Test ViewSonic VP2788-5K: 5K-Display mit Thunderbolt 4
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Graustufen

Bereits im Auslieferungszustand hinterlässt der ViewSonic VP2788-5K in unserem subjektiven Graustufentest einen sehr guten Eindruck. Die Darstellung wirkt insgesamt ausgewogen. Die hellsten Abstufungen sind vollständig differenzierbar, die dunklen Stufen bis einschließlich Stufe 3 noch erkennbar. Unterschiede zwischen linker und rechter Bildhälfte konnten wir – auch hinsichtlich der Farbtemperatur – nicht feststellen.

Graustufendarstellung vom IPS-Panel des ViewSonic VP2788-5K
Graustufendarstellung vom IPS-Panel des ViewSonic VP2788-5K

Auch feine Grauverläufe werden weitgehend sauber wiedergegeben. Laut Hersteller unterstützt der ViewSonic VP2788-5K die Darstellung von 1,07 Milliarden Farbabstufungen. Technisch wird dies nicht über eine native 10-Bit-Ansteuerung realisiert, sondern mittels 8 Bit plus „Frame Rate Control“ (FRC). Vor diesem Hintergrund sind minimale Banding-Effekte in besonders kritischen Übergängen nachvollziehbar. Mura-typische Inhomogenitäten im Near-Gray-Bereich, wie wir sie bei einem anderen 5K-Monitor im Test beobachten konnten, traten hier allerdings nicht auf.

Auch bei deutlich von der zentralen Sitzposition abweichenden Blickwinkeln bleibt die Durchzeichnung sowohl in sehr hellen als auch in sehr dunklen Bildbereichen erhalten. Die für viele IPS-Panels typische stärkere Aufhellung dunkler Partien ist beim ViewSonic VP2788-5K nicht erkennbar. Die Farbtemperatur bleibt insbesondere in horizontaler Richtung stabil.

Ausleuchtung

Das linke Foto zeigt ein komplett schwarzes Bild ungefähr so, wie man es mit bloßem Auge bei komplett abgedunkeltem Raum sieht; hier werden die auffälligen Schwächen sichtbar. Das rechte Foto mit längerer Belichtungszeit hebt dagegen die Problemzonen hervor und dient nur der deutlicheren Darstellung.

Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung

Bei einem herkömmlichen IPS-Panel ohne spezielle Beschichtung lassen sich blickwinkelabhängige Aufhellungen in den Bildecken selbst bei frontaler Betrachtung konstruktionsbedingt kaum vollständig vermeiden. Charakteristisch für solche blickwinkelbedingten Effekte ist, dass sie vollständig verschwinden, sobald man exakt lotrecht auf die betreffende Stelle blickt. Echte Randeinstrahlungen (Backlight-Bleeding) der Hintergrundbeleuchtung bleiben dagegen auch dann erhalten.

Im Schwarzbild zeigt der ViewSonic VP2788-5K eine insgesamt kontrollierte Darstellung. In der Bildmitte sind keine störenden Aufhellungen erkennbar. In den Ecken treten blickwinkelbedingte Aufhellungen mit leicht oranger Einfärbung auf. Echte, von den Rändern ins Bild hineinreichende Lichthöfe sind dagegen kaum vorhanden. Lediglich minimal sind solche Effekte am linken Rand – nahe der unteren Ecke – und am oberen Rand in der Nähe der linken Ecke wahrnehmbar.

Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt von schräg oben
Glow-Effekt von schräg oben

Bei abweichender Sitzposition zeigt sich das für IPS-Panels typische Glow-Phänomen mit oranger Einfärbung deutlicher. Es ist unabhängig von der konkreten Blickrichtung und verändert sich primär in seiner Intensität. Am stärksten ausgeprägt ist der Effekt bei Betrachtung von schräg oben.

Helligkeit, Schwarzwert und Kontrast

Die Messungen werden nach einer Kalibrierung auf D65 als Weißpunkt durchgeführt. Sofern möglich, werden alle dynamischen Regelungen deaktiviert. Aufgrund der notwendigen Anpassungen fallen die Ergebnisse geringer aus als bei Durchführung der Testreihe mit nativem Weißpunkt.

Das Messfenster wird nicht von einem schwarzen Rand umgeben. Die Werte können daher eher mit dem ANSI-Kontrast verglichen werden und geben Realweltsituationen deutlich besser wieder als Messungen von flächigem Weiß- und Schwarzbild.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2788-5K – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2788-5K – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2788-5K – mit Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2788-5K – mit Gleichförmigkeitskorrektur

Mit nativem Weißpunkt erreichen wir im Maximum rund 602 cd/m². Das liegt ca. 20 % über der Herstellerangabe von 500 cd/m². Herunterregeln lässt sich die Helligkeit auf ein Minimum von 15 cd/m².

Auffällig ist jedoch die Charakteristik des Helligkeitsreglers im unteren Bereich: Die geringste Luminanz wird nicht bei Reglerstellung 0 %, sondern bei 1 % erreicht. Bei einer Einstellung von 0 % steigt die Helligkeit wieder auf etwa 50 cd/m² an. Ein solches Verhalten haben wir bislang bei keinem anderen Testgerät beobachtet. Die Minimalhelligkeit ist zwar erreichbar, die Reglerlogik allerdings ungewöhnlich umgesetzt.

Nach der Kalibrierung sinkt die Maximalhelligkeit nur minimal auf 599 cd/m². Die Minimalhelligkeit bleibt unverändert. Selbst ein Arbeiten in sehr dunkler Umgebung ist somit problemlos möglich.

Das Kontrastverhältnis gibt der Hersteller mit 2000:1 an. In unseren Messungen erreichen wir nach der Kalibrierung durchschnittlich 1688:1. Für ein IPS-Panel ist das ein sehr guter Wert und liegt im oberen Bereich dessen, was aktuell technisch realisierbar ist.

Der ViewSonic VP2788-5K verfügt im OSD über eine Gleichförmigkeitskorrektur zur Verbesserung der Bildhomogenität. In den Werkseinstellungen ist sie deaktiviert. Die Auswirkungen dieser Funktion werden im Helligkeits- und Kontrastverlauf unmittelbar sichtbar.

Mit aktivierter Gleichförmigkeitskorrektur reduziert sich das Kontrastverhältnis drastisch auf lediglich 305:1. Gleichzeitig sinkt die erreichbare Maximalhelligkeit auf 105 cd/m². Beide Werte liegen deutlich unter dem Niveau, das für einen professionellen Arbeitsmonitor erforderlich ist.

Auffällig ist zudem, dass diese Einschränkung offenbar primär den User-Modus betrifft – also genau jenen Modus, der für eine softwaregestützte Hardwarekalibrierung vorgesehen ist. Damit wird die Nutzung der Gleichförmigkeitskorrektur im praktischen Workflow erheblich eingeschränkt.

Wie stark die angestrebte Verbesserung der Bildhomogenität tatsächlich ausfällt, wird im folgenden Kapitel untersucht.

Bildhomogenität

Wir untersuchen die Bildhomogenität anhand von vier Testbildern (Weiß, Neutraltöne mit 75 %, 50 %, 25 % Helligkeit), die wir an 15 Punkten vermessen. Daraus resultieren die gemittelte Helligkeitsabweichung in % und das ebenfalls gemittelte Delta C (d. h. die Buntheitsdifferenz) in Bezug auf den jeweils zentral gemessenen Wert. Die Wahrnehmungsschwelle für Helligkeitsunterschiede liegt bei etwa 10 %.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Farbhomogenität beim weißen Testbild – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Farbhomogenität beim weißen Testbild – ohne Gleichförmigkeitskorrektur

Ohne Gleichförmigkeitskorrektur ist die Helligkeitsverteilung mit einem Durchschnittswert von 11,94 % und einem Maximalwert mit 20,20 % nur zufriedenstellend. Das Gleiche gilt für die Farbhomogenität (Delta-C-Average: 1,89; Delta-C-Maximum: 3,94), die aufgrund der hohen Maximalabweichung in der Ecke rechts oben bereits an der Grenze zu einer schlechten Wertung liegt.

Mit Gleichförmigkeitskorrektur (Schalter im OSD) wird zwar die Farbreinheit tatsächlich verbessert, das betrifft aber primär den Maximalwert (Delta-C-Average: 1,76; Delta-C-Maximum: 2,72). Die Helligkeitsverteilung verschlechtert sich dagegen dramatisch. Im Durchschnitt liegt die Helligkeitsabweichung von der Bildmitte bei 21,75 % und im Maximum sogar bei 46,1 %.

Damit wird die eigentliche Zielsetzung – eine Verbesserung der Bildhomogenität – nicht erreicht. In Verbindung mit der massiven Reduktion der Maximalhelligkeit und dem deutlichen Kontrasteinbruch erweist sich die Gleichförmigkeitskorrektur per OSD-Schalter in der Praxis als nicht sinnvoll einsetzbar.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur
Farbhomogenität beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur
Farbhomogenität beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur

Allerdings gibt es noch eine dritte Möglichkeit, um die Bildhomogenität zu verbessern. In Verbindung mit der Hardwarekalibrierung bietet die herstellereigene Software Colorbration+ auch eine Zusatzoption, um die Bildhomogenität zu verbessern. Das erfolgt nicht pauschal wie mit dem OSD-Schalter, sondern über konkrete Messungen und ist daher vergleichsweise aufwendig. Wir haben dabei die bestmögliche Qualität gewählt und an 7 × 3 Stellen gemessen. Bereits beim Kalibrierungsvorgang wird aber ersichtlich, dass hier nur die Helligkeit und nicht die Farbreinheit überprüft und korrigiert wird.

Dennoch zeigt das Ergebnis, welches Potenzial der ViewSonic VP2788-5K eigentlich hat. Mit Gleichförmigkeitskorrektur (per Software) erreicht die Helligkeitsverteilung jetzt ein sehr gutes Ergebnis: Im Durchschnitt beträgt die Abweichung nur noch 2,7 % und im Maximum 8,7 %. An der Farbreinheit ändert sich dagegen nichts. Sie bleibt bei den Ausgangswerten ohne Gleichförmigkeitskorrektur.

Ferner ändert diese Möglichkeit nichts am Kontrast-Einbruch. Bei der für die Hardware-Kalibrierung verwendeten Arbeitshelligkeit von 140 cd/m² liegt das Kontrastverhältnis bei knapp 400:1, wenn man die Gleichförmigkeitskorrektur verwendet.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur nach HKL 7 x 3
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur nach HKL 7 x 3
Farbhomogenität beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur nach HKL 7 x 3
Farbhomogenität beim weißen Testbild – mit Gleichförmigkeitskorrektur nach HKL 7 x 3

Blickwinkel

Die Werksangabe für den maximalen Blickwinkel liegt bei 178 Grad in der Horizontalen und Vertikalen. Das sind die für moderne IPS- und VA-Panels typischen Werte. Das Foto zeigt den Bildschirm des ViewSonic VP2788-5K bei horizontalen Blickwinkeln von ±60 Grad sowie vertikalen von +45 und -30 Grad.

Horizontale und vertikale Blickwinkel vom IPS-Panel des ViewSonic VP2788-5K
Horizontale und vertikale Blickwinkel vom IPS-Panel des ViewSonic VP2788-5K

Die Blickwinkelstabilität des ViewSonic VP2788-5K kann insgesamt überzeugen. Deutliche Veränderungen der Farbsättigung oder ausgeprägte Farbverschiebungen, wie sie bei anderen Panel-Technologien auftreten können, sind bei IPS-Panels konstruktionsbedingt deutlich geringer ausgeprägt und auch hier nicht zu beobachten.

Besonders positiv fällt auf, dass insbesondere in der Horizontalen die Farbtemperatur weitgehend stabil bleibt. Sogar bei größeren seitlichen Betrachtungswinkeln treten keine erkennbaren Verfärbungen auf. Der wahrnehmbare Helligkeitsverlust bleibt ferner selbst bei extremen Blickwinkeln vergleichsweise moderat.

Lediglich bei der Betrachtung von oben zeigt sich eine subtile Veränderung der Farbtemperatur. Sie ist sichtbar, wirkt sich jedoch nicht störend auf die Gesamtfarbwiedergabe aus. Die Farbdarstellung bleibt insgesamt stimmig und konsistent.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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