Lesertest LG 27UK850-W – Nutzung als Broadcast-Monitor
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Klaus W. Rößel widmet sich im Lesertest zum LG 27UK850-W dem Thema HDR, Videoschnitt und wie sich der Monitor als Broadcast-Bildschirm eignet (Werbung)

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Gamma

In einem Punkt unterscheiden sich sRGB und Rec. 709 erheblich, was in der Praxis der Erstellung von Grafik- und Videomaterial auch immer wieder Anlass zu Diskussionen zwischen Dienstleistern und Auftraggebern gibt.

Die in der Broadcast-Produktion gültige Gammakurve mit dem Wert 2.4 zeichnet die Schattenpartien dunkler auf, als das in der sRGB-Welt mit dem Wert 2.2 üblich ist.

Das liegt daran, dass man bei der Festsetzung der Systemparameter der Rec. 709 unterstellt hat, dass in einem typischen Wohnzimmer ein geringeres Umgebungslicht vorherrscht, als an Büro-Arbeitsplätzen oder öffentlichen Orten.

Einstellung des Rec.-709-Picture-Modus im Menü
Einstellung des Rec.-709-Picture-Modus

Wer also an Film- und Videoproduktionen mitarbeitet, sollte seinen Monitor auch konsequent auf 2.4 einstellen, um der Kritik bei der Abnahme („Warum sieht das so flau aus?“) zu entgehen.

Auch die UHD- und HDR-Spezifikation sehen 2.4 als den Standardwert für Gamma vor. Das gilt auch für die Wiedergabe über YouTube, Vimeo, Facebook & Co.

Ein für alle Anwendungsfelder geeigneter Monitor sollte es folglich dem Anwender überlassen, welcher Gammawert bevorzugt wird.

Trotz einer Vielzahl an im Settings-Menü einstellbarer Picture-Modes gibt LG den Anwendern jeweils nur eine Gamma-Einstellung pro Modus vor. Die ist darüber hinaus nicht einmal im Manual dokumentiert. Das dem Monitor beiliegende Datenblatt mit der Dokumentation der Werkskalibrierung lässt darauf schließen, dass alle Picture-Modes den Wert 2.2 benutzen. Andere, allerdings teurere Monitore aus dem Hause LG gehen hier deutlich weiter. Um der Festlegung auf Gamma 2.2 zu entgehen, bleibt dem Anwender nur, selbst eine Kalibrierung des Monitors vorzunehmen.

Kalibrierung

Der LG 27UK850-W verfügt über eine Hardware-Kalibrierung, was ihn in dieser Preisklasse durchaus positiv von vergleichbaren Produkten des Wettbewerbs abhebt.

Bei einer Hardware-Kalibrierung werden die ermittelten Korrekturwerte direkt im Monitor hinterlegt. Das erlaubt es, den Bildschirm kalibriert an verschiedene Signalquellen umzuziehen, ohne ihn jeweils neu kalibrieren zu müssen.

Im Unterschied dazu speichert man die Korrekturwerte bei einer Software-Kalibrierung in einem ICC-Profil der Grafikkarte, also im Computer.

Im LG 27UK850-W stehen für die Kalibrierung zwei anwenderspezifische Speicherplätze zur Verfügung.

Zwei Speicherplätze für anwenderspezifische Kalibrierungen
Zwei Speicherplätze für anwenderspezifische Kalibrierungen

Die Kalibrierung erfolgt mithilfe der von LG kostenlos aus dem Web ladbaren Software True Color Pro. Sie unterstützt eine Auswahl von handelsüblichen Sensoren, lässt sich allerdings nur auf LG-Monitore anwenden. Der Prozess ist problemlos, und man wird in deutscher Sprache durch die abzuarbeitenden Schritte der Software geleitet.

Grundeinstellungen der Software True Color Pro zur Kalibrierung des LG 27UK850
Grundeinstellungen der Software True Color Pro zur Kalibrierung des LG 27UK850

Bei meinem Test wählte ich eine Broadcast-typische Zieleinstellung von 120 cd/m2 und ein Gamma von 2.4 sowie einen Weißpunkt von 6500 Kelvin. Die Werte nach der Kalibrierung wichen nur erfreulich unwesentlich von der Werkskalibrierung ab.

Ergebnisprotokoll nach Kalibrierung des LG 27UK850-W mit True Color Pro
Ergebnisprotokoll nach Kalibrierung des LG 27UK850-W mit True Color Pro

Allgemeiner Bildeindruck

Wenn man einen Monitor als Referenzbildschirm einsetzt, dann sollte er in engen Toleranzbereichen arbeiten. Hier punktet der LG 27UK850-W mit seiner Kalibrierbarkeit, verspielt aber diesen Vorteil teilweise wieder, da er die dargestellten Bilder nicht wirklich homogen ausleuchtet.

Helligkeitsverteilung unbearbeitet
Helligkeitsverteilung unbearbeitet
Nach Kontrastanhebung
Nach Kontrastanhebung

Das Histogramm zeigt die Helligkeitsverteilung des unbearbeiteten Bildes (links) mit einem erheblichen Anteil an Pixeln deutlich unter den Helligkeitswerten innerhalb der Normalverteilung. Man sollte das bei einem Monitor in dieser Preisklasse nicht überbewerten. Aber es geht auch besser und hat in jedem Fall einen Einfluss auf die Bewertung der angezeigten Bilder in der Farbkorrektur.

Diagramm der Kontrastanhebung in PS
Kontrastanhebung in PS

Die Blickwinkelstabilität ist hingegen wiederum das, was man von einem IPS-Panel erwarten darf. Man kann davon ausgehen, dass bei der Bildbearbeitung an Videoschnittplätzen primär eine Person die Entscheidungen trifft, auf die der Monitor optimal ausgerichtet ist. Bei mehreren Betrachtern empfiehlt es sich ohnehin, einen größeren Bildschirm zu benutzen, vor allem, wenn man tatsächlich 4K-Material begutachtet.

Die hohe Auflösung des Panels sorgt eigentlich immer für einen ausreichenden Schärfeeindruck, der letztendlich aber auch maßgeblich vom Bildinhalt abhängt.

Bewertung

nicht bewertet
4.3

(GUT)

Fazit

Wer für die absehbare Zukunft einen Hardware-kalibrierbaren Monitor als Referenz für Bildmaterial für Web- und TV-Produktionen sowie Publikationen einschließlich Videosequenzen auf den Social-Media-Plattformen sucht, ist mit dem LG 27UK850-W mehr als ausreichend ausgestattet.

In den Punkten Auflösung (UHD) und Tonwertwiedergabe (10 Bit) geht er sogar über die an vielen Medienarbeitsplätzen tatsächlich gelebten Standards hinaus. Insofern eine klare Empfehlung für Medienprofis oder ambitionierte Prosumer.

LG 27UK850-W im Office-Einsatz
LG 27UK850-W im Office-Einsatz

Weitere typische Eigenschaften von Broadcast-Referenzbildschirmen kann man im Preissegment des LG-Monitors allerdings nicht erwarten: das wären eine externe Synchronisierbarkeit und eingebaute Messgeräte wie Waveform-Monitore, Vektorskope oder Falschfarbendarstellungen, oder auch die für verschiedene Produktionsformate anzeigbaren Framings. Auch kann man keine Look-up-Tables (LUTs) direkt in den Monitor hochladen. Wer darauf verzichten kann, bekommt die Haupteigenschaften eines Broadcast-Referenzmonitors mit dem LG 27UK850-W zu einem deutlich geringeren Preis.

Wer allerdings das Thema HDR spezifikationsgerecht angehen möchte, sollte sich nach einem Monitor mit höherer Leuchtkraft und einem erweiterten Spektrum darstellbarer Farben (Adobe RGB, P3 und Rec. 2020) umsehen. Bis HDR allerdings zur Mainstream-Anforderung wird, hat man den LG 27UK850-W aber voraussichtlich mehrfach amortisiert.

Weiterführende Links zum Lesertest

LG 27UK850-W mit 4K-Auflösung und HDR10 überzeugt im Lesertest

Lesertest LG 27UK850-W – HDR Gaming (Lukas Aupperle)

Lesertest LG 27UK850-W – Screen Split und Bildmodus „HDR-Effekt“ (Oliver Schacht)

Produktseite Ultra-HD-Monitor LG 27UK850-W

Hinweis in eigener Sache

Sowohl diese Zusammenfassung als auch die Testberichte der einzelnen Leser wurden als Werbung gekennzeichnet. Die Medienanstalten führen an, für welche Beiträge diese Kennzeichnung notwendig sind: „Beiträge über Produkte, Dienstleistungen, Marken, Unternehmen, Regionen, Events, Reisen, die gegen eine Gegenleistung veröffentlicht werden.“ Aus Gründen der Transparenz kennzeichnen wir unsere Artikel entsprechend.

LG hat für diesen Lesertest den Testkandidaten Monitore zur Verfügung gestellt, die nach dem Test beim jeweiligen Leser verbleiben. Aus diesem Grund ist der jeweilige Beitrag kennzeichnungspflichtig. Das bedeutet aber nicht, dass PRAD oder LG in irgendeiner Form Einfluss auf die einzelnen Testberichte genommen hat. Diese wurden inhaltlich 1:1 so veröffentlicht, wie Sie uns von den Lesern bereitgestellt wurden.