Lesertest EIZO EV2795: Daisy-Chaining und KVM-Switch überragend

Der Monitor entpuppte sich im Lesertest als ein stiller Alleskönner für Büros und Office-Anwendungen, der unauffällig seine Arbeit verrichtet (Werbung)

0
1132

Einleitung

Pandemie-bedingt haben viele Arbeitnehmer Ihren Arbeitsplatz in den letzten Monaten in die eigenen vier Wände verlegt. So auch meine Frau und ich. Der Arbeitsplatz zu Hause fällt in der Regel vermutlich weniger üppig aus als im Büro. Am eigenen Schreibtisch vermisst man Platz und Monitore und darf sich das Ganze dann gerne noch mit seinem Partner teilen. So bei uns. Wir sind beide Ingenieure und arbeiten zurzeit im Eltern-Teilzeit-Home-Office, wechseln um die Mittagszeit unsere jeweiligen Aufgaben von Kinderbetreuung und Arbeit. Unser aktueller Arbeitsplatz besteht derzeit aus einem Dell U2312HM, einem Desktop-PC und einem ThinkPad T470s. Um nicht jedes Mal alle Peripheriegeräte umstecken zu müssen, stapeln sich Tastaturen und Mäuse samt Kabelwirrwarr auf unserem Schreibtisch. Der EIZO EV2795 verspricht durch seine Hub-, KVM- und Daisy-Chain-Funktion, dem Wirrwarr ein Ende zu bereiten und ein einfach zu wechselndes Multi-Monitor-Setup zu erstellen.

Den ersten Kontakt zu EIZO-Monitoren hatte ich während des Studiums als studentische Hilfskraft. Dort standen im PC-Pool EIZO-Displays (in meiner Erinnerung FlexScan S2233W), die mich schon damals aufgrund ihrer Bildqualität begeisterten. Preislich waren diese zu der Zeit außerhalb meiner Reichweite, sodass es der genannte Monitor von Dell wurde.

Sowohl meine Frau als auch ich sind auf der Arbeit Multi-Monitor-Setups mit größeren Monitoren gewohnt, sodass ich auch für unser Büro zu Hause immer mal wieder auf einen neuen Bildschirm geschielt habe. Persönlicher Favorit fürs Home-Office: 27 Zoll, IPS-Panel und WQHD-Auflösung.

Vom EV2795 erwarten wir uns eine hohe Bildqualität, eine hochwertige Optik und Verarbeitung, eine einfache Bedienung sowie zu guter Letzt die bereits genannte Konnektivität in Hot-Desking-Szenarien.

Testumgebung

Der EV2795 soll im Multi-Monitor-Setup zusammen mit dem U2312HM in Pivot-Stellung betrieben werden. Beim Programmieren ist es häufig hilfreich, die Dokumentation auf einem zweiten Bildschirm verfügbar zu haben. Viele Websites stellen Informationen heute noch in der Vertikalen dar und nutzen die Breitbildformate der meisten modernen Consumer-Monitore kaum aus, sodass sich ein zweites Display in der Pivot-Stellung dafür anbietet. Scrollen ist nervig, wir wollen uns das künftig sparen.

Dieses Setup soll zwischen dem vorhandenen Desktop und einem weiteren, über USB-C angeschlossenen Gerät, Notebook bzw. Smartphone einfach umgeschaltet werden können. Der EV2795 bietet dann somit den Hub für die Peripheriegeräte (Tastatur, Maus, Lautsprecher und Webcam) für Desktop und Notebook sowie Ethernet und Energieversorgung für das Notebook. An das Notebook wird dann nur noch ein Kabel gesteckt – anstelle von fünf. Da man USB-C nicht mehr falsch herum einstecken kann, erhöht dies den Komfort, denn wer hat für die bewährten USB-A-Steckverbinder nicht schon mehr als drei Versuche gebraucht, um sie erfolgreich einzustecken? Des Weiteren kommt aktuell noch eine Samsung-DeX-Station zum Einsatz, die es ermöglicht, bestimmte Samsung-Smartphones im Desktop-Betrieb samt Peripherie zu betreiben. Da der Monitor alle Funktionen der DeX-Station erfüllt, sollte er im Idealfall auch diese ersetzen können.

Vorher: Kabelsalat und wenig freier Platz auf dem Schreibtisch
Vorher: Kabelsalat und wenig freier Platz auf dem Schreibtisch
Nachher: Nur noch wenige Kabel auf dem Schreibtisch und Platz für einen dritten Bildschirm
Nachher: Nur noch wenige Kabel auf dem Schreibtisch und Platz für einen dritten Bildschirm

Damit der EV2795 vorhandene Monitore über die KVM-Funktion auf die verschiedenen Rechner schalten kann, müssen diese über den Videoausgang des EV2795 angeschlossen werden. Dies soll getestet werden, indem ein zweiter Bildschirm, ein Dell U2312HM, per Daisy-Chain über den EV2795 bespielt wird.

Da der U2312HM einen USB-2.0-Hub hat, wird dieser an einer der drei USB-3.1-Buchsen des EV2795 angeschlossen. Somit ergeben sich insgesamt sechs nutzbare USB-Buchsen an den Monitoren (zweimal USB 3.1 und viermal USB 2.0) auf dem Schreibtisch, an die Peripheriegeräte angeschlossen werden können, die von der KVM-Funktion des EV2795 geschaltet werden.

Zusätzlich wird das über USB-C angeschlossene Notebook mit Energie versorgt und erhält einen stabilen Netzwerkzugang über die Ethernet-Schnittstelle des EV2795.

Die Vorstellung, ein so einfach zu wechselndes Setup zu haben, ist verlockend, und das benötigte Zusammenspiel aus Soft- und Hardware lässt durchaus vermuten, dass es hier Probleme geben könnte.

Verpackung, Aufbau und Inbetriebnahme

Verpackung

Der Monitor kommt fertig montiert in Pivot-Stellung in einem recht großen Karton und mit voluminösen Transportsicherungen. Im Karton wird eine Menge leeres Volumen transportiert, sodass das Display dadurch recht gut geschützt ist.

Bezüglich der Verpackung hat EIZO einen vorbildlichen Ansatz und verschickt insgesamt wenig Verpackungsmüll. Auf überflüssige Plastikfolien wird weitgehend verzichtet, obwohl auch hier noch Optimierungspotenziale bestehen, denn alle Kabel sind nach wie vor in Kunststoff eingepackt. Eine Reduktion des Packungsvolumens hingegen wäre begrüßenswert, wenn sichergestellt ist, dass die Geräte weiter sicher versendet werden können.

Schlichte Verpackung des Monitors und USB-C-auf-DisplayPort-Kabel
Schlichte Verpackung des Monitors und USB-C-auf-DisplayPort-Kabel

Ob das Gerät zusammengebaut versendet werden muss, ist eine andere Frage. Ich nehme aber an, dass hier vermeidbare Schäden durch unsachgemäße Handhabe an den Monitoren vermieden werden sollen. Die Geräte sind schwer, und der beiliegende Warnzettel beunruhigt beim ersten Auspacken. Von daher war ich dankbar für das zusammengebaute Gerät.

EIZO hat mir freundlicherweise noch ein entsprechendes USB-C-auf-DisplayPort-Kabel (CP200) für die geplante Daisy-Chain zur Verfügung gestellt. Dieses kommt in einer kleinen Verpackung aus einfach bedruckter Pappe. Keine nervige Blisterverpackung.

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist minimalistisch gehalten. Im Karton befinden sich der Monitor samt Standfuß, ein Kaltgerätekabel, das USB-C-Kabel, ein Hinweiszettel mit Warnungen zur Aufstellung des Geräts sowie ein Briefumschlag mit Konformitätserklärung, Installationsanleitung, Recycling-Informationen, Warnhinweisen und Garantieschein. Handbuch und optionale Software sind online verfügbar. Für meinen Geschmack ist das völlig ausreichend. Viele Kabel hat man ohnehin schon zu Hause oder beiliegende passen nicht, da man irgendwelche Sondervarianten benötigt, und mitgelieferte CDs fristen meist ein trostloses Dasein, da sie wohl niemals ein Laufwerk von innen sehen werden. Die meisten modernen Geräte haben USB-C, von daher halte ich die getroffene Wahl für das beigelegte Kabel vertretbar. Wer hingegen denkt, er bekomme alle nötigen Kabel für ein Setup, ähnlich dem hier beschriebenen, liegt falsch und muss diese gegebenenfalls noch besorgen.

Minimalistischer Lieferumfang
Minimalistischer Lieferumfang

Das beiliegende USB-C-Kabel wirkt solide und hochwertig, ebenso das USB-C-auf-DisplayPort-Kabel von EIZO. Das Kaltgerätekabel ist ein übliches, dürfte aber gerne etwas länger sein. Bei uns ist die Steckdose nicht direkt unter dem Monitor, sondern neben dem Schreibtisch, und da wird es schon knapp. Bei höhenverstellbaren Schreibtischen verschärft sich dieses Problem noch einmal. Das USB-C-Kabel hingegen scheint mir mit zwei Metern mehr als lang genug, denn das Notebook steht meist in der Nähe des Bildschirms.

Zudem gibt es eine Tüte mit vier VESA-Befestigungsschrauben, mit denen der Monitor an einer Halterung befestigt werden kann.

Aufbau

Nachdem ich den EV2795 erhalten hatte, habe ich ihn abends noch schnell aufgebaut, damit wir am nächsten Tag gleich mit dem Testen beginnen konnten. Der prominent platzierte Warnhinweis ist etwas furchteinflößend, da er abbildet, wie das grazile Display durch falsche Handhabe an den Ecken bricht. Den vorhandenen Monitor habe ich zur Seite geschoben und hochkant gestellt, alle überflüssigen Peripheriegeräte weggeräumt und die weiter benötigten wie geplant neu verbunden. Beim Verkabeln des EV2795 die erste Erkenntnis: Hier müssen jetzt viele Kabel rein (Kaltgeräte, Klinke für Ton, USB-C zum zweiten Monitor, USB-B und DisplayPort vom Desktop, USB-C vom Notebook und Ethernet). Mit der Kabelabdeckung hatte ich ein wenig zu kämpfen, aber nach etwas Hin-und-her-Geschiebe der Kabel hielt sie fest. Hier sollte man den Kabeln etwas Luft geben, damit man den Monitor später auch verstellen kann. Die Beschriftung der Ports ist deutlich. Wer gut hinschaut und auf die Pfeile achtet, braucht dafür kein Handbuch.

Nach dem Aufstellen fällt sofort auf, dass der EV2795 doch deutlich mehr spiegelt als der U2312HM. Wie sich das im Betrieb auswirkt, werde ich testen.

Das Display ist breit genug, um eine Wasserwaage zur Ausrichtung draufzulegen
Das Display ist breit genug, um eine Wasserwaage zur Ausrichtung draufzulegen
Gezähmte Kabel bei Fast-Vollbelegung
Gezähmte Kabel bei Fast-Vollbelegung

Ein paar kleine Kritikpunkte beim Aufbauen sind mir aufgefallen. Die drei USB-Ports des EV2795 befinden sich auf der linken Seite des Monitors. Durch die KVM-Funktionalität wird man häufig Display und Maus anschließen. Dafür benötigt man erstens keine USB-3.1-Ports und zweitens auch keine Ports auf der Seite des Geräts. Hier wäre es mir persönlich lieber, es gäbe noch zwei USB-Ports auf der Rückseite, gerne auch nur USB 2.0. Ähnliches gilt für die Kopfhörerbuchse. Sie befindet sich über den USB-Anschlüssen. Angesteckte Kopfhörer verlaufen somit etwas ungünstig, oder die Länge der Kabel reicht nicht bis zum Kopf. Die Abstände vom Kopf zum Monitor sind bei etwas größeren Bildschirmdiagonalen zwangsweise größer. Da hilft dann jeder gewonnene Zentimeter. Hier wäre möglicherweise ein zweiter Anschluss für stationäre Lautsprechersysteme auf der Rückseite des Displays sinnvoll.

Verarbeitungsqualität

Meiner Meinung nach weist der Monitor eine sehr gute Verarbeitungsqualität auf. Die Kanten sind sauber verarbeitet, die Spaltmaße zwischen Panel und unterem Rahmen könnten über die Länge zwar noch gleichmäßiger sein, machen insgesamt aber einen guten Eindruck. Zugegeben: Dieser Kritikpunkt ist sehr kleinlich. Die Abweichungen sind durchweg kleiner als einen Millimeter.

Gewicht EV2795
Ein ganz schönes Schwergewicht
Spaltmaße EV2795
Spaltmaße zwischen Display und Rahmen

Beim Herausnehmen aus der Verpackung fällt sofort das hohe Gewicht auf. Gewogen habe ich satte 8,4 kg. Auf dem Tisch stehend wackelt nichts, auch wenn man mal gegen den Tisch stößt oder kräftig tippt. Auch der Standfuß macht einen soliden und wertigen Eindruck. Das gesamte Gehäuse des EV2795 besteht aus Kunststoff. Dieser macht keineswegs einen schlechten Eindruck, gerade auf der Rückseite könnte die Haptik aber etwas besser sein. Es ist kein Punkt, der bei der Arbeit mit dem Monitor wirklich stört, aber das Gehäuse meines alten Displays wirkt auf mich wertiger.

(Inbetriebnahme

Desktop-PC mit einem USB-3.1-Typ-A-auf-Typ-B-Kabel mit dem Monitor verbunden, am Monitor Daisy-Chain eingeschaltet, den PC gestartet und dann gespannt gewartet. Erst mal blieb es dunkel: Bei eingeschalteter Daisy-Chain-Funktion stellt der Bildschirm die automatische Routine zum Finden des passenden Eingangs aus. Steht auch so im Handbuch, das hatte ich aber bis dato noch nicht gelesen. Kurzerhand DisplayPort als Eingang ausgewählt, und siehe da, etwas überraschend begrüßte mich der Login-Bildschirm von Ubuntu in WQHD auf dem EV2795 und FHD auf dem U2312HM. Natürlich war das Bild noch gedreht, aber dies ließ sich mit wenigen Klicks beheben. Maus und Tastatur ließen sich auch sofort benutzen. Zugegeben: Ich war etwas überrascht. Dass es so einfach geht, hatte ich nicht erwartet. Eine weitere positive Überraschung: Eine zweite funktionierende Ethernet-Verbindung besteht über die USB-Verbindung zum Monitor. Auch das steht im Handbuch, hatte ich aber ebenfalls noch nicht gelesen und nicht unbedingt erwartet. Im Prinzip kann dadurch sogar der zusätzliche Switch entfallen. Warum dies aber nicht unbedingt eine gute Idee ist, werde ich später näher erläutern.

Beim vorhandenen 23-Zoll-Monitor hat mich in letzter Zeit zunehmend das 16:9-Format gestört. Im Büro habe ich etwas größere 16:10-Monitore und empfinde es als wesentlich angenehmer, mit diesen zu arbeiten. Meine Vorbehalte gegenüber dem 16:9-Format sind aber nach dem ersten Einschalten vorüber. Auflösung und Größe des EV2795 sorgen nüchtern betrachtet für genug Arbeitsplatz. Eine DIN-A4-Seite lässt sich problemlos hochkant darstellen und ist trotzdem noch gut lesbar.