Lesertest LG 27QN880-B: Integration ins ergonomische Home-Office

Bei der Anschlussvielfalt bleiben kaum Wünsche offen. USB-C mit Power-Delivery überzeugt im Test vollends (Werbung)

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Anforderung und Einsatzzweck

Sitzend, stehend und im Halbstand: Flexibilität ist gefragt

Täglich acht bis zehn Stunden im Durchschnitt am Schreibtisch. Nicht erst seit vermehrtem Home-Office-Einsatz in der Corona-Pandemie ist dies die Lebensrealität vieler Beschäftigter. Die Hauptzeit davon in Interaktion mit dem Computer, dessen Zugang wir maßgeblich über die Peripherie wie Maus und Tastatur, aber natürlich auch den Monitor erfahren.

Paul Friedhelm Günter fragt sich: Wie schlägt sich der LG 27QN880-B im Lesertest?
Paul Friedhelm Günther fragt sich: Wie schlägt sich der LG 27QN880-B im Lesertest?

Die große Chance von Home-Office ist, einen Arbeitsplatz nach eigenen Vorstellungen einzurichten – finanziell und vom Platzangebot. Die meisten Unternehmen unterstützen, wenn überhaupt, lediglich durch Laptops oder erlauben die Mitnahme firmeneigener, in Jahre gekommener Hardware in die eigenen vier Wände.

Meine Entscheidung Mitte 2020 war klar: Ich erfülle mir meinen Wunsch nach einem ergonomischen Arbeitsplatz in meiner Wohnung selbst. Zu einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch, einem vielseitig anpassbaren Bürostuhl, einem flexiblen Sitzhocker, einer Fußmatte zum Arbeiten im Stehen, einer Tageslichtlampe und obligatorischen ergonomischen Eingabegeräten fehlte lediglich ein passender Monitor.

Alter Arbeitsplatz im Sitzen
Alter Arbeitsplatz im Sitzen
Alter Arbeitsplatz im Stehen
Alter Arbeitsplatz im Stehen

Was soll dieser Monitor aber können? Welche Eigenschaften muss er haben? Wie dient er meinem Ziel, trotz langer Schreibtisch-Arbeitstage ohne Rückenschmerzen in den Feierabend zu gehen? Die technischen Daten waren schnell klar: 27 Zoll, mindestens QHD-Auflösung, ein mattes Display und natürlich höheneinstell-, neig- und drehbar, um sich über den Tag an meine Arbeitssituationen anpassen zu lassen. Anfallende Tätigkeiten wie E-Mail-Checken, online Workshops konzipieren oder kurze bis lange Videoanrufe in Einzel- und Gruppengesprächen erledige ich dabei sitzend, stehend und im „Halbstand“.

Der Monitor soll auch ein „Clean Setup“ ermöglichen – mit dem Ziel, den Schreibtisch aus der Computerdominanz zurückzuerobern, um mich auf die Lerninhalte meiner Coaching-Ausbildung zu konzentrieren oder nach Feierabend Platz für meine Hobby-Lötprojekte zu schaffen. Ob der LG 27QN880-B diese Anforderungen erfüllt und wie er sich im Praxistest schlägt, erfahrt ihr im vorliegenden Lesertest.

Verpackung und Lieferumfang

Praktisch, aber nicht zu Ende gedacht

Der erste Eindruck zählt. Und zu einem Produkt zählt bereits die Verpackung. Wie viele Gedanken sich ein Hersteller darüber macht, lässt mich bereits Vorfreude oder Desinteresse verspüren. LG kann hier bereits punkten, muss aber leider auch Abzüge verbuchen.

Verpackung vorne
Verpackung vorne
Verpackung hinten
Verpackung hinten

Die Zeiten, in denen ich mir meine Hardware-Verpackung ins Regal gestellt habe, sind lange vorbei. Daher bevorzuge ich zugunsten der Umwelt schlichte braune Kartonage, auf der lediglich das Herstellerlogo und der Modelltyp verzeichnet sind. Nach dem Auspacken wandert die Verpackung für spätere Transporte entweder auf den Dachboden oder direkt zum Recyclinghof. Wer kauft heute noch, und besonders ein Modell wie den LG 27QN880-B, bei einem Händler vor Ort? Dort sehe ich den einzigen Bedarf nach einer hübschen Verpackung, um als Blickfang für Kunden zu dienen. Die meisten Interessierten werden sich über einschlägige Internetseiten zu Produkten informieren und dann online bestellen.

Leider wählt LG Styropor als Stoßschutz im Inneren. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern nervt mich als Kunde zusätzlich. Nach dem Auspacken mache ich mich mit einem Handstaubsauger bewaffnet auf die Jagd nach den vielen kleinen Styroporbällchen im Wohnzimmer, bevor meine Frau diese entdeckt. Andere Hersteller machen dies besser. LG darf gerne von ihnen lernen.

Verpackung innen: Ordentlich und leider aus Styropor
Verpackung innen: Ordentlich und leider aus Styropor

Positiv hervorzuheben sind die Tragegriffe. Diese sind nicht wie üblich an den kurzen Enden des Kartons, sondern an den langen Enden angebracht. Aufgrund der Maße des Kartons lässt sich dieser so praktisch hochkant durch Türzargen tragen. Der Lieferbote und ich freuen uns.

Das Auspacken gestaltet sich ansonsten unkompliziert, auch wenn ich das Öffnen von Monitorverpackungen an den schmalen langen Enden gegenüber den großflächigen Seiten bevorzuge. Der Inhalt lässt sich dann liegend herausziehen, anstatt ihn nach oben herauszuheben. Die Gefahr, mit einem Cuttermesser Schaden anzurichten, ist dann ebenfalls geringer.

Zubehör des LG 27QN880-B
Zubehör des LG 27QN880-B

Zum Lieferumfang zählt Folgendes

  • 1 x das Display
  • 1 x teilweise vormontierter Monitor-Arm
  • 2 x Bodenplatten für Monitor-Arm zwecks Tischmontage
  • 1 x Aufkleber für Monitor-Arm
  • 1 x Netzteil mit fest montiertem Kabel
  • 1 x Netzanschlusskabel für das Netzteil
  • 1 x Stromkabelverlängerung zur Verlegung im Monitor-Arm
  • 1 x USB-C-Anschlusskabel
  • 1 x HDMI-Anschlusskabel
  • Diverse Anleitungen und Energieklassenlabel
  • 1 x CD mit Treiber und Software

Alle Kabel und das Netzteil sind unsinnigerweise einzeln in Plastik verpackt. Was leider üblich ist. Warum aber die CD nicht verpackt ist, um sie vor Kratzern zu schützen, ist mir ein Rätsel. Da ich, wie die meisten Menschen, sowieso kein DVD-Laufwerk mehr besitze, finde ich diese Beigabe ohnehin überflüssig. Aktuelle Treiber und Software gibt es im Internet.

Montage, Aufbau und Anschluss

Von flexiblen Montagemöglichkeiten und proprietären Kabeln

Mein Hauptinteresse am LG 27QN880-B bezieht sich auf den ergonomischen Standfuß. Eine bebilderte Anleitung erklärt einfach und verständlich die Befestigungsschritte. Wahlweise kann die Montage mittels Schraubklemme oder durch Lochbohrung in die Schreibtischplatte erfolgen. Erfreulicherweise ist er für die Schraubklemmenmontage vormontiert. Dies wird auch die häufigste Wahl für die Montage sein und stellt für mich ebenfalls die gewünschte Befestigungs-Art dar.

Monitor-Arm halb montiert
Monitor-Arm halb montiert

Zur Montage muss ich den Arm eigentlich nur an die gewünschte Position an der Schreibtischrückseite halten und festschrauben. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht. Wie auf den Fotos zu erkennen, ragt die untere Konterplatte so weit unter den Schreibtisch, dass sie mit dem Kabelkanal kollidiert.

Die Halterung kollidiert mit dem Kabelkanal meines Tisches
Die Halterung kollidiert mit dem Kabelkanal meines Tisches

Soll es das jetzt schon gewesen sein mit meiner PRAD-Lesertest-Karriere? Glücklicherweise hat LG daran gedacht, die Konterplatte für verschiedene Tischplattenstärken auszulegen. Durch vier Schrauben löse ich die Konterplatte vom Monitorfuß und stelle ihn auf die gewünschte Höhe ein.

Konterplatte im Lieferzustand
Konterplatte im Lieferzustand
Die Konterplatte lässt sich mit vier Schrauben lösen
Die Konterplatte lässt sich mit vier Schrauben lösen

Leider löst auch dies mein Problem mit dem Kabelkanal nicht. Die Konterplatte ragt einfach zu tief unter den Schreibtisch. Ob Zufall oder gut mitgedacht: Die Schraubklemmenplatte ist ebenfalls über eine Mutter mit dem Gewinde verbunden und lässt sich somit lösen. Das ermöglicht es mir, die Konterplatte „kopfüber“ an den Fuß anzubringen und die Schraubklemme samt Schraubklemmenplatte „verkehrt herum“ anzubringen.

Schraube im Lieferzustand, mit gelöster Platte
Schraube im Lieferzustand, mit gelöster Platte
Schraube "kopfüber" eingesetzt
Schraube „kopfüber“ eingesetzt
Konterplatte mit Schraube am Standfuß
Konterplatte mit Schraube am Standfuß

Voilà! In dieser Position steht der Montage nichts mehr im Weg. Als Folge lässt sich der Tischkabelkanal zwar nicht mehr zu 100 % nach unten aufklappen, aber immer noch weit genug für eine komfortable Kabelverlegung. Anmerkung für Interessierte: Die Konterplatte ragt ca. 94 mm tief unter die Tischplatte und nimmt in der Breite ca. 73 mm ein.

Tiefe der Konterplatte beträgt ca. 94 mm
Tiefe der Konterplatte beträgt ca. 94 mm
Breite der Konterplatte beträgt ca. 73 mm
Breite der Konterplatte beträgt ca. 73 mm
Zur Verdeutlichung eine kleine Zeichnung
Zur Verdeutlichung eine kleine Zeichnung
Jetzt passt es, wenn auch knapp
Jetzt passt es, wenn auch knapp

Jetzt kann das Display mittels einfacher Klick-Einhängung an den Arm angebracht werden. Ein hörbares Einrasten bestätigt den festen Halt. Super, so soll es sein. Keine weiteren Schrauben für die VESA-Befestigung oder Ähnliches. Erst jetzt sollte die Transportsicherung am Schwenkarmgelenk entfernt werden. Ein erster Test bescheinigt mir den Eindruck, der sich später noch festigen soll: Das Gelenk ist nicht schwergängig.

Das Display am Arm montiert
Das Display am Arm montiert

Die Kabelverlegung stellt mich zunächst vor eine Herausforderung. Meinen Schreibtischarbeitsplatz nutze ich für meine Festanstellung als Team-Coach und Scrum-Master für ein Software-Unternehmen, für eine freiberufliche Tätigkeit als Online-Business-Coach und für Freizeitaktivitäten wie PC-Gaming. In der Folge möchte ich den LG 27QN880-B an meinen Desktop-PC sowie Firmen-Laptop anschließen. Das mitgelieferte (ca. 180 cm lange) HDMI-Kabel ist leider viel zu kurz, um es an meinem Pixelbeschleuniger unter dem Schreibtisch zu nutzen. Mehr als ein Meter der Kabellänge findet bereits für die Montage am Monitor-Arm Verwendung.

Rückseite mit Kabelkanal und Kabeln
Rückseite mit Kabelkanal und Kabeln

Über eBay Kleinanzeigen besorge ich mir kurzfristig ein 5 m langes HDMI-Kabel aus der Nachbarschaft. Da mein elektrisch höhenverstellbarer Schreibtisch den PC ebenfalls „mitnimmt“, hätte auch ein 3 m langes Kabel gereicht. Meiner Meinung nach dürfen Hersteller gerne auf die Beigabe von Kabel verzichten, wenn sie es nur mit einer halbherzigen Länge umsetzen. Auch wenn die englische Namensgebung es anders suggeriert: Wer stellt heutzutage seinen Desktop-PC noch auf den Schreibtisch? Zur Ehrenrettung: Wer hat heutzutage noch einen Desktop-PC (außer Gamer)? Und die verbleibenden circa 80 cm des mitgelieferten HDMI-Kabels reichen sicherlich für das Anschließen eines auf dem Schreibtisch liegenden Laptops.