Test Monitor Asus ML239H
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Schaltzeiten

Nach der älteren Norm ISO 13406-2 wird der Monitor von Schwarz zu Weiß umgeschaltet und wieder zurück. Die gemessenen Schaltzeiten zwischen 10 und 90 Prozent Helligkeit (rise + fall) werden addiert und als Bildaufbauzeit bezeichnet. Die aktuelle Norm ISO 9241-305 beschreibt die Bildaufbauzeit dagegen als mittlere Übergangszeit zwischen fünf verschiedenen Grauwerten hin und zurück. Vielfach wird die Bildaufbauzeit auch als Reaktionszeit oder Response Time bezeichnet.

Erläuterung der Darstellung: Die erste Messreihe enthält die Zeiten für einen Wechsel von Schwarz zu Grauwerten zwischen 30 % (RGB 77) und 100 % (RGB 255 = Weiß, entspricht ISO 13406-2). Diese Reihe beschreibt das Verhalten bei starken Kontrasten. Die zweite Messreihe enthält die Zeiten für einen Wechsel zwischen zwei Graustufen, deren RGB-Werte jeweils um 30 Prozent auseinander liegen. Diese Reihe beschreibt das Verhalten bei geringen Kontrasten.

Asus Ml239h Monitor Schalt Sg Tf0
Asus Ml239h Monitor Schalt Gg30 Tf0
Schaltzeiten mit TF = 0, links: schwarz-zu-grau; rechts: grau-zu-grau 30%.

Im Datenblatt des ML239H wird eine Reaktionszeit von 5 Millisekunden (grau-zu-grau) angegeben. Für ein IPS-Panel ist das ein sehr kurzer Wert. Unsere Messungen zeigen, dass die tatsächliche Reaktionszeit sehr stark von der TraceFree-Option (TF) abhängt. In der kleinsten Einstellung TF = 0 messen wir die gemittelte Bildaufbauzeit (hin und zurück) mit langen 29,2 Millisekunden. In der schnellsten Einstellung TF = 100 verkürzt sich dieser Wert auf nur noch 13,0 Millisekunden.

Die Grafik zeigt, dass die Fall Time durchweg nur um etwa 25 Prozent verkürzt wird. Die Rise Time wird dagegen im gesamten Spektrum nahezu geviertelt.

Overdrive

Jeder Helligkeitsstufe eines Bildpunktes ist eine ganz bestimmte Steuerspannung zugeordnet. Leider folgen die Pixel den Spannungsänderungen bei Helligkeitswechseln nur zögerlich, was bei schnell bewegten Bildern zu sichtbaren Qualitätseinbußen führen kann. Zur Beschleunigung der Wechsel kann man nun zunächst eine höhere Spannungsdifferenz anlegen als es dem Helligkeitsunterschied eigentlich entsprechen würde. Anschließend wird die Spannung korrigiert, um die Helligkeit auf den korrekten Zielwert zu bringen. Dieses Verfahren wird als Overdrive bezeichnet.

Asus Ml239h Monitor Over Tf0
Asus Ml239h Monitor Over Tf100
Beschleunigungsverhalten beim Grauwechsel 80-50, links: TF = 0; rechts: TF = 100.

Wir untersuchen das Beschleunigungsverhalten mit einer Folge von je fünf helleren und dunkleren Bildern. Die beiden Charts zeigen den gemessenen (grün) und den idealen (grau) Helligkeitsverlauf für den Grauwechsel zwischen 90 und 60 Prozent.

Das Beschleunigungsverhalten kann beim ML239H in sechs Stufen eingestellt werden. In der Einstellung TF = 0 sind noch keine Beschleunigungsmaßnahmen erkennbar, das Panel benötigt anderthalb bis zwei Frames für den Abschluss eines Helligkeitswechsels. Bei TF = 100 erhöht sich die Umschaltgeschwindigkeit drastisch, dafür entstehen hier extrem starke Überschwinger in allen Helligkeitsbereichen, und das Einpendeln auf die korrekte Helligkeit verlängert sich noch auf bis zu drei Frames. Die höchste Einstellung, bei der gerade noch keine Überschwinger auftreten, ergibt sich bei TF = 20.

Latenzzeit

Neben kurzen Schaltzeiten, die für den schnellen Bildaufbau notwendig sind, ist vor allem die Latenzzeit (Verzögerung) eines Monitors von Bedeutung für das Reaktionsempfinden. Dies gilt besonders für Spiele mit schnellen Bewegungen, wie sie bei Rennsimulationen oder Shootern vorkommen. Wenn zwischen der Eingabe und der Bildausgabe zu viel Zeit vergeht, wird die Steuerung zu indirekt und der Spielspaß wird beeinträchtigt. Dieser Effekt wird als Input Lag bezeichnet.

Eine Normvorgabe für die Bestimmung der Latenzzeit bei Monitoren gibt es nicht (siehe hierzu auch unser Special „Untersuchung des Input Lag Testverfahrens“). Wir messen zunächst die Verzögerungszeit bis zum eindeutigen Beginn des Aufleuchtens (10 Prozent der Endhelligkeit). Zu diesem Wert addieren wir noch die Hälfte der mittleren Bildaufbauzeit (hin und zurück).

Erläuterung der Darstellung: Die Verzögerungszeit des LCD ergibt sich als die Zeitdifferenz zwischen dem Steuersignal (rot) und dem Aufleuchten des Pixels (10%-Schwelle, grüne Kurve).

Asus Ml239h Monitor Latenz
Die Verzögerungszeit ist sehr kurz.

Die gemessene Verzögerungszeit ist beim ML239H mit nur 1,5 Millisekunden sehr kurz. Zusammen mit der halben mittleren Bildaufbauzeit von mindestens 6,5 Millisekunden (TF = 100) liegt die mittlere Gesamtlatenz somit je nach TF-Einstellung zwischen 8,0 und 16,7 Millisekunden. Eine Bildzwischenspeicherung erfolgt offensichtlich nicht.

Subjektive Bewertung

Im praktischen Einsatz fällt in Werkseinstellung eine leichte Schlierenbildung auf. Die TF-Einstellung liegt hier bei 60. Ein herunterregeln sorgt für eine deutliche Verstärkung der Schlieren. Regelt man den TF-Wert höher als 60, verringern sich die Schlieren weiter. Aus Spielersicht wäre eine möglichst hohe Einstellung optimal. Jedoch kann es dann unter Umständen zur Bildung von Corona-Effekten kommen, da das Overdrive übersteuert. Ein Input Lag konnte nicht wahrgenommen werden.

DVD und Video

In diesem Abschnitt geht es allein um den Rechner als Zuspieler. Auf externe Videoquellen werden wir im folgenden Abschnitt noch ausführlich eingehen.

Dank des HDMI-Anschlusses lässt sich der ML239H problemlos an moderne DVD- oder Blu-ray Player anschließen. Die Darstellung ist ordentlich, jedoch wirkt sich hier sehr deutlich der schlechte Schwarzwert aus. In dunklen Szenen hat man eher ein dunkles Grau statt des erwarteten Schwarz vor sich. Insgesamt wirkt das Bild mit dem niedrigen Kontrast langweilig. Das IPS-Panel hat hier nicht seine Stärke.

Asus Ml239h Monitor Dvd
Szene aus „Gladiator“.

Videosignalverarbeitung

In den abschließenden Tests haben wir die Elektronik des ML239H noch einmal im Detail auf die Verarbeitung von Videosignalen hin getestet.

Unterstützte Refreshraten

Im Folgenden haben wir geprüft, welche Frequenzen der ML239H unterstützt. Frequenzen von 50 Hertz oder ein Vielfaches von 24 helfen besonders, eine judderfreie Darstellung von Videos und Filmen zu ermöglichen. Um zu überprüfen, ob der Monitor auch intern mit diesen Frequenzen schaltet, haben wir einen Juddertest durchgeführt.

Die darstellbaren Frequenzen reichen laut Datenblatt von 55 Hertz bis 75 Hertz. Tatsächlich lässt sich schon mit 25 Hertz ein Bild darstellen. Dieses flackert jedoch stark und ist somit unbrauchbar. Dieser Umstand hält bei allen getesteten Frequenzen an, bis man bei 50 Hertz ankommt. Das Flimmern nimmt mit steigender Frequenz ab. Der Juddertest wurde ab 50 Hertz durchgeführt und zeigt hier keine gravierenden Mängel.

Asus Ml239h Monitor Judder
Juddertest bei 50 Hertz.

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