Lesertest EIZO CS2731 – Überzeugend bei Print- und Videoproduktion
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Der Lesertest soll klären, inwieweit dieser Bildschirm für die tägliche Arbeit mit Videoschnitt und Layout-Arbeiten geeignet ist

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Das On-Screen-Display (OSD)

Der Monitor hat rechts unten in seinem Rahmen eine Reihe von sechs berührungsempfindlichen und mit weißen LEDs gekennzeichneten Tasten, mit denen die wichtigsten Funktionen gesteuert werden können. Die Tasten sind bei jedem Umgebungslicht gut zu erkennen, stören aber nie. Wenn man das OSD zum ersten Mal aufruft, hat man das Gefühl, es gehöre zur Windows-Taskleiste. Das ist kein Nachteil, verführt aber dazu, das OSD mit der Maus zu bedienen, zumindest beim ersten Mal. Die Anzeigen des OSDs sind auf allen Bildschirmhintergründen gut ablesbar.

OSD mit Signalinformation bei einer Farbtiefe von 10 Bit an einer NVIDIA-Grafikkarte und den Funktionstasten im Rahmen
OSD mit Signalinformation bei einer Farbtiefe von 10 Bit an einer NVIDIA-Grafikkarte und den Funktionstasten im Rahmen

Mit dem OSD lassen sich die wichtigsten Funktionen direkt aufrufen: Wahl des Eingangssignals, Farbraum, Helligkeit (mit einer der frei belegbaren Funktionstasten). Darüber hinaus gibt es zahlreiche Einstell- und Informationsmöglichkeiten: Zuordnung der USB-Anschlüsse zu dem gewählten Eingangssignal, Information zum gewählten Eingangssignal usw. Sehr schön ist auch die Möglichkeit, nicht erforderliche Auswahlmöglichkeiten zu unterdrücken. Wer also zum Beispiel an den Monitor einen Laptop über USB-C und einen Desktop-Rechner über DisplayPort angeschlossen hat, kann einstellen, dass nur diese beiden Anschlüsse als Signalquellen in der Auswahl angezeigt werden.

Die Auswahl des Eingangssignals steht im Auslieferungszustand nicht auf Automatik, was sich im Nachhinein als sinnvoll erweist, wenn am Monitor gleichzeitig ein Desktop-PC und ein Laptop angeschlossen sind. In diesem Fall muss der Anwender selbst entscheiden, mit welchem der beiden Rechner er gerade arbeiten möchte, denn der USB-C-Port ist, zumindest bei meinem Laptop, selbst dann aktiv, wenn der Rechner ausgeschaltet ist.

Einige Funktionen stehen nur im Administrator-Modus zur Verfügung, der sich aber mit einer einfachen Tastenkombination leicht aufrufen lässt. Zu diesen Funktionen gehört auch die automatische Erkennung des Eingangssignals.

Der USB-C-Anschluss

Ein besonderes Merkmal des EIZO CS2731 ist der USB-C-Port. Damit kann für einen Laptop die Stromversorgung, die Übertragung des Videosignals und der Anschluss von Peripheriegeräten erfolgen. Damit ersetzt der CS2731 eine Docking-Station, zumindest weitgehend. Voraussetzung ist, dass eine Leistung von maximal 60 Watt ausreicht, um den Laptop zu versorgen. Laut Spezifikation des Monitors ist dies die maximale Leistung, die über den USB-C-Port geliefert werden kann. Ein kabelgebundener Netzwerkanschluss und die Übertragung eines Tonsignals ist über den Bildschirm nicht möglich und muss bei Bedarf über separate Anschlüsse am Laptop realisiert werden. Wird der Laptop über Wi-Fi angeschlossen und kein eigener Audio-Anschluss benötigt, muss nur das USB-Kabel eingesteckt werden.

Anschluss an einen Laptop
Anschluss an einen Laptop

Besonders attraktiv ist das, wenn der Monitor auch noch an einen Desktop-PC angeschlossen ist. In dieser Konstellation kann durch Umschalten der Signalquelle am Monitor zwischen den beiden Rechnern gewechselt werden. Im Prinzip sieht das so aus:

Verwendung des EIZO CS2731 an zwei Rechnern
Verwendung des EIZO CS2731 an zwei Rechnern

Wechselt man am Monitor die Signalquelle, wird auch der USB-Anschluss umgeschaltet. In der Standardkonfiguration ist der USB-B-Port den Signalquellen DVI, HDMI oder DisplayPort zugeordnet, der USB-C-Anschluss fasst alle Funktionen zusammen. Tastatur und Maus müssen dazu direkt mit dem Monitor verbunden sein, eine Bluetooth-Verbindung zwischen Rechner und Peripherie lässt sich mit dem Display natürlich nicht umschalten.

In der Praxis hat die Verbindung mit einem Lenovo-P52s-Laptop und dem mitgelieferten Kabel auf Anhieb funktioniert. Obwohl in der Vergangenheit viel über mangelnde Kompatibilität der unterschiedlichen USB-C-Anschlüsse und der zugehörigen Kabel geredet wurde, scheint das nicht mehr ganz so kritisch zu sein. Alle USB-C-zu-USB-C-Kabel, die in meinem Besitz sind, haben die Verbindung zwischen Monitor und Laptop einwandfrei bewältigt.

Laptop mit CS2731 und gespiegeltem Desktop
Laptop mit CS2731 und gespiegeltem Desktop

Die ColorNavigator-Software

Richtig komplett ist der Monitor erst, wenn auf dem zugehörigen Rechner die ColorNavigator-Software installiert ist. Sie hat im Wesentlichen zwei Funktionen: die Kalibrierung des Bildschirms und die Steuerung einiger Funktionen des Bildschirms. Die Software muss von der EIZO-Website heruntergeladen werden. Sie arbeitet mit verschiedenen Kolorimetern von X-Rite und Datacolor zusammen. Hier kam ein Spyder 5 zum Einsatz.

Kalibrierung

Bevor der Monitor kalibriert wird, sollte man die gewünschten Farbstandards importieren bzw. selbige den entsprechenden Funktionstasten zuweisen. Der ColorNavigator liefert die wichtigsten Standards mit (Adobe RGB, sRGB, EBU, BT.709, BT.2020, SMPTE-C und DCI). Weitere Kalibrier-Targets können importiert werden (als *.cntarget- oder *.cn7target-Dateien). Danach muss man nur noch das Kolorimeter anschließen und die Kalibrierung für die gewünschten Farbstandards anstoßen.

Die Kalibrierung für sRGB und Adobe RGB läuft sehr schnell durch (ca. 75 Sekunden), BT.709 und BT.2020 brauchen etwas länger (ca. 285 Sekunden). Insgesamt ist der Prozess leicht verständlich und die Benutzerführung perfekt gelöst. Beendet man die Software, lädt sie die Kalibrierdaten in den Monitor. Die Farbkorrektur erfolgt durch eine Look-up-Tabelle im Bildschirm und nicht durch Farbprofile auf dem Rechner. Der Hersteller nennt das Hardware-Kalibrierung. Der Vorteil ist, dass auf Seiten der Grafikkarte der volle Farbumfang zur Verfügung steht, bei 8 Bit Farbtiefe können daher alle 256 zulässigen Helligkeitswerte von der Grafikkarte ausgenutzt werden. Das Mapping auf andere Helligkeitswerte erfolgt erst durch die Look-up-Table im Monitor, die mit einer Farbtiefe von 16 Bit einen größeren Spielraum hat.

Die Umschaltung zwischen den einzelnen Farbräumen ist nicht nur über die Steuerungstasten des Monitors und des OSDs möglich, sondern auch über das Taskleisten-Symbol von ColorNavigator. Da muss der Anwender seine Hand nicht von der Maus nehmen.

Auswahl des Farbraums über das Taskleisten-Menü von ColorNavigator
Auswahl des Farbraums über das Taskleisten-Menü von ColorNavigator

Subjektive Beurteilung der Kalibrierung

So weit die Theorie der Hardware-Kalibrierung. Im Rahmen dieses Tests lässt sich das nicht durch Messungen oder Fotos vom Bildschirm beweisen. Es bleibt nur die subjektive Beurteilung, und hier hat der CS2731 einige bemerkenswerte Eigenschaften.

Von anderen Bildschirmen bin ich es gewohnt, dass bei einer Umschaltung des Farbraums, typischerweise von sRGB nach Adobe RGB oder von BT.709 nach BT.2020, deutliche Änderungen der Farbigkeit wahrnehmbar waren – oder um es ganz simpel auszudrücken: Adobe RGB war bunter als sRGB. Beim CS2731 sind die Änderungen zwar auch wahrnehmbar, sie sind aber deutlich subtiler. Es wirkt nicht mehr so, als würde man heftig an der Sättigung drehen. Der Gesamteindruck des Bildes verändert sich weniger, und die Unterschiede sind nur im direkten Vergleich sichtbar. Ob dies nur an der Hardware-Kalibrierung liegt oder ob es hierfür noch andere Ursachen gibt, konnte ich nicht herausfinden. Aber der subjektive Eindruck ist, dass der CS2731 der erste Monitor auf meinem Schreibtisch ist, der mit unterschiedlichen Farbräumen korrekt umgehen kann, und das ist ausgesprochen sympathisch.