Test ASUS H1: Enorme Lichtleistung und angenehm leise
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Subjektive Beurteilung

Zur subjektiven Beurteilung haben wir beim ASUS H1 eigentlich schon recht viel direkt an den betreffenden Stellen bei den Messwerten bzw. Testbildern geschrieben. So werden der Bezug von Messwerten und die Auswirkung in der Realität am besten deutlich.

Komprimiert auf ein Wort, würden wir den subjektiven Eindruck am ehesten als „unausgewogen“ bezeichnen. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen wäre der mäßige Schwarzwert zu nennen, zum anderen der damit verbunden nur zufriedenstellende Kontrast. Aber auch die Farbdarstellung, auf die wir gerade schon recht ausführlich eingegangen sind, spielt hinein. Doch schauen wir uns das noch mal anhand von realen Szenen an.

Die beiden Aufnahmen unten zeigen links das Original-Testbild, das wir projiziert haben, und rechts ein Foto der Leinwand davon. Solche Vergleiche sind gerade bei Geräten mit erweitertem Farbraum mit Vorsicht zu genießen. Bei der Ausgabe müssen wir die Bilder für die Web-Anzeige zwangsläufig in sRGB konvertieren. Außerdem entstehen bei der Aufnahme einer Projektion Unterschiede im Dynamikumfang, die sich ebenfalls auf die Farben auswirken.

Originalfoto
Originalfoto
Foto von der Leinwand
Foto von der Leinwand

Im Standardmodus, den wir auch überwiegend zur subjektiven Beurteilung verwendet haben, ist die Farbdarstellung sehr neutral, aber auch etwas blass, um nicht zu sagen kraftlos. Im direkten Vergleich sieht man das überdeutlich an den Hauttönen, jedoch sogar an den recht kräftigen Farben der Buntstifte. Den Hintergrund haben wir oben schon ausführlich erklärt.

Dabei haben unsere Messungen klar gezeigt, dass es dem ASUS H1 keinesfalls an Farb-Power mangelt. ASUS verspricht eine Farbraumabdeckung von 125 % sRGB – also etwas mehr als der Standard. Derartige Angaben sind praktisch ohne Aussagekraft – im Fall des ASUS H1 sogar regelrecht tiefgestapelt, denn sein nativer Farbraum geht deutlich über DCI-P3 hinaus. Aber nur an bestimmten Stellen, an anderen fehlt es fast ebenso deutlich.

Im Theater-Modus macht der ASUS H1 dann deutlich mehr Theater bei den Farben. Leider aus unserer Sicht zu stark. Um beim Wortspiel zu bleiben: Bereits die Hauttöne wirken hier überschminkt.

Großes Kino mit viel Lichtleistung, aber schwachem Schwarzwert und Kontrast
Großes Kino mit viel Lichtleistung, aber schwachem Schwarzwert und Kontrast

Bei den Farben könnte man sicher auch mit einfachen Mitteln über das OSD noch einiges tunen. In einen sehr neutralen Ausgangspunkt mehr Sättigung reinzubringen, ist dabei auch wesentlich einfacher als andersherum. Dennoch hätte ASUS sich hier bei den Werks-Modi schon etwas mehr Mühe geben können. Das Potenzial hat der H1 ja allemal.

Auch in schwierigen Szenen muss man keine krebsroten Gesichter fürchten
Auch in schwierigen Szenen muss man keine krebsroten Gesichter fürchten
Die Hauttöne sind vielleicht etwas blass, bleiben dafür aber stets sehr natürlich
Die Hauttöne sind vielleicht etwas blass, bleiben dafür aber stets sehr natürlich

Schwarzwert und Kontrast kann man dagegen nicht einfach tunen. In der Praxis schaut das eher noch schlechter aus als in unseren Messungen von oben. Das liegt daran, dass normale Wohnräume meist eher hell gestaltete Decken und Wände haben und durch den Projektor der Raum insgesamt aufgehellt wird. Dabei wird auch Licht auf die Leinwand zurückreflektiert, und der Schwarzwert verschlechtert sich entsprechend nochmals.

Wir empfehlen daher, den ASUS H1 in normalen Wohnräumen mit der Lichtleistung „Spar“ zu betreiben. Das reicht völlig aus, und der Projektor bleibt zudem angenehm leise.

Ähnlich beim Pflanzengrün: Könnte kräftiger sein, dafür sehr natürlich und kein „giftiges“ Abdriften
Ähnlich beim Pflanzengrün: Könnte kräftiger sein, dafür sehr natürlich und kein „giftiges“ Abdriften
In düsteren Szenen kommt es zu Detailverlusten, und dem Blau fehlt das „Magische“
In düsteren Szenen kommt es zu Detailverlusten, und dem Blau fehlt das „Magische“

Beide Gründe zusammengenommen führen zu dem von uns eingangs als „unausgewogen“ bezeichneten Bildeindruck.

Während eher helle Szenen mit kräftigen Farben teilweise richtig imposant und detailreich wirken, gehen in düsteren Szenen Details verloren, und sie wirken auch beim Kontrast etwas flau. Anime, Zeichentrick und teilweise Spiele begeistern durchaus mit Farbenpracht, doch ist die Farbdarstellung bei TV, Netflix-Serien und Spielfilmen neutral, aber auch etwas karg.

Das einzige Hersteller-Foto, das wir vom ASUS H1 haben, zeigt übrigens eine typische Szene, bei der der Proband eigentlich relativ schlecht wegkommt – zumindest an einer normalen Leinwand. Insbesondere mit voller Lichtleistung kann der H1 die blendend helle Sonneneinstrahlung zwar überzeugend wiedergeben. Anders als in der Abbildung unten zu sehen, wirken die dunklen Bereiche des Bildes aber flau und zeigen kaum Details.

Projektor-Aufstellung (Foto: ASUS-Datenblatt)
Projektor-Aufstellung (Foto: ASUS-Datenblatt)

Reaktionsverhalten

Hinsichtlich Reaktionsverhalten waren im Praxistest bei Spielen und Videos keine ungewöhnlichen Nachzieheffekte oder Bewegungsunschärfen zu sehen. Im Speedtest bleiben die schnell bewegten Quadrate zwar auch bei 800 pix/s noch weitgehend frei von Verzerrungen. Bei bewegten Farbkanten sind aber teilweise leichte Doppelkonturen sichtbar.

Die Response-Time gibt ASUS mit 8,4 ms an. Gemeint ist vermutlich die Latenzzeit, die sich aus Input-Lag und Bildwechselzeit zusammensetzt. Nachmessen können wir das bei Projektoren derzeit leider nicht.

Die DLP-Technik ist generell auch zum Spielen gut geeignet. Erst recht bei einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz, die der ASUS H1 im Gegensatz zum F1 sogar in der nativen Auflösung anbietet. So etwas wie einen Overdrive haben wir im OSD allerdings nicht gefunden. Auf eine Zwischenbildberechnung muss man in dieser Preisklasse in der Regel ebenfalls verzichten.

Ein genereller Nachteil der DLP-Technik ist dagegen der sogenannte Regenbogen-Effekt. Er entsteht, wenn Farben nicht gleichzeitig, sondern durch Projektion der Einzelfarben rasch nacheinander dargestellt werden. Das geschieht bei der DLP-Technik mittels eines sich schnell drehenden Farbrades im Lichtkanal. Bei LED-Projektoren wird es aber nicht mehr zwangsläufig benötigt.

Wie die technische Umsetzung hier beim ASUS H1 aussieht, können wir von außen nicht sagen. Der Regenbogen-Effekt ist uns (zwei unabhängige Tester) aber beim H1 auf jeden Fall vergleichsweise stark aufgefallen. Ernsthaft vom Filmgeschehen abgelenkt hat er uns allerdings nicht. Manche Menschen können den Regenbogen-Effekt ohnehin nicht wahrnehmen. Das hängt mit dem individuellen Seh- und Reaktionsvermögen zusammen.

Für den potenziellen Käufer ist hier also eine Grundsatz-Entscheidung zu treffen, ob man mit dem einzigen echten Nachteil der DLP-Technik auf Dauer leben kann oder nicht.

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