Test Philips 27E3U7903: 5K-Multimedia-Monitor überzeugt
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Daisy-Chaining

Daisy-Chaining bezeichnet eine Verkabelungsart, bei der mehrere Monitore in Reihe geschaltet werden und nur der erste Bildschirm direkt mit dem Computer verbunden ist. Voraussetzung dafür ist, dass die Monitore – mit Ausnahme des letzten Geräts in der Kette – über einen entsprechenden DisplayPort- bzw. USB-C/Thunderbolt-Ausgang verfügen, um das Signal an das nächste Display weiterzureichen.

Der Vorteil dieser Methode liegt in der reduzierten Anzahl benötigter Videoausgänge am Rechner und in einer übersichtlicheren Kabelführung. Zu beachten sind jedoch die Bandbreitenbeschränkungen von Grafikkarte und Schnittstelle: Mit zunehmender Anzahl angeschlossener Monitore kann es erforderlich sein, die maximale Auflösung oder die Bildwiederholfrequenz zu reduzieren.

Einen dedizierten MST-Schalter („Multi-Stream Transport“) im OSD des Philips 27E3U7903 gibt es nicht. MST ist hier ab Werk aktiv. Sobald ein weiteres Gerät über den Thunderbolt-4-Ausgang angeschlossen wird, wird automatisch ein zusätzlicher Stream bereitgestellt. Ob die Monitore im Klon- oder Erweitern-Modus betrieben werden, wird – wie üblich – ausschließlich über das Betriebssystem festgelegt.

Die maximale Anzahl anschließbarer Monitore sowie die dabei möglichen Auflösungen und Bildwiederholfrequenzen werden in der Praxis weniger durch Thunderbolt 4 selbst begrenzt, sondern durch den verwendeten DisplayPort-Übertragungsmodus, der hier auf DisplayPort 1.4 basiert. Zusätzlich hängen die tatsächlich nutzbaren Konfigurationen maßgeblich vom Leistungsumfang der eingesetzten Grafikkarte ab.

Weiterführende Details zur Daisy-Chain-Funktion des Philips 27E3U7903 sind dem Handbuch zu entnehmen. Mit einer aktuellen, leistungsfähigen Grafikkarte sollten zwei 5K-Displays mit 60 Hz in der Praxis problemlos realisierbar sein.

Daisy-Chaining (Bild: Philips-Handbuch)
Daisy-Chaining (Bild: Philips-Handbuch)

USB-Hub und KVM-Switch

Der Philips 27E3U7903 integriert einen vollwertigen USB-Hub, der sich sowohl über Thunderbolt 4 als auch über den separaten USB-C-Upstream-Anschluss an den Rechner anbinden lässt. Auf der Downstream-Seite stehen dafür zwei USB-A-Buchsen und ein USB-C-Port mit Ladefunktion (bis 15 Watt) zur Verfügung. Damit können typische Peripheriegeräte wie Tastatur, Maus, externe Laufwerke oder Kartenleser direkt am Monitor angeschlossen werden, was den Verkabelungsaufwand auf dem Schreibtisch deutlich reduziert. In Kombination mit der integrierten RJ-45-Schnittstelle fungiert der Proband damit als zentrale Dockingstation für Notebooks und kompakte Arbeitsplatzrechner.

Ergänzend verfügt der Philips 27E3U7903 über einen integrierten KVM-Switch, der den Wechsel von Tastatur, Maus und weiteren USB-Geräten zwischen zwei angeschlossenen Systemen ermöglicht. In der Praxis können so unter anderem ein Desktop-PC über HDMI und ein Notebook über Thunderbolt oder USB-C parallel betrieben werden, während die Peripherie am Monitor verbleibt. Die Umschaltung erfolgt automatisch beim Wechsel des Eingangssignals. Bei Bedarf kann aber auch die Zuordnung der beiden Upstreams selbsterklärend über das OSD des Bildschirms konfiguriert werden. Damit eignet sich der Testkandidat nicht nur als Display, sondern auch als Schaltzentrale für Mehr-Rechner-Setups, ohne dass eine separate KVM-Box erforderlich ist.

Beim Ethernet-Anschluss handelt es sich formal um eine Gigabit-Schnittstelle. Wie wir bereits bei anderen Monitoren gesehen haben, bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass in der Praxis auch die volle Performance einer Gigabit-Verbindung erreicht wird. Bei einigen Implementierungen bricht die Datenrate bei größeren Downloads oder kontinuierlichen Transfers deutlich ein.

Netzwerk-Performance via Monitor
Netzwerk-Performance via Monitor

Beim Philips Brilliance 27E3U7903 ist dieses Verhalten jedoch nicht zu beobachten. Zwar zeigen sich auch hier kleinere kurzfristige Einbrüche, was in der Praxis normal ist. Und sie fallen beim Probanden etwas ausgeprägter aus als beim direkten Anschluss über die Netzwerkkarte des Mainboards. Die maximale Datenrate wird jedoch über weite Strecken zuverlässig erreicht. In der Praxis arbeitet der Ethernet-Port damit insgesamt unauffällig und ohne die teils deutlichen Performance-Probleme, die man von manchen Docking-Display-Lösungen kennt.

Netzwerk-Performance via Netzwerkkarte direkt
Netzwerk-Performance via Netzwerkkarte direkt

Multiview

Der Philips Brilliance 27E3U7903 unterstützt die Multiview-Funktion, mit der sich zwei Signalquellen gleichzeitig auf dem Display darstellen lassen. Dabei kann der Bildschirm entweder im Splitscreen-Modus (nebeneinander) oder im Picture-in-Picture-Modus (PiP) betrieben werden, bei dem eine zweite Quelle in einem frei positionierbaren Fenster über dem Hauptbild eingeblendet wird.

Als Eingangsquellen können die vorhandenen Videoanschlüsse – insbesondere Thunderbolt/USB-C und HDMI – miteinander kombiniert werden. Die Auswahl der Darstellungsart und der aktiven Eingänge erfolgt über das OSD des Monitors. In der Praxis eignet sich Multiview vor allem für paralleles Arbeiten mit zwei Systemen, etwa zur Kontrolle eines zweiten Rechners, für Präsentationszwecke oder zum gleichzeitigen Vergleich unterschiedlicher Inhalte.

Die Funktion arbeitet unabhängig vom Betriebssystem und wird vollständig im Monitor umgesetzt. In Verbindung mit dem integrierten KVM-Switch lässt sich die angeschlossene Peripherie zudem gezielt einem der beiden angezeigten Systeme zuweisen, was den Multiview-Betrieb im Arbeitsalltag deutlich vereinfacht.

Webcam

Der Philips Brilliance 27E3U7903 ist mit einer integrierten 5-MP-Webcam sowie Mikrofonen mit Geräuschunterdrückung ausgestattet und richtet sich damit auch an Anwender, die den Monitor regelmäßig für Videokonferenzen oder hybride Arbeitsumgebungen nutzen. Die Kamera ist fest im Gehäuse oberhalb des Panels integriert und nicht versenkbar. Unterstützt wird unter anderem Windows Hello zur Anmeldung per Gesichtserkennung. Ergänzend stehen softwareseitige Funktionen wie Auto-Framing und weitere Bildoptimierungen bereit.

Webcam von vorn
Webcam von vorn
Webcam von hinten
Webcam von hinten

In der Praxis liefert die Kamera eine solide, aber klar zweckorientierte Bildqualität. Für Videokonferenzen ist die Darstellung ausreichend, an die Qualität des Apple Studio Display mit seiner 12-MP-Kamera und aufwendigerer Signalverarbeitung reicht sie jedoch sichtbar nicht heran. Gegenüber guten externen USB-Webcams im mittleren bis oberen Preissegment bleibt der Philips 27E3U7903 ebenfalls zurück, insbesondere bei Detailauflösung, Dynamikumfang und Schwachlichtverhalten. Die integrierte Lösung ist damit in erster Linie auf Komfort und Integration ausgelegt, nicht auf maximale Bildqualität.

Ähnlich ordnen sich die integrierten Mikrofone ein. Sie sind für die Sprachübertragung in Meetings und Videokonferenzen gut geeignet und profitieren von einer aktiven Geräuschunterdrückung, können klanglich jedoch weder mit dedizierten Tischmikrofonen noch mit hochwertigen Headsets konkurrieren. Für den typischen (Home-)Office-Einsatz sind sie ausreichend, für anspruchsvollere Aufnahmen oder Streaming-Anwendungen hingegen nicht gedacht.

Ein klarer Pluspunkt des Philips 27E3U7903 ist der physische Schiebeschalter, mit dem Webcam und Mikrofon elektrisch getrennt werden können. Anders als bei rein softwarebasierten Deaktivierungen wird die Hardware hier tatsächlich vom System getrennt. Das ist aus Datenschutz- und Sicherheitsaspekten eine überzeugende Lösung und in dieser Form bei integrierten Monitor-Kameras keineswegs selbstverständlich.

In der Gesamtbetrachtung sind Webcam und Mikrofon des Philips Brilliance 27E3U7903 als praktische Komfortfunktionen zu verstehen: Sie machen für Standard-Meetings oft zusätzliche Geräte überflüssig, ersetzen jedoch weder die leistungsfähigere Kamera des Apple Studio Display noch hochwertige externe Lösungen, wenn es auf maximale Bild- oder Tonqualität ankommt.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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