Test ViewSonic VP2458 – günstiger Monitor überrascht bei Bildbearbeitung
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Interpolation

Wir empfehlen generell, einen Monitor immer in der nativen Auflösung zu betreiben. Die Skalierungsfähigkeiten eines Displays sind im Digitalzeitalter eigentlich nur noch beim Anschluss von Geräten aus der Unterhaltungs-Industrie interessant, da am Windows-PC oder Mac auch die Grafikkarte die Skalierung übernehmen kann.

Der Bildschärferegler wirkt auch an den digitalen Eingängen und steht ab Werk auf Stufe 50. Diese Voreinstellung scheint uns gut gewählt zu sein. Für die EBV (und die meisten Anwendungsszenarien) ist ein Nachschärfen über die Bildschirm-Elektronik nicht sinnvoll. Nach Augenschein ist das bei Stufe 50 auch nicht der Fall.

Die Schärfe bei nativer Auflösung ist erwartungsgemäß sehr gut. Bei 1280 x 720 sieht man, dass die notwendige Pixelvergrößerung hauptsächlich durch zusätzlich eingefügte graue Bildpunkte bewirkt wird. Dies führt zu etwas fetteren Konturen mit leichtem Unschärfe-Eindruck. Farbsäume treten nicht auf.

Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik 1280 x 720, Vollbild
Testgrafik 1280 x 720, Vollbild
Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe 1280 x 720, Vollbild
Textwiedergabe 1280 x 720, Vollbild

Zur Skalierung von abweichenden Formaten sollten im OSD laut Handbuch die Optionen „Full Screen“ (ggfls. mit Verzerrung), „4:3“ und „1:1“ zur Verfügung stehen. Zumindest am DisplayPort war die 1:1-Option aber nirgends zu finden.

Zur Skalierung externer Quellen ist der ViewSonic VP2458 damit von vornherein nicht die erste Wahl. Ansonsten sind in allen interpolierten Auflösungen die Lesbarkeit von Texten und die Abbildung der Testgrafik – dem Skalierungsgrad entsprechend – gut bis sehr gut. Die unvermeidlichen Interpolationsartefakte fallen gering aus. Auch Texte mit fetten Buchstaben bleiben gut leserlich.

Farbwiedergabe

Bei Monitoren für den Consumer- und Office-Bereich testen wir zunächst die Farbwiedergabe in der Werkseinstellung nach dem Reset sowie – falls vorhanden – in einem sRGB-Modus. Anschließend wird der Monitor mit Quato iColor Display kalibriert. Für die Messungen verwenden wir eine eigene Software, als Messgeräte werden das Kolorimeter X-Rite i1 DisplayPro und das Spektrofotometer X-Rite i1 Pro eingesetzt.

Farbraumabdeckung

Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse jeweils für das Werks-Preset und nach Software-Kalibration mit Quato iColor Display zusammen:

Farbraum Abdeckung im Werks-Preset Abdeckung nach Kalibrierung
sRGB 96 % 97 %
Adobe RGB 70 %
ECI-RGB v2 63 %
DCI P3 RGB 71 %
ISO Coated v2 (FOGRA39L) 89 %

Farbmodus: Custom (Werkseinstellung)

Nach dem Reset im OSD sind folgende Werte vorgegeben:

Bildmodus: Angepasst
Helligkeit: 100
Kontrast: 70
Gamma: 2,2
Farbtemperatur: Native
RGB: 98/100/98
Color-Gamut: k. A.
DUE Priority: k. A.
Schärfe: 50
Reaktionszeit: Standard

Die Erläuterungen zu den folgenden Charts haben wir für Sie zusammengefasst: Delta-E-Abweichung für Farbwerte und Weißpunkt, Delta-C-Abweichung für Grauwerte, und Gradation.

Diagramm: Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus „Angepasst“
Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus „Angepasst“

Der ViewSonic VP2458 liefert in der Werkseinstellung ein sehr gutes Ergebnis. Der Weißpunkt ist mit 6800 K nur geringfügig kühler als die gewünschten 6500 K. Das Gamma liegt im Durchschnitt bei 2,21 und verläuft weitgehend linear.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich sRGB-Modus mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“

Im sRGB-Modus schneidet die Graubalance aufgrund der Range etwas schlechter ab. Sie ist aber immer noch gut. Im Gegenzug ist hier der Gammaverlauf sehr gut an die Norm angepasst. Im Durchschnitt liegt das Gamma auch hier bei 2,21. Auch die Farbtemperatur ist mit 6600 K noch näher an die Normvorgabe gerückt.

Die Abweichungen bei den Buntfarben sind insgesamt ebenfalls gut. Die Farbraumabdeckung ist mit 96 % sehr gut und trifft das Herstellerversprechen.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Für die nachfolgenden Messungen wurde das Gerät aus Quato iColor Display heraus kalibriert und profiliert. Die angestrebte Helligkeit lag bei 140 cd/m². Als Weißpunkt wurde D65 gewählt.

Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird.

Für die Kalibrierung im OSD wurden folgende Werte eingestellt:

Bildmodus: Angepasst
Helligkeit: 46
Kontrast: 70
Gamma: 2,2
Farbtemperatur: Nutzer
RGB: 98/100/95
Color-Gamut: k. A.
DUE Priority: k. A.
Schärfe: 50
Reaktionszeit: Standard

Im Handbuch des VP2458 findet sich auch ein Hinweis auf die Software „Coloribration“. Das ist ViewSonics Lösung zur Hardware-Kalibrierung. Im Prinzip handelt es sich um eine gebrandete und angepasste Version der X-Rite-Software.

Der Proband lässt sich auch damit kalibrieren. Da es dabei egal ist, ob der USB-Hub angeschlossen ist oder nicht, und auch in der Software Optionen zur Verfügung stehen, die nur in einer Software-Kalibrierung sinnvoll sind, verfügt der VP2458 ganz offensichtlich nicht über eine Möglichkeit zur Hardware-Kalibrierung. Das wäre angesichts des Preises auch zu viel verlangt. Vom Hersteller wird die Hardware-Kalibrierung zudem nicht als Feature aufgeführt.

Profilvalidierung

Diagramm: Profilvalidierung
Profilvalidierung

Der ViewSonic VP2458 zeigt keine auffälligen Drifts oder unschönen Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergab keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrationsziele wurden erreicht. Die Graubalance ist gut, die Farbwerte ebenfalls.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch. Ein sehr gutes Ergebnis bei der Graubalance wird nur durch die erhöhte Range verwehrt. Bei den Buntfarben sind keine nennenswerten Abweichungen festzustellen. Mit einem durchschnittlichen Delta E94 von 0,81 ist das Ergebnis schon beinahe sehr gut. Die Farbraumabdeckung ließ sich ebenfalls minimal auf 97 % verbessern.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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