Test Projektoren & Beamer NEC M300WSG
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Farbwiedergabe

Für die Farbwiedergabe sorgen beim M300WSG drei LCD-Panels für die Grundfarben Rot, Grün und Blau, bewegliche Teile gibt es nicht. Ein Regenbogeneffekt wie bei der DLP-Technik ist daher ausgeschlossen. Pixelfehler, die bei LCD-Panels immer auftreten können, hatte unser Testgerät nicht.

Als nächstes haben wir die Farbdarstellung in den sieben Voreinstellungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die Farbwiedergabe in drei Gruppen einteilen lässt.

Zunächst wäre da die lichtstarke Werkseinstellung Präsentation zu nennen. Hier wird Wert auf viel Licht gelegt, die Farbtreue rückt sichtlich in den Hintergrund. Das annähernd konstante Gamma von etwa 2,0 ist gut, doch die durchschnittliche Farbtemperatur liegt mit 8600 K sehr hoch. Der viel zu hohe Blauanteil ist zudem noch variabel, was zu großen Abweichungen bei der Graustufenwiedergabe führt. Auch die Farbabweichungen bei den Primärfarben sind durchweg viel zu hoch.

Nec M300wsg Beamer Profil 1
Bildmodus Präsentation: Gamma, Farbanteile und Farbabweichungen.

Die zweite Gruppe umfasst die Einstellungen sRGB und Grafik. Gegenüber dem Präsentationsmodus wurde der Blauanteil stark reduziert. Für den sRGB-Modus ergibt sich dadurch eine mittlere Farbtemperatur von 6900K (normgerecht wären 6500K), für den Grafikmodus von 8200K. So bleiben die gemessenen Farbabweichungen zum großen Teil bereits im Rahmen der Chartgrenzen.

Nec M300wsg Beamer Profil 2
Bildmodus sRGB: Gamma, Farbanteile und Farbabweichungen.

In die dritte Gruppe gehören die Einstellungen Hell-hoch und leider auch Video und Film. Hier finden wir neben großen Farbabweichungen auch sehr nichtlineare Gammakurven. Für Präsentationszwecke, bei denen es auf natürliche Farben ankommt, sollte man diese Einstellungen besser nicht verwenden.

Aus Sicht der Farbwiedergabe schneidet der sRGB-Modus am besten ab, auch wenn seine Daten nur entfernt den Vorgaben der gleichnamigen Norm entsprechen. Im Business- und Schulungsbereich reicht die gebotene Farbqualität völlig aus für ansprechende Fotos und Videos. Angesichts seiner recht hohen Lichtausbeute könnte er bei diesem Gerät durchaus zum Alltagsmodus werden.

DICOM

Mit Digital Imaging and Communications in Medicine (DICOM) wird ein weltweiter offener Standard zum Austausch von Informationen in der Medizin bezeichnet. Viele Hersteller von hochwertigen bildgebenden Systemen berücksichtigen inzwischen den DICOM-Standard bei ihren Produkten.

Der DICOM-Bildmodus ist speziell für die optimale Graustufenwiedergabe bei medizinischen Bildern wie z.B. Röntgenbildern vorbereitet. Die präzise Wiedergabe setzt allerdings eine DICOM-Kalibrierung des Projektors am Einsatzort voraus, bei der zahlreiche Umgebungsfaktoren wie Beschaffenheit der Projektionsfläche, Lampenleistung und vorhandenes Umgebungslicht zu berücksichtigen sind. Wohl aus diesem Grund empfiehlt das Handbuch des M300WSG den Modus Dicom Sim nur für Übungszwecke.

Nec M300wsg Beamer Profil 3
Bildmodus DICOM Sim: Gamma, Farbanteile und Farbabweichungen.

Im nicht kalibrierten DICOM-Modus finden wir einen steilen Gammaverlauf vor, der vermutlich den Bildkontrast von Graustufenbildern für diagnostische Zwecke verstärken soll. Die Farbanteile liegen ähnlich nah beieinander wie schon beim sRGB-Modus. Dennoch bleibt der Blauanteil so hoch, dass die kritischen Grauwerte noch einiges an Verbesserung erfahren könnten. Aber auch ohne spezielle Kalibrierung war der DICOM-Modus schon im Videobereich nützlich, denn bei älteren DVDs mit flauem Filmmaterial konnte er mit seinem steilen Gammaverlauf ein ansprechenderes Bild erzeugen.

Reaktionsverhalten

Das Reaktionsverhalten eines Projektors wird wie beim Monitor durch die Bildaufbauzeit, das Beschleunigungsverhalten und die Latenzzeit bestimmt. Den M300WSG haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am HDMI-Anschluss vermessen.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.
Wie bei nahezu allen Projektoren findet sich auch beim M300WSG keine Herstellerangabe zur Reaktionszeit. Wir haben nachgemessen und den besten Grauwechsel mit schnellen 8,4 Millisekunden ermittelt. Die über alles gemittelte Bildaufbauzeit (hin und zurück) für unsere 15 Messwerte ist mit 16,8 Millisekunden deutlich länger, weil die dunklen Helligkeitswechsel LCD-typisch wesentlich langsamer ablaufen.

Nec M300wsg Beamer Reaktion
Nec M300wsg Beamer Over
Kurze Schaltzeiten, neutrales Beschleunigungsverhalten.

Der Helligkeitsverlauf zeigt eine Beschleunigung ohne Überschwinger. An nahezu allen Messpunkten ist der Helligkeitswechsel nach nur einem Frame abgeschlossen.

Latenzzeit

Die Latenz ermitteln wir als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Beim M300WSG messen wir eine recht lange Signalverzögerung von 28,9 Millisekunden. Bis zur Soll-Helligkeit vergehen im Durchschnitt weitere 7,9 Millisekunden, die mittlere Gesamtlatenz fällt mit insgesamt 36,6 Millisekunden lang aus.

Subjektive Beurteilung

Im Praxistest waren bei Videos keine auffälligen Nachzieheffekte oder Bewegungsunschärfen zu beobachten. Für ambitionierte Computerspieler ist die Gesamtlatenz deutlich spürbar, doch ist dies ganz sicher nicht die Zielgruppe dieses Projektors. Einem flotten Pausenspielchen ohne besondere Ansprüche an die Reaktionszeit stünde jedenfalls nichts im Wege.

Sound

Der eingebaute Lautsprecher ist auf dem Foto der Anschlüsse zu sehen. Er kann den Stereo-Ton als gemischtes Mono mit 10 Watt Ausgangsleistung wiedergeben. Die Lautstärke wird mit Direkttasten auf der Fernbedienung und am Projektor eingestellt. Eine Stumm-Taste ist als AV-Mute auf der Fernbedienung vorhanden, sie schaltet aber gleichzeitig auch das Bild dunkel.

Der Einbaulautsprecher strahlt sinnvollerweise nach hinten – also in die Richtung der Zuschauer – ab, in dem relativ großen Projektorgehäuse kann er zudem eine beachtliche Lautstärke entwickeln. Für die ein oder andere Vorführ- oder Schulungssituation wird dies durchaus schon ausreichen können. Ein ansprechender Klang wird dennoch erst mit einem externen Stereoverstärker erreicht.

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