Test BenQ SW270C – Grafik-Monitor mit 16-Bit-3D-LUT

27 Zoll Monitor der PhotoVue-Produktlinie mit IPS-Panel und Hardwarekalibrierung mittels beiliegender Software Palette Master Element

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Einleitung

Grafikmonitore kommen bis heute vornehmlich aus dem Land der aufgehenden Sonne. Seit einigen Jahren drängen weitere ostasiatische Hersteller in diesen Bereich – mit Achtungserfolgen, allerdings ohne qualitativ zu EIZO oder NEC wirklich völlig aufschließen zu können. Wir sind daher gespannt, ob BenQ mit dem jüngsten Spross der PhotoVue-Produktlinie Boden gutmachen kann.

Auf dem Papier ist der BenQ SW270C vielversprechend: Die taiwanischen Ingenieure haben das blickwinkelstabile, 27 Zoll große IPS-Panel mit einer 16-Bit-3D-LUT gepaart, die über die beigefügte Software Palette Master Element im Rahmen der Hardware-Kalibration optimiert werden kann. Daneben verspricht die Ausgleichsfunktion zur Verbesserung der Flächenhomogenität eine gleichmäßige Darstellung über das gesamte Panel, dessen Pixelmatrix 2560 x 1440 Pixel fasst.

Dank einer speziellen LED-Hintergrundbeleuchtung können gängige Offset-Druckbedingungen ebenso wie RGB-Arbeitsfarbräume jenseits von sRGB umfänglich wiedergegeben werden. Das ist, neben einer verlustfreien und präzisen Verarbeitung des Eingangssignals, unabdingbare Voraussetzung für den ernsthaften Einsatz in den meisten farbkritischen Umgebungen. Die mitgelieferte Lichtschutzblende unterstreicht die Ambitionen des SW270C in diesem Bereich.

Eine DisplayHDR-Spezifikation der VESA bleibt dem neuen Modell versagt, trotzdem wird das HDR10-Format eingangsseitig unterstützt. Und obschon keine variable Synchronisation implementiert wurde, verspricht BenQ immerhin die korrekte Umsetzung von Signalen mit 24 Bildern pro Sekunde. Das ist für einen Computermonitor weiterhin keineswegs selbstverständlich.

Detaillierte Informationen zu den Ausstattungsmerkmalen und den Spezifikationen finden Sie im Datenblatt des BenQ SW270C.

Testumgebung

Farbmessgeräte: X-Rite i1Pro, X-Rite i1Display Pro
Grafikkarte: EVGA GeForce GTX 1080 Ti
Software: UDACT 2.4, CCalc 2.4

Lieferumfang

BenQ liefert den SW270C mit je einem DisplayPort- und USB-Typ-C-Kabel aus. Letzteres kann sowohl für die Übertragung von Bildsignalen (mitgeführtes DisplayPort-Kabel) als auch für die USB-Datenverbindung zum Rechner genutzt werden. Ein weiteres USB-Kabel (Typ A auf Typ B) sowie das obligatorische Netzkabel komplettieren den Kabelsatz. Darüber hinaus stattet der Hersteller den Bildschirm mit einer Lichtschutzblende aus, die vom Benutzer unkompliziert montiert werden kann.

Eine echte Besonderheit ist der sogenannte „Hotkey Puck“. Der Drehregler wird über einen speziellen Anschluss mit dem Monitor verbunden und findet seinen Platz auf einer Aussparung des Standfußes. Sodann kann das OSD optional über diesen Regler gesteuert werden. Eine CD enthält das Benutzerhandbuch in elektronischer Form. Neben einer Kurzanleitung wurde dem Gerät ein umfangreicher Kalibrationsreport beigelegt.

Optik und Mechanik

BenQ hat der Versuchung widerstanden, Aufmerksamkeit durch – in diesem Segment ohnehin völlig deplatzierte – Designkapriolen zu heischen. Der SW270C präsentiert sich gefällig unauffällig. Das dunkle, filigrane Kunststoffgehäuse passt sich wunderbar in jede Arbeitsumgebung ein. Durch den dünnen Rand erscheint der Monitor im ausgeschalteten Zustand fast rahmenlos, nur der untere Bereich mit den Bedienelementen verbreitert sich. Einen Akzent setzt die blau eingefasste Kabeldurchführung des Standfußes.

Der BenQ SW270C
BenQ SW270C frontale Ansicht

Die Rahmenbreite beträgt zu den Seiten hin etwa 8 mm, wobei der größte Teil nicht auf das Gehäuse, sondern auf das Frontglas entfällt. Auf dem Schreibtisch beansprucht der BenQ SW270C gut 20 cm. Ohne Standfuß verbleiben rund 5 cm.

Höhenverstellung des BenQ SW270C im Detail
Höhenverstellung im Detail

Materialanmutung und Verarbeitungsqualität sind gut und stehen nicht wesentlich hinter den etablierten Mitbewerbern zurück. Größere Spaltmaße können wir nicht ausmachen. Praktisch ist der in der rückwärtigen Halterung eingelassene Griff, mit dem sich der Monitor leicht und sicher anheben lässt.

Display in niedrigster Stellung von vorn
Niedrigste Stellung von vorn
Display in niedrigster Stellung von hinten
Niedrigste Stellung von hinten
Display in höchster Stellung von vorn
Höchste Stellung von vorn
Display in höchster Stellung von hinten
Höchste Stellung von hinten

Der Regelungsbereich der Höhenverstellung umfasst gute 15 cm. In der niedrigsten Einstellung beträgt der Abstand von der Rahmenunterkante zur Tischoberfläche 8,5 cm. In der höchsten Position ermitteln wir 23,5 cm. Die maximale Neigung nach hinten wird bei 20 Grad erreicht. Eine Neigung in Gegenrichtung ist bis etwa 5 Grad möglich. Alternative Befestigungssysteme werden über die VESA-100-Verschraubung mit dem Monitor verbunden.

Display mit maximalem Neigungswinkel nach hinten
Maximaler Neigungswinkel nach hinten
Display mit maximalem Neigungswinkel nach vorn
Maximaler Neigungswinkel nach vorn

Der Standfuß erlaubt eine Drehung um 45 Grad beide Richtungen.

Seitliche Drehung des Monitors nach links
Seitliche Drehung nach links
Seitliche Drehung des Monitors nach rechts
Seitliche Drehung nach rechts

Über ein Drehgelenk kann der BenQ SW270C auch in Hochkant-Ausrichtung betrieben werden.

Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von vorn
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von vorn
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von hinten
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von hinten

Die im Betrieb entstehende Abwärme wird passiv über das Gehäuse mit seinen eingelassenen Lüftungsschlitzen abgeführt. Helligkeits- oder kontrastabhängige Störgeräusche bleiben völlig aus.

Rückseite des BenQ SW270C mit Lüftungsschlitzen
Rückseite des BenQ SW270C mit Lüftungsschlitzen

Stromverbrauch

Bei einer Leuchtdichte von 140 cd/m² ermitteln wir eine Effizienz von gut 0,8 Candela pro Watt. Das wird von den meisten Monitoren mit W-LED-Hintergrundbeleuchtung heute klar unterboten. Die auf ihre spektralen Emissionseigenschaften hin optimierte Hintergrundbeleuchtung des AUO-Panels fordert hier ihren Tribut. Zur Ehrenrettung des BenQ SW270C muss man an dieser Stelle allerdings festhalten, dass LGs GB-r-LED-Implementierung ebenfalls auf exakt diesem Niveau liegt.

Im Energiesparmodus sinkt die Leistungsaufnahme dann auf ein erfreulich niedriges Niveau, an dem auch eine bestehende USB-Verbindung zum Rechner nichts ändert.

Hersteller Gemessen
Betrieb maximal k. A. 46,7 W
140 cd/m² k. A. 34,5 W
Betrieb minimal k. A. 18,1 W
Energiespar­modus 0,5 W 0,3 W
Ausgeschaltet 0 W 0 W

Anschlüsse

Der BenQ SW270C nimmt Videosignale über vier Anschlüsse entgegen. Dem Benutzer stehen dabei ein DisplayPort nach Version 1.4, zwei HDMI-Eingänge nach Version 2.0a sowie ein USB-C-Anschluss mit DisplayPort-Implementierung zur Verfügung.

Die Signaleingänge des BenQ SW270C
Die Signaleingänge des BenQ SW270C

Der seitlich integrierte USB-Hub stellt zwei Downstream-Anschlüsse nach Version 3.0 bereit. Zusätzlich wurde ein SD-Kartenleser über diese Schnittstelle angebunden. Audiosignale können via DisplayPort und HDMI eingespielt werden. Die Ausgabe erfolgt über einen Kopfhöreranschluss.

Bedienung

Die sechs Bedienelemente wurden im unteren Rahmen eingelassen. Es handelt sich erfreulicherweise um echte Tasten, die ihre Auslösung dementsprechend haptisch vermelden. Ihre Belegung wird als Teil des OSDs nach Betätigung eingeblendet.

Die Tasten des BenQ SW270C zur Menüsteuerung (OSD)
Die Tasten zur Menüsteuerung

Alternativ kann der Benutzer den „Hotkey Puck“ verwenden. Er ermöglicht eine noch intuitivere Bedienung durch das integrierte Wählrad und drei konfigurierbare Tasten für den Schnellzugriff auf OSD-Funktionen.

Die Hotkey-Puck-Steuerung des BenQ SW270C
Die Hotkey-Puck-Steuerung

OSD

Das OSD gliedert sich in fünf Hauptmenüpunkte. Sie ermöglichen eine umfangreiche Abstimmung der Darstellung auch abseits einer Hardware-Kalibration über Palette Master.

Über einen Helligkeitsregler wird die Intensität der Hintergrundbeleuchtung verändert. Der gewünschte Weißpunkt kann über Voreinstellungen in Kelvin oder drei RGB-Gain-Regler verändert werden. Eine Anpassung der Tonwertkurve ist über den Gamma-Regler möglich, der – und das ist leider weiterhin recht selten – sogar die zu sRGB passende Einstellung umfasst.

Acht Bildmodi enthalten sinnvolle Voreinstellungen. Darüber hinaus stehen drei Speicherplätze für die Hardware-Kalibration und deren zwei für benutzerdefinierte Anpassungen zur Verfügung. Hier können die verschiedenen Parameter nahezu beliebig kombiniert werden. Dazu zählen auch Farbton- und Sättigungseinstellungen. Die entsprechenden Regler befinden sich nach Rücksetzung in die Werkseinstellung nicht in Neutralstellung. Wird dies durch den Benutzer nicht korrigiert, kommt es in Folge zu unschönen Nichtlinearitäten (siehe Abschnitt „Farbmetrische Tests“).

Die Farbraum-Emulation offeriert vier fixe Ziele – darunter sRGB und Adobe RGB. Via OSD kann der native Farbumfang des BenQ SW270C leider nicht genutzt werden. Das ist erst im Rahmen der Hardware-Kalibration möglich – eine unnötige Einschränkung für Benutzer, die den Monitor in einer Farbmanagement-fähigen Umgebung nach einer Software-Kalibration verwenden wollen.

Drei Skalierungseinstellungen erlauben die seitengerechte, flächenfüllende und unskalierte Anzeige eingehender Signale. Ein mehrstufiger Schärfefilter hebt auf Wunsch Objektkanten hervor. Zudem kann der Dynamikbereich in Bezug auf das Eingangssignal angepasst werden.

Weitere Optionen umfassen die Auswahl der Menüsprache und die Zuschaltung der Pixelbeschleunigung „AMA“ (Overdrive). Die Ausgleichsfunktion zur Verbesserung der Flächenhomogenität ist in der aktuellen Implementierung leider obligatorisch. Beim Test des BenQ PG2401PT vor fünf Jahren konnte der Benutzer noch selbst zwischen maximalem Kontrastumfang und bestmöglicher Flächenhomogenität abwägen.

Die folgenden Bilder zeigen einen Ausschnitt aus der Menüstruktur des BenQ SW270C:

Menü: Signaleingang
Menü: Signaleingang
Menü: Farbeinstellungen / Farbmodus
Menü: Farbeinstellungen / Farbmodus
Menü: Farbeinstellungen / Farbtemperatur
Menü: Farbeinstellungen / Farbtemperatur
Menü: PIP/PBP Modus
Menü: PIP/PBP Modus
Menü: System / DisplayPort Version
Menü: System / DisplayPort Version
Menü: Controller Key
Menü: Controller Key

9 KOMMENTARE

  1. hello, what kind of monitor can you recommend more for occasional photo editing. BenQ SW270C or EIZO EV2785? Thank you Olda

  2. Hello Santokki,

    unfortunately in this case, due to an error, no spectral data was saved. What I can say from here is that it should be quite similar to GB-r-LED spectrum which also manifests in obtaining a very good matching between i1 Display Pro measurement with GB-r-LED edr and reference measurement.

    • Palette Master Elements is not able to use GB-LED correction for i1displaypro… it is not available. Benq, LG and Samsungs use a *wrong* correction for all their widegamuts and their HW calibration solutions: RGB LED, with a distinctive signature in red channel. So PME is not able to measure properly that SW270C GB-LED, or other SW like SW2700PT and its QLED or SW240 and its PFS phosphor.
      It’s easy to test, look in PME folder and see the missing EDRs.
      Viewsonic & Dell have GB-LED corrections in their software. Dell has a P3 version of PFS phosphor displays so that can match red channel in those PFS displays but fail at green by a little in their UP displays that cover a very big amount of AdobeRGB and P3, something about 97% or more.

      If you can get a good match in witepoint using PME and then validating with an i1displaypro and prad’s testing software using a GB-LED reference it is caused by colorimeter data stored in firmware (spectral sensivities). They should be close to standard observer in spectral regions where PME’s reference and actual reference dift apart *for that unit*.
      Other units of the same model can behave worse and they shouldn’t if benq used a proper spectral correction in their software. I mean, i1displaypro instrument variability is solved by each colorimeter storing its own spectral sensivities in firmware, so they can „auto-correct“ using spectral correction references, without an spectrophotometer to compute a correction taylor made for them. But this huge advantage of that colorimeters needs that manufacturers suppli a set of spectral corrections suitable for their displays… and Benq does not provide them in a proper way.

      • > If you can get a good match in witepoint using PME and then validating with an >
        > i1displaypro and prad’s testing software using a GB-LED reference
        There was a misunderstanding: My comment refers to using a generic GB-r LED spectral characterization and remeasurement with i1 Pro – not using the characterization actually used by Palette Master.

        However, with its 10nm optical bandpass, the i1 Pro is of course limited too when it comes to narrowband spectra. The aggregation will always lead to significant averaging effects. Using the native sampling (e.g. with the Argyll driver) does not resolve this.

        Another thing to keep in mind is the enormous impact of observer metamerism. E.g. in a typical environment of matching softproofs to the actual prints, a visual match between paper white and proof simulation has to be carried out to determine calibration whitepoint – not a measurement based match (see also the comments in ISO 14861). Remeasuring this condition with a reference instrument will lead to a dE *well* beyond 10. An error of this magnitude will already occur when visually matching a non WCG to a WCG screen. Using the 10 degree oberserver only slightly lessens this. The 2 degree standard observer has some systemic erros, but is mostly limited (like every other CMF) by the person-to-person deviation. The relexion spectrum of surface colors is unproblematic, but a small difference between normative CMFs and individual CMFs in the area of a spike will sum up to big deviations in the evaluation.

        Considering this (+ the color constancy of the human eye) an absolute error (too a certain degree) gets less horrifying.

        • After looking at the report again, I have to correct my previous post. Indeed a calibration with PME + i1 Display Pro and remeasurement out of our software and the GB-r-LED edr was carried out, with target whitepoint D65 (colorimetric).

          Result (target whitepoint vs. remeasurement):
          i1 Pro: dE = 2.1
          i1 Display Pro (Retail; GB-r-LED edr): dE = 0.2
          i1 Display Pro (OEM; GB-r-LED edr): dE = 0.8

          There is no technical difference between OEM and retail probe, just to distinguish between the two probes used during this test.

          For reference here the result with default channel correction:
          i1 Display Pro (Retail): dE = 3.3
          i1 Display Pro (OEM): dE = 4.4

          Back to the probe: While its CMF tracking is not bad overall (especially for a 3 filter device in this price-class), measuring narrowband emissive spectra can still lead to considerable errors in disadvantageous constellations (see also previous post). The mechanism of using known individual filter characteristics of the actual probe in combination with the spectrum to be measured (to build up correction coefficients) is a solid countermeasure. Therefore I can understand your reservations when BenQ is using data that is not an absolute precise match for the backlight used. And certainly only two probes is no valid mass test.

          However, uncertainties are generally present. The more generic character of the edr files, fluctuations in SPD, precision of filter characterization. Each factor alone is capable of producing a quite big error even in an appropriate use case – in theory. In practice it works overall very well; and in this case even the default channel correction is not too bad.

          I once accomplished a small mass test of all i1 DisplayPro at our disposal (6 devices), averaging over different displays (CCFL, WCG-CCFL, W-LED, GB-r-LED, RGB-LED; edr chosen accordingly) and ended with an inter-instrument-agreement of dE ~ 0.7, with a maximum deviation of dE ~ 1.3 (max. dE not averaged over the displays ~ 2.3).

          Using only the default channel correction, the inter-instrument-agreement still was acceptable for 5 probes. One was off by dE~6 in maximum (WCG spectra). A proof for the individual characterization but it underlines that unfavourable conditions can occur.

          Long text, short summary: Yes, of course BenQ should use the edr which is closest to the SPD of the screen – and in best case even integrate an edr for the actual panel used. But in the end it’s more an academic question. General constraints of CMF based colorimetry (measuring like seeing – that’s a noble goal) should not be underestimated. If constructing a scenario with multiple monitor matching or matching to other external stimuli, these will kick in mercilessly and one will end up with visual matching the target anyways (like the softproof example). That’s why I thank you for pointing out the missing gb-led edr – but still see most of the optimization potential for these screens in other areas.

  3. Hello, can you offer color spectrum (Spektrale) picture of SW270C?
    Very curios about it. review contents only mention it, but no pic.
    Always thanks for such good monitor review.

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