Test ASUS PG27UQ – 4K-HDR-Gaming-Monitor der Superlative
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HDR-Kontrast

Auf das Thema HDR als neues Must-have-Feature hat sich zwar das Marketing praktisch aller Hersteller mittlerweile eingeschossen. Wie man das Ganze tatsächlich zum Laufen bekommt, soll der zahlungswillige Endkunde dann aber bitte selbst herausfinden.

Wer also lieber mit OSD- und Betriebssystemeinstellungen bastelt, als einfach Spaß beim Gaming zu haben, der liegt mit den neuen High-End-Gaming-Monitoren auf jeden Fall genau richtig. In diesem Sinne ist uns im Trial-&-Error-Verfahren im Laufe des Testes Folgendes aufgefallen:

Wer jetzt etwas verwirrt ist, weil wir an dieser Stelle plötzlich mit HDR ums Eck kommen: keine Sorge, das ist ganz normal und entspricht den kleingedruckten Risiken und Nebenwirkungen im Beipackzettel. Wir sind nach wie vor bei SDR („Standard Dynamic Range“), also dem neuen Begriff für den alten „Normalo-Betrieb“. Es braucht sich also noch niemand anschnallen, der HDR-Test kommt erst später im Videoteil. Allerdings beeinflusst der HDR-Schalter jetzt auch den SDR-Betrieb.

Mit Windows 10, Ausgabe 1803 hat sich nämlich auch generell das HDR-Verhalten verändert. Gleich geblieben sind die Voraussetzungen. Neben der passenden Hardware (Grafikkarte und Monitor) muss man zum Umschalten zwei Einstellungen ändern. Die Ausgabe-Farbtiefe muss im Grafikkarten-Treiber auf 10 Bit stehen, und in den Win-10-Systemeinstellungen muss der HDR-Schalter umgelegt werden.

Einstellungen im NVIDIA-Treiber: 10 Bit
Einstellungen im NVIDIA-Treiber: 10 Bit

Falls die Ausgabetiefe nur auf 8 Bit steht, scheint sich der HDR-Schalter zwar umlegen zu lassen und es kommt auch eine Bestätigungsnachfrage. Danach passiert aber nichts und der Schalter steht wieder auf „aus“. Mit dem neuesten GeForce-Treiber (V398.82) ist auch das wieder anders. HDR lässt sich jetzt seltsamerweise auch mit 8 Bit aktivieren. Für den ASUS ROG Swift PG27UQ empfehlen wir, unbedingt mindestens auf diese Treiberversion zu aktualisieren, da der Monitor erst dann richtig als G-Sync-Gerät erkannt wird. Ferner muss die Wiedergabe-Anwendung HDR unterstützen (z. B. der integrierte Movie-Player kann das).

In früheren Win-10-Versionen wurde nach dem Einschalten von HDR der Desktop völlig flau dargestellt. Erst nach dem Starten einer HDR-fähigen Anwendung mit passendem HDR-Content bekam man wieder ein normales Bild – selbstverständlich jetzt mit HDR und erweitertem Farbraum. Danach musste man aber die HDR-Funktion in den Systemeinstellungen wieder ausschalten. Ein vernünftiges Arbeiten war auf dem extrem kontrastreduzierten Desktop sonst nicht mehr möglich.

Mit Windows 10 Build 1803 ist das jetzt anders. Der Schalter heißt nun „HDR und WCG“. „WCG“ steht für „Wide Color Gamut“ – also den erweiterten Farbraum. Schaltet man HDR ein, wird der Desktop nicht mehr flau, sondern bleibt im Prinzip wie zuvor. Über den blauen Link unter dem Schalter kommt man zu den Einstellungen des Schalters, die sich auf den Schieberegler „Helligkeit für SDR-Inhalte ändern“ beschränken. Alles klar? Verstehen muss man das wohl nicht.

Der Schieberegler wirkt sich tatsächlich auch bei SDR-Inhalten wie dem Desktop auf die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung des Displays aus – genauso wie der Regler im OSD. Das OSD des ASUS ROG Swift PG27UQ hat sich aber auch verändert. Der Helligkeitsregler zeigt nicht mehr den Wertebereich von 0 bis 100 %, sondern heißt jetzt „Referenz Weiß (nits)“ und lässt sich von 20 bis 300 nits einstellen.

Doch wie spielen diese beiden Möglichkeiten, die Monitorhelligkeit einzustellen, zusammen? Steht der Win-10-Reger auf 0 und man erhöht den OSD-Regler auf das Maximum (300 nits), zeigt das Messgerät ca. 300 cd/m². Zieht man dann zusätzlich den Win-10-Regler langsam nach oben, erreichen wir phänomenale 820 cd/m² Maximalhelligkeit über die gesamte Bildschirmfläche – knapp 37 % mehr als die Herstellerangabe von 600 cd/m². Diesen Wert erreichen wir bei ca. 50 % des Win-10-Reglers. Danach hellt sich der Desktop wie in der EBV nur noch insgesamt auf, ohne die gemessene Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung weiter zu erhöhen.

Neuer HDR-Schalter für Win 10
Neuer HDR-Schalter für Win 10
Satte 820 cd/m² durch Nutzung des Schiebereglers „SDR-Helligkeit ändern“
Satte 820 cd/m² durch Nutzung des Schiebereglers „SDR-Helligkeit ändern“

Besser scheint uns der Weg andersherum. Wir haben ausprobiert, bei welcher OSD-Einstellung der Maximalwert des Win-10-Reglers gerade noch sinnvoll ist. Das scheint bei OSD-Regler-Einstellung 134 der Fall zu sein.

Mit OSD-Regler-Einstellung 134 und Win-10-Regler auf 0 hat man erst mal eine vernünftige Arbeitshelligkeit von zufälligerweise genau unserer Empfehlung, nämlich ca. 140 cd/m². Bei Bedarf kann man den Win-10-Regler zusätzlich erhöhen. Bei 100 % reizt man die maximale Leistungsfähigkeit des Displays aus und erhält wieder 820 cd/m² – ohne ungewollte Aufhellung und Kontrastreduktion des Desktops.

Wozu man das braucht? Das können wir nicht beantworten. Aber ganz im Sinne des ROG-Mottos „Wer hat, der kann“ ist es vielleicht cool, wenn man jetzt auch bei vollständiger Dunkelheit und Sonnenbrille auf der Nase immer noch spielen kann.
Spaß beiseite. Zunächst schaut es so aus, als könnte man sich mit dieser Methode das lästige Umschalten in den HDR-Modus einfach sparen und den Schalter ständig aktiviert lassen – mit dem zusätzlichen Bonus, bei Bedarf die Helligkeit auch noch über die „normalen“ 350 cd/m² hinaus zu erhöhen.

Da gibt es aber einen Haken. SDR funktioniert im HDR-Modus nicht mehr zusammen mit dem erweiterten Farbraum. Es wird automatisch auf sRGB umgestellt, und die entsprechende Einstellung ist im OSD ausgegraut. Das heißt, am Desktop und in Foto-Anwendungen etc. muss man dann auf den erweiterten Farbraum verzichten. Der wird nur bei Wiedergabe von HDR-Content wieder sichtbar.

Interessant ist zum Abschluss noch die Kontrastmessung bei 820 cd/m². Mit aktiviertem Local Dimming ist der Schwarzwert mit 0,08 cd/m² immer noch extrem gut. Damit wird ein aufsehenerregendes statisches Kontrastverhältnis von über 10 000:1 erreicht.

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