Test EIZO CG279X – Bildqualität in Perfektion
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OSD

Das OSD von EIZO mag optisch schlicht wirken. Hinsichtlich Funktionalität und Bedienlogik ist es aber bekanntermaßen erstklassig. Trotz des großen und professionellen Funktionsumfangs findet man sich sofort zurecht.

Dabei kann der CG279X beim OSD mit zahlreichen Detailverbesserungen und neuen Funktionen gegenüber den Vorgängermodellen punkten. Bereits beim ersten Einschalten versorgt der Proband den Nutzer mit detaillierten Informationen zur anliegenden Signalquelle.

Signalquelle und Farbmodus können unmittelbar über die Schnellauswahl angepasst werden. Anstelle des Helligkeitsreglers sind beim CG279X hier zwei neue Funktionstasten hinzugekommen, die über die Einstellungen mit unterschiedlichen Funktionen belegt werden können. Beispielsweise lassen sich so Farbumfangs- und Helligkeitswarnungen schnell ein- und ausblenden.

OSD: Bedienhilfe (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Bedienhilfe (Screenshot Handbuch EIZO)

Hat man im Grafikkarten-Treiber 10 bpc für die Ausgabetiefe aktiviert, erhält man auch die Bestätigung, dass tatsächlich 10 Bit und der vollständige Dynamikbereich beim Monitor ankommen. Diese äußerst nützlichen Hinweise gibt der EIZO CG279X automatisch beim Wechsel der Signalquelle, wenn sich am bestehenden Eingangssignal etwas ändert oder auch auf Wunsch per OSD.

Wer sich jetzt allerdings freut, dass man doch auch mit einer „normalen“ Grafikkarte in den Genuss einer 10-Bit-Verarbeitung in der EBV kommt, den müssen wir leider enttäuschen. Sofern ein geeigneter Monitor angeschlossen ist, lässt sich die Ausgabe-Farbtiefe schon seit Langem auf 10 bpc einstellen – bei NVIDIA-Grafikkarten seit der 200er-Serie. Selbst wenn man dann in Photoshop zusätzlich in den Voreinstellungen die 30-Bit-Anzeige aktiviert, heißt das noch nicht, dass dort auch tatsächlich eine 30-Bit-Verarbeitung stattfindet.
Professionelle Programme wie Photoshop und andere setzen üblicherweise auf OpenGL, und das müsste auch der Grafikkarten-Treiber unterstützen. Bei Consumer-Grafikkarten haben die Hersteller aber ausschließlich die Spieler im Blick. 10 Bit funktionieren nur bei DirectX-Programmen im Vollbildmodus – also Spielen. Wer also 10 Bit und gleichzeitig zumindest eine Mittelklasse-GPU-Beschleunigung in der EBV haben will, muss weiterhin richtig tief in die Tasche greifen und eine Workstation-Karte kaufen.

Die neue Informationsanzeige beim EIZO CG279X ist auf jeden Fall sehr nützlich.

OSD: Hauptmenü (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Hauptmenü (Screenshot Handbuch EIZO)

Das Hauptmenü besteht wie gewohnt aus sieben Hauptebenen mit logischem und selbsterklärendem Funktionsumfang. Jede Eingabe wird prompt und ohne jede Verzögerung ausgeführt. Das gilt vor allem auch fürs Umschalten verschiedener Farbmodi bzw. Farbraum-Emulationen. So macht die OSD-Bedienung wirklich Spaß.

Zu den zahlreichen Detailverbesserungen beim EIZO CG279X gehört, dass man jetzt auch im kalibrierten Bildmodus die Zieleinstellungen einsehen und sogar ändern kann. Werden sie verändert, warnt der CG279X mit lila gefärbter Schrift, dass die neuen Einstellungen noch kalibriert werden müssen.

Dank des integrierten Kalibrierungssensors kann man die Kalibrierung direkt aus dem OSD heraus – auch ohne Umweg über den ColorNavigator – anstoßen. Dabei ist in farbunkritischen Anwendungen sogar ein ungestörtes Weiterarbeiten möglich. Lediglich der ausgefahrene Sensor und ein sehr kleines Fenster für die Kalibrierung versperren die Sicht auf den Desktop.

OSD: Bild-Einstellungen-Presets (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Bild-Einstellungen-Presets (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Bild-Einstellungen bei Kalibrierungs-Modi (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Bild-Einstellungen bei Kalibrierungs-Modi (Screenshot Handbuch EIZO)

Die Einstellungen für die regelmäßige Selbstkalibrierung kann man bequem über die Software treffen oder auch direkt im OSD (bzw. zumindest dort kontrollieren). Obschon man während der Selbstkalibrierung problemlos weiterarbeiten kann, empfehlen wir trotzdem, sie auf die Nachtstunden zu legen. Wenn der Arbeitsraum vollständig dunkel ist, sind auf jeden Fall mögliche Fehlerquellen durch Streulicht ausgeschlossen.

OSD: Selbstkalibrierung (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Selbstkalibrierung (Screenshot Handbuch EIZO)

Die beiden letzten Abbildungen zeigen noch die allgemeinen Systemeinstellungen und das versteckte Administrator-Menü. Ersteres ist selbsterklärend. Im Admin-Menü sind wie bereits beschrieben vor allem der Compatibility-Mode und die Einstellung für DUE-Priority wichtig.

OSD: System-Einstellungen (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: System-Einstellungen (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Administrator-Einstellungen (Screenshot Handbuch EIZO)
OSD: Administrator-Einstellungen (Screenshot Handbuch EIZO)

Bildqualität

Der Panel-Rahmen und die Oberfläche des Panels sind matt und wirksam entspiegelt. Seitlich einfallendes Licht oder auch ein Betrachter mit heller Kleidung erzeugen nur schwache Reflexionen auf dem Bildschirm.

Beim Reset stellt der Monitor folgende Werte ein:

Bildmodus: User
Helligkeit: 140 cd/m2
Kontrast: nicht vorhanden
Gamma: 2,2
Farbtemperatur: 6500
RGB: 100/87/80
Color-Gamut: Nativ
DUE Priority: Uniformity (Farbkonstanz)
Schärfe: nicht vorhanden
Reaktionszeit: nicht vorhanden

Diese Werte wurden für die nachfolgende Beurteilung bei Werkseinstellung verwendet.

Graustufen

Die Graustufen und der Grauverlauf sind bereits in der Werkseinstellung Spitzenklasse und auf Referenzniveau. Sie wirken subjektiv vollständig neutral. In den Graustufen sind die hellsten Abstufungen vollständig und die dunkelsten Stufen bis einschließlich Stufe 5 zu erkennen. Die Grauverläufe sind extrem gleichmäßig und fließend. Das gilt nicht nur in der horizontalen, sondern auch in der vertikalen Betrachtung. Farbschimmer und Banding-Effekte waren generell nicht zu beobachten.

Auf das Thema „10 Bit Farbtiefe“ sind wir bereits im OSD-Kapitel näher eingegangen. Wir empfehlen, auch bei Verwendung von Consumer-Grafikkarten die 10-Bit-Farbtiefe im Treiber zu aktivieren. In bestimmten Anwendungen mag das trotzdem Vorteile bringen.

Graustufendarstellung des Eizo CG279X
Graustufen

Besonders erwähnenswert ist beim EIZO CG279X noch die sich bereits bei den Graustufen zeigende ausgezeichnete Blickwinkelneutralität. Die Zeichnung bleibt selbst bei extremeren Blickwinkeln praktisch vollständig gleich, da die sonst übliche Aufhellung in dunklen Bereichen nicht eintritt.

Dieses Spitzenniveau wird auch vom CG2730 erreicht, nicht aber vom CS2730. Verantwortlich dafür ist das nur in den beiden teureren Geräten verbaute True-Black-Panel.

10 KOMMENTARE

  1. Für einen selten so präzisen Monitor in puncto „Farbleistung und Homogenität“ zahle ich gerne diesen Preis.
    Gerade als Profi, will ich meinen Kunden im ColorGrading nur verlässliche Filme und Trailer abliefern.
    Eine Tagesgage jenseits von 500€ erlaubt und berechtigt gerade zu nur das beste zu kaufen, da sehe ich neben EIZO wohl nur noch NEC Monitore.

    Klar, für den Anfang langt auch ein „farbtreuer“ Monitor anderer Hersteller, aber irgendwann macht man richtige Jobs mit Grading Panels und entsprechende Software.
    Klickt man nur in Premiere in Colorista rum und regt sich über den Preis hier auf, wird man nicht das Klientel für diese Sparte sein.

  2. Sorry
    Der Anschaffungspreis sollte immer abhängig der absoluten Leistung stehen und in Bezug zur Nutzung in Jahren. Persönlichen Einschätzung haben bei einem objektivem Test nichts zu suchen oder sind explizit als solche zu erwähnen.
    Danke.

    • Natürlich fließen in einen Test auch subjektive Beurteilungen ein. Das machen wir seit 17 Jahren so und werden das sicherlich nicht ändern! Alles ist nicht messbar!

  3. die reaktion von herrn Findeis ist schon seltsam, imho fast schon überheblich!

    „dann wird vielleicht auch dem anonymen Kommentarschreiber noch ein Licht aufgehen.“
    wäre der kommentar von „L.H.“ besser, wenn ein name dabei stände?
    scheinbar denkt herr Findeis so, was ich aber nicht nachvollziehen kann.
    der kommentar is doch berechtigt, nüchternere einschätzungen ohne werbetexte wären m.m.n. begrüßenswert! da brauch sich keiner auf den schlips getreten fühlen, oder?
    wo soll den dem scheinbar unterbelichteten kommentar-schreiberIn ein licht aufgehen?

    btw: vielleich ist das im test unglücklich formululiert, aber wenn man (wie der artikelautor) den preis ignoriert kann man keine preis-leistungs-einschätzung machen. das sehe ich genauso wie „L.H.“, oder liege ich da falsch?

    zum monitor: interessant+bestimmt toll, aber außerhalb von meinem bedarf (nicht nur preislich). danke für den test!

    • Es steht dort „vermeintlich hohen Anschaffungspreis“. Das vermeintlich soll zum Ausdruck bringen, dass der Monitor zwar teuer ist, aber der Preis aufgrund der gezeigten Leistung absolut gerechtfertigt ist. Auch ein Redakteur gerät mal ins Schwärmen, wenn der Monitor so restlos überzeugt.

  4. Leider vergessen viele, dass ein Preis-/Leistungsverhältnis eben zwei Seiten hat. Allzu oft wird zuallererst nur auf den Preis geschaut. Geht der über das hinaus, was man im Kopf als „richtig und vernünftig“ empfindet, fällt das Gerät schon durch das Raster. Unterschiede auf der Leistungsseite sind auch nicht immer sofort transparent und werden durch das Marketing der Hersteller nur allzu gerne verschleiert.

    Wir schreiben unsere Tests ferner nicht nur für Leser, die gerne stundenlang nüchterne Zahlenkolonnen miteinander vergleichen oder ihren Monitor sowieso von der Firma bezahlt bekommen.

    Wer als Selbständiger sein Budget genau im Auge haben muss, für den ist die Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis schon mehr als berechtigt. Wieso sollte man für einen Monitor knapp 2.000 EUR ausgeben, wenn man einen 27-Zoll-WQHD-Monitor auch für 450 EUR kaufen kann? Oder zumindest für knapp 1.000 EUR in Verbindung mit den Schlagworten: Grafikmonitor, Hardware-Kalibrierung, erweiterter Farbraum und 3D-LUT? Bei einem Anschaffungspreis von 1.000 EUR und mehr lohnt es sich, sich erst einmal mit den Unterschieden auf der Leistungsseite auseinanderzusetzen. Und darauf geben unsere Tests mehr als ausführlich Antwort. Hardware-Kalibration ist eben nicht gleich Hardware-Kalibration und 1.000 EUR mit Minimal-Garantie können richtig teuer sein, wenn das Gerät nicht hält, was es verspricht.

    Schaut man also über den Anschaffungspreis des EIZO CG279X von knapp 2.000 EUR erst mal hinweg, dann wird vielleicht auch dem anonymen Kommentarschreiber noch ein Licht aufgehen.

    Wir haben schon seit geraumer Zeit mit zunehmender Tendenz Konsumer-Monitore im Test, die einerseits in immer schwindelerregende Preisregionen aufstrebenden und andererseits eine teils schwer erträgliche Diskrepanz zwischen Marketing-Aussagen und Realität bei uns im Testlabor zeigen. Das kritisieren wir auch regelmäßig in den entsprechenden Test-Berichten.

    Das eher zurückhaltende Marketing von EIZO ist da schon alleine eine Wohltat. Schaut man auf die Leistung des EIZO CG279X kann man sich auch als Redakteur einer gewissen Begeisterung nicht erwehren. Wer unsere Tests tatsächlich liest, der weiß auch, dass wir derart uneingeschränkte PRAD-Empfehlungen höchst selten aussprechen.

  5. „Schaut man über den vermeintlich hohen Anschaffungspreis hinweg auf die Leistung, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei allen drei Modellen kaum zu schlagen.“

    Entschuldigung? Was soll mir dieser Satz sagen? Schaut über den Preis hinweg und betrachtet die absolute, sehr gute Leistung, ist auch die P/L herausragend?!?
    Bitte weniger von diesen Werbesätzen. Allgemein muss ich feststellen, dass ich die sachliche Seriösität und fachliche Distanziert in vielen Artikeln der prad der letzten Jahre zunehmend vermisse.
    Viele grüße

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