. Bei den Farbwerten erreicht die Emulation das bessere Ergebnis, bei der Graubalance dagegen das schlechtere.
Die sRGB-Emulation des BenQ PD2770U gelingt insgesamt gut. Helligkeit und Farbtemperatur liegen sehr nahe am Soll, auch der Kontrast bleibt auf einem ordentlichen Niveau (142,41 cd/m², 6535 K, 678:1). Der Gammawert liegt im Mittel mit 2,15 leicht unter dem Zielwert, der Verlauf wirkt insgesamt aber noch stimmig. Die Graubalance erreicht bei durchschnittlich Delta C 0,38 ein optimales Niveau, die Range fällt dagegen nur gut aus (Delta-C-Average: 0,38; Delta-C-Range: 1,72). Die Abweichungen bei den Buntfarben bleiben insgesamt gering, und auch die sRGB-Abdeckung fällt mit 97 % hoch aus (Delta-E-2000-Average: 0,57; Maximum: 1,64; sRGB-Abdeckung: 97 %).
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Vergleich der Adobe-RGB-Emulation mit Adobe RGB

Noch überzeugender sieht der Vergleich der Farbraum-Grafiken mit dem Werkspreset hier aus. Statt 95 % wird jetzt eine Farbraumabdeckung von 96 % erreicht, ohne umgekehrt Nachteile zu produzieren.

Auch bei den Messwerten präsentiert sich die Adobe-RGB-Emulation des BenQ PD2770U insgesamt sehr stimmig. Helligkeit und Farbtemperatur liegen sehr nahe am Soll, auch der Kontrast bleibt auf einem ordentlichen Niveau (139,75 cd/m², 6533 K, 665:1).
Der Gammawert liegt im Mittel mit 2,15 leicht unter dem Zielwert, der Verlauf wirkt insgesamt aber noch stimmig. Die Graubalance bleibt durchweg auf optimalem Niveau (Delta-C-Average: 0,39; Delta-C-Range: 0,79). Gleiches gilt für die Buntfarben, die zusammen mit der hohen Farbraumabdeckung insgesamt ein sehr gutes Ergebnis erreichen (Delta-E-2000-Average: 0,66; Maximum: 1,92; Adobe-RGB-Abdeckung: 96 %).
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der DCI-P3-Emulation. Die Farbraumabdeckung steigt hier immerhin von 87 % im Werkspreset auf 89 %.

Bei den Messwerten bleibt der Fortschritt entsprechend überschaubar. Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma liegen zwar insgesamt nahe am Ziel, auch die Graubalance bleibt noch auf gutem Niveau (139,64 cd/m²; 6319 K; 665:1; Gamma 2,55; Delta-C-Average: 0,42; Delta-C-Range: 1,37). Die Abweichungen bei den Buntfarben fallen allerdings weiterhin vergleichsweise hoch aus, sodass die Emulation insgesamt nur ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht (Delta-E-2000-Average: 1,27; Maximum: 2,84; DCI-P3-Abdeckung: 89 %).
Die Messungen legen nahe, dass BenQ den PD2770U bei Presets und Emulationen stärker auf Adobe RGB statt DCI-P3 optimiert hat. Das native Panel spricht dagegen nicht gegen DCI-P3, denn der Farbraum wird grundsätzlich nahezu vollständig abgedeckt. Die Schwäche liegt vielmehr in der Umsetzung der entsprechenden Modi.
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Qualität der internen Sonde
Wie bereits erwähnt, haben wir bei allen wertungsrelevanten Messungen sowohl für die Kalibrierung als auch für die Gegenmessung das i1Display Pro von X-Rite verwendet, um Abweichungen durch die Sonde selbst auszuschließen.
Natürlich mag sich mancher Leser fragen, wie gut und genau die eingebaute Sonde im Vergleich zu einem bekanntermaßen sehr präzisen externen Kolorimeter wie dem i1Display Pro misst.
Um das wirklich sauber zu überprüfen, müsste man streng genommen beide Messungen gleichzeitig an derselben Stelle oder zumindest in unmittelbarer Nähe durchführen. Bei nacheinander folgenden Kalibrierungen ist bereits nicht mehr eindeutig sicher, ob Unterschiede tatsächlich auf die Messgenauigkeit, auf Schwankungen in der Monitordarstellung oder auf Berechnungsunterschiede der Software zurückzuführen sind. Hinzu kommt, dass man für eine belastbare absolute Einordnung eigentlich eine echte Referenzsonde bräuchte, deren Anschaffungspreis eher in der Größenordnung eines Kleinwagens liegt.
Das können wir im Rahmen dieses Tests also nicht leisten. Dennoch haben wir zum Abschluss auch eine Kalibrierung mit der integrierten Sonde durchgeführt und das Ergebnis anschließend mit dem i1Display Pro gegengemessen.
Die mit der integrierten Sonde durchgeführte Hardwarekalibrierung erreicht in der Gegenmessung mit dem i1Display Pro ein insgesamt gutes Ergebnis und liegt im Rahmen der Messgenauigkeit nahe an der zuvor mit externer Sonde erstellten Referenz. Helligkeit, Kontrast und Gamma stimmen praktisch überein, auch die Farbabweichungen bleiben insgesamt niedrig.
Auffällig ist vor allem ein leicht wärmerer Weißpunkt, der sich über mehrere Vergleichsmessungen hinweg recht konstant zeigt. Das spricht weniger für zufällige Ungenauigkeiten als vielmehr für eine reproduzierbare, leicht versetzte Abstimmung der integrierten Sonde. Ein qualitativer Einbruch ist daraus nicht abzuleiten, die externe Sonde bleibt messtechnisch aber die scheinbar etwas präzisere Lösung.
Dabei ist allerdings zu beachten, dass die interne Sonde am oberen Bildschirmrand misst. Die Gegenmessungen erfolgen dagegen wie immer in der Bildschirmmitte, weil dort die Präzision für die Praxis am wichtigsten ist. Die Anforderung an eine möglichst gute Bildhomogenität kommt hier also voll zum Tragen.
Umso erfreulicher ist, dass die Messdifferenzen zwischen interner und externer Sonde bereits unter diesen Bedingungen gering ausfallen und zugleich eine reproduzierbare Tendenz erkennen lassen. Palette Master Ultimate ermöglicht zudem, die interne Sonde mit einem externen Kolorimeter abzugleichen, und genau das erscheint auf Basis unserer Messungen grundsätzlich plausibel. Relevant ist das vor allem dann, wenn mit mehreren Monitoren gleichzeitig gearbeitet wird und die übrigen Geräte keine integrierte Sonde besitzen.
Der Qualitätsunterschied zum i1Display Pro bezieht sich damit in erster Linie auf das Tempo bei der Kalibrierung und weniger auf die grundsätzliche Messgenauigkeit.
Reaktionsverhalten
Das Reaktionsverhalten haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am HDMI-Eingang untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.
Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist im OSD unter „OSD-Einstellungen → AMA“ zu finden. Hier gibt es die Stellungen „Aus“, „Hoch“ und „Premium“. Ab Werk ist „Hoch“ voreingestellt. In den Spezifikationen wird eine typische Reaktionszeit von 5 ms (GtG) genannt. Messverfahren: Anfängliche Reaktionszeit („initial response time“), Gamma-Korrektur (RGB-5-Toleranz) und RGB-Überschwinger. Eine Sync-Technologie besitzt der BenQ PD2770U nicht.
Overdrive, 60 Hz
60 Hz, Overdrive „Aus“
Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 21,8 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 8,8 ms. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 20,8 ms.
Überschwinger sind zwar minimal zu beobachten, haben aber keinerlei Auswirkungen auf die Bildqualität. Die Abstimmung ist sehr neutral. Das Schaltzeiten-Diagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren und wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert.
60 Hz, Overdrive „Hoch“
In der mittleren Overdrive-Stufe messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 14,6 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 7,9 ms. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 13,5 ms.
Überschwinger sind so gut wie keine zu beobachten, die Abstimmung ist weiterhin sehr neutral. Aus Qualitätsgründen ist diese Stufe die beste Wahl, die auch ab Werk voreingestellt ist.
60 Hz, Overdrive „Premium“
In der höchsten Overdrive-Stufe messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 5 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 3,4 ms. Damit wird die vom Hersteller genannte Reaktionszeit von 5 ms bei unserer Messung sogar unterboten. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 6,6 ms.
Überschwinger sind jetzt sehr deutlich zu beobachten und führen zu starken Qualitätseinbußen. Die Ingenieure wollten leider zu viel aus dem Panel herauskitzeln, sodass dieser Modus leider nicht ohne Kompromisse nutzbar ist.
Latenzzeit
Die Latenzzeit (auch Input-Lag genannt) eines Monitors ist insbesondere beim Spielen ein wichtiger Faktor, da sie beeinflusst, wie schnell Eingaben (z. B. Mausbewegungen oder Tastenklicks) auf dem Bildschirm angezeigt werden. Ein Wert von unter 5 ms kann als sehr gut angesehen werden und ist ideal für professionelle Gamer und E-Sportler, da sie schnelle Reaktionen erfordern. 5 bis 10 ms eignen sich noch für ambitionierte Spieler und Videobearbeiter. Als durchschnittlich sind 10 bis 25 ms anzusehen, was für die meisten Nutzer ausreichend für alltägliche Aufgaben ist. Werte über 25 ms können bei schnellen Bewegungen zu Verzögerungen führen und sind für anspruchsvolle Anwendungen nicht mehr empfehlenswert.
Wir haben die Latenzzeit in der nativen Auflösung (3840 × 2160) bei 60 Hz am HDMI-Eingang gemessen.



























