Test ASUS PG27UQ – 4K-HDR-Gaming-Monitor der Superlative
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Stromverbrauch

Das Netzteil ist beim ASUS ROG Swift PG27UQ extern ausgelagert. Es ist mit ca. 16 cm Länge relativ groß und schwer. Angesichts der Leistungsdaten des PG27UQ ist das aber mehr als verständlich. Aufgrund der Größe hat es auch einiges an Fläche zu bieten, um Wärme abzuleiten. In Werkseinstellungen wird es selbst nach längerem Betrieb gerade mal handwarm.

Relativ großes Netzteil für ordentlich Power
Relativ großes Netzteil für ordentlich Power

ASUS nennt im Datenblatt einen Maximalverbrauch von 180 Watt – wohlgemerkt im HDR-Betrieb. Im SDR-Betrieb liegt der Maximalverbrauch nach unseren Messungen bei stattlichen 69,3 Watt. Selbst bei minimaler Helligkeit zieht der ASUS immer noch 39,5 Watt aus der Steckdose.

Betätigt man den Power-Button oder geht der Rechner in Standby, ändert sich am Strommessgerät erst mal nicht allzu viel. Der Verbrauch liegt weiterhin längere Zeit bei über 30 Watt. Auch der Geräuschpegel bleibt konstant, da der Lüfter noch längere Zeit nachläuft. Erst nach längerer Wartezeit sinkt der Verbrauch auf ca. 0,3 Watt. Der Unterschied zwischen Soft-off und Standby ist dabei marginal. Einen Netzschalter, um den Monitor komplett vom Stromnetz zu trennen, hat der ASUS PG27UQ nicht.

Hersteller Gemessen
Betrieb maximal 180 W 69,3 W
Betrieb typisch
140 cd/m² k. A. 50,0 W
Betrieb minimal k. A. 39,5 W
Energiespar­modus (Standby) < 0,5 W 0,35 W
Ausgeschaltet (Soft Off) < 0,5 W 0,3 W
Ausgeschaltet (Netzschalter)

Messwerte ohne zusätzliche Verbraucher (Lautsprecher und USB)

Bei 140 cd/m² am Arbeitsplatz zeigt das Messgerät 50 Watt an, die Effizienz bei dieser Helligkeit berechnet sich zu 0,6 cd/W. Das ist schon ein bemerkenswert schlechter Wert, den wir so eigentlich nie zu sehen bekommen. Aber beim ASUS ROG Swift PG27UQ geht es schließlich um Leistung, und bei dem Anschaffungspreis spielt das wohl auch keine Rolle mehr.

Anschlüsse

Die Anschlussmöglichkeiten des ASUS PG27UQ sind nicht gerade üppig, dafür weitgehend auf dem neuesten Stand: je einmal DP 1.4 und HDMI 2.0 sowie ein USB-3.0-Hub mit einmal Up- und zweimal Downstream.

Anschlüsse des Asus PG27UQ
Anschlüsse
Anschlüsse schematisch (Screenshot Handbuch ASUS)
Anschlüsse schematisch (Screenshot Handbuch ASUS)

Technik-Special

Bei den technischen Daten des ASUS ROG Swift PG27UQ mag man sich zunächst ungläubig die Augen reiben. UHD-4K-Auflösung, 120 Hz / 144 Hz mit G-Sync und auch noch HDR mit Local Dimming – einerseits genau das, was sich viele schon lange wünschen. Andererseits galt das immer als technisch unmöglich.

Bislang musste man sich deshalb entscheiden: entweder 4K-Auflösung oder richtig flotte Bildwiederholraten. Denn 144 Bilder/Sekunde und 3840 x 2160 Pixel sind aufgrund der limitierten Bandbreite von DP 1.4 nicht unter einen Hut zu bekommen. Dennoch ist es jetzt genau das, was uns ASUS verspricht. Wie kann das sein?

Für dieses vermeintliche Zauberkunststück ist ein neu entwickeltes Panel von AU Optronics verantwortlich, das in Zusammenarbeit mit NVIDIA entwickelt wurde. Von letztgenanntem Unternehmen kommt ein neues G-Sync-HDR-Modul, das deutlich leistungsfähiger als bisherige G-Sync-Module ist. Es dürfte auch für den Lüfter und den saftigen Preis verantwortlich sein. Das Modul alleinemacht ca. 20 % des Gesamtpreises aus.

AUO-Panel und G-Sync-Modul sind dabei kein Alleinstellungsmerkmal des ASUS ROG Swift PG27UQ. Die gleiche Technik wird aktuell auch im Acer X27 verwendet. Der Anpassungsspielraum für die Hersteller ASUS und Acer ist durch die gesteckten Vorgaben von AUO/NVIDIA vermutlich recht eng. Daher gibt es auch einige Parallelen.

An der Bandbreite von DP 1.4 hat sich auch beim ASUS ROG Swift PG27UQ nichts geändert. Mit maximal 32 Gbit/s kann DP 1.4 unkomprimiert höchstens 5120 x 2880 Pixel bei 60 Hz übertragen. Mit DSC („Display Stream Compression“) ist auch 8Kp60 HDR oder 4Kp120 HDR (3840 x 2160 Pixel bei 120 Hz) möglich.

Dabei muss man allerdings schon Kompromisse eingehen. Eine 10-Bit-Darstellung (8 Bit mit Framerate-Control) ist nur bis 98 Hz möglich, und eine reine 8-Bit-Darstellung bis 120 Hz. Bei 120 Hz ist aber definitiv Schluss.

Bei 144 Hz ist auch eine Farbtiefe von 8 Bit nur mit einem 4:2:2-Chroma-Subsampling zu realisieren. Bei einem 4:4:4-Chroma-Subsampling hat jeder Bildpunkt eigene Informationen. Bei 4:2:2 fehlen dagegen jedem zweiten Bildpunkt in der Zeile die beiden Farbkomponenten, der Kontrastwert ist davon nicht betroffen. Konkret bedeutet dies, dass die Helligkeitswerte in nativer Auflösung vorliegen, die Farbinformationen dagegen nur mit einer Auflösung von 1920 × 2160 Pixel. So müssen weniger Informationen über die DisplayPort-Schnittstelle übertragen werden.

Und genau das passiert auch beim ASUS ROG Swift PG27UQ, wenn man die Bildwiederholrate auf das Maximum von 144 Hz setzt. Hat man einen ausreichend aktuellen GeForce-Treiber (V398.82 oder höher) installiert, schaltet das Ausgabe-Farbformat automatisch von RGB auf das YCrCb-Format mit 4:2:2-Chroma-Subsampling um. Gleichzeitig wird auch der dynamische Ausgabebereich von „voll“ auf „begrenzt“ limitiert.

Dadurch ändert sich die Desktop-Darstellung bereits unabhängig vom Chroma-Subsampling massiv. Dunkle Bereiche werden viel zu dunkel dargestellt, und Farben wirken teils übersättigt.

Desktop 120 Hz, RGB-full
Desktop 120 Hz, RGB-full
Desktop 144 Hz, YCrCb422, begrenzt
Desktop 144 Hz, YCrCb422, begrenzt

Der Effekt des Chroma-Subsamplings mag im Vergleich dazu auf den ersten Blick nicht sofort auffallen. Nach kurzer Zeit fällt aber schon auf, dass z. B. weiße Schriften nicht mehr durchgängig weiß sind. Im Fotovergleich ist das nicht ganz einfach darzustellen, mit freiem Auge dürfte es aber – trotz der sehr kleinen Schriften – jedem auffallen. Im rechten Bild sieht man insbesondere im Bereich „ie“ des Wortes „Experience“, dass die Schrift nicht durchgängig weiß dargestellt wird und sich hier gelbliche Pixel eingeschmuggelt haben.

Desktop-Ausschnitt RGB-full
Desktop-Ausschnitt RGB-full
Desktop-Ausschnitt YCrCb422, begrenzt
Desktop-Ausschnitt YCrCb422, begrenzt

Um es kurz zu machen: So recht überzeugen konnte uns das „Overclocking“ des ASUS ROG Swift PG27UQ auf 144 Hz nicht. Wir empfehlen, auch zum Spielen bei 120 Hz zu bleiben.

Das ASUS-Handbuch hat übrigens zum Thema 144 Hz noch einen echten Schenkelklopfer parat, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Warnhinweis im Handbuch zu 144 Hz (Screenshot Handbuch ASUS)
Warnhinweis im Handbuch zu 144 Hz (Screenshot Handbuch ASUS)

Ein beworbenes Feature später als Overclocking-Funktion zu deklarieren und dem Käufer dann die Verantwortung für Risiken und Nebenwirkungen zu überlassen, ist aus unserer Sicht nicht wirklich kundenfreundlich. Wer nach der „Overclocking-Aktivierung“ mit einem Wasserfall zu kämpfen hat, sollte sich vorher unbedingt die Bedingungen zur Hausratversicherung genau durchlesen.

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