Test BenQ PD2770U: 4K-Profi-Display mit integriertem Messsensor
9/9

Gaming

Der BenQ PD2770U ist für die Bildbearbeitung konzipiert worden. Overdrive ist zwar vorhanden, eine Sync-Technologie beherrscht der 27-Zoll-Bildschirm aber nicht.

Bei Blur Busters haben wir einige Tests durchgeführt, um eine Aussage über das Auftreten von Ghosting oder Korona-Effekten treffen zu können. Die Bewegungsschärfe der UFOs ist bei 60 Hz sehr unscharf. In der Praxis sind Ghosting-Effekte nur in der Overdrive-Stufe „Aus“ auszumachen. Ghosting ist ein Artefakt der Nachlaufbewegung. Es wird durch asymmetrische Pixelübergänge verursacht: Übergänge zwischen zwei Farben können in einer Richtung schneller sein als in der anderen.

Deutliche Korona-Effekte konnten wir nur in der höchsten Overdrive-Stufe erkennen, was sich mit unseren Messungen deckt. Aus Qualitätsgründen sollte diese Stufe gemieden werden. Koronas sind Nachzieheffekte, die durch die Beschleunigung der Reaktionszeit (Overdrive) verursacht werden. Die Pixel können über ihren endgültigen Farbwert hinausschießen, bevor sie zurückspringen, was zu einem hellen, inversen Geisterbild führt.

Der BenQ PD2770U ist weder zum Spielen gedacht noch geeignet.

Sound

Der BenQ PD2770U wird unter Windows als Audio-Gerät erkannt und kann Tonsignale über alle Signal-Eingänge entgegennehmen, die dazu in der Lage sind. Eigene Lautsprecher besitzt der Proband aber nicht. Tonsignale können daher nur über den Kopfhöreranschluss ausgegeben werden.

Audiovisuelle Medienwiedergabe

Der BenQ PD2770U ist kein klassischer Multimedia-Monitor, eignet sich für die Wiedergabe audiovisueller Inhalte aber dennoch gut. Das beginnt bereits beim Format: Mit 27 Zoll, UHD-Auflösung und klassischem 16:9-Seitenverhältnis bringt der Testkandidat passende Voraussetzungen für typische Videoquellen mit. Hinzu kommt die sehr gute Skalierung, die auch bei externer Zuspielung einen insgesamt überzeugenden Bildeindruck ermöglicht. Bereits im Interpolationskapitel zeigt sich, dass der Bildschirm mit abweichenden Auflösungen flexibel umgehen kann und sowohl verzerrungsfreie als auch unskalierte Darstellungen sauber beherrscht.

Zur alltagstauglichen Videoausrichtung passt auch die Anschlussseite: Externe Zuspieler wie Blu-ray-Player, HDTV-Empfänger oder Spielekonsolen lassen sich direkt per HDMI anbinden. Da der BenQ PD2770U selbst keine Lautsprecher besitzt, werden anliegende Tonsignale über den Kopfhörerausgang ausgegeben. Für die praktische Medienwiedergabe ist das zwar keine Luxuslösung, aber eine saubere und zuverlässige Umsetzung.

Für SDR-Inhalte profitiert die Videowiedergabe zudem vom großen nativen Farbraum des Panels. Gerade kräftige Farben wirken sichtbar leuchtkräftiger als bei einem reinen sRGB-Monitor. Zugleich stehen mit sRGB und Rec. 709 auch für die Videobearbeitung beziehungsweise kontrollierte SDR-Wiedergabe brauchbare und insgesamt verlässliche Modi zur Verfügung. Das passt gut zur generellen Ausrichtung des Monitors, der nicht nur große Farbräume nativ abdeckt, sondern auch werkseitig entsprechende Bildmodi bereitstellt.

Bei HDR zeigt sich dagegen das aus dieser Geräteklasse zu erwartende Bild. Positiv ist zunächst, dass das Umschalten in den HDR-Modus im Test einwandfrei funktionierte. Die eigentliche HDR-Performance bleibt aber durch die erreichbare Spitzenhelligkeit und den IPS-typischen Kontrast naturgemäß begrenzt. Die Maximalhelligkeit wird dabei nur nahe der Bildschirmmitte erreicht, während in anderen Messpositionen sichtbar geringere Werte anliegen. Hinzu kommt, dass im 320-cd/m²-Feld rund 400 cd/m² gemessen wurden und damit mehr, als an dieser Stelle eigentlich zu erwarten wäre. Für echtes Referenz-HDR reicht das insgesamt erwartungsgemäß nicht aus.

Ganz wirkungslos bleibt HDR am BenQ PD2770U dennoch nicht. Gerade bei Inhalten, bei denen kräftige Farben im Vordergrund stehen, bietet der große Farbraum einen sichtbaren Vorteil. Farbintensive Bildbereiche wirken leuchtkräftig und differenziert, ohne dass helle oder stark gesättigte Partien so schnell überlaufen oder absaufen. Der Zugewinn entsteht hier also weniger durch spektakuläre Spitzlichter als vielmehr durch die insgesamt farbstärkere und stabilere Darstellung entsprechender Inhalte.

Einen kleinen Praxisabzug gibt es bei der Filmwiedergabe allerdings noch: 24p wird nur bei 1080p unterstützt, nicht jedoch bei nativer UHD-Zuspielung. Gerade bei einem 4K-Monitor ist das schade, weil man eine saubere 24p-Wiedergabe eigentlich auch in der nativen Auflösung erwarten würde.

Insgesamt eignet sich der BenQ PD2770U gut für audiovisuelle Medien. Seine Stärken liegen dabei weniger in kinotypischer Perfektion oder echtem High-End-HDR, sondern in der sehr ordentlichen SDR-Wiedergabe, den verlässlichen Presets für farbkritische Videoarbeit, der guten Skalierung und dem sichtbaren Farbraumvorteil bei entsprechendem Material.

Bewertung

4.6

(SEHR GUT)

Fazit

Mit dem PD2770U bringt BenQ einen 27 Zoll großen 4K-Grafikmonitor, der professionelle Farbkontrolle, integrierte Kalibrierungsfunktionen und modernen Workflow-Komfort in einem vergleichsweise kompakten Format zusammenführen soll. Dieses Versprechen löst der Proband im Test in weiten Teilen ein. Verarbeitung, Ergonomie, Bedienung und Mechanik bewegen sich auf hohem Niveau. Hinzu kommen ein großer nativer Farbraum, eine sehr saubere Graustufendarstellung, eine überzeugende Homogenität im Modus „Helligkeit“ und eine insgesamt gelungene Hardware-Kalibrierung. Gerade sRGB und Adobe RGB werden nicht nur nativ gut abgedeckt, sondern auch in Presets und Emulationen praxisgerecht umgesetzt.

Ganz ohne Schwächen bleibt der BenQ PD2770U allerdings nicht. Der DCI-P3-Modus fällt sowohl ab Werk als auch nach Emulation schwächer aus, als es das Panel eigentlich erwarten ließe. Auch bei der Systemlogik rund um ICCsync, Palette Master Ultimate, Auto-Kalibrierung und Profilzuordnung zeigt sich, dass der Proband funktional zwar schon sehr weit ist, im Detail aber noch nicht die Stringenz erreicht, die man von einer echten Referenzlösung erwarten darf. Hinzu kommen kleinere Einschränkungen wie nur drei Kalibrierungsspeicherplätze, die begrenzte USB-C-Hub-Bandbreite bei 4K und 60 Hz sowie die fehlende 24p-Unterstützung bei nativer UHD-Zuspielung.

Gerade im Vergleich zu anderen Herstellern ist BenQs Ansatz dennoch bemerkenswert ambitioniert. Die Kombination aus integrierter Sonde, echter Hardware-Kalibrierung, Preset-Nachkalibrierung, Hotkey-Puck, KVM und insgesamt hohem Bedienkomfort findet man in dieser Form nach wie vor nur selten. Der Abstand zu EIZO liegt damit weniger im Funktionsumfang als in der inneren Systemkonsistenz. Gäbe es diese Referenz nicht, wäre der PD2770U in seiner Preisklasse in vielen Punkten selbst der Maßstab.

Damit ist der BenQ PD2770U ein außergewöhnlich spannender Grafikmonitor. Wer einen 27 Zoll großen 4K-Bildschirm mit großem Farbraum, ernst zu nehmender Hardware-Kalibrierung und hohem Workflow-Nutzen sucht, bekommt hier ein insgesamt sehr gutes Gesamtpaket. Vor allem beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Modell derzeit nur schwer zu schlagen.

Testlogo BenQ PD2770U
Hinweis in eigener Sache: PRAD erhielt den PD2770U leihweise von BenQ zu Testzwecken. Herstellerseitig gab es weder eine Einflussnahme auf den Testbericht noch eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Verschwiegenheitsvereinbarung.

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Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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