-->

BRANDHEISS

Test EIZO CG3146: Referenz-Studiomonitor für HDR-Colorgrading
2/4

31 Zoll großer Studiomonitor darf als Referenz für nahezu den kompletten Markt an professionellen Displays im Videobereich angesehen werden

Der EIZO-Weg

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern verfügt der EIZO CG3164 über einen eingebauten Sensor zur Selbstkalibrierung. Die Selbstkalibrierung meldet sich entweder selbst zu Wort, wenn sie im Turnus erforderlich ist, oder kann manuell initiiert werden. Hierbei fährt mechanisch ein Kolorimeter aus dem Gehäuse vor den Bildschirm und vermisst die internen Farbfelder. Ein minimal ausgelegter Abstand des Sensors mit Filz zum Schutz des Displays vermindert dabei Streulichteinflüsse.

Elegant und komfortabel, der Sensor zur automatischen Kalibrierung des CG3146 fährt motorisch vor das Display, während die verschiedenen Farbfelder generiert werden
Elegant und komfortabel, der Sensor zur automatischen Kalibrierung des CG3146 fährt motorisch vor das Display, während die verschiedenen Farbfelder generiert werden

Die Kalibrierung sollte dennoch in dunkler Umgebung erfolgen. Zwar ist ein Kolorimeter prinzipiell nicht sonderlich gut zur Kalibrierung von Displays mit großem Farbumfang geeignet, aber das im EIZO eingebaute Exemplar ist mit dem Spektralradiometer Konica Minolta CS-2000 abgeglichen und kann seine Aufgabe daher in perfekter Manier verrichten, solange es genau dieses Display vermisst. Unbestreitbar hat EIZO insbesondere aus dem Grafikbereich viel Erfahrung, solche Selbstkalibrierungen durchzuführen. Und dort kommt es nicht minder auf die höchstmögliche Farbtreue an, wenn zum Beispiel aufwendigste Drucke vorbereitet werden sollen. Zudem hat der Hersteller Erfahrung mit dem Ausgleich von Farbveränderungen abhängig von der Betriebstemperatur. So lässt sich mutmaßen, dass gerade deshalb das Temperaturmanagement nicht ganz so kritisch ist.

Der Vorgänger des CG3146 hieß CG3145 und hatte diese eingebaute Funktion zur Selbstkalibrierung noch nicht. Er fand auch deshalb den Weg in so manches Studio, weil er zugunsten des CG3146 abgekündigt und mit interessanten Preisnachlässen verfügbar war. Umso größer war dann natürlich die Spannung in der Branche, wie viel besser der CG3146 wohl sein würde.

Die Kalibrierung selbst (frühestens 30 Minuten nach dem Einschalten) geschieht durch die vollständige Automatisierung vergleichsweise schnell und erlaubt das manuelle Festsetzen von Kalibrierungszielen wie einer bestimmten Helligkeit (beispielsweise bei mehreren Monitoren) und einer benutzerdefinierten Farbtemperatur oder innerhalb der für den jeweiligen Anwendungszweck wichtigsten EOTF. Das Ergebnis der Kalibrierung kann dann auf einem der drei Speicherplätze „Cal1“ bis „Cal3“ abgelegt werden.

Kritische Farbmessungen

Nehmen wir an dieser Stelle eine wichtige Erkenntnis dieses Tests vorweg, ohne Sie auf die Folter zu spannen: Die Farbtreue des CG3146 sucht im Studiobereich ihresgleichen! Man kann zwischen den verschiedenen Farbräumen und EOTFs hin und her schalten, wie man will, und bekommt dabei stets genau das, was man erwartet.

Einen nicht kalibrierten Sony HX310 überflügelt der CG3146 in den zur Bestimmung der Farbgenauigkeit wichtigen Delta-E-Werten aus dem Stand. Dazu muss man sagen, dass es hier meist um Unterschiede in minimalen Größenordnungen von <1 Delta E 2000 geht, die für viele Bereiche nicht relevant und womöglich auch nicht sichtbar sind. Dennoch: Es geht um höchste Präzision, und die ist beim EIZO vorhanden.

Zu den herausforderndsten Messungen, die für diesen Test angestellt wurden, gehören Colorchecker-Mischfarben, die zum Beispiel auch Hauttöne im für HDR typischen Farbraum BT.2020 beinhalten. Gerade im Bereich des Colorgradings ist es wichtig, dass nicht nur der Farbraum und die Graustufenlinearität den Anforderungen genügen – kritische Mischfarben wie helle und dunkle Schattierungen von Hauttönen sind entscheidend. Dort, wo die meisten anderen Monitore einen Blaustich in den dunkelsten Bildbereichen oder einen Grünstich im Gelb zeigen, erreicht der EIZO CG3146 eine farbverbindliche Darstellung.

Gemessen haben wir die Farbgenauigkeit mit CalMAN Ultimate und dem Konica Minolta CS-2000, einem Spektroradiometer, dessen Preis noch mal dem des Monitors entspricht. Viele herkömmliche Sensoren sind zur Messung des EIZO CG3146 ungeeignet, da ihre Messungenauigkeiten weit höher sind als die Abweichungen des EIZO-Monitors. Insbesondere, wenn 3D-LUTs zur Einbindung einer Display-Kalibrierung in Postproduktions-Software verwendet werden sollen, ist allerhöchste Vorsicht geboten. Die Präzision des Bildschirms ist darauf abgestimmt, genau solche Unzulänglichkeiten von 3D-LUT und Messsensor im Workflow zu vermeiden.

Kritische Mischfarben im HDR-Farbraum BT.2020 nahezu ohne Abweichungen darzustellen, schafft wohl kein Display am Markt aus dem Stand so gut wie der EIZO CG3146
Kritische Mischfarben im HDR-Farbraum BT.2020 nahezu ohne Abweichungen darzustellen, schafft wohl kein Display am Markt aus dem Stand so gut wie der EIZO CG3146

Ebenfalls gemessen haben wir die sogenannten Saturation-Sweeps, also Sättigungsabstufungen zwischen Weiß und den Grund- und Komplementärfarben des DCI-P3- und BT.2020-Farbraums. Auch hier zeigte sich der Monitor noch mal in perfekter Manier und traf die erwarteten Sollwerte exakt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht, dass im BT.2020-Farbraum die Sättigungsabstufungen zwangsläufig dort beschränkt werden müssen, wo der physikalische Farbraum des Monitors beschränkt ist.

Der EIZO macht dabei genau das, was wir erwarten, und erhöht die Sättigung gemäß BT.2020-Farbraum, bis er in die Beschränkung läuft (Clipping). Sony fährt dagegen an den Grenzen des nativen Farbraums eine etwas andere Strategie und setzt auf eine hauseigene Form des Gamut-Remappings, was man gut daran erkennen kann, dass die Cyan-Farbtöne bei hoher Sättigung im BT.2020-Farbraum eine Kurve einschlagen und ihren Farbton in Richtung Blau verändern. Bei Magenta geht der Farbton Richtung Rot. Die Strategie des EIZO gefällt uns an dieser Stelle besser, da sie klaren Regeln folgt.

Sättigungsrampen im BT.2020-Farbraum. Der EIZO (links) erhöht die Sättigung schrittweise bis an die Grenzen seines physikalischen Farbraums. Sony setzt dagegen auf eine proprietäre Form des Color-Gamut-Remappings
Sättigungsrampen im BT.2020-Farbraum. Der EIZO (links) erhöht die Sättigung schrittweise bis an die Grenzen seines physikalischen Farbraums. Sony setzt dagegen auf eine proprietäre Form des Color-Gamut-Remappings

Bei der Abdeckung des BT.2020-Farbraums gleichen sich die beiden Monitore wie ein Ei dem anderen und decken laut CIE-1976-u’v’-Diagramm 83 % ab. Das sind gleichzeitig 99 % des DCI-P3-Farbraums, also auch hier wieder genau das, was man erwarten darf.

Der P3-Farbraum innerhalb des BT.2020-Containers für HDR oder bei Direktauswahl wird mit 99,1 % nach CIE 1976 u’v‘ abgedeckt. Sony erreicht genau denselben Wert
Der P3-Farbraum innerhalb des BT.2020-Containers für HDR oder bei Direktauswahl wird mit 99,1 % nach CIE 1976 u’v‘ abgedeckt. Sony erreicht genau denselben Wert

EOTF-Tracking und Graustufenlinearität verlaufen ebenfalls perfekt. So kann sich der Colorist darauf verlassen, dass nicht nur die Lichtmenge für jeden Signalpegel stimmt, sondern auch der Farbort konstant bleibt.

Wenn man den EIZO aus 45° von der Seite betrachtet – für den Anwendungsbereich ein extremer Winkel –, verschieben sich die Farborte nur leicht
Wenn man den EIZO aus 45° von der Seite betrachtet – für den Anwendungsbereich ein extremer Winkel –, verschieben sich die Farborte nur leicht

Wie gut das Bild von der Seite betrachtet aussieht, lässt sich per Co-View-Funktion des Monitors beeinflussen. Selbige sollte nur dann eingeschaltet werden, wenn wirklich mehrere Personen gleichzeitig auf den Schirm gucken. Ansonsten kann es passieren, dass gerade kleinere Bilddetails mit hoher Leuchtkraft etwas dunkler erscheinen.

Interessante Themen

1 Gedanke zu „Test EIZO CG3146: Referenz-Studiomonitor für HDR-Colorgrading“

  1. wow, ein toller test zu einem bestimmt besonderen display!
    wirklich sehr interessant, auch für mich hobby-grafikerin – danke für diesen klasse einblick in ein unbekanntes terrain.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!