Fernseher mit 4K-Auflösung: Lohnt sich der Kauf heute schon?

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Obwohl Full HD sich erst seit Kurzem als neuer Standard in deutschen Haushalten etabliert hat, kommen die Hersteller von TV-Geräten schon jetzt mit der nächsten Entwicklung auf den Markt. 4K soll die Fernsehwelt revolutionieren. Anders als bei HD Ready oder Full HD handelt es sich dabei jedoch bisher noch nicht um eine standardisierte Bezeichnung, einige Hersteller sprechen deshalb auch von QFHD, was als Abkürzung für Quad Full HD steht. Und genau darum handelt es sich auch bei der neuen 4K Auflösung. Die Full HD Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten wird vervierfacht auf 3.840 mal 2.160 Pixel.

Durch diese neue Technik ergeben sich unterschiedliche Vorteile, aber eben auch neue Probleme. Bisher sind nur einige wenige Geräte auf dem Markt erhältlich, die die gesteigerte Auflösung überhaupt unterstützen. Dazu gehört bisher nur der Toshiba Rezga 55ZL2. Noch in diesem Jahr sollen jedoch schon weitere Fernseher mit 4K-Auflösung von anderen Herstellern erscheinen. Ihnen allen gemein ist, dass sie meist sehr groß und sehr teuer sind. Momentan handelt es sich dabei deshalb in erster Linie um eine Spielerei für Technikfreaks. Doch genau wie HD könnte die Technik in Zukunft zum neuen Standard werden. Besonders im 3D-Betrieb wissen die neuen Fernseher zu gefallen. Einige Hersteller präsentierten Geräte, die dank der hohen Auflösung autostereoskopische 3D-Bilder erzeugen, bei denen der dreidimensionale Effekt ohne das Tragen einer speziellen Brille aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden kann. Die enorm gesteigerte Auflösung gibt den Herstellern viel mehr Freiraum, um mit unterschiedlichen Techniken zu experimentieren.

Im 2D-Betrieb wird hingegen der Detailgrad von Aufnahmen nochmals gesteigert. Bewegte Bilder in voller 4K-Auflösung bestechen durch eine bisher unerreichte Bildqualität. Der Pixelabstand wird dabei auf Fernsehern von durchschnittlicher Größe dermaßen gering, dass ihn das menschliche Auge überhaupt nicht mehr wahrnehmen kann. So entstehen besonders natürlich wirkende Bilder. Allerdings gibt es momentan noch einige Probleme mit der Technik. Zum einen unterstützt HDMI, der derzeit gängige Standard zur digitalen Übertragung von Bildmaterial, in der aktuellen Version 1.4a lediglich 30 Bilder pro Sekunde bei der Nutzung einer 4K-Auflösung. Das ist zwar für Hollywoodfilme völlig ausreichend, eigens erstellte Aufnahmen und Videospiele werden dadurch aber verfälscht. Allerdings ist schon jetzt eine neue Version von HDMI in der Entwicklung, sodass dieses Problem früher oder später der Vergangenheit angehört.

Ein größeres Problem sind die enormen Datenmengen, die für die Speicherung eines Filmes in 4K-Auflösung nötig sind. Ein kompletter Film würde kaum noch auf eine Blu-Ray Disc passen, sodass mittelfristig schon wieder ein neues Medium nötig wird, obwohl die Blu-Ray Disc sich erst sein ein paar Jahren durchgesetzt hat. Die Alternative wäre in der digitalen Welt das Streamen oder das Kaufen von Inhalten per Download. Doch diese Möglichkeit würde nur mit einer sehr schnellen Internetleitung Sinn ergeben. Selbst mit DSL 16.000 würde die Datenrate für einen direkten Stream nicht ausreichen und ein kompletter Download würde viele Stunden in Anspruch nehmen.

4K-TV Toshiba Rezga 55ZL2
4k-TV-Gerät Toshiba Rezga 55ZL2 ermöglicht 3D in Full HD und das auch noch ganz ohne Brille (Bild: Toshiba)

Abseits von diesen technischen Problemen sehen sich Besitzer von 4K-Fernsehern derzeit mit dem Problem konfrontiert, dass noch überhaupt keine Inhalte in der vollen Auflösung verfügbar sind. Alle im Handel erhältlichen Filme werden stets nur in Full HD, also 1080p, ausgeliefert. Videospiele für Konsolen hingegen laufen nicht selten sogar nur in 720p. Die einzige Möglichkeit, auch heute schon ein breites Angebot an 4K-Inhalten zu finden, ist der PC. Dort ist prinzipiell jede Auflösung möglich, allerdings ist auch sehr starke Hardware nötig, um Inhalte in der vierfachen Full HD Auflösung flüssig wiedergeben zu können. Besonders für aktuelle Spiele reicht eine einzelne Grafikkarte dabei kaum aus, mindestens zwei sollten es schon sein.

Bei all diesen Problemen handelt es sich aber zugegebenermaßen um Kinderkrankheiten, die selbst HD Ready zum Teil hatte. Mit steigender Verbreitung werden auch immer mehr Inhalte in der neuen Auflösung erscheinen. Die technischen Probleme werden ebenfalls früher oder später gelöst werden. Lediglich um die Anschaffung neuer Geräte kommt ein Verbraucher nicht herum. Ob die Fernsehbesitzer schon bereit für eine erneute Aufrüstung ihrer Anzeigegeräte sind, ist fraglich.

Schon in diesem Jahr werden jedoch zweifelsohne vereinzelte Inhalte in 4K-Auflösung erscheinen. Bis das neue Format sich jedoch komplett durchsetzen kann, könnten noch einige Jahre ins Land ziehen. Die technische Entwicklung wird dadurch jedoch nicht gestoppt, denn in Japan wird bereits am Nachfolger von 4K gearbeitet. Durch die 8K-Auflösung sollen schon im Jahre 2016 die Olympischen Sommerspiele in Japan mit einer unglaublichen Auflösung von 7.680 mal 4.320 Bildpunkten übertragen werden. Dieses Format hört auch auf den Namen Ultra HD oder kurz UHD. Doch dabei handelt es sich noch mehr um Zukunftsmusik als bei den 4K-Fernsehern.

Der genaue Verlauf der technischen Entwicklung lässt sich kaum vorhersagen, sicher ist nur, dass die Technik auch heute noch immer weiter voranschreitet. Einen Schub könnte 4K durch massenmarkttaugliche Geräte erhalten, so gibt es beispielsweise Gerüchte, dass die neue Konsolengeneration 4K-Auflösungen unterstützen könnten. Im Zusammenspiel mit sinkenden Fernseherpreisen könnte 4K so schon in ein paar Jahren in immer mehr deutschen Haushalten zu finden sein. Momentan ist die Anschaffung eines 4K-Fernsehers jedoch nur für technisch Versierte empfehlenswert, da noch kaum von den Vorteilen profitiert werden kann.

Ebenfalls interessant könnten die neuen Geräte für 3D-Fans sein. Unabhängig von der tatsächlichen Auflösung wird vor allem die technische Umsetzbarkeit von autostereoskopischem 3D durch 4K-Auflösungen deutlich erleichtert. Ein solches System ist den meisten schon von einigen Smartphones oder dem Nintendo 3DS bekannt. Für den 3D-Effekt ist dabei keine Brille nötig. Bisher war jedoch ein großer Nachteil, dass immer nur eine Person im richtigen Blickwinkel 3D-Inhalte wahrnehmen konnten, während andere Zuschauer nur Doppelbilder wahrnehmen konnten.

Durch 4K und andere technische Fortschritte könnte sich das jedoch in Zukunft ändern. So wären 3D-Fernseher möglich, auf denen auch mehrere Zuschauer ohne eine Brille 3D-Filme genießen können. Auch mit Brille bieten die 4K-Fernseher jedoch den Vorteil der gesteigerten Auflösung. Im Normalfall halbiert sich im 3D-Betrieb die Auflösung des Bildes, was auch bei 4K noch zutrifft. Jedoch stehen hier selbst nach der Halbierung noch volle 1080 Bildzeilen für jedes Auge zur Verfügung, was in einer deutlich gesteigerten Bildqualität resultiert. Für 3D wie 2D gilt dabei aber, dass erst mit dem Erscheinen von entsprechenden Inhalten richtig von 4K profitiert werden kann. Denn gewöhnliche Filme in 1080p Auflösung müssen von einem 4K-Fernseher erst auf die höhere Auflösung umgerechnet werden, was zumeist mit einem Verlust von Bildqualität einhergeht.

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