Test Monitor Eizo CS2730
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Hardware-Kalibration – Teil 2

Selbstverständlich kann man beliebig viele Kalibrierungsziele/Farbraumemulationen anlegen. Zum Wechsel muss dann nicht extra die Software gestartet werden. Stattdessen ist ColorNavigator auch als Icon in der Taskleiste ständig verfügbar. Das Umschalten zwischen verschiedenen Kalibrierungszielen erfolgt prompt und verzögerungsfrei. Außerdem wird in der Farbverwaltung auch automatisch das aktive Farbprofil gewechselt. Damit ist jederzeit verlässlich sichergestellt, dass in Farbmanagement-fähigen Anwendungen auch das richtige Profil verwendet wird.

Hier liegt ein ganz wesentlicher Vorteil der EIZO-Lösung im Vergleich zu Newcomern wie dem BenQ SW2700PT bzw. PV270. Alleine das Laden der Profildaten in die Monitor-Hardware dauert bei BenQ 3,5 Minuten. Der Start der kompletten Software kommt noch mal on top. Schaltet man stattdessen per OSD in eine andere Kalibrierung bzw. ein anderes Werks-Preset, bleibt in der Farbverwaltung das alte (dann falsche) Profil aktiv. Natürlich kann man es manuell wechseln, was natürlich entsprechend anfällig fürs Vergessen oder für Fehler ist.

Eizo Cs2730 Monitor Shk 10
CN: Schnelles Umschalten über Taskleiste (Screenshot Software EIZO)

Für die nachfolgenden Messungen wurde der EIZO CS2730 aus ColorNavigator heraus kalibriert (Color-Gamut: „native“, Gamma: 2,2, Farbtemperatur: 6500 K, DUE: „Uniformity“) und profiliert.

Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird.

Profilvalidierung

Eizo Cs2730 Monitor Val
 

Der EIZO CS2730 zeigt keine auffälligen Drifts oder unschönen Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergibt keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrationsziele wurden erreicht. Die Graubalance und die Farbwerte sind sehr gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Eizo Cs2730 Monitor Kal Srgb
 

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch. Die Grafiken sprechen für sich. Insgesamt ist das Ergebnis sowohl bei den Farbwerten als auch bei den Grauwerten exzellent.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit Adobe RGB (farbtransformiert)

Eizo Cs2730 Monitor Kal Argb
 

Praktisch das gleiche Bild finden wir beim Vergleich mit dem Adobe-RGB-Farbraum. Im Vergleich zum EIZO CS2420 liefert unser Testgerät des EIZO CS2730 aber messtechnisch etwas schlechtere Ergebnisse ab. Auch die Farbraumabdeckung liegt hart an der Grenze zwischen einem Gut und einem Sehr gut.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit ECI-RGB 2.0 (farbtransformiert)

Eizo Cs2730 Monitor Kal Eci Rgb
 

In sRGB und Adobe RGB treten aufgrund des großen Farbumfangs beim EIZO CS2730 faktisch keine Out-of-Gamut-Farben auf. Einige gesättigte Tonwerte in ECI-RGB v2 können dagegen nur näherungsweise durch eine Abbildung auf die Farbraumgrenze dargestellt werden. Damit steigt auch die Gefahr von Tonwertabrissen in diesen Bereichen.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Farbraumemulationen

Farbraumemulationen dienen dazu, den Farbraum des Monitors auf einen gewünschten Zielfarbraum zu begrenzen. Das ist immer dann notwendig, wenn eine genaue Farbwiedergabe gefordert ist, aber die verwendeten Anwendungen bzw. Signalquellen kein Farbmanagement unterstützen. Das wären z. B. Office-Anwendungen, die meisten Internet-Browser oder externe Signalquellen wie BD-Player.

Mit den Werks-Presets für sRGB und Adobe RGB bringt der EIZO CS2730 praktisch bereits zwei Farbraumemulationen ab Werk mit. Wir haben im Folgenden getestet, ob sich diese mit Hilfe von ColorNavigator noch einmal verbessern lassen.

Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Eizo Cs2730 Monitor Emul Srgb
 

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Datei heruntergeladen werden.

Vergleich der Adobe-RGB-Emulation mit Adobe RGB

Eizo Cs2730 Monitor Emul Argb
 

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF Dokument heruntergeladen werden.

Bereits die Werks-Presets sind extrem gut, konnten aber in beiden Fällen über die Farbraumemulation aus ColorNavigator heraus noch weiter perfektioniert werden. Vor allem das Ergebnis bei sRGB zeigt Perfektion. Selbstverständlich können hier auch praktisch beliebig andere Farbraumziele verwendet werden.

Alle getesteten Farbraumtransformationen wurden wunschgemäß umgesetzt. Das ermöglicht eine definierte Darstellung auch abseits von Abläufen auf Basis von ICC-Profilen.

Reaktionsverhalten

Den EIZO CS2730 haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm auch in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 10 ms für GtG genannt. Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist beim CS2730 nicht vorhanden.

Schaltzeiten bei 60 Hz

Bei 60 Hz messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 19,8 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 16,2 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 23,4 ms, und der CtC-Wert wird mit 14,8 ms ermittelt.
Der Monitor erreicht Reaktionszeiten von 12,9 / 10,5 ms, dabei zeigen sich keine Überschwinger bzw. Doppelkonturen. Mit einer leichten Overdrive-Funktion hätte man noch etwas Reaktionszeit herausholen können, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen.

Kritische Farbübergänge stellen für den EIZO dagegen keinerlei Hürden dar. Auch bewegte Farbkanten werden daher nahezu messerscharf abgebildet.
Das Schaltzeitendiagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

Eizo Cs2730 Monitor 60hz Schaltzeiten
Eizo Cs2730 Monitor 60hz Gtg
60 Hz ohne Overdrive: Langsame Schaltzeiten und keine Überschwinger
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... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

7 KOMMENTARE

  1. Da haben Sie natürlich recht. Die Erstlesung lag zu lange zurück und in Erinnerung blieb bei mir das wiederholt nachgelesene Fazit. Insofern vielen Dank für die geduldige Antwort (und den ausführlichen und professionellen Test des Gerätes). Mein Beitrag ist damit hinfällig und kann gerne entfernt werden.

  2. In der c’t 12/2017 (Artikel ab S. 136: Farbjongleure – Monitore mit farbverbindlicher Darstellung) wird auch der Eizo CG2730 wegen seiner hohen Leistungsaufnahme im Standby bzw. Soft-Off gerügt. Abhilfe schafft lt. Artikel dort das Einschalten des Deep-Sleep-Modus für den DisplayPort im versteckten Administrator Menü, dann werden nur noch 0,5 W gezogen.
    Das Administratormenü ist lt. Eizo beim CS2730 identisch zum CG2730.
    Sollte sich die Leistungsaufnahme ebenso reduzieren lassen, wäre eine Anmerkung im Test sicherlich sinnvoll.

    • Vielleicht beim Lesen übersehen, aber genau der Punkt ist im Testbericht bereits beschrieben:
      „Gemessen haben wir entsprechend den Hersteller-Angaben mit angeschlossenem USB-Hub – ohne angeschlossene USB-Verbraucher. Im Admin-Bereich des OSD haben wir DP Power Save aktiviert. Die Herstellerangaben im Standby erreichen wir dennoch nur bei abgezogenem USB-Kabel.“
      Der Satz in der c’t ist nach unserem Wissen irreführend. Wir haben alle Kombinationen durchgetestet aus DP Power Save ein/aus und USB-Kabel angeschlossen und abgezogen. Der OSD-Schalter mag den Stromverbrauch reduzieren, aber nur bei abgezogenem Kabel. Bei einem Gerät mit USB-Hub und Hardware-Kalibrierung macht das aber wenig Sinn. Es handelt sich um ein Problem, das wir bereits seit Jahren bei EIZO-Monitoren immer wieder antreffen.

  3. ne unsauber ist tatsächlich übertrieben – aber man sieht schon noch leicht die Pixel (im vergleich zum Retina display vom Mac mit mehr ppi). Für mich ist die Frage letztlich – macht ein CS2730 Sinn, wenn man ihn ausschließlich im sRGB Raum nutzt? oder reicht da z.b. der oben genannte Dell?

    (skalierung am Mac funktioniert prima!)
    Danke schonmal!

    • Zwar eine späte Antwort, aber sie lautet JA wegen der Hardware-Kalibrierung, die auf dem Niveau nur bei EIZO und NEC zu finden ist. Auch bei einer astreinen Flächen-Homogenität beißen sich andere Hersteller meist die Zähne aus.
      Dennoch gibt es mit Software-Kalibration und Beschränkung auf sRGB-Farbraum sicherlich günstigere Lösungen. Ob da gut, „gut genug“ ist, hängt aus meiner Sicht von der Art der EBV ab. Bei künstlichen Grafiken mit Farbverläufen, Sutdio-Aufnahmen vor Weiß, etc. werden die Schwächen einer Software-Kal schnell sichtbar und können nerven. Bei Landschaftsaufnahmen und Event-Fotografie, reicht sie dagegen i.d.R. völlig aus.

  4. Nun WQHD als unsauber zu bezeichen, ich weiß nicht. Ich finde WQHD bei 27 Zoll jedenfalls sinnvoller als 4K, zumindest unter Windows. Wie das beim Anschluss an ein MacBook aussieht, keine Ahnung.

  5. Tolles Review! Vielen Dank dafür!

    Macht es aus eurer Sicht Sinn in den cs2730 zu investieren, wenn man lediglich im sRGB / Rec709 Farbraum arbeitet – bei diesem aber größtmögliche Homogenität und ein sauberes Bild haben möchte? (Videobearbeitung/Grading)

    Bin mir etwas unsicher, da die WQHD Auflösung für Office Arbeit für meinen Geschmack (Macbook Retina gewöhnt) doch etwas unsauber ist und ggf dann ein solider 4k mehr Sinn macht? (z.b. Dell p2715q?)

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