Lesertest i1Display Pro: Vergleich mit anderem Kolorimeter
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Lutz Wichert vergleicht das i1Display Pro in seinem Lesertest mit dem Spyder 5 Elite und führt eine Hardwarekalibrierung durch (Werbung)

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Beurteilung der Profilierung

Nachdem beide zu prüfenden Monitore einmal auf dem stationären Rechner und auf dem Laptop profiliert worden sind, kann die Beurteilung der Profilierung stattfinden. Da die Monitore vorab auf Werkseinstellungen zurückgestellt wurden, ist schon der Unterschied der Bildschirmhelligkeit ein Augenöffner. Heutige Monitore werden mit einer viel zu hohen Bildschirmhelligkeit als Standardwert ausgeliefert. Dies ist meiner Meinung nach als schädlich für die Augen zu bezeichnen. Wenn man die im Rahmen der Profilierung eingestellte geringere Helligkeit eine Zeit verwendet hat, stellt man fest, dass die Augen bei längerer Bildschirmzeit viel weniger ermüden.

Auch die Farbabstimmung ist nach der Profilierung um einiges stimmiger. Gerade Hautfarben erscheinen wesentlich natürlicher. Beurteilen kann man dies zum einen an dem Beispielbild in der X-Rite-Software, auf dem man einen direkten Vergleich sieht. Zum anderen habe ich aufgrund der fotografischen Tätigkeit etliche Porträtbilder, bei denen man den Unterschied sofort sieht. In der Werkseinstellung sind Farben zu intensiv und vom Gefühl eher ins Blaue verschoben. Gerade bei Bildern von Menschen kann man dies gut feststellen. Der Unterschied ist auf dem Samsung C32HG70 zudem viel deutlicher zu sehen als auf dem BenQ SW320. Letzterer kommt mit einer wesentlich akkurateren Werkskalibrierung daher, da er auf Fotografen zugeschnitten ist. Insgesamt gewinnt der Samsung-Monitor durch die Profilierung mit dem i1Display Pro deutlich an Farbverbindlichkeit und eignet sich so auch für einfache Bildbearbeitung.

Bilder sehen nach der Profilierung auf beiden Monitoren nahezu identisch aus, egal ob sie vom Laptop oder vom stationären Rechner zugespielt werden. Nur nahezu identisch, da in beiden Bildschirmen unterschiedliche Display-Technologie zum Einsatz kommt (IPS im BenQ gegen VA im Samsung) und der BenQ bei der Arbeit in Photoshop einen erweiterten Farbraum darstellt sowie eine 4K-Auflösung bietet. Eine 100-Prozent-Übereinstimmung ist somit meiner Meinung nach nicht machbar. Die Angleichung der Farben ist aber deutlich zu sehen. Sinn und Zweck der Profilierung sind dadurch also absolut erfüllt.

Vergleich zum Spyder 5 Elite

Vor dem Test habe ich die die beiden Monitore auf Werkseinstellung zurückgesetzt und ein Profil mit dem Spyder 5 erzeugt. So konnte ich nach dem Test mit dem i1Display Pro zwischen den vorhandenen ICC-Profilen in Windows wechseln, um Unterschiede aufzudecken.

Die Profile unterscheiden sich gefühlt nur in winzigen Nuancen bei den Hautfarben. Ich bezweifle aber, dass solch geringe Unterschiede von anderen Betrachtern oder ohne Eins-zu-eins-Gegenüberstellung wahrgenommen werden können. Eine Auswirkung auf die Bilder haben die Unterschiede in keinem Fall, und die Beurteilung der Profile ist höchst subjektiv. Mir gefällt auf den ersten Blick das Ergebnis des i1Display Pro etwas besser. Werden die Bilder nach der Bearbeitung aber in einen kleineren Farbraum – hier von Adobe RGB nach sRGB – ausgegeben, ist ein Unterschied nicht mehr feststellbar.

Insofern sind beide Kolorimeter meiner Meinung nach ebenbürtig und erfüllen ihren Sinn und Zweck. Die grafische Oberfläche von Datacolor für die Profilierung ist aber in jedem Fall ansprechender.

Hardware-Kalibrierung des BenQ SW320

Der BenQ-Monitor kann mit der Hersteller-eigenen Software Palette Master Element ebenfalls profiliert werden, und die erreichten Ergebnisse können dann direkt im Monitor gespeichert werden. Auf diese Art und Weise ist man unabhängig vom angeschlossenen Computer und Betriebssystem.

Für die eigentliche Profilierung muss das i1Display Pro direkt an einen USB-Port des Monitors angeschlossen werden. Die Optionen sind ähnlich zur Software von X-Rite. Der eigentliche Profilierungsvorgang dauert aber mit fast zehn Minuten ein Stück länger. Die Ergebnisse sind nahezu identisch zur oben beschriebenen Profilierung, daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein.

Fazit: Farbtreue auf hohem Niveau!

Mit dem i1Display Pro hat X-Rite alles richtig gemacht. Man kauft ein Stück hervorragende Hardware inklusive der dazugehörigen Software und hat das Gefühl, dass man auch zukünftige Updates bekommt. Eine Tatsache, die sich in dem kostenpflichtigen Update- und Abowahn der heutigen Zeit (auch wenn er hier und da berechtigt ist) gut anfühlt.

Der Lieferumfang ist ausreichend und dem Preis angemessen. Einzig eine etwas ausführlichere Anleitung würde ich mir für den Preis wünschen. X-Rite beschreibt aber alles für die Profilierung Notwendige vorbildlich auf der Homepage, bietet Schulungen vor Ort (gegen Gebühr), kostenfreie Online-Schulungen und etliche YouTube-Tutorials an. Vorbildlich – und man merkt, dass Anwender länger bei dem Hersteller verweilen sollen.
Die Verarbeitungsqualität des Kolorimeters ist ohne Tadel. Gerade das Gegengewicht am USB-Kabel lässt sich sehr einfach justieren, und meiner Meinung nach lässt sich das i1Display Pro leichter auf den Monitor einstellen. Beim Spyder 5 habe ich eher Probleme, das Gerät flach aufzulegen. Das Kolorimeter steht gefühlt immer etwas vom Monitor ab.

Die eigentliche Soft- und Hardware funktionieren perfekt für erfahrene Anwender, auch mit Hersteller-fremden Programmen wie der Monitor-Software von BenQ. Einsteiger sollten ggf. vorab einen Blick in die genannten Tutorials werfen.

Die Profilierungs-Ergebnisse sind absolut genial. Auch bei Monitoren, die nicht für farbverbindliche Arbeiten ausgelegt sind, wird das Maximum an Farbtreue herausgeholt. Ein Arbeiten an einem profilierten Bildschirm macht einfach Spaß, auch weil man sich der vorhandenen Helligkeit so erst bewusst wird. Für Fotografen ist eine solche Profilierung fast schon Pflicht, damit man Farben korrekt beurteilen kann. Aber auch für andere Benutzer, die gern Bilder ausdrucken und/oder bestellen oder die einfach nur sicher sein wollen, dass die korrekten Farben dargestellt werden, ist ein Einsatz sinnvoll.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier absolut in Ordnung. Im Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt von Datacolor (hier muss man vom Funktionsumfang den Spyder 5 Elite heranziehen) ist das i1Display Pro etwas teurer. Der aufgerufene Preis ist aber in jedem Fall gerechtfertigt.

Die Ergebnisse sind vergleichbar. Die Software von Datacolor ist für Einsteiger einen Tick intuitiver zu bedienen und von der Oberfläche her doch etwas ansprechender.

Für Personen, die viel mit Bildern arbeiten, ist der Kauf eines Kolorimeters Pflicht. Das i1Display Pro kann ich hier absolut empfehlen. Um einen Überblick über die Software zu bekommen, empfehle ich Kaufinteressenten, sich Tutorials der genannten Produkte anzuschauen. So bekommt man ein Gefühl dafür, welche Software einem eher zusagt.

Bewertung

4.8

(SEHR GUT)

Weiterführende Links zum Thema

Lesertest X-Rite i1Display Pro: Für Fotografen ein Muss

Lesertest i1Display Pro: Kompatibilität zu Argyll CMS/DisplayCAL (Frank Entz)

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Lesertest i1Display Pro: Vergleich mit anderem Kolorimeter (Lutz Wichert)

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X-Rite hat für diesen Lesertest den Testkandidaten Kolorimeter zur Verfügung gestellt, die nach dem Test beim jeweiligen Leser verbleiben. Aus diesem Grund ist der jeweilige Beitrag kennzeichnungspflichtig. Das bedeutet aber nicht, dass PRAD oder X-Rite in irgendeiner Form Einfluss auf die einzelnen Testberichte genommen hat. Diese wurden inhaltlich 1:1 so veröffentlicht, wie Sie uns von den Lesern bereitgestellt wurden.