Kann sich das 21:9-Format etablieren?

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Einleitung

Formate wechseln über Jahrzehnte und gehen zunehmend in die Breite. Nun ist das 21:9-Format auf dem Vormarsch, das Kino ohne Trauerbalken, Spiele mit mehr Sichtweite ermöglicht und Mehrschirmsystemen den Kampf ansagt. Ist das perfekte Format gefunden?

Das Seitenverhältnis 4:3 ist vielen aus den vergangenen Jahren bekannt. Es ist so gut wie vom Markt verschwunden. Mittlerweile dominieren 16:10 und zunehmend 16:9 Monitore die Schreibtische im Office oder heimischen Wohnzimmer. Neuerdings sind 21:9-Bildschirme auf dem Vormarsch und verlocken durch ihr balkenfreies Kinovergnügen, erweiterte Sicht in Spielen und genügend Platz in Anwendungen.

Lohnt ein Bildschirm im 16:10- oder 16:9-Format überhaupt noch? Hält das 21:9-Format was es verspricht? Hat es Defizite? Wir haben uns diesen Fragen einmal gewidmet.

Bild zeigt die Seitenformate 4:3, 16:10 und 16:9 im Vergleich
Setzt sich 21:9 gegen die anderen Seitenverhältnisse durch? (Bild: NEC, Dell, Samsung)

Mehr als nur ein Format

21:9 bietet gegenüber den anderen Formaten nicht nur mehr Sicht in Spielen und balkenfreies Kinoerlebnis, sondern ersetzt ab einer Größe von 34 Zoll auch locker Multiple-Monitor-Lösungen. Wer eine Mehrschirmlösung besitzt, wird nicht zwingend auf das neue Größenverhältnis umsteigen müssen. Dennoch gibt es Argumente für die smarte Lösung wie ein geringerer Stromverbrauch, ein Signalkabel zur Grafikkarte, weniger Kabelsalat und einen übersichtlich gestalteten Arbeitsplatz. Darüber hinaus ist ein 21:9-Schirm verlockend, wenn er mit einer höheren Auflösung ab 3K daherkommt. Zudem lassen sich die Schirme dank schmalem Rahmen auch als Mehrschirmsysteme nutzen.

Vorreiter in diesem Segment ist LG mit seinem Modell namens 34UM95-P in 34 Zoll. Mit seiner Auflösung von 3440 mal 1440 Pixeln und seinem blinkwinkelstabilen AH-IPS-Panel, wobei die Abkürzungen AH für „Advanced High Performance“ und IPS für „In-Plane Switching“ stehen, ist er für Windows- wie auch Mac-Rechner bestens geeignet. Vor kurzem hat PRAD den 34UM95-P ausführlich getestet und konnten eine sehr gute Wertung vergeben.

PRAD: Hands on LG UltraWide 34UM95-P

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Hands on LG UtraWide 34UM95-P (Video)

Jedoch ist das Vergnügen mit etwa 700 Euro nicht ganz günstig. Erschwinglicher wird da der LG 34UM65-P mit einer Auflösung von 2560 mal 1080 Pixeln. Er bietet für knapp 500,00 Euro alles was das Auge begehrt. Auch den LG 34UM65-P hat PRAD bereits ausführlich getestet und für gut befunden. Angekündigt wurde auch ein 34-Zoll-Monitor von AOC, allerdings ist der Liefertermin noch unbestimmt.

Bild zeigt den 34-Zoll-Monitor LG 34UM65-P
Der LG 34UM65-P bietet zwar keine 3K-Auflösung wie der LG 34UM95-P, dafür bietet er aber Kinoformat in 34 Zoll für knapp über 500,00 Euro (Bild: LG)

Natürlich gibt es 21:9-Modelle auch in anderen Größen, wie 25 oder 29 Zoll. Insbesondere in 29 Zoll gibt es momentan auch deutlich mehr Markenvielfalt. Ob der Dell UltraSharp U2913WM, ASUS PB298Q, AOC q2963Pm, Hazro HZ29WiA, Acer B296CLbmiidprz, Philips 298P4QJEB, Lenovo ThinkVision LT2934z oder LG Electronics Modelle wie der 29EA93-P – sie alle bieten 2560 mal 1080 Pixel auf 29 Zoll an. Das ist die perfekte Größe bei einem Sitzabstand von mindestens 50 Zentimeter. Gleiches gilt auch für 34 Zoll mit 3440 mal 1440 Pixeln, allerdings ist beim 34 Zoll Modell mit 2560 mal 1080 Pixeln mindestens 70 Zentimeter Abstand zu empfehlen.

Bild zeigt einen 21:9-Monitor mit IPS-Panel von Asus
Alle bisherigen 21:9-Modelle verwenden IPS-Panel (Bild: Asus)

Spiele neu erleben

Auf dem PC profitieren Besitzer eines 21:9-Monitors deutlich: Im Praxistest liefen alle Spiele reibungslos im Breitbild. Ob Diablo 3 (Vollbild-Fenstermodus), Company of Heroes 2, GRID 2, Watch Dogs, GTA IV, Street Fighter 4, Anno 2070, Crysis 3 oder FIFA 14 – sie alle profitieren vom Kinoformat immens.

Bild zeigt das Spiel Diablo 3 im 21:9 Format mit mehr Sichtweite.
Diablo 3 im 21:9 Format mit mehr Sichtweite
Bild zeigt das Spiel Diablo 3 im 16:9-Format mit herkömmlicher Sichtweite.
Diablo 3 im 16:9-Format mit herkömmlicher Sichtweite

Nur die Menüs in manchen Spielen sind für Auflösungen über 1920 mal 1080 Pixeln nicht ausgelegt. Aber das fällt nicht weiter ins Gewicht. Und ja, das mehr an Breite bietet im Multiplayer-Einsatz etwas mehr Übersicht, aber das ist sicherlich kein unfairer Vorteil und ist definitiv nicht als Cheat zu betrachten. Sicherlich muss das Format bei eSport-Events wie der ESL (Abk. für Electronic Sports League) einheitlich sein, damit die Ausgangsbedingungen absolut gleich sind.

Daher kann für PC-Spieler nur die absolute Kaufempfehlung ausgesprochen werden, da die derzeitigen AH-IPS-Panels eine gute Reaktionszeit aufweisen. Hardcoregamer müssen wohl noch warten, wenn sie ein sehr schnelles 34-Zoll-Display im 21:9-Format möchten. Derzeit ist keines auf dem Markt, was eine sehr schnelle Reaktionszeit hätte oder gar 120 Hertz aufweist.

Der neue LG 34UC97-S von LG ist sozusagen die gekrümmte Variante des 34UM95-P und soll sich auch zum Spielen eignen. Allerdings beträgt auch hier die Bildwiederholungsfrequenz lediglich 60 Hertz, was die Eignung für Hardcorezocker doch eher unwahrschinlich erscheinen lässt.

Der LG 34UC97-S soll sich auch zum Spielen eignen. (Bild: LG)
Der LG 34UC97-S soll sich auch zum Spielen eignen (Bild: LG)

Dagegen gehen Konsolenspieler leer aus. Hier werden sich die Anhänger wohl noch gedulden müssen, bis die Sony PlayStation, Microsoft oder Nintendo entsprechenden Support liefern.

Filme balkenfrei schauen

Hersteller werben vor allem damit, dass Filmfreunde durch das 2.37 zu 1 Seitenverhältnis keine schwarzen Balken mehr sehen, wie es bei 16:9, 16:10 oder 4:3 Monitoren üblich ist. In der Praxis funktionierte das mit dem LG 34UM65-P einwandfrei. Der beliebte VLC Mediaplayer stellt 720p oder 1080p korrekt dar –ohne Balken. Auch Untertitel werden korrekt angezeigt.

Bild zeigt eine Grafik mit Vergleich der Seitenverhältnis 4:3, 16:9 und 21:9
Das grüne Feld stellt das Seitenverhältnis 4:3, das rote 16:9 und blaue Feld 21:9 dar (Bild: Andreas Hornig; Lizenz: CC BY-SA 3.0)

DVD- und SD-Inhalte werden in der originalen Größe angezeigt. Der Film ist dann von schwarzen Balken umgeben. Jedoch lässt sich das Video mit der Zoom-Funktion des VLC Media Players oder MPC-HC-Players vergrößern. Zwar büßt man Bildmaterial oben und unten ein, aber das stört in der Praxis bei einem Sitzabstand von zwei bis drei Metern wohl die wenigsten Zuschauer.

Beim Fernsehen via Kabel, Satellit oder Internet sind ebenso links und rechts Balken zu sehen. Bei YouTube ist es mehr oder weniger Glücksache, in welchem Seitenverhältnis das Video vorliegt. Dennoch sind viele Kinotrailer im richtigen Format zu finden. Wünschenswert wäre bei YouTube eine Zoomfunktion, um kleinere Inhalte zu maximieren.

Für diejenigen, die größtenteils nur Kinofilme schauen, sind die 21:9-Monitore optimal. Wer allerdings mehr Fernsehen konsumiert, sollte lieber doch überlegen, sich einen 16:9-Bildschirm zu holen, da HDTV-Inhalte wie Breaking Bad oder Game of Thrones größtenteils in diesem Seitenverhältnis produziert werden.

Bild zeigt den ersten 21:9-Fernseher von Philips
Der erste 21:9-Fernseher von Philips, der dazu noch mit Ambilight ausgestattet ist (Bild: Philips)

Für einen PC-Monitor liefern LGs 34 Zoll Monitore ein verhältnismäßig großes Kinobild, da ein 16:9-Fernseher für die gleiche Bildgröße 36 Zoll groß sein muss. Noch vielversprechender dürften die bald auf der IFA zu sehenden Modelle LG 34UC97-S und LG 31MU97-B im Curved Design sein. Durch die gewölbte Anzeige wird man noch mehr in das Geschehen hineingezogen. Dabei liefert der 31MU97-B satte 4k mit 4096 mal 2160 Pixeln.

Zweifelsohne sieht es bei Fernsehergeräten noch extrem spärlich aus mit 21:9. Seit 2011 gibt es bereits den Philips 58PFL9956H, der anfangs mit knapp 3.800,00 Euro startete und mittlerweile mit 2.000,00 Euro etwas erschwinglicher geworden ist. Doch seitdem war es lange still geworden, um das innovative Kinoformat. Auf dem US-Markt sind 21:9 TVs mit einer Auflösung von 2560 mal 1080 Pixeln ebenso von Vizio erhältlich. Für die schlappe im Fernsehersegment dürften die Sendungen verantwortlich sein, die eben nicht im Kinoformat ausgestrahlt werden. Für die meisten Zuschauer wohl ein Grund, die Finger von diesem Format zulassen.

Bild zeigt Kinofernseher von Samsung
Samsungs Kinofernseher ist schön anzuschauen – und dabei wird es wohl bleiben. Luxus pur! (Bild: Samsung)

Seit kurzem bietet Samsung zwar auch ein gekrümmten Display mit einer Diagonale von 2,66 Metern (105 Zoll) an, doch kostet der Samsung UHD TV UE105S9W Timeless stolze 120.000,00 Euro. Filmliebhaber müssen dann wohl auf Philips oder auf LGs 34-Zoll-Geräte zurückgreifen.

Wer Beamer bevorzugt und Kinoformat wünscht, hat die Möglichkeit beispielsweise auf Projektoren der Hersteller Digital Projection, Projection Design und Avielo zurückgreifen. Die Geräte sind mit DLP-Chip und sphärischer Linse ausgestattet, wodurch das Seitenverhältnis ohne Probleme angepasst werden kann. Beim M-Vision Cine 400 von Digital Projection kann man das Seitenverhältnis zwischen 1.85 und 2,40 variieren.

Bild zeigt den Vision Cine 400 von Digital Projection Beamer
Der M-Vision Cine 400 von Digital Projection bietet Kinoformat auf der Leinwand (Bild: Digital Projection)

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