Test EIZO CG2700S: Bildbearbeitung in Perfektion
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Der 27-Zoll-Monitor der ColorEdge-Serie begeistert auf breiter Front und macht mittels eingebauter Sonde ein externes Kolorimeter unnötig

Reaktionsverhalten

Den EIZO CG2700S haben wir in der nativen Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort-Anschluss untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.
Im Datenblatt wird die Reaktionszeit mit 19 ms (GtG) angegeben. Der EIZO CG2700S implementiert keine Overdrive-Funktion.

Das Schaltzeitendiagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

Der Messwert Color to Color (CtC) geht über die herkömmlichen Messungen von einfarbigen Helligkeitssprüngen hinaus, schließlich sieht man am Bildschirm in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren.
Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Schaltzeiten

Wir ermitteln den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 16,4 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 6,2 ms. Der Durchschnittswert für alle unsere 15 Messpunkte beträgt 7 ms. Der CtC-Wert ist mit 25,2 ms langsam, liegt aber angesichts der deaktivierten Pixelbeschleunigung noch im Rahmen. Der Helligkeitsverlauf (GtG 80–50 %) ist natürlich völlig neutral.

diagramm: Gemächliche Schaltzeiten
Gemächliche Schaltzeiten
Diagramm: Völlig neutrale Abstimmung
Völlig neutrale Abstimmung

Netzdiagramm

Im folgenden Netzdiagramm sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall befinden sich die grünen und die roten Linien eng am Zentrum. Jede Achse repräsentiert einen im Pegel und in der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

Netzdiagramm
Netzdiagramm

Latenzzeit

Die Latenz oder auch Signalverzögerungszeit ist ein wichtiger Wert für Spieler, garantieren niedrige Werte doch ein direktes Feedback. Die Latenzzeit fällt bei 60 Hz mit 26,8 ms relativ hoch aus.

Backlight

Die Hintergrundbeleuchtung des EIZO CG2700S wird durch Pulsbreitenmodulation (PWM) reguliert. Aufgrund der sehr hohen PWM-Frequenz, die im hohen kHz-Bereich liegt, entstehen keine sichtbaren Unterbrechungen im Lichtstrom (Flackern). Somit ist der Monitor selbst bei reduzierter Helligkeit für längere Sessions geeignet.

Diagramm: LED-Hintergrundbeleuchtung mit PWM-Helligkeitsregelung
LED-Hintergrundbeleuchtung mit PWM-Helligkeitsregelung

Subjektive Bewertung

Man kann es nicht verleugnen: Spiele sind nicht die Domäne des EIZO CG2700S. Und nur hier zeigt er dann auch erste Schwächen. Die Darstellungsqualität selbst ist sehr gut, es hapert allerdings am bewegten Bild und der Latenzzeit. Ambitionierte Spieler dürfte dies abschrecken. Für diesen Zweck wurde der Monitor aber ohnehin nicht konzipiert.

Bewertung

Keine Angaben
4.6

(SEHR GUT)

Fazit

Es bedarf eigentlich nicht vieler Worte. Der EIZO CG2700S ist ein toller Monitor und eine würdige Ergänzung für die ColorEdge-Produktlinie. Das IPS-Panel kann in Sachen Bildqualität voll überzeugen. Kontrastumfang und Blickwinkelstabilität sind sehr gut, und der DUE verhilft zu tadelloser Flächenhomogenität. Sein hoher Farbumfang ermöglicht dem Besitzer des CG2700S anspruchsvollste Bildretuschen und farbsichere Proof-Simulationen.

Besonderes Lob gebührt der Elektronik. Der in einen ASIC gegossene, selbstentwickelte Scaler verwaltet Tabellen mit einer Präzision von bis zu 16 Bit. ColorNavigator kann während der Hardware-Kalibration in vollem Umfang auf sie zurückgreifen. Die Reproduktion auch farbkritischer Inhalte gelingt entsprechend präzise und ohne Farbabrisse. Die Farbraum-Emulation ist in den Ablauf der Kalibration integriert und stellt Farbsicherheit auch in nicht Farbmanagement-fähigen Anwendungen sicher.

Das eingebaute, gut abgestimmte Messgerät macht eine separate Sonde in den meisten Fällen überflüssig. Die Selbstkalibration stellt die Einhaltung von Kalibrationszielen über längere Zeit sicher und kann inzwischen sogar im laufenden Betrieb gestartet werden.

Der Funktionsumfang der Software ColorNavigator ist extrem groß. Über lange Entwicklungszeiträume wurden inzwischen fast alle Kritikpunkte nicht nur ausgeräumt, sondern in Stärken überführt. Die Bedienbarkeit hat dabei kaum gelitten. Auch Nichtprofis finden sich schnell zurecht.

Wenngleich der EIZO CG2700S nicht auf anspruchsvolle HDR-Workflows abzielt, gefallen uns die parametrierbaren PQ- und HLG-Transferfunktionen. Einfache Kontrollaufgaben sind so durchaus möglich.

Kritik lässt sich allenfalls auf äußerst hohem Niveau formulieren. So ist die WQHD-Auflösung nicht gerade eine technische Revolution. Diese Lücke wird jedoch zukünftig der CG2700X füllen. Zudem ist der farbsichere Japaner sicher kein Spieleprofi – was auch niemand ernsthaft erwartet hätte. In allen entscheidenden Bereichen zeigt EIZO wieder einmal, was mit gutem R&D und optimierten Produktionsprozessen möglich ist.

Nach so viel Lob wandert der Blick ängstlich zum Preisschild. Und tatsächlich ist es wenig verwunderlich, dass so viel Leistung nicht im Sonderangebot zu haben ist. Ein Straßenpreis von knapp 2.300 Euro ist dennoch angemessen.

Testlogo EIZO CG2700S

Hinweis in eigener Sache: PRAD erhielt den CG2700S leihweise von EIZO zu Testzwecken. Herstellerseitig gab es weder eine Einflussnahme auf den Testbericht noch eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Verschwiegenheitsvereinbarung.

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Denis Freund

... ist seit 2008 dabei und hat Medieninformatik sowie Druck-/ Medientechnik studiert. Es ist für die Bereiche Farbmesstechnik, -metrik und -management zuständig und entwickelte die PRAD-Test-Software. Nach wie vor verfasst er Testberichte über Grafik-Monitore.

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1 Gedanke zu „Test EIZO CG2700S: Bildbearbeitung in Perfektion“

  1. Ist das Bild bei „Ausleuchtung“ mit dem DUE an oder aus? Es gibt danach im Text Bestnoten, aber das Bild zeigt dies ja so nicht. Ein Foto mit DUE aus und an wäre klasse.

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