Lesertest i1Display Pro: Richtige Positionierung wichtig

Ben Bischoff machte die Erfahrung, dass die richtige Positionierung des Kolorimeters für ein optimales Ergebnis entscheidend ist

0
152

Vorwort

Bevor ich auf den eigentlichen Test des Kolorimeters von X-Rite eingehe, möchte ich ein paar Worte über mich und meine Ausgangslage verlieren. Ich bin als Fotograf in Nebentätigkeit hauptsächlich mit dem Fotografieren von Menschen beschäftigt. Zum einen im Bereich der Familienfotos im Dokumentationsstil, zum anderen im Bereich Business-Porträts. Mit Farbmanagement als solches habe ich mich bisher noch nie eingehender beschäftigt. An meinem Arbeitsplatz sind zwei verschiedene Monitore angeschlossen, zum einen mein Standardmonitor, ein Dell U2515H, und zum anderen mein Bildbearbeitungsmonitor, ein BenQ SW2700PT. Letztgenannten habe ich mir eigentlich aufgrund seiner guten Abdeckung der Farbräume sRGB und Adobe RGB sowie der Hardware-Kalibrierung gekauft. Leider haben schon seit der Inbetriebnahme beide Bildschirme unterschiedliche Farben in der Anzeige.

Mein aktueller Workflow vor dem Testbeginn sah wie folgt aus: Wann immer ich ein Bild retuschiert habe, legte ich es auf einem Online-Speicher ab und prüfte anschließend am Dell-Monitor, iPhone und iPad die Farbe gegen. Meistens stimmte das, was ich da sah, mit dem überein, was mein BenQ-Display mir anzeigte. Abweichungen gab es zumeist in der Helligkeit meiner Bilder und bei den Rottönen. Das hat mich hier und da zwar mal gestört, aber eben nicht so sehr, als dass ich mich dieses Problems angenommen hätte. Doch leider ist dieses Problem von Woche zu Woche gravierender geworden.

X-Rite i1Display Pro Umverpackung
X-Rite i1Display Pro Umverpackung
X-Rite i1Display Pro
X-Rite i1Display Pro

Vor wenigen Monaten bekam ich ein Kolorimeter einer anderen Firma aus einer Studio-Auflösung geschenkt und habe versucht, damit meinen Monitor zu kalibrieren. Das Endergebnis sah aber bisher immer schlechter aus, als mit den Werkseinstellungen des bereits ab Werk kalibrierten BenQ-Displays. Daher habe ich um dieses Thema weiterhin einen Bogen gemacht. Ich bin dann auf das Testangebot von PRAD gestolpert, habe mich beworben und wurde genommen und kam so in die Lage, mich der ganzen Sache erneut zu widmen und auch mit neuer Hardware kalibrieren zu können. Meine Erwartungen waren an sich recht hoch. Ich habe mir erhofft, dass ich mit dem Kolorimeter von X-Rite nicht nur ein deutlich besseres Ergebnis erziele, als bei der vorhergehenden Kalibrierung, sondern auch ein besseres Ergebnis, als es die Werkseinstellungen des Monitors bieten. Im besten Fall habe ich mir eine Farbdarstellung erhofft, über die ich mir in meinem Bild-Workflow künftig keine Gedanken mehr machen müsste.

Lieferumfang, Eckdaten und Einrichtung

Das X-Rite i1Display Pro kommt in einer schlichten Verpackung, und im Karton befinden sich nicht mehr als das Gerät selbst, ein Quick-Start-Guide und eine CD mit der Software. Da ich selbst kein CD-Laufwerk mehr im PC verbaut habe, lud ich die aktuelle Version der i1-Profiler-Software einfach herunter und installierte sie. Warum mir nach dem Download der aktuellsten Version von der Website aber noch ein Update angeboten wird, hat sich mir nicht erschlossen. Aber nun ja, das ist so weit ja kein Problem. Das X-Rite ist nicht nur für alle Monitortypen wie LED, Plasma und OLED geeignet, sondern sogar in der Lage, das Farbbild eines Beamers oder Scanners zu profilieren. Es bietet „Smart Control“, Flare-Korrektur und eben eine eigene Software für macOS und Windows. Das Gerät ist dabei sehr klein und portabel, man kann es zum Beispiel immer in der Laptop-Tasche mitführen. Lediglich in Sachen Verarbeitung hätte ich mir etwas mehr Augenmerk auf Haptik und Wertigkeit gewünscht, denn das ganze Gerät ist durchweg aus ziemlich leichtem Plastik gefertigt. Zwar macht es keinen labilen Eindruck, und für Mobilität ist das Gewicht natürlich wichtig, aber es fasst sich im Großen und Ganzen doch recht billig an.

i1-Profiler-Software mit Update nach Installation
i1-Profiler-Software mit Update nach Installation
i1Display Pro auf MacBook-Display
i1Display Pro auf MacBook-Display

Der Installationsprozess der Software ist ziemlich geradlinig und sollte niemanden vor eine ernsthafte Herausforderung stellen. Auch bei der Bedienung der Software kann man an und für sich nicht besonders viel falschmachen. Jeder Bedienschalter der Software ist quasi selbsterklärend, und auch im Mess- und Kalibrationsprozess haben sich mir keine Hürden entgegengestellt. Es waren also lediglich ein paar Klicks, um das i1Display Pro anzuschließen und mit dem Gegengewicht zu fixieren. Weitere Klicks, und ich hatte die erste Kalibrierung im automatischen Modus durchgeführt.

Ergebnisse, Probleme und Spaltmaß

Das Ergebnis der ersten Kalibrierung war ernüchternd. Die Farben waren irgendwie mit Blaustich übersättigt, die Helligkeit extrem niedrig, und das alles sah so überhaupt nicht nach dem aus, was ich mir erwartet hatte. Man zweifelt ja bei so einer Sache dann immer etwas an sich selbst, und so habe ich die Kalibrierung drei weitere Male durchgeführt. In allen Fällen sah das Endergebnis nicht nur schlecht und falsch aus, sondern jedes Mal auch anders als die Male zuvor.

Eine Kalibrierung läuft folgendermaßen ab: Zunächst wird man bei der Durchführung gebeten, das X-Rite i1Display Pro zu öffnen und die Abdeckung auf die entgegengesetzte Seite zu drehen. Anschließend wird das Kolorimeter mithilfe eines Gegengewichtes am Kabel mittig auf das Display gesetzt. Über die Software kann nun gemessen und kalibriert werden. Das Gerät beherrscht dabei vor allem mehrere Displays, „Wide Gamut“ und die uneingeschränkte Steuerung von Weißpunkt, Leuchtdichte, Kontrastverhältnis, Gamma und vielem mehr.

i1Display Pro auf dem Monitor
i1Display Pro auf dem Monitor
i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung
i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung

Bei den Kollegen von X-Rite stand man mir in Sachen Support sehr schnell zur Seite, und bevor sie aus der entsprechenden Abteilung eine Lösung finden konnten, habe ich den Fehler selbst identifizieren können. Mein Monitor ist mit einer durchgehenden Sonnenblende ausgestattet. Um ein Kalibrierungsgerät verwenden zu können, hat diese in der Mitte oben einen Durchlass, der separat geöffnet werden kann. Wenn man nun das Gegengewicht nach hinten über das Display führt, sorgt die Position des Durchlasses dafür, dass das i1Display Pro nicht komplett auf der Monitorfläche aufliegt, sondern immer ein kleines Spaltmaß vorhanden ist. Dieser Fehler ist mir leider bei allen Versuchen passiert. Erst als ich mit etwas Klebeband das Kolorimeter am Display fixiert hatte, zeigte die Kalibrierung einen Treffer.

Von da an sah jede weitere Kalibrierung nicht nur richtig aus, sondern war gleich mit den vorangegangenen Versuchen. Ich habe dann auch mal ausprobiert, wie sich denn das Hersteller-Tool „Palette Master“ mit dem neuen Gerät bedienen lässt. „Palette Master“ ist nämlich mit diversen Kolorimetern verschiedener Hersteller bedienbar, und mit diesem Tool bin ich zum gleichen Ergebnis gekommen. Allerdings ist die Bedienung dieser Software deutlich umständlicher als die von „i1 Profiler“, und so habe ich mich hier für die Suite von X-Rite entschieden.

i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung am MacBook
i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung am MacBook
i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung am Bildbearbeitungsmonitor
i1Display Pro bei Umgebungslichtmessung am Bildbearbeitungsmonitor

Interessant waren für mich besonders die Messung und der Einfluss des Umgebungslichtes durch das X-Rite i1Display Pro. Vor einigen Jahren hatte man mir mal zu einer Kalibrierung des Monitors gesagt, dass man sein Display eigentlich vor jeder Bildbearbeitung neu kalibrieren müsse, denn Farben und Licht verändern sich über den Tag hinweg durchaus. Genau dafür bringt das X-Rite-System die Technik „Smart Control“ mit, bei der eine kontinuierliche Messung und der damit einhergehende Ausgleich des Tageslichtes durchgeführt wird. Ohne dass ich mir also einen Kopf über das Licht und die Farben machen muss, kann ich künftig meinen Bildbearbeitungs-Workflow einfach durchziehen und mich eben auf die Farben verlassen. Damit hat das i1Display Pro seinen Auftrag erfüllt.

i1-Profiler-Software vor der Kalibrierung
i1-Profiler-Software vor der Kalibrierung