Test Monitor LG Flatron 27EA83-D
5/7

0
3233

UDACT (UGRA-Test)

Vor dem Test haben wir den Bildschirm auf folgende Zielwerte kalibriert, die den Empfehlungen der UGRA für Softproofing-Aufgaben entsprechen (alternativ: L*-Gradation):

Helligkeit Weißpunkt (CCT) Weißpunkt (XYZ) norm.) Gradation
Ziel 140 cd/m² 5800K 95.37 100.00 97.39 Gamma 1.8

Der LG 27EA83-D erreicht die Zertifizierung nicht, da die Tonwertverluste durch die Kalibration mit einer Gamma 1.8-Gradation als Ziel etwas zu hoch ausfallen. Das UDACT kann jedoch auch mit anderen Kalibrationsparametern erfolgreich ausgeführt werden.

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Udact Sw
Der ausführliche UGRA UDACT Report für die Softwarekalibrierung kann als PDF Datei heruntergeladen werden.

True Color Pro

Hardwarekalibration

Die Software lag zum Testzeitpunkt in Version 2.7.3 vor. Sie unterstützt derzeit die Colorimeter Spyder3 und Spyder4 von Datacolor und die Spektralfotometer ColorMunki Photo und ColorMunki Design von X-Rite. In späteren Programmversionen wird auch eine Kalibration mit dem Colorimeter i1 Display Pro von X-Rite möglich sein. Darüber hinaus bietet LG ein eigenes Messgerät (ACB8300) an, das mit einem Sensor der MAZeT GmbH aus Jena arbeitet und für die weiteren Tests zum Einsatz kam.

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Acb8300
Das Messgerät von LG.

Das Programm erinnert an die Color Calibration Solution von DELL. Beiden gemeinsam ist eine reduzierte Umsetzung, die auch nicht versierten Anwendern einen einfachen Einstieg erlaubt. Im Detail ist True Color Pro aber die flexiblere Kalibrationslösung.

Der Startbildschirm offeriert alle wichtigen Einstellungen. In der Standardeinstellung entscheidet sich der Benutzer für sRGB- oder AdobeRGB-Emulation und legt die gewünschte Leuchtdichte fest. Die Farbraumtransformationen basieren auf der Werkskalibration, während die Hardwarekalibration Weißpunkt, Graubalance und Gradation optimiert. Aktuelle Farbraumemulationen in den High-End-Modellen von Eizo und NEC gehen noch einen Schritt weiter und berechnen die notwendigen Zuordnungen auf Basis entsprechender Charakterisierungen. Das steigert die Präzision weiter und erhöht die Flexibilität.

Weitergehende Vorgaben sind nach Auswahl des Kalibrierungsziels Benutzer möglich. In einer farbmanagementfähigen Umgebung wird man in der Regel den nativen Bildschirmfarbraum nutzen. Alternativ können die farbmetrischen Daten der Primärfarben aus einem ICC-Profil ausgelesen oder durch Eingabe ihrer xy-Normfarbwertanteile definiert werden. Allerdings hat die Auswahl eines ICC-Profils ihre Tücken: True Color Pro greift auf die bereits nach D50 adaptierten Daten zurück und richtet sich bei der Weißpunktwahl nach dem MediaWhitePoint Tag.

Ein definiertes Gamut-Mapping findet nicht statt. Bei der Emulation von Farbräumen, die außerhalb des Bildschirmfarbraums liegen, kommt es also zu erhöhten Abweichungen auch von In-Gamut-Tonwerten.

Der Weißpunkt wird über seine Farbtemperatur in Kelvin – korrespondierend zur Tageslichtkurve – und seine Leuchtdichte definiert. Als Tonwertkurve können Gamma-Gradationen (1.8 – 2.6) ausgewählt werden.

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Tcp1
Lg Flatron 27ea83 D Monitor Tcp2
Lg Flatron 27ea83 D Monitor Tcp3
True Color Pro.

True Color Pro kann Matrix- und LUT-Profile in den Versionen v2 und v4 erzeugen. Das Ergebnis von Kalibration und Profilierung kann mit einer Profilvalidierung überprüft werden. Diese Funktion ist in DELLs Color Calibration Solution nicht vorhanden.

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Tcp4
Einstellungen in True Color Pro.

Wir haben zu Testzwecken eine Kalibration und Profilierung mit dem Messgerät von LG durchgeführt und das Profil anschließend in unserer Software mit dem X-Rite i1 Pro validiert. Als Kalibrationsziel wurde die benutzerdefinierte Einstellung gewählt und mit nativem Farbraum, D65 Weißpunkt und Gamma 2.2 Tonwertkurve kalibriert.

Profilvalidierung (Sonde LG => i1 Pro; Farbraum: Nativ)
White Point / CCT Kelvin 6172K
White Point XYZ (normalized) 96.11 100.0 105.47
DeltaE to D50/ D65 17.05 / 2.81
Assumed Target Whitepoint* 6200K
DeltaE to Assumed Target Whitepoint 1.93
Brightness / cd/m² ** 136.1
Black Point / cd/m² ** 0.2
Contrast / x:1 680:1
Gradation (Average) 2.26

* Daylight / ** Measured with X-Rite DTP94

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Validierung2
Detaillierte Informationen stellen wir Ihnen als PDF-Dokument zur Verfügung.

Das Ergebnis kann nicht vollständig überzeugen. Die Graubalance erreicht nur knapp gutes Niveau und die Tonwertkurve weicht insgesamt zu stark von der Vorgabe ab.

Interessant: Auch die Profilvalidierung aus True Color Pro weist relativ hohe Abweichungen in Bezug auf das Kalibrationsziel auf – und in diesem Fall kommt immerhin dasselbe Messgerät zum Einsatz, das auch für Kalibration und Profilierung verwendet wurde.

Die eigentlichen Probleme beginnen mit der Wahl von anderen Kalibrationszielen. Nachfolgend haben wir das Ergebnis für eine Kalibration mit nativem Farbraum, 5800K Weißpunkt und Gamma 1.8 Tonwertkurve aufbereitet:

Profilvalidierung (Sonde LG => i1 Pro; Farbraum: Nativ)
White Point / CCT Kelvin 5427K
White Point XYZ (normalized) 92.98 100.0 85.04
DeltaE to D50/ D65 6.35 / 16.23
Assumed Target Whitepoint* 5400K
DeltaE to Assumed Target Whitepoint 6.25
Brightness / cd/m² ** 134.3
Black Point / cd/m² ** 0.2
Contrast / x:1 672:1
Gradation (Average) 1.86

* Daylight / ** Measured with X-Rite DTP94

Lg Flatron 27ea83 D Monitor Validierung3
Detaillierte Informationen stellen wir Ihnen als PDF-Dokument zur Verfügung.

Das Resultat ist aus vielerlei Hinsicht nicht akzeptabel. Die schlechte Graubalance sticht besonders ins Auge. Und erneut teilt die in True Color Pro integrierte Profivalidierung diese Einschätzung.

Wir haben in Folge dessen intensive und bislang sehr konstruktive Gespräche mit LG geführt. In einem ersten Schritt konnten wir mehrere Messgeräte testen. Die Ergebnisse überzeugen: Ein Inter-Instrument-Agreement von durchschnittlich dE = 0.8 (maximal: dE = 1.25) ist sehr solide.

Die Abweichung in Bezug auf das eingesetzte i1 Pro lag bei durchschnittlich dE = 3.4. In Anbetracht der Tatsache, dass auch diese Sonde keine ideale absolute Referenz ist, liegt das im Rahmen und ist keine Erklärung für die schlechten Kalibrationsergebnisse. Außerdem werden die Abweichungen ja auch innerhalb von True Color Pro ausgewiesen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelTest Monitor BenQ XL2720T
Nächster ArtikelTest Monitor Asus PQ321QE
... ist seit 2008 dabei und hat Medieninformatik sowie Druck-/ Medientechnik studiert. Es ist für die Bereiche Farbmesstechnik, -metrik und -management zuständig und entwickelte die PRAD-Test-Software. Nach wie vor verfasst er Testberichte über Grafik-Monitore.

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!