Test UHD Allround-Monitor LG 32UD99-W mit HDR
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Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Obwohl der LG 32UD99-W eigentlich nicht als waschechter Grafikmonitor beworben wird, besitzt er auch die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration.

Bei Standardmonitoren gibt es außer den Reglern im OSD (Helligkeit, Farbtemperatur, Gamma, RGB-Gain) keine Möglichkeit, direkt mit der Look-up-Table des Monitors zu kommunizieren. Alle Anpassungen müssen in Form einer Software-Kalibration über die LUT der Grafikkarte erfolgen.

Dagegen werden bei einer Hardware-Kalibration die Kalibrierungseinstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist deshalb von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Handware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage.

Im Lieferumfang des LG 32UD99-W ist dazu die Software „True Color Pro“ (TCP) enthalten, die uns ausgesprochen positiv überrascht hat. Sie wirkt hinsichtlich Aufmachung und Funktionsumfang erstaunlich professionell, im Gegensatz zu manch anderen Lösungen können alle wichtigen Einstellungen auf nur einer Seite gemacht werden. TCP unterstützt eine Vielzahl an Kolorimetern unterschiedlicher Hersteller und gibt im weiteren Verlauf sogar spezifische Hilfestellung beim Handling – in unserem Fall zum i1 Display Pro von X-Rite.

Wie üblich haben wir als Kalibrierungsziel folgende Einstellungen gewählt: Farbraum „nativ“, Farbtemperatur „D65“, Gamma „2,2“, Helligkeit „140 cd/m²“.

TCP: Kalibrierungseinstellungen
TCP: Kalibrierungseinstellungen (Screenshot TCP)
TCP: Hilfestellung beim Ablauf
TCP: Hilfestellung beim Ablauf (Screenshot TCP)

Der Kalibrierungsvorgang ist nach knapp 16 Minuten erledigt. Zu den wichtigsten Parametern (Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma) zeigt die Software gleich die Zielerreichung an. Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen. Zum Abspeichern der Kalibrierungsergebnisse sind zwei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Laut Handbuch speichert die Software eine neue Kalibrierung aber immer auf dem Speicherplatz „Kalibrierung 1“. Dort ggfls. schon vorhandene ältere Daten werden jeweils auf den Speicherplatz 2 verschoben.

Dieses Verhalten scheint uns zwar nicht ganz optimal, es ist aber durchaus möglich, das Gerät auf zwei unterschiedliche Ziele zu kalibrieren und dann einfach per Knopfdruck hin und her zu schalten. Natürlich muss dann auch in der Windows-Farbverwaltung das verwendete ICC-Profil manuell gewechselt werden.

Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungsergebnis mittels Validierung zu überprüfen. Eine Basic-Validierung ist in knapp zwei Minuten schnell erledigt und generiert einen ausführlichen HTML-Report.

TCP: Ergebnis
TCP: Ergebnis (Screenshot TCP)
TCP: Validierung
TCP: Validierung (Screenshot TCP)

In den Voreinstellungen kann man die Art des erstellten Profils definieren und die Planung aktivieren, sodass man automatisch an die regelmäßige Erneuerung des Profils erinnert wird.

TCP: Profil-Optionen
TCP: Profil-Optionen (Screenshot TCP)
TCP: Refresh-Planung
TCP: Refresh-Planung (Screenshot TCP)

Ein PDF-Handbuch zur Software hatten wir nach der Installation zunächst vermisst. Stattdessen hat LG aber eine ziemlich ausführliche HTML-Hilfe in die Software selbst integriert, die alle Funktionen gut erläutert.

Was wir ferner vermisst haben, ist die Möglichkeit, die durchaus zielführende Option zur Verbesserung der Gleichförmigkeit auch in Verbindung mit der Hardware-Kalibration zu nutzen. Nach der Hardware-Kalibration fällt die Bildhomogenität bei der Helligkeitsverteilung ähnlich wie bei der Software-Kalibration ohne Gleichförmigkeitsverbesserung aus – immerhin zufriedenstellend. Zumindest die Farbreinheit ist hier aber besser und zeigt ein gutes Ergebnis.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – nach Hardware-Kalibration
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild – nach Hardware-Kalibration
Farbhomogenität beim weißen Testbild – nach Hardware-Kalibration
Farbhomogenität beim weißen Testbild– nach Hardware-Kalibration

Anmerkung

Ursprünglich hatten wir unseren Test mit der TrueColorPro-Version 3.9.0 durchgeführt und sind dabei auf Probleme gestoßen. Die Kalibrierung lief zwar einwandfrei durch, zeigte aber im Ergebnis teils sehr deutlich sichtbare Banding-Effekte in feinen Grau- und Farbverläufen. Wir haben den Hersteller darüber informiert und zwischenzeitlich als Alternative eine komplette Software-Kalibration durchgeführt.

LG hat aber blitzschnell reagiert und das Problem noch innerhalb des Testzeitraumes mit der TCP-Version 4.0.0 behoben. Daher stellen wir die Ergebnisse der Hardware-Kalibration den Ergebnissen der Software-Kalibration im folgenden Kapitel gegenüber. Am Ende dieses Kapitels findet sich auch unser Gesamtfazit zur Hardware-Kalibration.

Software-Kalibration

Für die nachfolgenden Messungen wurde das Gerät aus Quato iColor Display heraus kalibriert und profiliert. Die angestrebte Helligkeit lag bei 140 cd/m². Als Weißpunkt wurde D65 gewählt.

Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird.

Die Kalibration haben wir mit allen nachfolgenden Messungen zweimal durchgeführt – einmal mit Verbesserung der Bildhomogenität und einmal ohne. Für die Kalibrierung im OSD wurden jeweils folgende Werte verwendet, die Sie in den folgenden Tabellen finden.

Ohne Verbesserung der Bildhomogenität

Bildmodus: Anwender
Helligkeit: 40
Kontrast: 70
Gamma: Modus 2
Gamma gemessen: 2,12
Farbtemperatur: Benutzer
RGB: 50/46/38
Color-Gamut: k.A.
Bildhomogenität: Aus
Schärfe: 50
Reaktionszeit: normal

Mit Verbesserung der Bildhomogenität

Bildmodus: Anwender
Helligkeit: 95
Kontrast: 70
Gamma: Modus 2
Gamma gemessen: 2,18
Farbtemperatur: Benutzer
RGB: 50/44/35
Color-Gamut: k.A.
Bildhomogenität: EIN
Schärfe: 50
Reaktionszeit: normal

Im Ergebnis gibt es bei der Farbgenauigkeit keinen Unterschied, ob die Verbesserung der Bildhomogenität aktiv ist oder nicht. Das ist zwar erwartungsgemäß, aber wie wir beim Test des ASUS PA32UC gesehen haben, nicht zwangsläufig so. Für die EBV empfehlen wir auf jeden Fall, die Verbesserung zu aktivieren und die Einbußen bei Maximalhelligkeit und Kontrast in Kauf zu nehmen.

Profilvalidierung

Profilvalidierung – Software-Kalibration
Profilvalidierung – Software-Kalibration
Profilvalidierung – Hardware-Kalibration
Profilvalidierung – Hardware-Kalibration

Der LG 32UD99-W zeigt keine auffälligen Drifts oder unschöne Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergab keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrationsziele wurden erreicht. Die Farbwerte sind sehr gut, und die Graubalance ist gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei (Bildhomogenitätverbesserung aus) und PDF-Datei (Bildhomogenitätsverbesserung an) heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Software-Kalibration
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Software-Kalibration
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Hardware-Kalibration
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Hardware-Kalibration

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch. Auffällig ist in der Grafik nur die etwas höhere Abweichung bei Blau. Sie bleibt aber unter einem Delta E94 von 2 und fällt auch nur deshalb auf, weil die anderen Werte so extrem gut sind. Insgesamt ist das Ergebnis bei den Farbwerten sehr gut und bei den Grauwerten gut.

Messtechnisch kann die Hardware-Kalibration das Ergebnis im Vergleich zur Software-Kalibration nicht verbessern. Die Messungen fallen sogar etwas schlechter aus. Abhängig von der Stärke der RGB-Gain-Anpassungen und der verwendeten Grafikkarte zeigen sich aber bei einer Software-Kalibration praktisch immer gewisse Banding-Effekte und ungewollte Stufungen in feinen Grau- und Farbverläufen. Mit einer Hardware-Kalibration vermeidet man das normalerweise vollständig.

Beim LG 32UD99-W ist zwar bei sehr genauem Hinsehen noch leichtes Banding in Grauverläufen sichtbar, das Ergebnis ist aber erheblich besser als mit der Software-Kalibration. Die Hardware-Kalibration des LG 32UD99-W ist somit zwar sicher nicht auf EIZO-Niveau, aber insbesondere für einen Allround-Monitor sehr beeindruckend.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei (Bildhomogenitätsverbesserung aus) und PDF-Datei (Bildhomogenitätsverbesserung an) heruntergeladen werden.

18 KOMMENTARE

  1. Das Teil ist ein Fake. Es kann kein HDR10, keine Farbtiefe von 10bit und keinen 3-dimensionalen Klang.
    Technische Daten LG: Farbdarstellung 1,073 Mrd. (8Bit+FRC)
    FRC ist ein billiger Trick, um aus 8bit Farbtiefe noch ein bisschen mehr Pseudo-Farbe rauszuholen.
    Und ohne HDR10 ist der max. 500€ wert.

  2. Ich vermute, die Steigerung wird beim 32uk950 sichtbar, aber nicht gleich wesentlich sein.

    Dennoch wird meine Wahl den 32uk950 oder den 38WK95C treffen. Mal schauen, wie es sich entwickelt und wie die ersten Reviews ausfallen.

  3. 2 Fragen:

    1) Wie schnell/einfach ist das Umschalten der Signalquelle? Möchte den Monitor an einem PC, einem Laptop und an ein MacbookPro anschließen.
    2) Wird der LG 32UK950 noch mal eine wesentliche Steigerung darstellen? Was ist Eure Meinung? Überlege, ob ich noch bis Sommer warten soll.

    • Ein Druck auf den Stick, nach links auf Input und du kannst die Eingänge umschalten. Geht sehr fix und ist wirklich einfach in der Bedienung.

  4. Gibt es keine Diskussionen mehr zu Testberichten im Forum seit dem Relaunch? Es gäbe noch einiges zu dem Monitor zu schreiben, was aufgrund der sehr eingeschränkten Möglichkeiten hier nicht sinnvoll ist.

    • Doch natürlich, ich bin leider etwas langsam. Ich mache das in den nächsten 60 Minuten. Man kommt dann im Inhaltsverzeichnis (unten letzte Seite) direkt zu diesem Thema im Forum.

  5. Ok, ich hatte nicht viel erwartet, als ich eben sah das ihr ein HDR Monitor getestet habt. Bisher war es ja eher so, dass diese Monitor 1. sehr teuer und 2. nicht gerade überzeugend waren. Der hier klingt ja wirklich sehr gut. Das lässt ja hoffen, dass bald mehr brauchbare Gerät in der Preisregion zu haben sind. Vielleicht fange ich mal mit dem sparen darauf an. 😉

  6. Ich habe lange auf diesen Test gewartet. Vieles entspricht meinen Praxiserfahrungen. Bei der Anwendung des HDR Modus muß bei Youtube Videos 4k HDR z.b. immer die richtige Einstellung gewählt werden Licht 100.und HDR Effekt. Bei UHD Blue Ray Zuspielung über HDMI erfolgt die HDR Einstellung automatisch. Bei Reciever Zuspielung über HDMI muß wieder selbst eingestellt werden,wenn man will. Bei tv Sendungen nutze ich oft die Einstellung Foto. Den C-Eingang benutze ich für mein Smartphon -Bilder und Videos.

  7. Im Test wird True Color Pro 4.0 erwähnt. Das wird weder auf der Webseite von LG zu dem Monitor angeboten, noch ist es über eine Suchmaschine zu finden. Ein Link wäre toll.

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