Lesertest LG 27UK850-W – Nutzung als Broadcast-Monitor

Klaus W. Rößel widmet sich im Lesertest zum LG 27UK850-W dem Thema HDR, Videoschnitt und wie sich der Monitor als Broadcast-Bildschirm eignet

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Einleitung

Flachbildschirme sind heute Werkzeuge an nahezu jedem Arbeitsplatz und müssen dabei den verschiedensten Anforderungen gerecht werden. Immer höhere Auflösungen werden dabei nach und nach zum Standard. Vor allem durch die hochgesteckten Anforderungen u. a. aus dem Bereich der Computerspiele haben jedoch andere technische Daten als die Auflösung teilweise ein deutlich größeres Gewicht bei der Auswahl eines Monitors.

Monitore mit einer Auflösung nach dem Ultra-High-Definition-Standard (3840 x 2160 Pixel) werden inzwischen nicht nur von Fotografen zur Bewertung digital erfasster Bilder oder bei der Erstellung von Computergrafik eingesetzt, sondern auch als Referenzbildschirme im Umfeld der Bearbeitung von Bewegtbild in der Film- und Fernsehproduktion.

LG 27UK850-W als Broadcast-Monitor im Videoschnitt

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Informatives und sehenswertes Video zum Thema Videoschnitt und LG 27UK850-W als Broadcast-Monitor von Klaus W. Rößel

In meiner Beratungspraxis werde ich häufig gefragt, ob gute Computer-Monitore nicht den gleichen Dienst tun wie deutlich teurere Bildschirme aus dem Segment der Broadcast-Monitore.

Der LG 27UK850-W ist als Computer-Display dem Segment der Budget-Monitore zuzurechnen, bringt aber eine 4K-Auflösung und mit seiner weiteren Ausstattung den Anspruch mit, sogar bei der Gestaltung von HDR-Inhalten mitspielen zu wollen.

Grund genug, den Monitor einmal aus dem Blickwinkel eines Videoprofis unter die Lupe zu nehmen.

LG 27UK850-W (Mitte) neben Broadcast-Referenzbildschirmen am Testbildgenerator
LG 27UK850-W (Mitte) neben Broadcast-Referenzbildschirmen am Testbildgenerator

Testumfeld

In meinem kleinen Streaming-tauglichen Studio zeichne ich Podcasts und Tutorials auf, bearbeite Videos und führe Seminare durch. Der Raum ist insbesondere für die Farbkorrektur so weit von Tageslicht befreit, dass ich auf eine Raumhelligkeit deutlich unter der Leuchtkraft der benutzten Monitore kommen kann, so wie es die Empfehlung der ITU-R BT.2035 („A reference viewing environment for evaluation of HDTV program material or completed programmes“) vorsieht.

Die Raumhelligkeit soll demnach nicht mehr als 10 % der Leuchtkraft des Monitors betragen! Für die Beurteilung von Bildern arbeitet man folglich tunlichst nicht in einem tagesbelichteten Großraumbüro.

Mein Hauptbildschirm für die Benutzeroberfläche verschiedener Computer ist ein LG 34UM97. Als Referenzbildschirm für die Farbkorrektur benutze ich verschiedene Displays, je nachdem für welche Distribution (TV, Web, Kino, LED-Wand etc.) die Bildinhalte vorgesehen sind.

Der LG 27UK850-W bietet sich wegen der identischen Bildhöhe (eines Monitors mit WQHD-Auflösung) als direkte Erweiterung der Benutzeroberfläche zum LG 34UM97 oder vergleichbarer Bildschirme im 21:9-Format und alternativ als zusätzlicher HD/UHD- Referenzbildschirm für sRGB und nach der HD-Broadcast-Spezifikation ITU-R BT 709 an.

Tester am Arbeitsplatz
Tester am Arbeitsplatz

Will man die UHD-Auflösung tatsächlich nutzen, muss man allerdings recht nahe an das IPS-Panel herangehen. Nach der Daumenregel für 4K kann unser Auge diese Auflösung gar nicht mehr als solche erkennen, wenn wir mehr als 1,5 Bildhöhen vom Monitor entfernt sind. Das sind weniger als 50 cm, und selbst an einem normalen Schreibtisch steht ein Monitor schon weiter entfernt. Da stellt sich schon die Frage nach der Sinnfälligkeit von 4K-Displays in der 27-Zoll-Klasse, ganz zu schweigen von noch kleineren Bildschirmen mit dieser Auflösung.

Für die gelegentliche Überprüfung der Detailschärfe legen Medienschaffende allerdings immer mehr Wert auf die Option einer nativen UHD-Auflösung, auch wenn man sie nicht permanent wahrnehmen kann oder seinen Monitor mit Vorsatz in der HD-Auflösung betreibt, um den benutzten Rechner nicht an seine Leistungsgrenze zu treiben.

Mechanik

Der mechanische Aufbau des LG 27UK850-W ist im Grunde selbsterklärend und in wenigen Minuten erledigt. Der Monitor lässt sich in der Höhe verstellen und ist neigbar. Man kann ihn zwar um 90 Grad in den Porträtmodus drehen, jedoch nicht in der Horizontalen rotieren, ohne den soliden Fuß mitzubewegen. Dazu kann man ihn allerdings über den 100-mm-VESA-Anschluss an einen entsprechenden Schwenkarm befestigen.

Die Verarbeitung des Monitors kommt einem sehr wertig entgegen. Der recht schmale Rand an drei Seiten lässt das Bild fast randlos erscheinen.

Menüs

Die Bedienbarkeit der Menüs des LG 27UK850-W über den kleinen Joystick unterhalb des Monitors ist gegenüber meinem schon betagten 34UM97 spürbar direkter in der Reaktion. Man kann die Darstellungsgröße der Menüpunkte in zwei Stufen variieren, was den recht unterschiedlichen Auflösungsstufen entgegenkommt.

Die unterschiedlichen Bildprofile bleiben, einmal ausgewählt, dem aktuellen Eingang zugeordnet. Wechselt man den Eingang, wechselt auch das Picture-Profil auf das zuvor für diesen Eingang ausgewählte Profil. Auf diese Weise kann man auch A/B-Vergleiche zwischen Bildprofilen durchführen.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Fehlen einer Einstellung für den Gammawert, der als Unterpunkt zur Auswahl eines Bildprofils unbedingt vorhanden sein sollte.

Schnittstellen

Der erkennbar höhere Preis von professionellen Broadcast-Monitoren wird oft damit gerechtfertigt, dass sie entsprechende Standards erfüllen und die in der Broadcast-Welt üblichen Interfaces mitbringen. Das sind vor allem HD-SDI-Eingänge mit verriegelbaren BNC-Steckern, die in der Computerwelt und im Bereich der Consumer-Elektronik völlig unüblich sind. Das SDI ist hingegen seit den frühesten Tagen der Digitalisierung der Medien eine feste Größe in der Film- und Fernsehproduktion. Mit der Evolution der Bildschirmstandards von SD über HD zu UHD (landläufig 4K genannt) hat man das SDI-Signalprotokoll an die jeweils neueste Technik angepasst.

Parallel dazu haben sich in der Computer-Industrie und der Consumer-Elektronik zwei andere Standards herausgebildet, die ein Mittelklasse-Monitor heute mitbringen muss.: der DisplayPort und das „High Definition Media Interface“ (abgekürzt HDMI). Beide bringt der LG 27UK850-W mit, und darüber hinaus einen USB-C-3.1-Gen2-Eingang, der auch wie ein DisplayPort-1.2-Eingang, nur mit einer anderen Steckernorm, funktioniert.

Einen HD-SDI-Eingang kann der LG-Monitor nicht vorweisen. Aber ist das ein Nachteil, der einen Videoprofi vom Erwerb eines 27UK850-W abhalten sollte? Nicht unbedingt, denn was auf einem HD-SDI an Signalen transportiert wird, kann das HDMI-2.0-Interface des Monitors gemäß Spezifikation ebenfalls übertragen.

Eingänge des LG 27UK850
Eingänge des LG 27UK850

Einen tatsächlichen Unterschied gibt es jedoch in der Art, wie die Signale von Computersystemen und Broadcast-spezifizierten Geräten ausgenutzt werden. Während die Grafikkarten, an die man Computer-Monitore anschließt, das volle Spektrum eines RGB-Signals ausgeben, wird auf einer einfachen HD-SDI-Verbindung ein Farb-unterabgetastetes YCbCr-Signal, auch als sog. Base-Band-Signal bezeichnet, transportiert. Das ist der in der Broadcast-Welt gültige State of the Art.

Da diese Signalart aber ebenso im Pflichtenheft eines High-Definition-Media-Interfaces steht, muss ein Computermonitor diese ebenso beherrschen. Die Anwender bekommen nur meistens gar nicht mit, dass sie nicht mit dem vollen Tonwertspektrum eines RGB-Signals arbeiten. Letztendlich wandelt der Monitor eingehende Signale wieder in RGB um, denn nur das kann von den in Displays eingebauten Panels dargestellt werden – auch in professionellen Broadcast-Geräten.

So arbeitet der LG 27UK850-W auch problemlos an einem Broadcast-spezifizierten Interface, wie es von Aja, Blackmagic Design und anderen angeboten wird, anstatt an einer Grafikkarte und zeigt dabei das von dort ausgegebene YCbCr-Signal korrekt an. Um das Signal von HD-SDI auf HDMI umzusetzen, braucht es nur einen für unter 100 € erhältlichen Konverter.

Blackmagic Design HD-SDI-zu-HDMI-Konverter
Blackmagic Design HD-SDI-zu-HDMI-Konverter