Test 21:09 Curved Monitor ViewSonic VP3881
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Messungen nach Kalibrierung und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Vergleich zur Software-Kalibration hat eine Hardware-Kalibration große Vorteile, da alle notwendigen Anpassungen via USB-Verbindung direkt in der Elektronik des Monitors erfolgen und nicht über die Grafikkarte. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden.

Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig. Dadurch kommt es auch nicht zu Tonwertbeschneidungen, und feine Farb- und Grauverläufe bleiben auch nach der Kalibration frei von Banding-Effekten. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Handware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu i. d. R. nicht in der Lage.

Für einen Grafikmonitor ist dieses Feature neben einer guten Gleichförmigkeit das Wesentlichste vor allem anderen. Das gilt vor allem für Monitore mit erweitertem Farbraum. Da dieser außerhalb von nicht Farbmanagement-fähigen Anwendungen auch nicht gebändigt wird, kommt es zu einer falschen Darstellung mit oft überzogen gesättigten Farben.

Gute Lösungen ermöglichen daher die Kalibrierung auf eine Vielzahl an Kalibrierungszielen mit unterschiedlichen Farbräumen und Farbtemperaturen und den schnellen Wechsel zwischen diesen. Ist das nicht möglich, wird ein Großteil der Vorteile einer Hardware-Kalibration nicht genutzt.

Da der VP3881 grundsätzlich über dieses Feature verfügt, überrascht es umso mehr, wie stiefmütterlich es von ViewSonic angesichts der beworbenen Zielgruppe behandelt wird.

Eine kurze Erwähnung der Software zur Hardware-Kalibration mit dem fantasievollen Namen „Colorbration“ ist zwar vorhanden, ein eigenes Handbuch dazu gibt es aber nicht. Die Taste F1 zum Aufruf der Hilfe bringt auch in der Software nur eine leere Seite zum Vorschein.

Wer bereits die Software von X-Rite zur Software-Kalibrierung kennt, wird sich dennoch damit sofort zurechtfinden. Es handelt sich um eine für ViewSonic gebrandete und um die Fähigkeit der Hardware-Kalibration erweiterte Variante. Auf der CD ist sie nicht enthalten. Der Weblink im Handbuch brachte uns aber ohne Umwege zur aktuellen Version, die wir nach der Installation als Version 1.3.0 identifizieren konnten.

Einstieg (Screenshot Colorbration)
Einstieg (Screenshot Colorbration)
Workflow-Optionen (Screenshot Colorbration)
Workflow-Optionen (Screenshot Colorbration)

Die Startseite dient primär der Erkennung von Monitor und Kolorimeter sowie der Wahl des Workflows (Profilieren oder Qualitätsüberprüfung). Wir haben hier den Modus „Erweitert“ gewählt, um die maximal vorhandenen Einstellmöglichkeiten zu sehen.

Auf der zweiten Seite wird unter „RGB-Primärfarben“ der Farbraum ausgewählt, auf den kalibriert werden soll. Normalerweise würden wir hier „nativ“ wählen. Dann ist aber außer der Zielhelligkeit keine weitere Einstellung möglich. Daher haben wir stattdessen zunächst die Option „Benutzerdefiniertes xy“ gewählt. Jetzt kann man auch den Weißpunkt und die Tonwertkurve bestimmen (siehe Abbildung 4).

Da das Gerät ohnehin nur sRGB kann, haben wir für ein bestmögliches Ergebnis auch außerhalb von Farbmanagement-fähigen Anwendungen zunächst die richtigen Xy-Werte von Hand eingetragen. Als Tonwertkurve haben wir sRGB gewählt.

Das Ergebnis konnte zwar mit sehr geringen Abweichungen überzeugen, nicht aber mit der unbrauchbaren Farbraumabdeckung von nur 87 %. In zwei weiteren Versuchen haben wir es dann mit den Einstellungen „sRGB“ und „nativ“ versucht. Jeweils mit der Zielhelligkeit 140 cd/m2 – in der Hoffnung, auf gut Glück auf die gewünschte Farbtemperatur D65 zu kommen. Das war zwar auch der Fall, in einem professionellen Workflow ist aber auch die Farbtemperatur eine Variable, die man für bestimmte Situationen verändern können möchte.

Die Wahl von „nativ“ vs. „sRGB“ spielt ansonsten keine große Rolle. Im ersten Fall waren die Graustufen etwas besser, im zweiten die Farbraumabdeckung. Tendenziell würden wir beim ViewSonic VP3881 „sRGB“ empfehlen, um auch außerhalb von Farbmanagement-fähigen Anwendungen ohne Umschalten im OSD das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Zugunsten des ViewSonic haben wir die jeweils besseren Werte in die abschließende Wertungstabelle übernommen.

Monitor-Optionen 1 (Screenshot Colorbration)
Monitor-Optionen 1 (Screenshot Colorbration)
Monitor-Optionen 2 (Screenshot Colorbration)
Monitor-Optionen 2 (Screenshot Colorbration)

Die Profil-Optionen kann man ruhig auf Standardeinstellungen belassen. In den letzten beiden Schritten werden die Anzahl der Messfelder und der im Monitor für die Kalibrierung zu verwendende Speicherplatz ausgewählt und schließlich die Kalibrierung gestartet.

Profil-Optionen (Screenshot Colorbration)
Profil-Optionen (Screenshot Colorbration)
Messfeld-Auswahl (Screenshot Colorbration)
Messfeld-Auswahl (Screenshot Colorbration)

Danach braucht man Geduld. Der Kalibrierungsvorgang läuft vollständig automatisch ab, dauert aber auch bei kleinem Messfeldsatz ca. 15 Minuten. Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen. Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungsergebnis zu überprüfen. Zum Abspeichern der Kalibrierungsergebnisse sind drei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Die Auswahl wird beim Kalibrierungsvorgang getroffen. Somit hat man die Möglichkeit, das Gerät auf unterschiedliche Ziele zu kalibrieren und dann einfach per Knopfdruck hin und her zu schalten.

Allerdings muss man dann auch den Profilwechsel in der Farbverwaltung manuell entsprechend nachziehen. Ansonsten bekommt man in Farbmanagement-fähigen Anwendungen eine falsche Darstellung. Eine Funktion, die diesen Wechsel automatisch übernimmt – wie beim Color Navigator von EIZO –, bietet ViewSonic nach wie vor nicht an.

Messung (Screenshot Colorbration)
Messung (Screenshot Colorbration)
Ergebnis (Screenshot Colorbration)
Ergebnis (Screenshot Colorbration)

Damit ist die Lösung von ViewSonic mit nur drei Speicherplätzen nicht nur sehr beschränkt, sondern auch langatmig, kompliziert und fehleranfällig im Handling. Sie besitzt insgesamt bei Weitem nicht den gleichen Funktionsumfang und die gleiche Stabilität wie beispielsweise der Color Navigator von EIZO. Dagegen ähnelt sie der Lösung von BenQ. Kein Wunder: Beide Hersteller setzen auf eine Kooperation mit den Farbmanagement-Experten von X-Rite.

Kommt man auf die eingangs genannten Kriterien für eine gute Lösung zur Hardware-Kalibration zurück, dann wird klar, dass die Lösung von ViewSonic auf derzeitigem Entwicklungsstand zwar besser ist als eine reine Software-Kalibration, aber für den professionellen Einsatz vor allem in Verbindung mit einem erweiterten Farbraum kaum taugt.

Profilvalidierung

Der ViewSonic VP3881 zeigt keine auffälligen Drifts oder unschönen Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergibt keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrationsziele werden erreicht. Die Graubalance ist sehr gut, und die Farbwerte sind gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch. Die etwas höhere Abweichung bei Blau fällt nur auf, weil die anderen Werte ausgesprochen gut sind. Auch hier bleibt die Abweichung aber deutlich unter einem Delta E von 2. Insgesamt ist das Ergebnis sowohl bei den Farbwerten als auch bei den Grauwerten sehr gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

7 KOMMENTARE

  1. Leute, so etwas darf auf einer Seite wie Prad nicht passieren. Und dann auch noch ganz groß in der Überschrift 😉
    Das ist kein 21:9 Monitor. 3840×1600 ergeben ein 24:10 Format.
    Für mich persönlich übrigens DIE ideale Auflösung, selbst vor 4k.

    • Ja ist merkwürdig und Du hast da natürlich Recht. ViewSonic hat den Monitor allerdings selbst als 21:9 Monitor vermarktet und das haben wir so übernommen. Den ganzen Test möchte ich jetzt nicht ändern, habe aber einen Absatz in der Einleitung zugefügt.

  2. Hat das gleiche LG LM375QW1-SSA1-Panel wie LG 38UC99, LG 38WK95C-W, Dell U3818DW, Acer XR2, HP Z38c: graue Ränder, weil das Backlight nicht die ganze Fläche abdeckt. Wer mag sehe sich die Amazon-Bewertung zum LG 38WK95C-W an (die mit 2 Sternen, ich weiß nicht, ob ich hier verlinken darf).

  3. Hier würde jetzt mein sorgfältig formulierter Kommentar stehen, hätte Prad ihn gespeichert und nicht ohne Vorwarnung verworfen weil ich vergessen hatte meine Email-Adresse anzugeben (ein Feld das nicht als Pflichtfeld ausgewiesen wird)

    • In der Tat nicht sehr anwenderfreundlich. Bringt Dir Dein Posting nicht zurück, aber immerhin wird sich das ändern. Sorry für die Umstände.

  4. Danke für den Test! Der Monitor wirbt mit HDR10-Unterstützung. Wie ist Euer Eindruck davon (trotz einer Helligkeit von nur 300cd/​m²)? Können auch andere Geräte mit diesem Panel genauso HDR10-Inhalte wieder geben, ober muss eine explizite Hardware/Firmware-Unterstützung vorhanden sein? Danke!

    • Ich war ebenfalls betroffen, dass mein Kommentar verschwand nachdem ich im 1. Versuch keine E-Mailadresse angab. Dennoch habe ich nochmal getippt, weil mich diese Frage beschäftigt. Umso weniger schön ist es, dass von Euch keine Antwort kommt, obwohl mein Frage die einzige zu diesem Artikel ist.

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