Lesertest LG 27UK850-W – Nutzung als Broadcast-Monitor
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Klaus W. Rößel widmet sich im Lesertest zum LG 27UK850-W dem Thema HDR, Videoschnitt und wie sich der Monitor als Broadcast-Bildschirm eignet (Werbung)

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Videoschnittsysteme

Die Hersteller aller Videoschnittsysteme, auch Apple, empfehlen in ihren Manuals für einen Referenzmonitor ausnahmslos diese Art des Anschlusses über ein Broadcast-spezifiziertes Interface. Nur so bekommt man die tatsächlich in einer Videodatei enthaltenen Tonwerte ohne den Einfluss der jeweilig benutzten Grafikkarte und des Betriebssystems zu Gesicht. Damit verbundene mögliche Fehlerquellen, wie z. B ein unpassendes ICC-Profil, in der Signalkette mit Auswirkung auf die Ausgabe auf dem Monitor werden damit umgangen.

Der Anschluss des LG 27UK850-W war über alle seine Eingänge problemlos. An einem 2014er MacBook Pro habe ich zunächst die neue USB-C-Schnittstelle getestet, was einen Thunderbolt-2-auf-Thunderbolt-3-Adapter von Apple erforderte. Bei einem direkten Anschluss blieb der Bildschirm jedoch unerwartet dunkel. Erst als ich eine Thunderbold-3-Komponente, in diesem Fall ein LaCie-6Big-Raid-System, dazwischenschaltete, erkannte der Monitor das eingehende Bildsignal korrekt.

Der Monitor stellte dann ein aus einem Thunderbolt-2-Ausgang abgeleitetes DisplayPort-Signal an seinem DisplayPort-Eingang korrekt dar. Sämtliche Auflösungen des OSX-Betriebssystems wurden auch im Duett mit dem LG 34UM97 sauber verarbeitet. Das Gleiche gilt für den Betrieb des Monitors über DP und HDMI und an den Ausgängen einer NVIDIA-Quattro-P4000-Grafikkarte auf einer HP-Z840-Workstation unter MS Windows 10.

Anschluss einer Thunderbolt-2-/DP-Quelle am USB-C-Port
Anschluss einer Thunderbolt-2-/DP-Quelle am USB-C-Port

Der LG 27UK850-W bringt zwei Downstream-USB-3-Anschlüsse mit, die allerdings nur dann genutzt werden können, wenn der Monitor über den USB-C-3.1-Anschluss als Upstream-Port mit einem Rechner verbunden ist. Das funktioniert auch dann, wenn das eigentliche Bildsignal über einen der anderen Eingänge eingespeist wird.

Die HDCP-Eigenschaften der Eingänge wurden von mir nicht getestet, da sie in der Bearbeitung von selbst erzeugtem Videomaterial keine Bedeutung haben. Kopiergeschützte Inhalte werden von Interfaces zur professionellen Bearbeitung von Bildsignalen ohnehin grundsätzlich nicht unterstützt. Auch die Audioeigenschaften des Monitors waren nicht im Fokus meiner Betrachtungen zur Nutzbarkeit an einem Schnittplatz.

Darstellung nativer Bildfrequenzen

Hier in Europa leben wir in einer von den 50 Hz des Netzstroms geprägten Welt. Die Vollbildwechselfrequenz unseres Fernsehsystems beträgt 25 Bilder in der Sekunde. Computerdisplays werden im Normalfall jedoch mit einer Bildwechselfrequenz von 60 Hz angesteuert.

Professionelle Monitore können eingehende Bildfrequenzen von 25/50 Vollbildern oder 50 Halbbildern nativ darstellen. Bei filmisch mit 24 Hz aufgenommenem Material werden die (Voll-)Bilder, wenn ein Monitor das beherrscht, mit 72 Hz wiedergegeben.

Das Gleiche gilt für die in der Fernsehproduktion immer noch eingesetzten Interlaced-Signale. Die gesamte Live-Produktionsinfrastruktur der Rundfunkanstalten ist darauf ausgelegt. Erst mit dem UHD-Standard wird dies der Vergangenheit angehören. Der bei Weitem größte Teil der weltweiten Fernsehproduktionen findet aber heute noch nicht in 4K/UHD statt. An jedem modernen nichtlinearen Schnittplatz müssen daher – unabhängig von der eingesetzten Schnittsoftware – immer noch Interlaced-Signale verarbeitet werden können. Ein Referenzbildschirm muss diese Signalart deshalb unbedingt beherrschen.

Das ist gar nicht so einfach, auch wenn HDMI sie liefert. Die in Bildschirmen verbauten Panels sind von ihrer Natur her progressiv arbeitende Bauelemente. Mit anderen Worten führen sie de facto ein Deinterlacing durch. Dabei gibt es durchaus erkennbare Unterschiede in der Qualität. In einem Interlaced-Signal passen die beiden Halbbilder eines Bildes nicht zwingend zueinander, da sie zu leicht unterschiedlichen Zeiten nacheinander aufgezeichnet wurden. Das fällt nur dann störend auf, wenn eine Bewegung im Bildinhalt vorhanden ist und ein Standbild aus einer solchen Sequenz angezeigt wird. Ein schlechtes Deinterlacing macht das Bild dann in der Vertikalen einfach etwas unscharf, wenn nur die Zeilen eines der Halbbilder verdoppelt ausgegeben werden. Alternativ wird der Bildinhalt der beiden Halbbilder interpoliert wiedergegeben, was bei der Beurteilung der Bilder aber u. U. eher hinderlich ist.

Dem einfachen Anwender ist es nur recht, wenn der Monitor das typische Interlaced-Flackern zwischen den Halbbildern bei der Betrachtung eines Standbildes glattbügelt. Ein Profi erwartet jedoch, ganz im Gegensatz dazu, von seinem Monitor ein analytisches Bild, das schonungslos den tatsächlichen Bildinhalt darstellt.

Der LG 27UK850-W zeigt dem Betrachter bei Wiedergabe eines Interlaced-Standbildes mit Bewegtbildinhalt immerhin an, dass es sich um ein solches handelt. Feinste Strukturen im Bild flimmern dann leicht im 60-Hz-Takt der Ansteuerung des Panels. Die bewusste Auswahl eines der Halbbilder ist bei Computermonitoren nicht vorgesehen und stellt hier folglich keine Option dar. Damit kann man leben.

LG schweigt sich darüber aus, wie der Monitor Bilder mit 25/50 Hz tatsächlich wiedergibt. Einzig die Angabe, dass der Monitor das FreeSync-Verfahren beherrscht, deutet darauf hin, dass die Signalverarbeitung des Monitors grundsätzlich auch mit Vertikalfrequenzen unter 60 Hz umgehen kann. Die Wiedergabe in dieser Hinsicht kritischer Inhalte meistert der LG 27UK850-W bemerkenswert sauber. Ob das Panel tatsächlich mit 50 Hz angesteuert wird, lässt sich rein visuell nicht ermitteln.

Tonwertspektrum

Die Verarbeitung von 10-Bit-Signalen ist für einen Referenzbildschirm heute eine Pflichtübung.

Der LG 27UK850-W steuert sein Panel mit der 8-Bit+FRC-Technik an. Dabei werden die beiden Bits über die 8 Bit hinaus durch eine Helligkeitsmodulation (FRC steht für „Frame Rate Control“) der einzelnen Pixel des nativen 8-Bit-Panels simuliert.

Testbild mit Grauverlauf zur Verifizierung einer 10-Bit-Darstellung
Testbild mit Grauverlauf zur Verifizierung einer 10-Bit-Darstellung

Das Ergebnis ist eine absolut saubere Darstellung einer Graurampe ohne erkennbare Stufen, wo reine 8-Bit-Monitore ohne die FRC-Technik eine deutlich erkennbare Treppenbildung in den Grauwerten produzieren würden. LG hat viel Erfahrung mit dieser Art von Signalverarbeitung und kann den Monitor dank des 8-Bit-Panels preiswerter anbieten, als ein echtes 10-Bit-Panel.

Wer mit LG 27UK850-W dennoch eine Treppenbildung bei der Darstellung einer Graurampe verzeichnet, darf das nicht dem Monitor anlasten, sondern sollte überprüfen, ob tatsächlich eine 10-Bit-Verarbeitung am Start ist. Alle (!) Komponenten in der Bildverarbeitung, d. h. das Betriebssystem, die Grafikkarte, der Grafikkartentreiber und das benutzte Interface zum Monitor, müssen 10-Bit-tauglich sein. Eine einfache DVI-Verbindung ist z. B. von Hause aus nur für 8 Bit geeignet. Dass der angezeigte Bildinhalt aus einer Datei mit tatsächlichen 10 Bit stammen muss, versteht sich von selbst.