Test BenQ PD2770U: 4K-Profi-Display mit integriertem Messsensor
4/9

Bildqualität

Entspiegelung

Der Panel-Rahmen und die Oberfläche des Panels sind matt und wirksam entspiegelt. BenQ bewirbt den PD2770U mit einem Nano-Matte-Display. Im Test zeigt sich die Entspiegelung insgesamt auf gutem, aber nicht außergewöhnlichem Niveau. Helle Kleidung wird aus normalem Sitzabstand zwar sichtbar, erscheint auf der Bildschirmoberfläche jedoch nur sehr diffus und nicht störend. Insgesamt liefert der Testkandidat damit eine alltagstaugliche und für einen Grafikmonitor absolut angemessene Entspiegelung.

Ausgangsbasis für unsere Beurteilung

Für ein Firmware-Update muss bei BenQ leider erneut ein separates Tool installiert werden. Zuständig ist hierfür „Display QuicKit“. Wir haben die Aktualität der Firmware vor Testbeginn vorsorglich überprüft und mussten tatsächlich noch ein Update von Version 1 auf Version 3 durchführen.

Firmware-Update mit Display QuicKit
Firmware-Update mit Display QuicKit

Ab Werk ist der Monitor auf den Bildmodus „Adobe RGB“ eingestellt. In Verbindung mit der später gemessenen Farbraumabdeckung der Werkspresets legt das nahe, dass BenQ den PD2770U vor allem mit Blick auf Adobe RGB abgestimmt hat. Abgesehen vom Gamma – das im Preset selbst ausgegraut ist, messtechnisch aber ohnehin exakt beim Sollwert von 2,2 liegt – lassen sich hier alle wesentlichen Parameter verändern. Das gilt sogar für den Farbraum selbst, was angesichts des Preset-Namens allerdings nur eingeschränkt sinnvoll erscheint.

Beim Reset (Werkseinstellungen) stellt der Monitor folgende Werte ein:

Bildmodus: Adobe RGB
Helligkeit: 56
Kontrast: 50
Gamma: Ausgegraut
Farbtemperatur: 6500 K
RGB: 100/100/100
Color-Gamut: Adobe RGB
DUE-Priority: Uniformity
Schärfe: 5
Reaktionszeit: Hoch

Diese Werte wurden für die nachfolgende Beurteilung bei Werkseinstellung verwendet.

Graustufen

Der Grauverlauf des BenQ PD2770U hinterlässt insgesamt einen sehr guten Eindruck. Die Abstufungen wirken neutral, Farbschimmer sind nicht zu beobachten, und auch ein seitlicher Vergleich zeigt keine erkennbaren Unterschiede zwischen linker und rechter Bildhälfte. Besonders positiv fällt die Differenzierbarkeit in den dunklen Bereichen auf: Während die hellen Stufen vollständig sichtbar bleiben, werden die dunklen Abstufungen bis einschließlich Stufe 2 noch klar durchgezeichnet. Selbst die dunkelste Stufe ist mit etwas Mühe weiterhin erkennbar. Das ist ungewöhnlich gut und hebt den PD2770U in dieser Disziplin positiv hervor.

Graustufendarstellung vom IPS-Panel des BenQ PD2770U
Graustufendarstellung vom IPS-Panel des BenQ PD2770U

Feine Grauverläufe gelingen dem Monitor ebenfalls überzeugend. Banding tritt praktisch nicht auf, und selbst bei kritischer Betrachtung bleibt die Darstellung angenehm sauber. Das spricht für eine insgesamt sehr ordentlich abgestimmte Signalverarbeitung. Laut Hersteller unterstützt der PD2770U die Darstellung von 1,07 Milliarden Farbabstufungen. Ob dies über eine native 10-Bit-Verarbeitung oder über ein 8-Bit-Panel mit FRC realisiert wird, geht aus den technischen Angaben jedoch nicht eindeutig hervor. Für den praktischen Bildeindruck ist das hier allerdings zweitrangig, denn die sichtbaren Grauverläufe gelingen in jedem Fall auf hohem Niveau.

Die Blickwinkelabhängigkeit fällt bei der Graustufendarstellung insgesamt gering aus, sollte aber nicht losgelöst vom späteren Farbeindruck betrachtet werden. Im Graubereich zeigt sich vor allem ein Helligkeitsverlust, während ein deutliches Aufhellen dunkler Partien weitgehend ausbleibt. Im späteren Blickwinkelbild wird allerdings klarer, dass die Veränderung weniger in einer klassischen Aufhellung als vielmehr in einem leicht kühleren beziehungsweise farbärmeren Eindruck bei vertikaler Abweichung liegt. Insgesamt bleibt die Darstellung jedoch auch bei leicht schräger Betrachtung bemerkenswert stabil.

Damit liefert der BenQ PD2770U eine sehr saubere Graustufendarstellung, die sowohl bei der Neutralität als auch bei der Durchzeichnung und Verlaufsgüte auf hohem Niveau liegt.

Besonders die ungewöhnlich gute Differenzierung der dunkelsten Stufen ist hier hervorzuheben.

Ausleuchtung

Das linke Foto zeigt ein komplett schwarzes Bild ungefähr so, wie man es mit bloßem Auge bei komplett abgedunkeltem Raum sieht; hier werden die auffälligen Schwächen sichtbar. Das rechte Foto mit längerer Belichtungszeit hebt dagegen die Problemzonen hervor und dient nur der deutlicheren Darstellung.

Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung

Hinsichtlich Backlight-Bleeding ist der BenQ PD2770U bei unserem Testgerät unauffällig. Bei der direkten Betrachtung der Bildschirmränder aus nächster Nähe konnten wir keinerlei echte Randeinstrahlungen feststellen. Das ist ausdrücklich positiv hervorzuheben.

Die im Schwarzbild sichtbaren Aufhellungen beschränken sich im Wesentlichen auf die Ecken und sind insgesamt nicht besonders weitflächig. Unten zeigen sie eher eine bläuliche, oben eher eine gelblich-orange Tendenz. Dabei handelt es sich jedoch nicht um klassische Randeinstrahlungen, sondern um die bei IPS-Panels üblichen, blickwinkelabhängigen Aufhellungen.

„Blickwinkelabhängig“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Aufhellungen bei direkter, möglichst senkrechter Betrachtung der jeweils betroffenen Bildbereiche nahezu verschwinden. Genau darin liegt auch der Unterschied zum eigentlichen Backlight-Bleeding, das unabhängig vom Blickwinkel als feste Randeinstrahlung sichtbar bleibt.

Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt von schräg oben
Glow-Effekt von schräg oben

Bei abweichender Sitzposition tritt das typische IPS-Glow entsprechend deutlicher hervor. Von rechts oder links betrachtet bleibt es weitgehend farbneutral, während sich von unten eine leicht rötliche Einfärbung zeigt. Insgesamt bewegt sich der BenQ PD2770U damit klar im Rahmen dessen, was für ein IPS-Panel üblich ist.

Insgesamt liefert der BenQ PD2770U ein sauberes Schwarzbild ohne echte Randeinstrahlungen. Sichtbare Aufhellungen bleiben auf die üblichen blickwinkelabhängigen IPS-Effekte beschränkt und sind weder besonders ausgeprägt noch ungewöhnlich störend.

Helligkeit und Kontrast

Der BenQ PD2770U besitzt im OSD eine Gleichförmigkeitskorrektur zur Verbesserung der Bildhomogenität. Solche Funktionen beeinflussen in der Regel jedoch nicht nur die Gleichmäßigkeit des Bildes, sondern zugleich auch die erreichbare Maximalhelligkeit und den Kontrast. Beim Probanden gilt das in besonderem Maß, weshalb wir diese Messwerte nicht getrennt betrachten, sondern gemeinsam auswerten.

Messmethodik

Die Messungen zu Kontrast und Maximalhelligkeit werden nach einer Kalibrierung auf D65 als Weißpunkt durchgeführt. Sofern möglich, werden alle dynamischen Regelungen deaktiviert. Aufgrund der notwendigen Anpassungen fallen die Ergebnisse meist geringer aus als bei Durchführung der Testreihe mit nativem Weißpunkt.

Das Messfenster wird nicht von einem schwarzen Rand umgeben. Die Werte können daher eher mit dem ANSI-Kontrast verglichen werden und geben Realweltsituationen deutlich besser wieder als Messungen von flächigem Weiß- und Schwarzbild.

Die Bildhomogenität untersuchen wir anhand von vier Testbildern (Weiß, Neutraltöne mit 75 %, 50 %, 25 % Helligkeit), die wir an 15 Punkten vermessen. Daraus resultieren die gemittelte Helligkeitsabweichung in % und das ebenfalls gemittelte Delta C (d. h. die Buntheitsdifferenz) in Bezug auf den jeweils zentral gemessenen Wert. Die Wahrnehmungsschwelle für Helligkeitsunterschiede liegt bei etwa 10 %.

Auswertung

Separate Messungen für Minimal- und Maximalhelligkeit ab Werk und nach Kalibrierung auf D65 entfallen beim BenQ PD2770U, da das Gerät bereits ab Werk praktisch exakt bei D65 liegt. Das ist durchaus als Qualitätsmerkmal zu verstehen.

Ungewöhnlich ist beim BenQ PD2770U vor allem die Ausgestaltung der Gleichförmigkeitskorrektur. Üblicherweise stehen bei solchen Monitoren sinngemäß nur zwei Zustände im Vordergrund: maximale Homogenität einerseits und maximale Helligkeit bzw. maximaler Kontrast andererseits.

Beim BenQ PD2770U gibt es jedoch mit „Uniformity“, „Helligkeit“ und „Aus“ gleich drei klar unterscheidbare Zustände. In der Werkseinstellung ist „Uniformity“ aktiv, was bei einem Grafikmonitor zunächst auch naheliegend erscheint. Hinzu kommt ein vierter Zustand nach der Hardware-Kalibrierung, bei dem weder im OSD noch in Palette Master Ultimate eine gesonderte Einstellung sichtbar ist, die Messwerte aber klar darauf hindeuten, dass weiterhin eine Form der Korrektur aktiv bleibt.

Die Auswirkungen auf Helligkeit und Kontrast fallen deutlich aus. Mit aktivem Modus „Uniformity“ messen wir bei auf D65 kalibriertem Weißpunkt eine Maximalhelligkeit von 255 cd/m², eine Minimalhelligkeit von 32 cd/m² und einen durchschnittlichen Kontrast von 667:1. Im Modus „Helligkeit“ steigen die Maximalhelligkeit auf 337 cd/m², die Minimalhelligkeit auf 43 cd/m² und der durchschnittliche Kontrast auf 874:1. Ohne Gleichförmigkeitskorrektur erreicht der BenQ PD2770U schließlich 402 cd/m² maximal, 51 cd/m² minimal und im Mittel einen 1055:1-Kontrast.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – mit Gleichförmigkeitskorrektur „Uniformity“
Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – mit Gleichförmigkeitskorrektur „Uniformity“

Die Herstellerangaben für Maximalhelligkeit, Kontrast und Stromverbrauch werden in den auf Homogenität optimierten Betriebsarten damit zwar nicht mehr erreicht, das ist bei aktiver Gleichförmigkeitskorrektur jedoch grundsätzlich nicht ungewöhnlich.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – mit Gleichförmigkeitskorrektur„Helligkeit“
Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – mit Gleichförmigkeitskorrektur„Helligkeit“
Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ PD2770U – ohne Gleichförmigkeitskorrektur
Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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