Bildhomogenität
Noch interessanter wird das Bild bei der Homogenität. Im Modus „Uniformity“ erreicht der Monitor bei der Farbreinheit ein sehr gutes Ergebnis, während die Helligkeitsverteilung dagegen noch Wünsche offenlässt und „nur“ gut ausfällt. Vom Modus „Helligkeit“ würde man eigentlich in beiden Disziplinen ein schlechteres Ergebnis erwarten, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Farbhomogenität bleibt dabei nahezu unverändert, während die Helligkeitsverteilung hier sogar ein sehr gutes Ergebnis erzielt.
Ohne Korrektur steigt der Kontrast zwar wie erwartet am stärksten, die Homogenität fällt dann aber deutlich zurück und erreicht nur das Niveau eines typischen Allrounders. Nach der Hardware-Kalibrierung landet der Monitor wieder auf gutem Niveau bei der Helligkeitsverteilung und auf hervorragendem Niveau bei der Farbreinheit. Offensichtlich ist also auch nach der Kalibrierung eine Form der Gleichförmigkeitskorrektur aktiv.
Genau darin liegt die eigentliche Besonderheit des BenQ PD2770U: Dass der Modus „Aus“ den höchsten Kontrast liefert, war zu erwarten. Überraschend ist dagegen, dass „Helligkeit“ nicht nur sichtbar mehr Kontrast als „Uniformity“ bietet, sondern zugleich sogar die überzeugendere Helligkeitsverteilung erreicht. Damit wird „Uniformity“ ausgerechnet in der Disziplin unterlaufen, für die dieser Modus eigentlich stehen sollte.
Nach unseren Messungen ist der Modus „Helligkeit“ daher die beste Wahl für die Bildverarbeitung und auch darüber hinaus die beste Standardeinstellung. Der Modus „Uniformity“ bietet nur auf dem Papier eine etwas bessere Farbhomogenität, und das völlige Abschalten der Gleichförmigkeitskorrektur verschlechtert die Bildhomogenität merklich, ohne im Gegenzug gegenüber „Helligkeit“ einen echten Kontrast-Boost zu liefern. Bei der HDR-Wiederhabe, wo man den bestmöglichen Kontrast benötigt, wird die Gleichförmigkeitskorrektur ohnehin durch den HDR-Modus abgeschaltet. Für den Alltag empfiehlt es sich daher, den Modus „Helligkeit“ als Standardeinstellung beizubehalten.
Der Zustand nach der Hardware-Kalibrierung verdient beim BenQ PD2770U eine gesonderte Betrachtung. Die Messwerte bei Kontrast und Homogenität liegen insgesamt in einer Größenordnung, die eher an den Modus „Uniformity“ erinnert als an den Modus „Helligkeit“ oder den ungebremsten Betrieb ohne Korrektur. Das spricht dafür, dass auch nach der Hardware-Kalibrierung weiterhin eine Form der Gleichförmigkeitskorrektur aktiv bleibt, selbst wenn sie sich weder im OSD noch in Palette Master Ultimate explizit auswählen lässt.
Für sich genommen ist das Ergebnis keineswegs schlecht: Die Helligkeitsverteilung bleibt gut, die Farbreinheit sogar sehr gut. Unschön ist allerdings, dass der Nutzer darauf praktisch keinen Einfluss hat – insbesondere deshalb, weil sich ausgerechnet der Modus „Helligkeit“ in unseren Messungen als der insgesamt überzeugendere Kompromiss herausgestellt hat.
Letztlich liegt die eigentliche Überraschung des BenQ PD2770U darin, dass nicht „Uniformity“, sondern „Helligkeit“ den besten Kompromiss aus Kontrast und Homogenität liefert. „Aus“ bleibt die richtige Wahl nur für maximale Leuchtdichte und maximalen Kontrast. Nach der Hardware-Kalibrierung erhält man zwar weiterhin ein gutes bis sehr gutes Ergebnis, bewegt sich damit aber eher wieder in Richtung „Uniformity“ als in Richtung des eigentlich überzeugenderen Modus „Helligkeit“. Problematisch ist dabei weniger das Resultat selbst als die Tatsache, dass sich dieser Zusammenhang für den Nutzer praktisch nicht kontrollieren lässt.
Folgende Tabelle fasst das Ergebnis noch mal zusammen:
| Modus | Max. Helligkeit | Min. Helligkeit | Ø Kontrast | HV Ø / max. | FH Ø / max. | Kurzurteil |
| Uniformity | 255 cd/m² | 32 cd/m² | 667:1 | 3,90 % / 9,69 % | 0,89 / 1,60 | HV gut, FH sehr gut, Kontrast aber schwach |
| Helligkeit | 337 cd/m² | 43 cd/m² | 874:1 | 2,47 % / 6,81 % | 0,94 / 1,52 | Bester Gesamtkompromiss |
| Aus | 402 cd/m² | 51 cd/m² | 1055:1 | 8,71 % / 15,80 % | 1,52 / 3,18 | Maximaler Kontrast, aber deutlich ungleichmäßiger |
| Nach HKL | – | – | 664:1 | 4,52 % / 10,32 % | 0,72 / 1,31 | HV gut, FH sehr gut, für EBV gut geeignet, aber unnötig limitiert |
Blickwinkel
Die Werksangabe für den maximalen Blickwinkel liegt bei 178 Grad in der Horizontalen und Vertikalen. Das sind die für moderne IPS- und VA-Panels typischen Werte. Das Foto zeigt den Bildschirm des BenQ PD2770U bei horizontalen Blickwinkeln von ±60 Grad und vertikalen von +45 und -30 Grad.

Die Blickwinkelstabilität des BenQ PD2770U fällt im Test sehr gut aus. Bei seitlicher Betrachtung zeigt sich in erster Linie ein Helligkeitsverlust, während echte Farbverschiebungen ausbleiben und auch die Farbsättigung subjektiv weitgehend erhalten bleibt. Feine Details – etwa in der Struktur des Rippenshirts – gehen erst bei sehr flachen Blickwinkeln von der Seite allmählich verloren.
In der Horizontalen bleibt der Farbeindruck insgesamt sehr konstant. Vertikal wirkt das Bild bei stärker abweichendem Betrachtungswinkel allenfalls etwas kühler beziehungsweise leicht farbärmer, ohne dabei jedoch unstimmig zu werden. Insgesamt liefert der BenQ PD2770U damit eine sehr überzeugende Blickwinkelstabilität.
Coating
Die Oberflächenbeschichtung des Panels (Coating) hat auf die visuelle Beurteilung von Bildschärfe, Kontrast und Fremdlichtempfindlichkeit einen großen Einfluss. Wir untersuchen das Coating mit dem Mikroskop und zeigen die Oberfläche des Panels (vorderste Folie) in extremer Vergrößerung.
Mikroskopischer Blick auf die Subpixel mit Fokus auf die Bildschirmoberfläche: Der BenQ PD2770U besitzt eine entspiegelte Oberfläche mit mikroskopischen Vertiefungen zur Diffusion.
Backlight
Die Hintergrundbeleuchtung des BenQ PD2770U wird nach unserer Ansicht nicht durch Pulsweitenmodulation (PWM) gedimmt. Allerdings liegen die Messergebnisse im oberen Bereich, sodass ein geringes Risiko von Unterbrechungen im Lichtstrom (Flicker) besteht. Getestet wurde bei einer Helligkeit von 100 %, 140 cd/m² (47 cd/m²) und 0 %. Trotz der Ergebnisse ist der Bildschirm selbst bei reduzierter Leuchtdichte für ein längeres, ermüdungsfreies Arbeiten davor geeignet.
Interpolation
Der BenQ PD2770U löst nativ mit 3840 × 2160 Pixeln auf. Der Bildschärferegler wirkt auch an den digitalen Eingängen und lässt sich im Wertebereich von 1 bis 10 einstellen. Ein Nachschärfen ist bei digitalen Eingangssignalen in der Regel nicht sinnvoll, vor allem in der EBV. Die Voreinstellung von 5 scheint uns allerdings dennoch gut gewählt, sodass wir den Regler so beließen.
Die Schärfe bei nativer Auflösung ist erwartungsgemäß sehr gut. Bei 1280 × 720 sieht man, dass die notwendige Pixelvergrößerung hauptsächlich durch zusätzlich eingefügte graue Bildpunkte bewirkt wird. Dies führt zu etwas fetteren Konturen mit leichtem Unschärfe-Eindruck. Farbsäume treten nicht auf.
Zur Skalierung stehen im OSD unter der Bezeichnung „Anzeigemodus“ die Optionen „Vollbild“, „Seitenverhältnis“ und „1:1“ zur Verfügung. Der BenQ PD2770U kann daher auch vom nativen 16:9-Format abweichende Eingangsauflösungen ohne geometrische Verzerrungen maximal bildschirmfüllend skalieren. Das gilt vor allem für typische Videoauflösungen wie 480p und 576p. Wie die unten stehende Tabelle zeigt, ist der Proband damit auch dann äußerst flexibel, wenn man ihn nicht in der nativen Auflösung betreibt.
| Signal | Verzerrungsfreie, maximal flächenfüllende Wiedergabe | Unskalierte Wiedergabe |
| SD (480p) | Ja | Ja |
| SD (576) | Ja | Ja |
| HD (720p) | Ja | Ja |
| HD (1080p) | Ja | Ja |
| UHD (4K) | Ja | Ja |
| PC (5:4) | Ja | Ja |
| PC (4:3) | Teilweise (1600 × 1200 nein, 1024 × 768 ja) | Ja |
| PC (16:10) | Teilweise (1920 × 1200 nein, 1680 × 1050 ja) | Ja |
| PC (16:9) | Ja | Ja |
Farbwiedergabe
Bei Monitoren für den Grafikbereich testen wir zunächst die Farbwiedergabe in der Werkseinstellung nach dem Reset sowie – falls vorhanden – in einem sRGB- und Adobe-RGB-Modus. Anschließend wird der Proband mit Quato iColor Display kalibriert. Sofern der Bildschirm eine vollwertige Hardware-Kalibrierung besitzt, wird stattdessen diese in Verbindung mit der Hersteller-Software verwendet.
Farbraumvergleich in CIELAB (D50)
Die folgenden Darstellungen basieren auf den farbmetrischen Daten nach einer Kalibrierung auf D65 als Weißpunkt. Das Bezugsweiß für die Aufbereitung in CIELAB ist D50 (adaptiert mit Bradford).
Weißes Volumen: Bildschirmfarbraum
Schwarzes Volumen: Referenzfarbraum
Buntes Volumen: Schnittmenge
Vergleichsziele: sRGB, Adobe RGB, DCI-P3, ECI-RGB v2.0
Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung zunächst nach der Hardwarekalibrierung auf den nativen Farbraum im Vergleich mit unterschiedlichen Arbeitsfarbräumen:
Die ersten drei Farbraumvergleiche verdeutlichen, dass der BenQ PD2770U nativ klar auf ein großes, grafikorientiertes Farbraumvolumen ausgelegt ist. Die Farbräume sRGB, Adobe RGB und DCI-P3 werden nahezu vollständig abgedeckt.
Eine relevante Unterdeckung zeigt sich lediglich im Vergleich mit dem besonders weit gefassten ECI-RGB-Farbraum. Doch selbst dieser wird zu beachtlichen 90 % erfasst – in anderen Bereichen wird seine Abdeckung sogar deutlich übertroffen. Gerade diese breite Abdeckung wichtiger Farbräume macht den BenQ PD2770U für unterschiedliche Kreativ-Workflows interessant.
Besonders interessant ist auch der Blick auf die Werkspresets. BenQ stellt ab Werk eigene Modi für sRGB, Adobe RGB und DCI-P3 bereit. Ziel solcher Presets ist es, den nativen Farbraum des Monitors möglichst sauber auf den jeweiligen Zielfarbraum zu begrenzen, sodass auch außerhalb Farbmanagement-fähiger Anwendungen ein möglichst stimmiger Bildeindruck erhalten bleibt. Gerade bei einem Bildschirm dieser Klasse ist das ein wichtiger Praxisaspekt, weil nicht jede Signalquelle und nicht jede Software ein vollständiges Farbmanagement mitbringt.
Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung unkalibriert in den jeweiligen Werkspresets:
Der sRGB-Modus ist nahezu perfekt: 98 % Farbraumabdeckung ohne nennenswerte Überstände. Auch der Adobe-RGB-Modus ist mit 95 % Farbraumabdeckung und nur minimalen Überständen gut gelungen. Enttäuschend fällt dagegen der DCI-P3-Modus aus. Zwar wird auch hier der native Farbraum sauber beschnitten, übrig bleibt jedoch nur eine Farbraumabdeckung von mageren 87 %. Dieses Preset wirkt im Vergleich zu sRGB und Adobe RGB erstaunlich lieblos umgesetzt. Dass der Monitor das eigentlich deutlich besser beherrscht, zeigen später die Farbraum-Emulationen.
Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse jeweils für das Werkspreset und nach Hardware-Kalibrierung mit Palette Master Ultimate zusammen:
| Farbraum | Hersteller-Angabe | Abdeckung im Werks-Preset | Abdeckung nach Kalibrierung |
Abdeckung nach HKL-Emulation |
| sRGB | 100 % | 98 % | 99 % | 97 % |
| Adobe RGB | 99 % | 95 % | 98 % | 96 % |
| ECI-RGB v2 | k. A. | – | 90 % | – |
| DCI-P3 RGB | 99 % | 87 % | 99 % | 89 % |
| ISO Coated v2 (FOGRA39L) | k. A. | – | 99 % | – |






































