Audiovisuelle Medienwiedergabe
SDR-Videowiedergabe
Mit seinem 16:9-Panel eignet sich der ViewSonic VP2788-5K grundsätzlich gut für die Wiedergabe klassischer Videoinhalte. Die native Auflösung von 5120 × 2880 Pixeln entspricht jedoch keinem gängigen Videoformat. Weder 4K (3840 × 2160) noch Full HD (1920 × 1080) lassen sich ohne Skalierung darstellen. Externe Zuspieler wie Blu-ray-Player, Streaming-Boxen oder Kameras liefern daher stets ein Signal, das vom Monitor auf 5K hochgerechnet werden muss. Der praktische Mehrwert der hohen Panel-Auflösung relativiert sich damit im reinen Videobetrieb.
Eine native 24p-Wiedergabe wird ausschließlich bei 1080p-Zuspielung unterstützt. Bei 4K- oder nativer 5K-Zuspielung steht kein echtes 24p zur Verfügung. Für Kinofilme bedeutet das, dass je nach Quelle eine Bildratenanpassung erfolgt. In ungünstigen Konfigurationen kann dies zu leichtem Ruckeln führen.
Im PC-Betrieb überzeugt die SDR-Wiedergabe vor allem durch die hohe Panel-Qualität. Der große native Farbraum, der sehr gute Schwarzwert und das hohe Kontrastverhältnis sorgen gemeinsam mit hellen Spitzlichtern für ein lebendiges und kontrastreiches Bild. Gerade farbintensive Inhalte profitieren sichtbar von der erweiterten Farbdarstellung.
Die sehr effektive Entspiegelung trägt dazu bei, dass Inhalte auch bei Umgebungslicht kontrolliert wirken. Das Bild erscheint klar und ausgewogen, ohne störende Reflexionen.
In dunklen Filmszenen können bei 16:9-Inhalten leichte Aufhellungen in den Ecken sichtbar werden. Sie sind jedoch vergleichsweise moderat ausgeprägt und fallen im normalen Sitzabstand nicht dominant ins Gewicht.
4K-Filmmaterial erfährt auf dem 5K-Panel keinen zusätzlichen Schärfegewinn. Durch die notwendige Skalierung wirken UHD-Inhalte tendenziell minimal weicher als auf nativen 4K-Displays. Ein praktischer Detailvorteil ergibt sich bei SDR-Videomaterial daher nicht.
HDR-Videowiedergabe
Der ViewSonic VP2788-5K ist nach VESA DisplayHDR 400 zertifiziert. Diese Einstufung macht bereits deutlich, dass es sich nicht um einen HDR-Referenzmonitor für Grading oder Mastering handelt, sondern um eine Lösung für die erweiterte Dynamikdarstellung im Medienkonsum und in allgemeinen Anwendungen.
Die HDR-Implementierung ist vergleichsweise ungewöhnlich: Zunächst muss im OSD unter „Color Mode -> HDR” ein HDR-Modus am Monitor aktiviert werden. Erst danach erscheint im Betriebssystem die Möglichkeit, HDR zu aktivieren. Ohne diese Vorwahl bleibt der HDR-Schalter im OS unsichtbar.
Zur Auswahl stehen drei Modi:
- Standard
- HDR_M
- HDR_H
Eine detaillierte technische Beschreibung der Unterschiede liefert das Handbuch nicht. In der Praxis zeigen sich Abstufungen im Tonemapping und in der Kontrastgewichtung. „Standard“ wirkt insgesamt zurückhaltender, während „HDR_M“ und insbesondere „HDR_H“ helle Bildanteile stärker betonen. Eine explizite Wahl zwischen unterschiedlichen HDR-Zielfarbräumen wie DCI-P3 oder Rec. 2020 ist nicht vorgesehen.
Im HDR-Betrieb messen wir eine Spitzenhelligkeit von 493 cd/m² bei einer Farbtemperatur von rund 7150 K. Für ein Gerät mit DisplayHDR-400-Zertifizierung ist dieser Wert grundsätzlich normgerecht. Auffällig ist jedoch, dass der ViewSonic VP2788-5K damit deutlich unter den rund 600 cd/m² bleibt, die im normalen Nutzermodus bereits vollflächig erreichbar sind.
Der Helligkeitszuwachs gegenüber SDR ist somit vorhanden, bleibt aber hinter den im SDR-Betrieb gemessenen Leistungsreserven des Panels zurück und geht zudem mit einer merklichen Verschiebung der Farbtemperatur in einen kühleren Bereich einher. Vor dem Hintergrund der gemessenen SDR-Maximalhelligkeit erscheint das Panel prinzipiell leistungsfähig genug für eine höhere HDR-Einstufung, wie sie bei einzelnen 5K-Monitoren mit vergleichbarer Panel-Basis in Form einer DisplayHDR-600-Spezifizierung realisiert wird.
Subjektiv wirkt HDR beim ViewSonic VP2788-5K für Unterhaltungszwecke dennoch überzeugend. Helle Spitzlichter heben sich klar vom restlichen Bild ab, und in Kombination mit dem hohen nativen Kontrast sowie dem großen Farbraum entsteht ein insgesamt dynamischer Bildeindruck. Gerade farbintensive Szenen profitieren sichtbar von der erweiterten Farbdarstellung.
Ein Local-Dimming-System ist nicht vorhanden. Der Monitor arbeitet ausschließlich mit seinem nativen Panel-Kontrast. Das begrenzt zwar die maximal erzielbare HDR-Peak-Helligkeit, sorgt aber gleichzeitig für ein sehr ruhiges, homogenes Bild ohne Blooming- oder Halo-Effekte.
Für professionelle HDR-Bearbeitung ist der Monitor hingegen nicht konzipiert. Es fehlen die hierfür typischen Kontrollmöglichkeiten, eine klar definierte Signalführung sowie eine dauerhaft hohe und präzise steuerbare Spitzenluminanz. Der ViewSonic VP2788-5K ist klar auf HDR-Wiedergabe für Medienkonsum ausgelegt, nicht auf Mastering oder Grading.
Im Vergleich zu Displays mit Local-Dimming-Technologie zeigt sich daher ein grundsätzlich anderes Charakterprofil: Während solche Systeme höhere Spitzenhelligkeiten ermöglichen, können sie je nach Umsetzung mit Halo-Effekten oder einer szenenabhängigen Kontrastcharakteristik einhergehen. Der ViewSonic VP2788-5K verzichtet bewusst auf diese Technik und liefert stattdessen ein gleichmäßiges, stabiles Bild – allerdings ohne spektakuläre HDR-Spitzen.
Zusammengefasst bietet der ViewSonic VP2788-5K eine solide und sichtbar wirksame HDR-Wiedergabe für Filme und Streaming-Inhalte. Der HDR-Effekt ist klar erkennbar, bleibt jedoch unterhalb dessen, was spezialisierte HDR-Displays mit deutlich höheren Spitzenhelligkeiten erreichen.
Bewertung
| Gehäuseverarbeitung und Mechanik: | |
| Ergonomie: | |
| Bedienung/OSD: | |
| Energieverbrauch: | |
| Geräuschentwicklung: | |
| Subjektiver Bildeindruck: | |
| Blickwinkelabhängigkeit: | |
| Kontrast: | |
| Ausleuchtung (Schwarzbild): | |
| Bildhomogenität (Helligkeitsverteilung): | |
| Bildhomogenität (Farbreinheit): | |
| Farbraumvolumen (sRGB; DCI-P3): | |
| Vor der Kalibrierung (Graust. Werksmodus): | |
| Vor der Kalibrierung (sRGB; DCI-P3): | |
| Nach der Kalibrierung (sRGB; DCI-P3): | |
| Nach der Kalibrierung (Profilvalidierung): | |
| Interpoliertes Bild: | |
| Gaming: | |
| Medienwiedergabe (PC): | |
| Medienwiedergabe (externe Zuspielung): | |
| Preis-Leistungs-Verhältnis: | |
| Preis (inkl. MwSt. in Euro): |
ab 1.014,99 € *
|
| Gesamtwertung: |
4.1 (GUT) |
Fazit
Der ViewSonic VP2788-5K präsentiert sich als moderner 5K-Grafikmonitor für den professionellen Alltag – mit echter Hardware-Kalibrierung, Farbraum-Emulationen und einer klar Workstation-orientierten Anschlussausstattung. Im Test bestätigt sich: Das Grundkonzept stimmt, und in den Kernfunktionen liefert das Gerät auf hohem Niveau.
Der ViewSonic VP2788-5K ist solide und funktionell verarbeitet und bietet vollumfängliche Ergonomie-Funktionen, wie man sie in dieser Klasse erwartet. Zum Workstation-Anspruch passt auch die Anschlussausstattung sehr gut: Thunderbolt 4 inklusive Daisy-Chaining, ein USB-Hub und eine KVM-Funktion machen den Monitor in Multi-Geräte-Setups tatsächlich praxisgerecht.
Explizit hervorzuheben ist zudem die außergewöhnlich gute Entspiegelung (AGLR): Sie sorgt dafür, dass der Bildschirm auch in realen Arbeitsumgebungen angenehm nutzbar bleibt und trotz hoher Schärfe nicht „gläsern“ oder spiegelanfällig wirkt.
In den zentralen Disziplinen eines Grafikmonitors überzeugt der ViewSonic VP2788-5K klar – mit sehr hoher Farbgenauigkeit und einer echten Hardware-Kalibrierung, die zudem angenehm flott durchläuft. Besonders positiv: Über die Hardwarekalibrierung lassen sich auch Farbraum-Emulationen realisieren, die die Werkspresets nicht nur bei Bedarf im Zeitablauf nachjustieren (Stichwort Alterung/Drift), sondern sie in Teilen sogar spürbar verbessern können. Das ist ein echter Mehrwert, weil definierte Zielzustände im Workflow damit langfristig zuverlässiger erreichbar sind als mit reinen Preset-Lösungen.
Die Bildhomogenität zeigt jedoch Schwächen. Zwar lässt sie sich über die (leider schlecht dokumentierte) Gleichförmigkeitskorrektur sichtbar verbessern – allerdings zu einem hohen Preis: Das sonst erstklassige Kontrastverhältnis von knapp 1700:1 wird dabei massiv reduziert. Damit ist die Funktion weniger eine „kostenlose“ Qualitätsreserve, sondern eher ein Werkzeug, das man bewusst abwägen muss – je nach Priorität zwischen Homogenität und Kontrast.
Trotz eines größeren Firmware-Updates im Testverlauf blieben diverse Unstimmigkeiten offen. Abzüge gibt es daher bei Systemkonsistenz und Dokumentationsqualität – weniger wegen der grundsätzlich erzielbaren Bildqualität, sondern weil definierte Zustände nicht immer transparent und reproduzierbar nachvollziehbar sind. Das Panel kann sehr viel, doch die Systemlogik bremst an einigen Stellen.
Dass der Monitor fürs Gaming nicht die beste Wahl ist, lässt sich bei einem Grafik-Display verschmerzen. Positiv überrascht hingegen die HDR-Wiedergabe, die in der Praxis ansprechender ausfällt, als es die reine HDR-400-Zertifizierung vermuten lässt.
Gerade im Unterhaltungsbereich zeigt sich aber auch, dass die zusätzliche Schärfe durch 5K nicht nur ein Vorteil ist: Die Auflösung entspricht keiner gängigen Videonorm, ist bei externer Zuspielung nicht ideal und wird in vielen Anwendungen nicht durchgehend nativ ausgenutzt. Seine größten Stärken spielt 5K daher entweder in der Apple-Welt aus – oder unter Windows bei Anwendern, die hauptsächlich mit Text, Layouts, Vektorgrafiken oder hochauflösenden Fotos arbeiten und die enorme Detaildarstellung wirklich nutzen können.
Zusammengefasst erhält man mit dem ViewSonic VP2788-5K ein starkes Gesamtpaket aus Workstation-Ausstattung, hervorragender Entspiegelung, hoher Schärfe und sehr präziser Hardware-Kalibrierung inklusive sinnvoller Emulationen. Abstriche muss man bei Homogenität/Uniformity-Handling sowie bei System- und Dokumentationskonsistenz machen.
Insgesamt bietet der Monitor viel professionelles Potenzial, ist allerdings nicht in jeder Hinsicht eine Plug-&-Play-Referenz: Wer 5K bewusst einsetzt und den ViewSonic VP2788-5K als Arbeitswerkzeug konfiguriert, erhält ein sehr leistungsfähiges Gerät im angestrebten Profil.
Hinweis in eigener Sache: PRAD erhielt den VP2788-5K leihweise von ViewSonic zu Testzwecken. Herstellerseitig gab es weder eine Einflussnahme auf den Testbericht noch eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Verschwiegenheitsvereinbarung.
gefällt es









