Test EIZO CG3146: Referenz-Studiomonitor für HDR-Colorgrading
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31 Zoll großer Studiomonitor darf als Referenz für nahezu den kompletten Markt an professionellen Displays im Videobereich angesehen werden

Visueller Eindruck

Ganz ehrlich: Ein Monitor wie der CG3146 öffnet selbst erfahrenen Bildprofis die Augen. Man sieht Videosignale unverfälscht, und viel näher kann man einem idealen Display wohl kaum kommen. Gibt es ein Problem wie Rauschen oder Artefakte im Bild, dann sieht man das mit dem Monitor auch, und – ganz wesentlich – der EIZO erfindet auch keine Probleme, wo keine sind. Gerade im HDR-Mastering ist diese Treffsicherheit womöglich jeden Cent des hohen Preises wert. Statt wertvolle Arbeitszeit in nicht enden wollende Kalibrierung oder Workflow-Optimierung zu stecken und zu erlernen, wie man gewisse Display-Probleme ausblendet, kann man sich gleich vor ein fast perfektes Display setzen. Natürlich sind durch die 31-Zoll-Diagonale gewisse Grenzen gesetzt, besonders wenn die Erkennung von Auflösung gefragt ist. Aber in der Praxis wird hier häufig der kleine Produktionsmonitor durch ein größeres Display ergänzt, bei dem es dann nicht ganz so penibel auf das letzte Quäntchen Farbtreue ankommt.

31 Zoll gegen 65 Zoll: Ein typischer Aufbau in einer Colorgrading-Suite im Messlabor. Über dem hochwertigen Kontrollmonitor lässt sich ein 65-Zoll-Display zuschalten, um den Eindruck bei größerem Bild kontrollieren zu können
31 Zoll gegen 65 Zoll: Ein typischer Aufbau in einer Colorgrading-Suite im Messlabor. Über dem hochwertigen Kontrollmonitor lässt sich ein 65-Zoll-Display zuschalten, um den Eindruck bei größerem Bild kontrollieren zu können

Dass ein Monitor überhaupt in der Lage sein kann, den vom CG3146 erreichten Kontrast- und Farbumfang abzubilden, schien bis vor wenigen Jahren noch undenkbar. Bei guten Bildern entsteht so ein noch nie dagewesener Bildeindruck, der die Vorteile von HDR schlagartig augenfällig macht. Im semiprofessionellen Bereich und im Kino zu Hause wird es wohl noch viele Jahre dauern, bis entsprechende Bildqualität mit neuen Technologien (beispielsweise MicroLED) Einzug hält. Insofern ist der EIZO CG3146 eine seltene Gelegenheit, der erzielbaren Bildqualität im konventionellen Umfeld um Jahre voraus zu sein.

Erstaunlich sind in erster Linie die durch den hohen Kontrast bei souveräner Durchzeichnung von Schatten und Highlights entstehende Bildtiefe, die völlige Abstinenz von sichtbaren Bildpunkten und der satte Farbumfang. Man könnte fast meinen, die Vorteile von analogem Film und digitaler Bildtechnik vereinen sich in diesem Display.

Wenn sich helle und dunkle Bilder abwechseln, beispielsweise bei Filmszenen mit Partylicht, kann man den Dynamikumfang kaum fassen, so sehr knallt es einem das Licht ins Auge – ganz wie in der Disco. Konzertaufnahmen mit ausschweifendem Bühnenlicht, die der Autor schon im HDR-Grading bearbeitet hat, erstrahlen in einer Wucht, dass man sich fühlt, als wäre man vor Ort. Bei Pyro-Effekten auf der Bühne kann man förmlich die Hitze spüren – unglaublich!

Im Direktvergleich mit dem Sony BVM-HX310 arbeitet der EIZO CG3146 absolut auf Augenhöhe – visuell wie messtechnisch ein nahezu perfektes Display in allen Lebenslagen
Im Direktvergleich mit dem Sony BVM-HX310 arbeitet der EIZO CG3146 absolut auf Augenhöhe – visuell wie messtechnisch ein nahezu perfektes Display in allen Lebenslagen

Herbstliche Landschaftsaufnahmen mit kleinen leuchtenden grünen, gelben und roten Blättern vor blauem Himmel haben wir noch von keinem Display so gut gesehen. Mal ehrlich: Viele Fotografen mit teurer Mittelformatkamera von Hasselblad, Fujifilm oder PhaseOne haben die Bildqualität ihrer Kamera noch nie so richtig sehen dürfen, weil Kontrast- und Farbumfang der Aufnahmen von keinem anderen Display so gut dargestellt werden können. Wahrscheinlich sollte EIZO genau für diesen Einsatzzweck noch Lösungen entwickeln, da Photoshop und ähnliche Software noch nicht kompatibel zu Workflows mit BT.2020 HDR sind.

Auf der Suche nach Unzulänglichkeiten im Bild tut man sich extrem schwer. Anzumerken wäre hier allenfalls, dass Kontrast und Farbsättigung nicht 100 % ideal bleiben, wenn man den Monitor von der Seite betrachtet. Im Umfeld der Produktion und Postproduktion dürfte dies aber auch in Anbetracht der Größe kein Problem sein: Der Bildschirm ist darauf ausgelegt, dass eine Person ihn aus der Nähe betrachtet und lotrecht davorsitzt. Selbst wenn das nicht der Fall ist, fallen die Einbußen vergleichbar gering aus. Im Lieferumfang des Monitors befindet sich eine Streulichtblende zur Reduzierung von störenden Lichtreflexionen in der Umgebung, die sich auf den Kontrast auswirken können. Gerade in nicht optimierten Räumen oder auf Drehs sollte sie verwendet werden.

Matt gegen spiegelnd: Während beim EIZO CG3146 das Display diffus entspiegelt wurde, sieht man beim Sony im Hintergrund dieselbe Leuchtröhre klar konturiert. Beides hat sein Für und Wider wie bei den Fotodrucken – matt oder glänzend?
Matt gegen spiegelnd: Während beim EIZO CG3146 das Display diffus entspiegelt wurde, sieht man beim Sony im Hintergrund dieselbe Leuchtröhre klar konturiert. Beides hat sein Für und Wider wie bei den Fotodrucken – matt oder glänzend?

Spezialmessungen

Florian Friedrich als Autor dieses Artikels ist neben der hauptberuflichen Tätigkeit im Bereich der Produktion und Postproduktion auch Leiter der Arbeitsgruppe HDR der ICDM (www.icdm-sid.org), die sich mit der Standardisierung von Display-Messungen beschäftigt. Längst ist klar, dass statische Testbilder heutige Displays entweder nicht maximal fordern oder sogar falsche Messergebnisse zur Folge haben, da die eingangs erwähnten Beschränkungen zum Strombedarf, zur Wärmeentwicklung, zur Vermeidung von Einbrenneffekten oder in der Signalverarbeitung generell bei statischen Inhalten anders reagieren als beim Bewegtbild.

Dynamische Spezialmessungen: Um die Fähigkeiten in den Stresstest zu stellen, untersuchten wir Testfelder vor bewegten Hintergründen mit verschiedenen Helligkeitsstufen
Dynamische Spezialmessungen: Um die Fähigkeiten in den Stresstest zu stellen, untersuchten wir Testfelder vor bewegten Hintergründen mit verschiedenen Helligkeitsstufen

Deshalb konnten wir es uns nicht verkneifen, Messungen im Bewegtbild anzustellen. Dort, wo eigentlich alle am Markt erhältlichen Fernseher versagen, zeigt der EIZO CG3146 sein enormes Potenzial! Bildelemente mit definierter Helligkeit behalten diese auch bei, wenn sich die Szene von dunkel nach hell verändert oder mehrere Minuten gleißend hell erstrahlen soll. Konkret wurden Messfelder verschiedener Größen vor einen bewegten Hintergrund mit wechselnden Szenen (hell, dunkel, farbenfroh) platziert und per Spektroradiometer vermessen. Im Ergebnis lässt sich sagen, dass es dem Monitor gänzlich egal war, ob nun ein statisches oder dynamisches Bild angelegt war und ob der jeweils getestete Signallevel vor hellem oder dunklen Hintergrund vermessen wurde.

Messfenster von 0,001 % bis 10 % Größe oder auch vollflächiges Weiß liefern konstant die maximale Helligkeit von knapp 1000 cd/m². Die Farbtemperatur bleibt dabei ebenfalls stabil

Stabile Helligkeit in jeder Situation: Messfenster von 0,001 % bis 10 % Größe oder auch vollflächiges Weiß liefern konstant die maximale Helligkeit von knapp 1000 cd/m². Die Farbtemperatur bleibt dabei ebenfalls stabil
Stabile Helligkeit in jeder Situation

Im Grunde tut der Monitor genau das, was man aufgrund des Eingangssignals von ihm erwartet, und kann als annähernd ideales Display angesehen werden. Selbst die besten HDR-Fernseher am Markt stehen weit hinter dieser Stabilität und Präzision zurück, haben aber natürlich – wie bereits erwähnt – Vorteile bei der Bildgröße.

Perfekt: Der weiße Kreis im Bild hat einen Signalwert von 1000 cd/m², und das hochpräzise Konica Minolta CS-2000 misst am EIZO genau diesen Wert
Perfekt: Der weiße Kreis im Bild hat einen Signalwert von 1000 cd/m², und das hochpräzise Konica Minolta CS-2000 misst am EIZO genau diesen Wert

Interessante Themen

1 Gedanke zu „Test EIZO CG3146: Referenz-Studiomonitor für HDR-Colorgrading“

  1. wow, ein toller test zu einem bestimmt besonderen display!
    wirklich sehr interessant, auch für mich hobby-grafikerin – danke für diesen klasse einblick in ein unbekanntes terrain.

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