Test Monitor Iiyama ProLite X2472HD
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Darstellung von Farbabstufungen

Ein großer Vorteil von VA- und IPS-Panels liegt in der echten 24-Bit-Farbansteuerung, also 8 Bit pro Farbkanal. Die meisten TN-Panel hingegen werden nur mit 6 Bit pro Farbkanal angesteuert und müssen sich daher Techniken wie Dithering oder FRC bedienen, um dennoch Farbverläufe weitgehend lückenlos darstellen zu können. Im Datenblatt wird der Unterschied zwischen 24-Bit- und 18-Bit-Farbansteuerung normalerweise durch die Zahl der darstellbaren Farben gekennzeichnet: Bei einem Panel mit echten 24 Bit gibt der Hersteller 16,7 Mio. Farben an, bei einen 18-Bit-Panel mit Dithering/FRC meist 16,2 Mio.

Somit sollte das MVA-Panel des X2472HD für die lückenlose Darstellung von Farbverläufen gut gerüstet sein. In der Praxis spielt jedoch auch die monitorinterne Elektronik eine wichtige Rolle: Ist die LUT (LookUpTable) zu gering dimensioniert, haben Transformationen, die der Monitor durchführt (z.B. Anpassungen der RGB-Regler) Tonwertverluste und somit Banding zur Folge.

Tests mit verschiedenen Farbverläufen zeigen, dass Iiyama auf diesem Gebiet beim X2472HD nicht geschlampt hat: Die Elektronik ist leistungsfähig genug, um Farbverläufe ohne erkennbares Banding auf den Schirm zu bringen.

Auch bei der Darstellung der dunkelsten und hellsten Graustufen kann das Testgerät punkten: Bei den Dunkelgrautönen kann man alle Werte bis RGB(2/2/2) noch voneinander unterscheiden, lediglich die beiden dunkelsten Werte verschmelzen miteinander. Dank der geringen Blickwinkelabhängigkeit kann man die genannten Werte auch von der Seite betrachtet immer noch unterscheiden. Bei den Hellgrautönen sieht es ähnlich aus: Lediglich der RGB-Wert 254/254/254 verschmilzt zu Weiß, bis dahin kann man alle Abstufungen noch unterscheiden.

Wie üblich ist die werksseitige Kontrasteinstellung (80) die Optimale: Bei geringeren Werten werden die Farbdifferenzierungen nicht besser, bei höheren Werten geraten die Farbkanäle ins Clipping.

Bildhomogenität

Monitore mit LED-Backlight haben oftmals Probleme mit der gleichmäßigen Ausleuchtung der Bildschirmfläche. Dies liegt an der Art, wie die LEDs in den Geräten angeordnet werden: Beim sogenannten Edge-LED-Backlight, das aufgrund geringerer Kosten und geringerem Platzbedarf bei den meisten Monitoren zum Einsatz kommt, sind die LEDs nur am Rand des Displays angebracht. Über Lichtleitfolien versuchen sie von dort aus, die gesamte Bildschirmfläche einigermaßen homogen auszuleuchten – dass dies nicht so gut gelingen kann wie bei einer vollflächigen Hintergrundbeleuchtung, liegt auf der Hand.

Die Homogenität eines Bildschirms untersuchen wir zunächst subjektiv anhand eines Fotos des eingeschalteten Monitors, auf dem ein komplett weißes Bild dargestellt wird. Die Belichtungszeit wird so kurz gewählt, dass die Kamera verwertbare Helligkeitsinformationen aufzeichnet. Anschließend wird das entstehende Bild nachbearbeitet, sodass die Helligkeitsabweichungen eindeutig erkennbar werden. Eine absolute Aussage über die Homogenität lässt sich so natürlich nicht treffen, jedoch werden vor allem Lichthöfe und Randaufhellungen sichtbar, die durch das Raster der anschließenden genauen Messung fallen.

Iiyama Prolite X2472hd Monitor Homogenitaet
Abfotografierte Weißdarstellung des X2472HD.

Es fällt auf, dass das obere Drittel des Panels deutlich dunkler ist als der Rest; besonders die Ecken fallen im Vergleich stark ab. Am oberen Rand lässt sich außerdem ein schmaler Lichtstreifen ausmachen, der vielleicht durch Reflexionen der oberen Rahmeninnenkante zustande kommt.

Im Anschluss vermessen wir den Monitor (bei wiederum vollständig weißem Bild) an 15 Punkten und setzen alle Messwerte in Bezug zum zentralen Wert. Daraus erhalten wir die Helligkeitsabweichungen in Prozent sowie die Farbabweichungen in DeltaC/DeltaE in Bezug auf die Mitte des Bildschirms.

Iiyama Prolite X2472hd Monitor Homogenitaet Deltac
Iiyama Prolite X2472hd Monitor Homogenitaet Prozent
Links die Farbabweichungen in DeltaC, rechts die Helligkeitsabweichungen in Prozent.

Zumindest was die Farbabweichungen anbelangt, schlägt sich der X2472HD für ein unkalibriertes Consumergerät noch relativ wacker; Abweichungen bis 2 DeltaC sind hier unterdurchschnittlich und dürften in den meisten Anwendungsfällen kaum störend auffallen.

Bei der Helligkeitsverteilung zeigt sich jedoch, dass dieser Monitor aufgrund seines LED-Backlights deutliche Schwächen in der Ausleuchtung zeigt. Wie bereits anhand des Fotos festgestellt, fällt insbesondere der obere Bereich mit Abweichungen von bis zu 22 Prozent stark ab.

Bildmodi

Der X2472HD besitzt vier vordefinierte Bildmodi (Spiel, Kino, Landschaft und Text). Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich deren Nutzen jedoch meist in Grenzen hält. In der Tat verändern zwar die Bildmodi teils Bildschärfe, Farbbalance oder die Helligkeit; eine verbesserte Darstellung konnte aber in keinem davon bei entsprechendem Bildmaterial festgestellt werden. Da die Modi die betroffenen Regler außerdem sperren und somit eigene Anpassungen verhindern, sollte man die Bildmodi meiden und eventuell notwendige Anpassungen von Hand vornehmen.

Blickwinkel

Die Blickwinkelabhängigkeit wird von uns anhand eines kontrastreichen Testbildes untersucht, das auf dem Bildschirm angezeigt und aus verschiedenen Winkeln abfotografiert wird. So lassen sich Farbverfälschungen und Kontrastverlust bildlich festhalten.

Iiyama Prolite X2472hd Monitor Blickwinkel
Dasselbe Testbild wurde aus unterschiedlichen Richtungen abfotografiert.

Es zeigt sich, dass das VA-Panel des Testkandidaten gegenüber TN-Panels klar die Nase vorn hat. Die Farbverfälschungen halten sich auch unter großen Einblickwinkeln in Grenzen. Lediglich helle Grautöne erhalten aus sehr flachem Winkel einen leichten gelblich-grünen Farbstich.

Der Kontrast hingegen leidet relativ stark, was das Bild zunehmend ausgebleicht erscheinen lässt. Auf diesem Gebiet leisten höherwertige (IPS-)Panels noch deutlich mehr.

Ausmessung und Kalibration

Wir haben im Folgenden den X2472HD vor und nach Kalibration und Profilierung umfangreich vermessen und die Ergebnisse ausgewertet. Die Ergebnisse sind insbesondere für die elektronische Bildverarbeitung interessant. Für den Office-Betrieb und Spiele ist zumindest eine ausreichende Neutralität des Bildschirms wichtig. Die Messungen werden in einer eigenen Software ausgewertet. Das ermöglicht exakte und detaillierte Aussagen zum vorliegenden Testgerät.

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