Test BenQ SW240 – günstiger Grafik-Monitor überzeugt
4/6

1
25398

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Gegensatz zu Standardmonitoren bieten professionelle Displays von BenQ die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration. Hier werden die Kalibrierungseinstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Handware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage.

Beim SW240 gehört hier die Software „Palette Master Element“ zum Lieferumfang, muss aber zunächst über die Herstellerseite gefunden und heruntergeladen werden. Sie lag uns in der Version 1.2.9 vor und unterstützt Windows sowie Mac OS. Im Vergleich zum Test des BenQ SW2700PT hat sie einige nützliche Funktionen dazugewonnen (Version 1.0.3).

Für die nachfolgenden Messungen wurde der BenQ SW240 aus „Palette Master Element“ heraus kalibriert (Weißpunkt: D65, RGB-Primärfarben: Panel Native, Leuchtdichte: 140 cd/m², Gamma: 2,2, Schwarzpunkt: Absolut Null) und profiliert.

Die Wahl für die angestrebte Helligkeit und den Weißpunkt entspricht den von uns und anderen Experten für die Fotobearbeitung empfohlenen Werten. In Stein gemeißelt sind diese Empfehlungen allerdings nicht. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird. Eine Option L* ist vorhanden.

PME: Einstieg (Screenshot PME)
PME: Einstieg (Screenshot PME)
PME: Workflow-Optionen (Screenshot PME)
PME: Workflow-Optionen (Screenshot PME)

Die Startseite dient primär der Erkennung von Monitor und Kolorimeter. Die Verbindung sollte am besten direkt über den USB-Hub des Monitors erfolgen.

Die Option „Basis“ ergibt wenig Sinn, da bereits die Option „Erweitert“ nur einen sehr eingeschränkten Funktionsumfang aufweist. Auf der zweiten Seite kann man eine neue Profilierung anstoßen oder eine bestehende überprüfen. Diese absolut sinnvolle Möglichkeit wird nur im erweiterten Modus angeboten.

PME: Monitor-Optionen (Screenshot PME)
PME: Monitor-Optionen (Screenshot PME)
PME: Mess-Optionen (Screenshot PME)
PME: Mess-Optionen (Screenshot PME)

Auf der dritten und vierten Seite werden dann die Kalibrierungsparameter für den Monitor eingestellt und der Profiltyp/die Profilversion definiert. Danach braucht man Geduld. Allerdings scheint BenQ beim SW240 die Performance deutlich verbessert zu haben. Bei mittlerem Messfeldsatz dauerte die Kalibration jetzt nur noch ca. 12 Minuten. Beim SW320 mussten wir selbst bei kleinem Messfeldsatz noch mindestens 15 Minuten ausharren. Dieselbe Zeitspanne muss man auch bei jeder Nachkalibrierung einplanen. Der Kalibrierungsvorgang läuft aber in jedem Fall vollständig automatisch ab.

Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen. Auch im Monitor wird automatisch zum gewählten Bildmodus gewechselt (Kalibration 1–3). Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungs-Ergebnis zu überprüfen.

PME: Überprüfung nach Abschluss der Kalibrierung (Screenshot PME)
PME: Überprüfung nach Abschluss der Kalibrierung (Screenshot PME)

Zum Abspeichern der Kalibrierungsergebnisse sind drei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Die Auswahl wird beim Kalibrierungsvorgang getroffen. Somit hat man die Möglichkeit, das Gerät auf unterschiedliche Ziele zu kalibrieren und dann einfach per Knopfdruck hin und her zu schalten.

Hier kam es aber leider in der Vergangenheit bei anderen BenQ-Monitoren immer wieder zu Problemen. Das beim SW271 geschilderte Problem konnten wir zwar nicht mehr feststellen, dafür tauchte es etwas versteckt an anderer Stelle wieder auf. Beim Versuch, alle drei Speicherplätze mit unterschiedlichen Konfigurationen zu belegen, schien zunächst alles glatt zu laufen. Beim Umschalten auf eine andere Konfiguration mussten wir aber feststellen, dass diese (und auch die anderen) wieder verloren gegangen waren.

BenQ scheint das Problem zwar zu kennen, aber nicht in den Griff zu kriegen. Soweit für uns ersichtlich, tritt es nur bei Vollbelegung zutage. Mit einem bis zwei Speicherplätzen sollte alles wie vorgesehen funktionieren.

Wechselt man später am Monitor per OSD zwischen den beiden Kalibrierungs-Ergebnissen, muss man allerdings bei der BenQ-Lösung auch den Profilwechsel in der Farbverwaltung des OS entsprechend manuell nachziehen. Ansonsten bekommt man in Farbmanagement-fähigen Anwendungen eine falsche Darstellung. Eine Funktion, die diesen Wechsel wie beim „Color Navigator“ von EIZO automatisch übernimmt, bietet BenQ nach wie vor nicht an.

Insgesamt besitzt die Lösung von BenQ bei Weitem nicht den gleichen Funktionsumfang und die gleiche Stabilität wie beispielsweise der „Color Navigator“ von EIZO. Auf dem hier getesteten Entwicklungsstand hat uns die Lösung aber durchaus überzeugt und dürfte die meisten Wünsche von Fotografen schon ganz gut abdecken.

Anders sieht es dagegen aus, wenn häufig zwischen Farbmanagement-fähigen und nicht Farbmanagement-fähigen Anwendungen gewechselt wird oder anspruchsvollere Workflows in Richtung Druck relevant sind. Auf jeden Fall ist dann das Wechseln mit manuellem Profilwechsel nervig und fehleranfällig und die Anzahl an vorkonfigurierbaren Kalibrierungszielen sehr beschränkt.

1 KOMMENTAR

  1. Was ich bei ca. 1:45 im Video sehe, scheint alle aktuelleren IPS-Displays zu übertreffen. Das Bild verändert sich anscheinend nicht stärker als bei meinem alten Eizo mit S-PVA. Im Grunde kein stumpfes Glänzen erkennbar. Vielleicht muss ich doch nicht erst auf OLED-Monitore warten. Der könnte wirklich was für mich sein. Oder gibt es da noch andere, die das vergleichbar gut können?

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen