Test Monitor Dell U2412M
6/8

Reaktionsverhalten

Den U2412M haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DVI-Anschluss vermessen. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.
Das Datenblatt nennt für den DELL U2412M eine Reaktionszeit von 8 Millisekunden (GtG).

Bei unseren Messungen ermitteln wir den schnellsten Grauwechsel mit 11,2 Millisekunden. Die über alles gemittelte Bildaufbauzeit (hin und zurück) für unsere 15 Messpunkte ist mit 13,1 Millisekunden nicht viel länger. Die Unterschiede zwischen hellen und dunklen Messpunkten fallen gering aus.

Dell U2412m Monitor Reaktion
Dell U2412m Monitor Over
Kurze Schaltzeiten für ein IPS-Panel

Der Helligkeitsverlauf zeigt eine moderate Beschleunigung. An den meisten Messpunkten finden wir mäßige Überschwinger nach oben und nach unten. Der Helligkeitswechsel ist in den meisten Fällen erst nach zwei Frames abgeschlossen. Die Beschleunigung ist fest implementiert und kann nicht beeinflusst werden.

Latenzzeit

Die Latenz ermitteln wir als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Die für Gamer wichtige Signalverzögerung messen wir beim U2412M mit äußerst kurzen 0,9 Millisekunden. Bis zur Soll-Helligkeit vergehen durchschnittlich weitere 6,5 Millisekunden, die mittlere Gesamtlatenz fällt mit insgesamt 7,4 Millisekunden sehr kurz aus.

Subjektive Beurteilung

Das IPS-Panel des U2412M wurde auf kurze Schaltzeiten getrimmt; die 6-Bit-Farbansteuerung, wie sie sonst fast ausschließlich bei TN-Panels gebräuchlich ist, verhilft dem Display zu für IPS-Verhältnisse recht flotten Schaltzeiten; die Overdrive-Schaltung tut ihr Übriges, ist aber dabei so dosiert, dass störende Artefakte nur noch in synthetischen Tests in geringem Maße feststellbar sind.

Das Spielen auch von sehr flotten Spielen ist auf dem DELL U2412M möglich. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich der Overdrive trotz schneller Reaktionszeiten subjektiv kaum negativ bemerkbar macht. Bei den schnellsten TN-Panels, die hier noch ein paar Millisekunden mehr herausholen, kann man dies nicht behaupten.

Interpolation

Ein TFT-Monitor kann technikbedingt nur seine native Auflösung bildschirmfüllend und pixelgenau darstellen. Sobald eine abweichende Auflösung zugespielt wird, gibt es zwei sinnvolle Verfahrensweisen: Entweder kann der Monitor das Signal pixelgenau nur auf einem Teil seiner Pixel darstellen (1:1-Darstellung) oder eine Interpolation durchführen und so seine gesamte Fläche ausnutzen. Wünschenswert wäre, wenn man zwischen diesen beiden Möglichkeiten wählen könnte.

Außerdem interessant bei der Interpolation: entweder wird das Eingangssignal ungeachtet des originalen Seitenverhältnisses auf die gesamte Schirmfläche verteilt, oder es wird im korrekten Verhältnis (ggf. mit schwarzen Balken) dargestellt. Optimalerweise kann man zwischen diesen beiden Möglichkeiten wählen.

Die Möglichkeit der pixelgenauen 1:1-Darstellung bietet der U2412M nicht; nicht native Auflösungen werden also zwangsläufig interpoliert. Über die OSD-Einstellung „Längen-/Seitenverhältnis“ lässt sich zwischen Vollbild- („Breite 16:10“), 4:3- („4:3“) und 5:4-Darstellung („5:4“) wählen.

Diese drei Formate sind hauptsächlich im Bürobetrieb interessant. Das im Consumerbereich bei weitem gebräuchlichste Seitenverhältnis 16:9 wird von dem Monitor nicht unterstützt: Das Bild wird beim Zuspielen von 16:9-Signalen in jedem Fall vertikal gestaucht und somit verzerrt dargestellt.

Folgende Auflösungen kann man dem U2412M nach seinen EDID-Daten zuspielen:

Auflösung Refreshrate
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz
60 hz

Alle hier nicht genannten Auflösungen müssen in jedem Fall von der Grafikkarte interpoliert werden.

In diesem Bereich kann der DELL U2412M nur solange überzeugen, wie es ausschließlich um die traditionellen Büro-Auflösungen (5:4, 4:3, 16:10) geht. An der bedauernswerten Tatsache, dass 16:9-Auflösungen komplett außen vor bleiben, zeigt sich einmal mehr die konsequente Ausrichtung auf den Bürobetrieb.

Interpolationsqualität

Neben der Unterstützung verschiedener Seitenverhältnisse interessiert außerdem die Qualität des Interpolationsalgorithmus. Hier leisten sich die Hersteller vor allem in billigeren Geräten gerne mal den einen oder anderen Patzer, so leider auch beim U2412M. Die Qualität des Scalers konnte im Test nicht überzeugen. Als Folge der Interpolation wird das Textbild unruhig, was die Lesbarkeit beeinträchtigt; langfristig ermüden die Augen aufgrund des unregelmäßigen Schriftbilds. Um diesen Effekt festzuhalten, wurde per Makroobjektiv das identische Textstück in drei Auflösungen abfotografiert.

Dell U2412m Monitor Interpolation1
Text in der nativen Auflösung 1.920 x 1.200
Dell U2412m Monitor Interpolation2
Dell U2412m Monitor Interpolation3
Der identische Text in 1.920 x 1.080 (man beachte die verzerrte Darstellung); links interpoliert vom U2412M, rechts zum Vergleich interpoliert von der Grafikkarte. Im Grafikkartentreiber wurde dabei zwecks besserer Vergleichbarkeit die Vollbild-Skalierung gewählt, um dieselbe Verzerrung zu erreichen
Dell U2412m Monitor Interpolation4
Dell U2412m Monitor Interpolation5
Derselbe Text in 1.680 x 1.050; links interpoliert vom DELL U2412M, rechts zum Vergleich interpoliert von der Grafikkarte

Der Effekt, den die Interpolation hervorruft, ist zugegebenermaßen auf obigen Bildvergleichen schwierig zu erkennen, da er sich fotografisch kaum festhalten lässt. Bei genauem Hinsehen ist festzustellen, dass die Buchstaben nach der Interpolation durch den U2412M in der Schärfe und in der Strichstärke ungleichmäßig wirken; bei der Grafikkarten-Interpolation hingegen geraten die Buchstaben gleichmäßig. Dieser Effekt wird in der folgenden Detailvergrößerung aus den untersten beiden Bildern besser sichtbar.

Dell U2412m Monitor Interpolation6
Dell U2412m Monitor Interpolation7
Detailvergrößerung aus der 1.680 x 1.050-Interpolation. Während im linken Bild in der mittleren Zeile die Strichstärke geringer erscheint als in den beiden anderen Zeilen, bleibt das Schriftbild im rechten Bild homogen. 

Genau diese Homogenität in Buchstabenstärke- und -schärfe macht einen entscheidenden Unterschied in der ermüdungsfreien Lesbarkeit von Texten aus. Auf den Bildern ist das nur schwer zu erkennen; in der Realität fällt dieser Effekt subjektiv deutlich stärker auf.

Man sollte aber die Qualität der Interpolation nicht überbewerten: Im Office-Betrieb wird man den Monitor ohnehin in der nativen Auflösung betreiben. Falls doch einmal eine andere Auflösung nötig sein sollte, kann man das Scaling immer noch von der Grafikkarte erledigen lassen; die meisten GPU-Scaler liefern hier passable Ergebnisse und umgehen dabei auch noch das Problem der Seitenverhältnis-Unterstützung. Somit stellt die verbesserungswürdige Interpolationsleistung insgesamt keinen gravierenden Mangel dar und wird in der Praxis selten negative Konsequenzen für den Anwender haben.

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