Test BenQ TK850i: Echter 4K-Beamer mit Android TV?
8/8

Projektor mit brandneuem 0,74"-DLP-Chip-Design liefert eine 4K-Auflösung mit einer Lichtleistung von 3000 ANSI-Lumen

HDR

Die Ernüchterung ist dabei weniger auf das Thema HDR zurückzuführen. Hier ist es nicht nur der dazu schlicht nicht ausreichende Kontrast, sondern der bereits bei den Herstellerangaben fehlende erweiterte Farbraum, der die Erwartungshaltungen schon im Vorfeld dämpfen sollte – HDR Pro hin oder her. Einen echten Mehrwert bei der Darstellung von HDR-Material im Vergleich zum selben Film in SDR konnten wir beim BenQ TK850i erwartungsgemäß nicht feststellen.

Allerdings hat auch die „echte“ 4K-Auflösung des BenQ TK850i keinen echten Wow-Effekt im Vergleich zu einem normalen Full-HD-Projektor ausgelöst. Der Mehrwert müsste aber gerade bei den Bilddiagonalen eines Beamers doch so richtig sichtbar werden. Dass zumindest beim aktuellen Probanden gar nicht mehr alle Details eines 4K-Films differenziert auf der Leinwand ankommen, haben wir schon zuvor mit entsprechenden Testbildern gezeigt.

Dieses Manko scheint der Projektor mit einer teils übertriebenen Nachschärfung des Bildes ausgleichen zu wollen. Der Schärferegler steht in den meisten Presets auf Stufe 12 von 15. Während einige Szenen ganz normal wirken – ohne den Vorteil eines 4K-Projektors zu verraten –, stechen einem in der nächsten Szene die Hautporen eines Protagonisten regelrecht ins Auge. Ein Herunterregeln kann da sicher Besserung bringen. Wir hatten teils aber auch den Eindruck, dass der BenQ TK850i die – eigentlich völlig unnötige – Nachschärfung nicht gleichmäßig, sondern abhängig von der Szene und der Eingangsauflösung vornimmt.

Schwarzwert und Detailzeichnung in dunklen Szenen könnte besser sein
Schwarzwert und Detailzeichnung in dunklen Szenen könnte besser sein
Der Im-Bild-Kontrast ist sehr von der Szene abhängig
Der Im-Bild-Kontrast ist sehr von der Szene abhängig

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, den BenQ TK850i überwiegend mit 4K-Material oder zumindest Full-HD-Filmen zu füttern – auch wenn der Unterschied hier nicht groß ist. Die Darstellung von Filmen in der HD-Auflösung 720p hat uns dagegen nicht gefallen.

Zumindest die für den Test verwendeten 720p-Filme wirken auf einem zum Vergleich herangezogenen Full-HD-Projektor zwar etwas soft, aber durchaus noch akzeptabel. Beim BenQ TK850i dagegen werden Treppen-Artefakte an kontrastreichen Kanten und Posterisation-Effekte überdeutlich herausgearbeitet, sodass Szenen teils künstlich aussehen. Inwieweit beim BenQ TK850i eventuell im Hintergrund permanent „Bildverbesserer“ aktiv sind, die nicht immer zum gewünschten Ziel führen, ist für uns nicht eindeutig festzustellen. Den Eindruck hatten wir jedenfalls. Möglicherweise sind dafür jedoch die zuvor gezeigten Banding-Effekte bei den Grau- und Farbverläufen mitverantwortlich.

Auch bei Full-HD-Filmen war in manchen bekannten Szenen plötzlich ein Bildrauschen zu sehen, das uns bisher noch nie aufgefallen war. Das mag im Filmmaterial vorhanden sein – es besonders prägnant sichtbar zu machen, ist aber sicher kein Vorteil.

Hinsichtlich des Reaktionsverhaltens macht BenQ zum TK850i keine genauen Angaben. Zumindest die Reaktionszeiten sind bei DLP-Projektoren in der Regel recht gut. Mit Messungen zum Input-Lag können wir bei Beamern derzeit aber nicht aufwarten. Ungewöhnliche Nachzieheffekte oder Bewegungsunschärfen sind uns im Praxistest jedoch weder bei Spielen noch bei Videos aufgefallen.

Sportübertragungen gehören auf jeden Fall generell zu den Stärken des BenQ TK850i. Dazu besitzt er neben einem Sports-Mode eine „Motion Enhancer“ getaufte Zwischenbildberechnung. Schwarzwert und Kontrast spielen bei Sportübertragungen auch keine so große Rolle. Da ist eher Lichtleistung gefragt, und das Betriebsgeräusch der Lüfter bei maximaler Lampenleistung wird meist schon von den Sportkommentaren der Zuschauer ganz gut übertönt.

Vergleicht man den BenQ TK850i mit seinem Vorgänger, handelt es sich durchaus um einen würdigen Nachfolger, der an vielen Stellen Verbesserungen parat hat.

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Sound

Der BenQ TK850i hat sogar zwei Stereo-Lautsprecher mit je 5 Watt Ausgangleistung integriert. Für einen Heimkino-Projektor ist das eher ungewöhnlich. Der kompakte Beamer kann so aber auch ohne großen Anschlussaufwand mal zu Freunden mitgenommen werden.

Integrierte Stereo-Lautsprecher mit 2 x 5 Watt
Integrierte Stereo-Lautsprecher mit 2 x 5 Watt

Die Lautsprecher strahlen nach hinten ab. Volumen und Klangqualität sind ordentlich und reichen durchaus für einen Spielfilm, einen Serienabend oder eine Sportübertragung aus. Richtig großartig wird das Erlebnis mit dem großen Bild aber erst, wenn auch eine kinoreife Klang-Untermalung mit einer entsprechenden Surround-Anlage dazukommt.

Bewertung

ca. 1.335,90 €
3.8

(GUT)

Fazit

Mit dem TK850i präsentiert BenQ einen würdigen Nachfolger für den beliebten TK800, der diesmal auch tatsächlich „True 4K“ auf die Leinwand bringt. Wenn auch wie gehabt mit XPR-Technologie – sprich Pixelshifting seiner nativen Full-HD-Auflösung. Hier wie auch an vielen anderen Stellen ist dabei aber eine ganze Reihe an sinnvollen Verbesserungen eingeflossen.

Zunächst kann der BenQ TK850i mit einer guten Verarbeitung und einem gefälligen Design überzeugen. Das Gerät ist dabei wie gehabt kompakt genug, um auch mal zu Freunden mitgenommen zu werden. Besonders Sinn ergibt das bei Sportübertragungen. Dank Sports-Mode und Zwischenbildberechnung hat der Proband hier besondere Stärken und obendrein genug Licht-Power, um hier auch noch bei gedämpfter Hintergrundbeleuchtung zu überzeugen.

Im Filmbetrieb sollte man dagegen auf jeden Fall eine Leinwand verwenden und den Raum vollständig abdunkeln. Selbst dann sind der Schwarzwert und generell düstere Szenen nicht die Stärke des BenQ TK850i. Richtig zur Geltung kommen die 4K-Details am ehesten in hellen Szenen. Lichtschluckende Maßnahmen und/oder eine Spezialleinwand können das Ergebnis sicher noch einmal verbessern. Im Wohnzimmer ist das aber nicht jedermanns Sache.

BenQ verwendet zwar offensichtlich ein für die Preisklasse recht hochwertiges Objektiv, was bei der ausgezeichneten Schärfeverteilung bis in die äußersten Bildecken am besten sichtbar wird. Vermutlich liegt es eher am immer noch verwendeten Pixelshifting-Trick, dass der BenQ TK850i dennoch nicht alle Details vollständig auf die Leinwand bringen kann. Der Unterschied zu bisher getesteten „Pixelshiftern“ oder auch einem normalen Full-HD-Projektor war nicht so groß wie erhofft. Zumindest das recht laute Zusatzgeräusch durch das Pixelshifting des Vorgängers entfällt bei dem Modell. Im normalen Lampenmodus ist es aber dennoch ziemlich laut.

Die Farbdarstellung kommt zwar messtechnisch den Herstellerangaben recht nahe. Das reicht aber genauso wie der native Kontrast nicht für HDR, und subjektiv haben wir die Farben ebenfalls eher als etwas blass empfunden. Das mag mit daran liegen, dass unsere Augen in letzter Zeit von LED-Projektoren verwöhnt wurden. Es zeigt jedoch auch, was Hersteller wie Epson mit Farbhelligkeit meinen. Beim Vergleich der üblichen Messwert-Tabellen ist das nicht zu erkennen, da das dort gar nicht erfasst wird.

Der Smart-Beamer-Ansatz mit Android TV wirkt beim BenQ TK850i als das, was es ist: hinzugesteckt anstelle von integriert. In der Praxis wird das Vergnügen dann auch noch durch teils lange Umschaltzeiten getrübt. Inwieweit der Vorgänger ohne „i“ tatsächlich bezüglich der reinen Projektion leistungsgleich ist, können wir natürlich nicht sicher sagen. Nach den technischen Daten müsste er es auf jeden Fall sein. Für 1.599 EUR ist der BenQ TK850 sicher ein interessantes Gerät – wenn auch 300 EUR teurer als sein Vorgänger.

Der BenQ TK850i hat dagegen für 1.799 Euro eigentlich höhere Erwartungen geweckt. Der Preis ist aber einem recht teuren Android-TV-Stick geschuldet, dessen Funktionalität man sich jederzeit auch deutlich günstiger nachrüsten kann.

Plus

  • Verbessertes XPR-4K zum Einsteigerpreis
  • Kraftvolle Lichtleistung auch für große Leinwände und den 3D-Betrieb
  • Sehr gutes Objektiv mit gleichmäßiger Schärfe über das ganze Bild
  • Sports-Mode mit Zwischenbildberechnung
  • Cinema-Modus für natürliche Farbwiedergabe nahe der Videonorm ab Werk
  • Umfangreiche Farbmanagement-Einstellungen
  • Kompaktes und elegantes Design
  • Einfache Bedienung

Minus

  • Lautes Betriebsgeräusch bei normaler Lampenleistung
  • Nervige Wartezeiten beim Wechsel zwischen Bildmodi, HDMI-Quellen und Android TV
  • Etwas blasse Farbdarstellung, vorrangig bei Gelb
  • Mäßiger Schwarzwert
  • Mäßige Aufstellungsflexibilität
  •  Ggfls. DLP-bedingter Regenbogen-Effekt

Testlogo BenQ TK850i

Hinweis in eigener Sache: PRAD erhielt den TK850i leihweise von BenQ zu Testzwecken. Herstellerseitig gab es weder eine Einflussnahme auf den Testbericht noch eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Verschwiegenheitsvereinbarung.

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Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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