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BRANDHEISS

Test Monitor LG Flatron W2363D
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Reaktionsverhalten

Nach der älteren Norm ISO 13406-2 wird die Reaktionszeit definiert als die Zeit, in der sich die relative Pixelhelligkeit nach einem Bildwechsel von Weiß zu Schwarz von 90 auf 10 Prozent verändert hat. Die aktuelle Norm ISO 9241-305 beschreibt die Reaktionszeit als mittlere Übergangszeit zwischen je 5 Grauwerten hin und zurück.

Erläuterung der Darstellung: Die Reaktionszeit ermitteln wir in zwei Messreihen, die sich an beiden Normen orientieren. Die erste Messreihe beschreibt die Zeit für einen Schwarz-zu-Grau-Bildwechsel, bei dem das Bild abrupt von Schwarz (RGB 0) zu Grau umschaltet (Rise Time) und wieder zurück (Fall Time). Der Grauwert variiert dabei von 30 % (RGB 77) bis 100 % (RGB 255 = Weiß). Diese Reihe trifft am ehesten auf Bildmaterial mit starken Kontrasten zu, der 100 %-Wert entspricht dem alten Normwert schwarz-zu-weiß.

Die zweite Messreihe beschreibt die Zeit für einen Grau-zu-Grau-Bildwechsel, bei dem das Bild zwischen zwei Grauwerten umschaltet. Die beiden Grauwerte liegen jeweils nur um 30 Prozent auseinander (100 %: RGB 178 zu 255, 90 %: RGB 153 zu 230, 80 %: RGB 128 zu 205, usw.). Diese Reihe trifft eher auf Bildmaterial mit durchschnittlichen Kontrasten zu. Die so ermittelten Werte berücksichtigen nicht nur die günstigsten Werte aus dem gesamten Messfeld und liegen deshalb oft erheblich über den Herstellerangaben.

Das Datenblatt des W2363D nennt zwei Reaktionszeiten: 5 Millisekunden (ISO) und 3 Millisekunden (GtG). Die Messungen zeigen, dass dieses TN-Panel tatsächlich eher langsam ist. Die gemessene Reaktionszeit Schwarz-Grau liegt im Durchschnitt bei 14,1 Millisekunden, der Mittelwert für Grau-Grau sogar bei 17,8 Millisekunden. Die über alles gemittelte Reaktionszeit ergibt somit befriedigende 15,9 Millisekunden.

Lg Flatron W2363d Monitor Response Chart Sg
Lg Flatron W2363d Monitor Response Chart Gg30
Links: Antwortzeit schwarz-zu-grau; rechts: Antwortzeit grau-zu-grau 30%

Die Untersuchung zeigt ein typisches Verhalten für TN-Panels. Die Reaktionszeit ist im Vergleich zu anderen Technologien generell kurz. Vor allem wenn auf Schwarz umgeschaltet wird, beträgt die Fall Time weniger als 2 Millisekunden. Problematisch ist die Umschaltung zwischen hellen Grauwerten: die Steuerspannung am Pixel liegt für beide Grauwerte recht hoch, und das Pixel folgt der Spannungsänderung nur zögerlich. Dadurch steigt die Fall Time von 1,4 Millisekunden bei Dunkelgrau-zu-Schwarz (30 %) auf 10 Millisekunden bei Weiß-zu-Hellgrau (100 %) an. Diese Werte liegen also schon in der Nähe der Framezeit von 16,7 Millisekunden (60 Hz).

Wir untersuchten auch, ob sich die Reaktionszeit im 60Hz-Betrieb von der im 120Hz-Betrieb unterscheidet. Dies ist aber nicht der Fall: offensichtlich ist keine Overdrive-Schaltung eingebaut, die die Pixelreaktion im 120Hz-Modus beschleunigen soll, Über- oder Unterschwinger des Helligkeitssignals zeigen sich nicht. Das Foto zeigt den Helligkeitsverlauf für zwei aufeinanderfolgende weiße Bilder.

Lg Flatron W2363d Monitor Response Plot
Antwortzeit bei einem Wechsel von Schwarz zu Weiß (RGB 0 zu RGB 255).

Das verwendete Panel ist für 120Hz nicht optimal geeignet: schon im 60Hz-Betrieb (markiert durch gelbe Pfeile) reicht die Framezeit von 16,7 Millisekunden nur knapp für einen vollständigen Schwarz-Weiß-Wechsel aus. Im 120Hz-Betrieb ist die halbierte Framezeit von nur 8,3 Millisekunden (gepunktete Pfeile) zu kurz: in dieser Zeitspanne schafft es das Panel beim Bildwechsel nur noch auf 75 Prozent der Endhelligkeit. Bei normaler Betrachtung wird dies keine Einschränkung darstellen, im 3D-Modus hingegen schon. Jedes Auge bekommt hier nur die Hälfte der Frames zu sehen, deshalb sollte ein 120Hz-3D-Frame nicht schlechter ausfallen als ein 60Hz-2D-Frame.

Eine Bewegungsunschärfe tritt bei TFT-Monitoren physikalisch bedingt grundsätzlich auf. Durch kurze Reaktionszeiten der Flüssigkeitskristalle kann sie aber in einem akzeptablen Rahmen gehalten werden. Im praktischen Versuch mit Spielen und Videomaterial zeigte der W2363D diese Unschärfe nicht anders als andere aktuelle TN-Panels auch.

Inputlag

Neben der Reaktionszeit, die für den schnellen Bildaufbau notwendig ist, ist auch die Verzögerungszeit (Latenz) eines Monitors von Bedeutung. Dies gilt besonders für Spiele mit schnellen Bewegungen, wie sie bei Rennsimulationen oder Shootern vorkommen. Vergeht zwischen der Eingabe und der Bildausgabe zu viel Zeit, wird die Steuerung zu indirekt und der Spielspaß wird beeinträchtigt. Dieser Effekt wird als Inputlag bezeichnet.

Mit Hilfe des Oszilloskops haben wir den W2363D gegen einen Elsa Ecomo 19H98 Röhrenmonitor antreten lassen. Durch die optische Analyse der beiden synchronisierten Helligkeitssignale wurde die Verzögerungszeit ermittelt. Dieses Verfahren ist genauer als die verbreitete Fotomethode.

Erläuterung der Darstellung: Die gelbe Kurve zeigt den Verlauf der gemessenen Helligkeit eines LCD-Pixels über der Zeit, während die beiden Monitore mit einer Folge von je zwei weißen und einem schwarzen Bild gespeist werden. Die Lage der Bildwechsel ist erkennbar durch einen markanten kurzen Ausschlag der gelben Linie nach oben: dieser Zacken wird durch das Aufleuchten des entsprechenden Pixels auf dem Röhrenmonitor hervorgerufen. Die Latenzzeit des LCD ergibt sich, indem man die Verzögerung zwischen dem Bildwechsel und dem Helligkeitsanstieg des LCD ausmisst.

Lg Flatron W2363d Monitor Latenz
Der W2363D hat eine sehr geringe Verzögerungszeit.

Diese Untersuchung zeigt, dass der LCD-Monitor dem Röhrenmonitor praktisch ohne Verzögerung folgt: die Verzögerungszeit des W2363D ist nahezu Null. Interessant in diesem Zusammenhang ist die von LG als „Thru-Mode“ bezeichnete Möglichkeit, den Bildzwischenspeicher im Game-OSD zu deaktivieren. Die Aktivierung des Thru-Mode bleibt jedoch wirkungslos, da schon ohne Thru-Mode keine Verzögerung auftritt. Eine interne Bildzwischenspeicherung findet in beiden Einstellungen offensichtlich nicht statt. Dies ist für Gamer natürlich sehr erfreulich.

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