Test LG 32UL950-W – Nano IPS und Hardwarekalibrierung
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Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Bei Standardmonitoren gibt es außer den Reglern im OSD (Helligkeit, Farbtemperatur, Gamma, RGB-Gain) keine Möglichkeit, direkt mit der Look-up-Table des Monitors zu kommunizieren. Alle Anpassungen müssen in Form einer Software-Kalibration über die LUT der Grafikkarte erfolgen.

Im Gegensatz dazu bieten professionelle Monitore die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration. Hier werden die Kalibrierungs-Einstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Hardware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage.

Die dazu notwendige Software „True Color Pro“ (TCP) ist optional und muss erst über die Website von LG heruntergeladen werden. Für den Test lag uns TCP in der Version 4.0.9 vor. Im Gegensatz zum Test des LG 32UD99 hat die Software diesmal auf Anhieb reibungslos funktioniert.

Sie ist hinsichtlich Aufmachung und Funktionsumfang sehr ansprechend gestaltet und bietet in etwa den gleichen Funktionsumfang wie eine gute Software-Kalibrierung. Im Gegensatz zu manch anderen Lösungen können alle wichtigen Einstellungen auf nur einer Seite gemacht werden. TCP unterstützt eine Vielzahl an Kolorimetern unterschiedlicher Hersteller und gibt im weiteren Verlauf sogar spezifische Hilfestellung beim Handling – in unserem Fall zum i1 Display Pro von X-Rite.

Wie üblich haben wir zunächst als Kalibrierungsziel folgende Einstellungen gewählt: Farbraum „nativ“, Farbtemperatur „D65“, Gamma 2,2, Helligkeit 140 cd/m².

TCP: Kalibrierungseinstellungen (Screenshot TCP)
TCP: Kalibrierungseinstellungen (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)

Für den Kalibrierungsvorgang beim LG 32UL950-W sollte man schon etwas Zeit einplanen. Nach ca. 15 Minuten ist der Vorgang erledigt. Zu den wichtigsten Parametern (Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma) zeigt die Software gleich die Zielerreichung an. Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen.

Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungsergebnis mittels Validierung zu überprüfen. Eine Basic-Validierung ist in knapp zwei Minuten erledigt und generiert einen ausführlichen HTML-Report.

TCP: Ergebnis der Validierung (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis der Validierung (Screenshot TCP)

Den oben genannten Screenshot haben wir übrigens am Folgetag nach einer erneuten Validierung erstellt. Hier werden von der Software bereits bei der Helligkeit und bei der Farbtemperatur merkliche Abweichungen orange gekennzeichnet.

Unmittelbar nach der Kalibrierung waren die Ergebnisse noch perfekt. Tragisch sind diese Abweichungen für den Amateurbereich nicht, Präzision ist dennoch etwas anderes.

TCP: Ergebnis der Validierung unmittelbar nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis der Validierung unmittelbar nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)

Zum Abspeichern der Kalibrierungsergebnisse sind zwei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Laut Handbuch speichert die Software eine neue Kalibrierung aber immer auf den Speicherplatz „Kalibrierung 1“. Dort ggfls. schon vorhandene ältere Daten werden jeweils auf den Speicherplatz 2 verschoben. Das ist nicht nur mehr als mager, sondern zudem reichlich fehleranfällig. Auch im Amateurbereich will man zumindest auf zwei Ziele kalibrieren. Eines zum normalen Arbeiten, ein anderes für das Softproofing.

Ein PDF-Handbuch zur Software hatten wir nach der Installation zunächst vermisst. Stattdessen hat LG aber eine recht ausführliche HTML-Hilfe in die Software selbst integriert, die alle Funktionen recht gut erläutert.

Profilvalidierung

Diagramm: Profilvalidierung
Profilvalidierung

Der LG 32UL950-W zeigt keine auffälligen Drifts oder unschönen Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergab keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrationsziele wurden erreicht. Die Graubalance ist gut, und die Farbwerte sind sehr gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch.

Durch die Hardware-Kalibrierung können Farbraumabdeckung und die Farbabweichungen auf ein sehr gutes Niveau gehoben werden. Im Gegenzug leidet leider die Graubalance etwas, bleibt aber immer noch gut. Der Gammaverlauf ist zwar etwas zittrig, kann aber die Norm deutlich besser nachbilden, als der Werksmodus.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)
Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)

Praktisch das gleiche Bild finden wir beim Vergleich mit dem DCI-P3-Farbraum. Die Grauwerte sind gut und die Farbabweichungen sehr gut. Erfreulicherweise liegt jetzt auch die Farbraumabdeckung mit 95 % näher an der Herstellerangabe. Lediglich bei Rot sehen wir in der Grafik einen kleinen Ausrutscher, der sich aber noch in Grenzen hält.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Abschließende Beurteilung für die Bild- und Videobearbeitung

Die Werbung und der Begriff „Hardware-Kalibrierung“ mögen sich verführerisch anhören, dabei ist der LG 32UL950-W hinsichtlich des Preises noch nicht einmal ein Schnäppchen im Vergleich zu ausgewachsenen Grafikmonitoren. Funktionsumfang und Präzision liegen hier aber sicher nicht auf dem Niveau eines waschechten Grafikmonitors.

Wir empfehlen, den LG 32UL950-W nicht als Grafikmonitor, sondern als Allrounder zu betrachten. Dann sieht man in der Funktion Hardware-Kalibrierung eine schöne Beigabe, die zumindest ein etwas besseres Ergebnis ermöglicht als bei einer normalen Software-Kalibrierung. Wie auch nach der Software-Kalibrierung, stellen wir mehr oder weniger deutliches Banding in feinen Grauverläufen auch nach der Hardware-Kalibrierung fest. Der Vorteil ist also eher gering und sollte nicht kaufentscheidend sein.

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