Test Monitor ViewSonic VP2768
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Hardware-Kalibration – Teil 2

Danach braucht man Geduld. Der Kalibrierungsvorgang läuft vollständig automatisch ab, dauert aber auch bei kleinem Messfeldsatz ca. 15 Minuten. Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen. Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungsergebnis zu überprüfen. Zum Abspeichern der Kalibrierungsergebnisse sind drei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Die Auswahl wird beim Kalibrierungsvorgang getroffen. Somit hat man die Möglichkeit, das Gerät auf unterschiedliche Ziele zu kalibrieren und dann einfach per Knopfdruck hin und her zu schalten.

Allerdings muss man dann auch den Profilwechsel in der Farbverwaltung manuell entsprechend nachziehen. Ansonsten bekommt man in Farbmanagement-fähigen Anwendungen eine falsche Darstellung. Eine Funktion, die diesen Wechsel automatisch übernimmt – wie beim Color Navigator von EIZO –, bietet ViewSonic noch nicht an.

Auf der letzten Seite vor dem Start der Messung kann man auch noch die Option „Gleichförmigkeitskorrektur“ aktivieren. Es wäre sicher interessant gewesen zu sehen, ob sich damit die Schwächen des ViewSonic VP2768 bei der Homogenität ausgleichen lassen. Mit aktivierter Option kam die Software aber zu keinem Ende mehr und wir haben unsere beiden Versuche dann jeweils nach über einer Stunde abgebrochen.

Insgesamt besitzt die Lösung von ViewSonic bei Weitem nicht den gleichen Funktionsumfang und die gleiche Stabilität wie beispielsweise der Color Navigator von EIZO. Dagegen ähnelt sie der Lösung von BenQ. Kein Wunder: Beide Hersteller setzen auf eine Kooperation mit den Farbmanagement-Experten von X-Rite.

Hardware-Kalibration Profilvalidierung

Viewsonic Vp2768 Monitor Val HWK
 

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Viewsonic Vp2768 Monitor Kal Srgb HWK
 

Im Vergleich zur Software-Kalibration zeigt sich bereits bei der Profilvalidierung überraschenderweise eine Verschlechterung – insbesondere bei der Graubalance. In Standardeinstellungen der Hardware-Kalibration ist das Ergebnis bei der Graubalance nur noch zufriedenstellend. Mit den oben genannten Einstellungen erreichten wir ein „noch gut“ anstelle eines „fast sehr gut“. Die Farbwerte sind etwas schlechter, aber immer noch sehr gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Hat die Hardware-Kalibration dann hier gar keinen Sinn? Doch, auf jeden Fall. Das sieht man abseits der Messwerte sehr gut in feinen Farbverläufen. Nach der Software-Kalibration sieht man hier bei genauem Hinsehen teils deutliche Banding-Effekte. Das sieht auch wie abwechselnd grünlich-rötliche Schlieren aus. Sowohl vorher in Werkseinstellungen als auch nach Hardware-Kalibration ist das dagegen nicht der Fall, und auch feine Grauverläufe sind perfekt.

Wie stark solche Effekte durch eine Software-Kalbration ausfallen, hängt zum einen davon ab, wie stark man per RGB-Regler den Monitor anpassen muss. Darüber hinaus aber auch stark von der verwendeten Grafikkarte, da bei der Software-Kalibration die noch erforderlichen Anpassungen in der LUT der Grafikkarte berechnet werden. Rechnet die Grafikkarte hier nur in 8 Bit, fällt die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen auf jeden Fall deutlich stärker ins Gewicht. NVIDIA-Grafikkarten schneiden hier erfahrungsgemäß schlechter ab, als AMD-Grafikkarten.

Insgesamt hat die Lösung zur Hardware-Kalibration von ViewSonic auf dem derzeitigen Entwicklungsstand zwar noch keinen sonderlich ausgereiften Eindruck hinterlassen und ist mit professionellen Lösungen wie z. B. von EIZO oder NEC nicht zu vergleichen. Im Vergleich zu einer reinen Software-Kalibration bringt sie dennoch einen sichtbaren Vorteil.

Reaktionsverhalten

Den ViewSonic VP2768 haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm auch in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 14 ms für GtG genannt. Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden. Hier gibt es die Stellungen „Standard“, „Erweitert“ und „Ultraschnell“. Als Standardwert ist „Standard“ voreingestellt. Nach Hardware-Kalibrierung gibt es auch die Option, die Beschleunigungsfunktion ganz auszuschalten.

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... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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