Einleitung
Der NEC SpectraView Reference 271 ist auf die Bedürfnisse professioneller Benutzer in der grafischen Industrie zugeschnitten. Das High-End-Modell wird vom Hersteller dementsprechend unter der Kategorie Color Accurate Desktop Displays geführt.
Die mitgelieferte Software (SpectraView Profiler) wurde von basICColor lizensiert und unterstützt eine in diesem Segment obligatorische Hardwarekalibration. Darauf muss der Benutzer beim technisch identischen, aber günstigeren PA271W aus gleichem Haus gemeinhin verzichten. Mit SpectraView II hat NEC zwar ein kompatibles Softwareprodukt im Portfolio, verzichtet aber auf seinen Vertrieb in Europa.
Das 27-Zoll große P-IPS Panel stammt von LG und wurde für den Einsatz im SpectraView Reference 271 selektiert. NEC garantiert seine Pixelfehlerfreiheit bis sechs Monate nach dem Kauf. Die Hintergrundbeleuchtung basiert auf WCG-CCFL-Röhren. Der darstellbare Farbumfang geht damit deutlich über sRGB hinaus und bildet unter anderem die Voraussetzung für farbkritisches Softproofing. Mit einer Auflösung von 2560×1440 Pixeln liegt die Pixeldichte bei immerhin knapp 109 ppi.
Mittels der programmierbaren 14bit 3D-LUT werden die Eingangssignale präzise und verlustfrei verarbeitet. Sie können am DisplayPort-Eingang mit einer Farbtiefe von 8bit oder 10bit pro Farbkanal anliegen. Die leistungsfähige Farbraumemulation erlaubt eine exakte Anpassung der Farbreproduktion in nicht farbmanagementfähiger Umgebung.
Testumgebung
Farbmessgeräte: X-Rite i1 Pro, X-Rite DTP94
Grafikkarte: EVGA GeForce GTX670
Software: iColor Display 3.7.4, UDACT, CCalc 2.0 (Inhouse-Vermessungstool), SpectraView Profiler 5.0.3
Externe Zuspieler: Lumagen RadianceXD, iScan VP50, OPPO BDP-93
Lieferumfang
NEC liefert den SpectraView Reference 271 mit DVI-D, DisplayPort-, D-Sub-VGA, USB- und Netzkabel aus. Eine Lichtschutzblende schirmt ungewünschtes Umgebungslicht ab.
SpectraView Profiler liegt in Version 5.0.3 auf CD vor. Die Software zur Hardwarekalibration kann in jeweils aktueller Version auch über die Homepage von NEC bezogen werden. Ein weiterer Datenträger enthält das vollständige Handbuch und MultiProfiler als umfangreichen Screenmanager. Wichtige Information werden zusätzlich in gedruckter Form mitgeliefert. Dazu gehört ein Informationsblatt, das die einwandfreie Bildhomogenität belegt.
Optik und Mechanik
Der NEC SpectraView Reference 271 reiht sich optisch nahtlos in die bestehende Produktpalette ein. Das gefällige, schlichte Gehäuse wirkt hochwertig und betont die professionelle Ausrichtung des Bildschirms. Es besteht aus dunklem, mattem Kunststoff.
Die Rahmenbreite beträgt etwa 1,8 cm. Damit wirkt der High-Ender bei frontaler Betrachtung noch recht filigran. Eine Gehäusetiefe von mehr als 8 cm relativiert diesen Eindruck allerdings schnell. Mit der Standfußkonstruktion werden dann gut 20 cm auf dem Schreibtisch beansprucht.
Die Verarbeitungsqualität des SpectraView Reference 271 überzeugt fast vollständig. Etwas größere Spaltmaße können wir nur am unteren Rahmen ausmachen, der sich etwas abhebt. Das Panel selbst ist sauber eingepasst und gibt bei Druck ein wenig nach. Diese Maßnahme soll Verspannungen vermeiden.
Der Regelungsbereich der Höhenverstellung umfasst 15 cm. Dementsprechend kann der Abstand von Rahmenunterkante bis zur Tischoberfläche von 2 cm bis 17 cm variiert werden.
Eine Neigung nach hinten ist bis 30 Grad möglich. In Gegenrichtung werden maximal 5 Grad erreicht. Die VESA100-Verschraubung verbindet alternative Befestigungssysteme mit dem Bildschirm.
Der massive Standfuß fixiert den Bildschirm sicher auf allen Oberflächen. Das eingelassene Drehgelenk erlaubt eine Rotation um 45 Grad in beide Richtungen.
Über ein weiteres Drehgelenk ist der Betrieb in Hochkantausrichtung möglich.
Die im Betrieb entstehende Abwärme wird passiv über das Gehäuse abgeführt. Zahlreiche Lüftungsschlitze verhindern eine Überhitzung. Inverter und Netzteil arbeiten leise. Erst bei starker Annäherung können wir ein leises Fiepen ausmachen, dessen Frequenz sich abhängig von Helligkeit und Bildinhalt ändert.
Stromverbrauch
Das 27-Zoll große IPS-Panel und eine CCFL-Hintergrundbeleuchtung verhindern Bestwerte in puncto Leistungsaufnahme. Die Ergebnisse entsprechen aber den Erwartungen. Mit knapp 70 Watt bei einer Leuchtdichte von 140 cd/m² kann man gut leben.
NEC verzichtet auf einen separaten Netzschalter. Im ausgeschalteten Zustand ist der Stromverbrauch aber auch so nur minimal. Mit einer USB-Verbindung zum Rechner erhöht sich die Leistungsaufnahme leicht.
Hersteller | Gemessen | |
Betrieb maximal | 117 W | 120,5 W |
140 cd/m² | k.A. | 69,7 W |
Betrieb minimal | k.A. | 52,1 W |
Energiesparmodus | < 1,4 W | 0,7 W |
Ausgeschaltet | < 0,2 W | 0,2 W |
Anschlüsse
Der NEC SpectraView 271 Reference verfügt über drei Videoschnittstellen. Zwei DVI-D-Eingänge werden von einem DisplayPort-Eingang ergänzt. Analoge RGBHV-Signale können damit nicht mehr zugespielt werden. Das ist heutzutage verschmerzbar.
Darüber hinaus stehen dem Benutzer drei USB-Downstream-Anschlüsse zur Verfügung. Die Verbindung mit dem Computer erfolgt über zwei USB-Upstream-Anschlüsse. Sie können den verschiedenen Signaleingängen zugeordnet werden.
Bedienung
NEC bleibt sich bei der Bedienphilosophie treu. Das bewährte Konzept hat sich über die Jahre kaum verändert. Der Benutzer steuert Bildschirm und OSD über sechs Tasten, die in der unteren rechten Ecke des Rahmens eingelassen wurden. Ihre aktuelle Belegung wird auf dem Bildschirm eingeblendet. Damit ist die Bedienung auch in dunkler Umgebung absolut unproblematisch.
Die beiden zentralen Elemente sind eine horizontale und vertikale Doppeltaste. Sie werden zur Navigation durch das OSD und die Veränderung ausgewählter Parameter genutzt. Zwischen den Tasten befinden sich Power-LED und Helligkeitssensor.
OSD
Das OSD ist sehr umfangreich und wurde in zwei separate Bereiche unterteilt. Ein Standardmenü enthält die wichtigsten Grundeinstellungen. Deutlich tiefergehende Eingriffe werden über ein erweitertes Menü realisiert. Aufgrund der Hardwarekalibration kommt man im Alltagsbetrieb mit nur wenigen eigenen Einstellungen aus.
Ein wichtiger Parameter ist die gewünschte Leuchtdichte. Der obligatorische Regler arbeitet mit absoluten Werten in cd/m² statt weithin üblicher Prozentangaben. Die Regelungsgrenze der Hintergrundbeleuchtung wird durch eine Einfärbung des Zahlwertes dargestellt. Der Weißpunkt kann über Voreinstellungen in Kelvin oder eine Definition in xy-Normfarbwertanteilen reguliert werden. Anpassungen der Gradation sind ebenfalls möglich. Zur Auswahl stehen fixe Gamma-Gradationen und sRGB- bzw. L*-Tonwertkurve.
Die Steuerung der Farbraumemulation erfolgt optional ebenfalls über das OSD. Der Benutzer legt hier die erforderlichen xy-Normfarbwertanteile für die Primärfarben fest. Sie können auch außerhalb des Bildschirmfarbraums liegen. Die Farbraumtransformation erfolgt mit relativ farbmetrischen Rendering-Intent.
Über eine benutzerdefinierte Einstellung kann die Skalierung flexibel angepasst werden. Für Signale mit quadratischem Pixelseitenverhältnis werden drei sinnvolle Voreinstellungen angeboten.
Weitere Funktionen umfassen die Auswahl der Menüsprache und die Positionierung des OSD. Zudem können Overdrive-Schaltung und Flächenhomogenitätsverbesserung (ColorComp) konfiguriert werden. Eine Rücksetzung in den Werkszustand ist natürlich ebenfalls möglich.