Test Monitor Iiyama ProLite XB2776QS
4/6

1
2979

Kalibrierung – Teil 2

Vergleich des kalibrierten Monitors mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum

Durch die Kalibrierung und Profilierung wird eine möglichst hohe Neutralität und Linearität der Farbwiedergabe erreicht. Farbechtheit (im Rahmen der Monitorgrenzen) wird erst im Zusammenspiel mit farbmanagementfähiger Software erreicht.

Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Kal Srgb
Farbwiedergabe nach der Kalibrierung.

Vor der Kalibrierung mit iColor 3.8 und Xrite’s Colorimeter i1 Display Pro haben wir zunächst den Weißpunkt im Anwendermodus kontrolliert und nur den Rot-Regler um einen Punkt abgesenkt. Der anschließend gemessene Gammawert von 2,19 war in Ordnung. Für die Farbkorrektur des Colorimeters wählten wir das von X-rite mitgelieferte White-LED Profil.

Die Charts zeigen, dass die Kalibration kein überzeugendes Ergebnis erzielt. Die Abweichungen bei den Graustufen sind – bis auf den erhöhten Rangewert – jetzt schön klein. Bei den Buntfarben bleiben die Abweichungen dagegen erhöht, nach wie vor stimmen gerade die drei Grundfarben RGB nicht richtig. Der Blaubalken ist mit einem deltaE von 7,1 entschieden zu groß, auch wenn dieser Wert bei fast allen White-LED-Monitoren etwas größer ausfällt. Die Gammakurve müht sich – nicht ganz erfolgreich – die Normkurve einzuhalten. Offenkundig kann die matrixbasierte Kalibrierung die nichtlineare Monitorelektronik nur teilweise ausgleichen.

Trotz der großen Farbraumabdeckung erhält die Farbwiedergabe des XB2776QS auch nach der Kalibrierung für farbkritische Anwendungen nur eine zufriedenstellende Bewertung.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Interpolation

Der Iiyama XB2776QS bietet drei Modi zur Darstellung von Bildern: Aspekt, Vollbild und 1:1. Bei Aspekt und 1:1 kommt es dann je nach gewähltem Bildformat zu schwarzen Rändern. Die zum Vollbild skalierten Auflösungen leiden je nachdem wie sehr sie vom 16:9 Format abweichen mehr oder weniger unter der Skalierung.

Da der Schärferegler auch bei digitalen Signalen aktiv ist kann zumindest am Schärfeeindruck eine Anpassung vorgenommen werden. Das bewirkt zwar keine Wunder, kann aber je nach dargestelltem Motiv den Unschärfeeffekt der Skalierung etwas mindern. Allzu viel lässt sich aber nicht korrigieren, man kommt schnell zu Farbsäumen die den Schärfeeindruck dann wieder mindern. Die Schärfe ist normalerweise mit 30 vorbelegt (auf einer Skala von 0-100). Ein Wert größer 45 bringt bei der Skalierung keinen Gewinn mehr.

Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Gitter Native
Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Gitter 720
Testgrafik, links: nativ; rechts: 1.280 x 720 Vollbild.
Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Text Native
Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Text 720
Textwiedergabe, links: nativ; rechts: 1.280 x 720 Vollbild.

Die Schärfe bei nativer Auflösung ist erwartungsgemäß sehr gut. Bei 1280 x 720 sieht man, dass die notwendige Pixelvergrößerung hauptsächlich durch zusätzlich eingefügte graue Bildpunkte bewirkt wird. Dies führt zu etwas fetteren Konturen mit deutlichem Unschärfeeindruck. Farbsäume treten nicht auf.

In allen interpolierten Auflösungen ist die Lesbarkeit von Texten und die Abbildung der Testgrafik – dem Skalierungsgrad entsprechend – gut bis sehr gut. Die unvermeidlichen Interpolationsartefakte fallen gering aus. Auch Texte mit fetten Buchstaben bleiben gut leserlich.

Bei Nutzung des VGA Anschlusses konnten maximal 2048 x 1152 erreicht werden. Gemäß Spezifikation kann VGA bis 2560 x 1440 darstellen. Bei dieser Auflösung war die Skalierungsunschärfe durchaus akzeptabel, ohne dass eine Nachkorrektur der Schärfe notwendig wurde. Ob dies am Kabel, der Grafikkarte oder dem Monitor lag, konnten wir mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht weiter klären, zumal unsere Ergebnisse im Test immer an einer digitalen Schnittstelle ermittelt werden.

Reaktionsverhalten

Den XB2776QS haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort vermessen. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Das Datenblatt spezifiziert die Reaktionszeit mit 5 Millisekunden in der Overdrive-Einstellung +2. Insgesamt bietet die Overdrive-Option fünf Stufen von -2 bis +2. Nach dem Reset ist der Overdrive deaktiviert (Einstellung Aus).

In dieser Einstellung messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel (rise + fall) mit 9,6 Millisekunden, der schnellste Grauwechsel benötigt nur 7,9 Millisekunden. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 16,0 Millisekunden.

Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Response Aus
OverDrive Aus: Kurze Schaltzeiten, neutraler Verlauf ohne Überschwinger.

Der Helligkeitsverlauf im rechten Chart zeigt den Grauwechsel ohne Overdrive zwischen 50 und 80 Prozent. Erstaunlich sind die steilen und dennoch neutralen Flanken, Überschwinger entstehen nicht. Sehr schnell sind vor allem die helleren Bildwechsel, bei den dunkleren Grauwechseln fallen die Schaltzeiten zunehmend länger aus. Für statische Bilder wie auch für Videos ist diese Einstellung sehr gut geeignet.

Iiyama Prolite Xb2776qs Monitor Response 2
OverDrive +2: sehr kurze Schaltzeiten bringen sehr starke Überschwinger mit sich.

In der höchsten Einstellung +2 messen wir sehr kurze Schaltzeiten, die selbst mit schnellen TN-Panels mithalten können. Die dunklen Bildwechselzeiten schmelzen regelrecht zusammen, der Durchschnittswert halbiert sich auf beeindruckend kurze 7,8 Millisekunden. Mindestens ebenso imposant sind aber auch die kapitalen Überschwinger (rechtes Chart), die unvermeidliche Bildartefakte mit sich bringen.

Für ambitionierte Gamer, die auf jede Millisekunde Wert legen, mag die schnellste Einstellung +2 auch hinsichtlich der Bildqualität noch akzeptabel sein. Auch die anderen Einstellungen packen recht kräftig zu, selbst die niedrigste Einstellung -2 liegt mit ihren immer noch deutlichen Überschwingern irgendwo zwischen Video- und Spieleprofil. Für alle Nicht-Spieler ist der deaktivierte Overdrive daher die beste Wahl.

1 KOMMENTAR

  1. Was mich bei 27“ Monitoren immer wundert ist, dass über die Ergonomie bei 2560 x 1440 eher geschwiegen wird.

    Ich habe mal einen Monitor von diesem Formformat ausprobiert und könnte ihn ehrlich gesagt niemandem in einem Büro mit gutem Gewissen hinstellen.

    Die Schriften sind einfach zu klein. Wenn man das jemand gibt, dreht er in Word die Schriftgröße hoch – dann wars das mit einer standardisierten Schriftgröße in der Firma.

    Meiner Meinung nach verdient ein 2560×1440 bei 27“ in Ergonomie (wegen der dpi, die weit außerhalb des üblichen liegen) ein dickes Minus.
    Und wenn man den Monitor mit weniger Auflösung betreibt kann man besser gleich zu einem günstigeren 24“ greifen.

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!