Kernmerkmale eines Monitors: Größe, Format und Auflösung

Aufbauend auf unseren Grundlagenartikel "Auflösung – welche ist die richtige?" wollen wir in dieser Kaufberatung einen anderen Blickwinkel in den Vordergrund stellen und uns auf die Kernmerkmale eines Displays – nämlich Format, Display-Größe und Auflösung – konzentrieren

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Einleitung

Üblicherweise geht man in einer Kaufberatung immer von einem bestimmten Einsatzzweck wie Gaming oder Bildbearbeitung aus. Viele unserer Leser nutzen ihren Monitor aber für ganz unterschiedliche Zwecke, und der Wunsch nach mehr Display-Fläche und/oder einer höheren Auflösung steht meist am Anfang der Überlegungen.

Aufbauend auf unseren Grundlagenartikel „Auflösung – welche ist die richtige?“ wollen wir hier daher einen anderen Blickwinkel in den Vordergrund stellen und uns auf die Kernmerkmale eines Displays – nämlich Format, Display-Größe und Auflösung – konzentrieren.
Wie hoch eine Auflösung tatsächlich ist, lässt sich erst in Verbindung mit der Display-Größe aussagekräftig beurteilen. Technisch gesehen gibt die ppi-Angabe darüber Auskunft. Welchen Nutzen diese Auflösung dann stiftet, hängt zum einen vom Betrachtungsabstand und zum anderen vom individuellen Sehvermögen ab. Um die hohe Auflösung des Displays auch wirklich voll ausnutzen zu können, brauchen wir ferner Eingangsmaterial, das seinerseits bei Auflösung und Qualität mithalten kann.

Wie man ganz gut für sich selbst die passende Auflösung für verschiedene Geräte bzw. Display-Größen bestimmen kann, haben wir bereits in unserem Grundlagenartikel „Auflösung – welche ist die richtige?“ gezeigt. Pauschal kann man zumindest sagen, dass 300 ppi aus dem Abstand, in dem man normalerweise eine Zeitschrift liest, schon sehr, sehr gut sind. Bei Monitoren am Schreibtisch fällt nach unserer Einschätzung der sichtbare Mehrwert ab 150 ppi nur noch sehr gering aus.

In der Realität kann man sich natürlich sein Display nicht hinsichtlich Größe und Auflösung nach Maß bestellen. Auch die OS-Skalierung ist in Windows 10 (1709) im Vergleich zu Windows 7 zwar sukzessive verbessert worden, aber nach wie vor nicht stufenlos möglich.

Im Folgenden möchten wir daher eine – zwangsläufig sehr subjektive – Einschätzung zu gängigen Display-Größen, -Formaten und -Auflösungen geben. Dabei geht es nicht nur um die Auflösung, sondern auch um die Einschätzung von Produktivitätsvorteilen und das Zusammenspiel in Multi-Monitor-Systemen.

Wir verwenden dabei die 24-Zoll-Größe mit Full-HD-Auflösung als Referenzpunkt, um davon ausgehend die Vorteile von höheren Auflösungen und Display-Diagonalen aus unserer subjektiven Test-Erfahrung aufzuzeigen. Der Betrachtungsabstand liegt am Schreibtisch typischerweise bei 60 bis 70 cm. Er mag individuell unterschiedlich ausfallen, ist ab auch dann zumindest gleichbleibend.

24 Zoll, 16:9

In Verbindung mit der Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) im 16:9-Format ist das nach wie vor der Standardmonitor auf vielen Schreibtischen. Die für den Schreibtisch eigentlich bessere 16:10-Variante (1920 x 1200 Pixel) ist mittlerweile leider etwas in Vergessenheit geraten und bei größeren Display-Diagonalen praktisch gar nicht zu finden. Die zusätzlichen 120 Pixel in der Höhe machen aber einiges aus – vor allem beim Arbeiten mit DIN-A4-Dokumenten in der Vollbildansicht. Die Pixelgröße ist in der Regel identisch.

Die empfohlene OS-Skalierung steht hier auf 100 % (es findet also keine statt). Das sind die Icon- und Schriftgröße, die wir gewohnt sind. Mit dieser Auflösung haben wir auch jahrelang stundenlang gearbeitet, ohne uns über Unschärfe oder pixelige Darstellung zu beklagen. Nichtsdestoweniger sind 92 ppi schon noch recht mager. Achtet man am Desktop genauer darauf, sind unschwer die Treppen-Effekte bei den Schriften zu erkennen – erst recht, wenn man sämtliche ClearType- und Glättungseffekte abschaltet.

Eine höhere Auflösung beim nächsten Upgrade des Monitors bringt daher einen sofort spürbaren Mehrwert, der auch auffällt, wenn man die Geräte nicht zum direkten Vergleich nebeneinander stellt.

Die QHD-Auflösung ist hier leider bislang kaum anzufinden. Auch 4K ist in 24 Zoll eher selten und meist sehr teuer. Hier wäre beispielsweise der EIZO CG248-4K ColorEdge zu nennen – ein Spezialist für Profi-Fotografen und Bildbearbeiter, der immerhin mit knapp 2.150 EUR zu Buche schlägt. Mit 185 ppi liegt die Auflösung zwar immer noch nicht auf dem Niveau eines FineArt-Prints, wer beruflich nach Pixelfehlern von Kamerasensoren sucht, wird sich aber hier in der 100%-Ansicht der Bilddateien sehr, sehr schwertun. Bei einer Pixelgröße von nur 0,14 x 0,14 mm ist das ein harter Job.

Bei der empfohlenen 200%-OS-Skalierung ist die Desktop-Darstellung hinsichtlich Größe wie gewohnt, nur eben extrem scharf.

27 Zoll, 16:9

Insgesamt nach 24 Zoll der logische nächste Schritt. Man bekommt deutlich mehr Platz für das Multitasking, ohne dass das Display überzogen groß und die Blickwinkel zu den Bildrändern übermäßig flach werden. Insbesondere das Arbeiten mit Office-Dokumenten, die Bildauswahl in der Bibliothek von Lightroom etc. profitieren erheblich von der größeren Fläche.

In der Höhe wächst die sichtbare Bildfläche im Vergleich zu einem 24-Zoll-Monitor im 16:10-Format allerdings kaum – von 32,4 cm auf 33,6 cm. Im Vergleich zu einem 24-Zöller im 16:9-Format sind es immerhin 4 cm (von 29,6 cm auf 33,6 cm). Den größten Zugewinn bekommt man in der Bildbreite (52,7 cm auf 59,7 cm), was sich beim Arbeiten mit zwei Fenstern und bei den Seitenleisten in der EBV sehr deutlich bemerkbar macht.

Full HD ist hier eindeutig zu wenig, außer man nutzt das Gerät nur für gelegentlichen Bürokram und ansonsten eher zu Unterhaltungszwecken aus größerem Abstand.

QHD scheint hier aktuell die Auflösung mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu sein. Nicht umsonst bietet EIZO seine beiden relativ neuen Color-Edge-27-Zöller – EIZO CG2730 und CS2730 – „nur“ in QHD-Auflösung an. Aus unserer Sicht ist der CG2730 (1.580 EUR) im Vergleich zum CG248-4K (2.150 EUR) in vielen Anwendungsfällen die bessere Wahl.

Damit sind nicht nur die genannten Geräte von EIZO gemeint, sondern generell 27-Zoll-QHD gegenüber 24-Zoll-4K bei gleichem Preis. Ob man von der größeren Display-Diagonalen oder von der 4K-Auflösung mehr profitiert, kann natürlich individuell sehr unterschiedlich gesehen werden.

Die Auflösung/Schärfe ist im Vergleich zum Standard-24-Zöller mit 109 ppi spürbar besser, der Sprung ist aber auch nicht riesig. Wer bei Texten genau hinsieht, wird sicher noch Treppen-Effekte ausmachen können.

Positiv ist bei QHD die OS-Skalierung. Bei den empfohlenen 100% verkleinern sich Icons und Schriften zwar etwas, sind aber immer noch groß genug. Dadurch hat man im Gegenzug erheblich mehr Platz auf dem Desktop und in der Taskleiste unten zur Verfügung. Der Multi-Monitor-Betrieb mit 24-Zoll-Full-HD oder 32-Zoll-4K ist problemlos, da alle Geräte mit 100% die gleiche OS-Skalierung haben können.

4K ist hier mit „nur“ 163 ppi naturgemäß nicht ganz so hochauflösend wie beim 24-Zöller. Aus Sicht des Autors bleiben in puncto Schärfe dennoch keine Wünsche mehr offen. Der Sprung von QHD fällt aber schon noch positiv auf. Wer stundenlang Texte am Bildschirm liest oder viel mit filigranen Grafiken arbeitet (etwa im CAD-Bereich), der wird hier die 4K-Auflösung zu schätzen wissen.

Bezogen auf die EBV haben wir uns den Unterschied im direkten Vergleich von EIZO CG2730 mit EIZO EV2785 (4K) einmal genauer angeschaut. Für den QHD-vs.-4K-Vergleich eignen sich die beiden Geräte besonders gut, da EIZO komplett auf Schärferegler verzichtet und man so quasi die nackte Wahrheit zu sehen bekommt.

Zunächst haben wir mehrere hochauflösende Fotos (36 bis 45 Mpix) in Lightroom verglichen. In der Vollbildansicht scheint die Darstellung am 4K-Bildschirm tendenziell vor allem in Bereichen mit sehr feinen Details (Haare, Wimpern etc.) etwas schärfer zu sein. Da wir bei der Vollbildansicht mehr Pixel in der Datei haben, als angezeigt werden, muss Lightroom aber skalieren. Insofern kann das Ergebnis bei jeder Anwendung anders auffallen.

Beim Hineinzoomen in die 100%-Ansicht fällt mit 4K-Auflösung selbst bei 45-Mpix-Dateien das „Vergrößerungspotenzial“ bei Weitem nicht mehr so beeindruckend aus wie bei Full HD. QHD ist dagegen ein guter Kompromiss.

In der 100%-Ansicht ist die Darstellung mit 4K also naturgegeben kleiner, wirkt dafür in LR subjektiv wieder merklich schärfer.

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