Test ViewSonic VP2768-4K – Monitor für Bildbearbeitung
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Interpolation

Wir empfehlen generell, einen Monitor immer in der nativen Auflösung zu betreiben. Die Skalierungsfähigkeiten eines Displays sind im Digitalzeitalter eigentlich nur noch beim Anschluss von Geräten aus der Unterhaltungs-Industrie interessant, da am PC auch die Grafikkarte die Skalierung übernehmen kann. Daher gehen wir auf diesen Aspekt nur noch selektiv und im Kapitel „DVD und Video“ ein.

Farbwiedergabe

Bei Monitoren für den Grafikbereich testen wir zunächst die Farbwiedergabe in der Werkseinstellung nach dem Reset sowie – falls vorhanden – in einem sRGB- und Adobe-RGB-Modus. Anschließend wird der Monitor mit Quato iColor Display kalibriert. Sofern der Monitor eine vollwertige Hardware-Kalibration besitzt, wird stattdessen diese in Verbindung mit der Hersteller-Software verwendet.

Farbraumvergleich in CIELAB (D50)

Die folgenden Darstellungen basieren auf den farbmetrischen Daten nach einer Kalibration auf D65 als Weißpunkt. Das Bezugsweiß für die Aufbereitung in CIELAB ist D50 (adaptiert mit Bradford).

Weißes Volumen: Bildschirmfarbraum
Schwarzes Volumen: Referenzfarbraum
Buntes Volumen: Schnittmenge
Vergleichsziele: sRGB

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung zunächst im Werksmodus nach einer Software-Kalibration:

Abdeckung des sRGB-Farbraums im Werksmodus, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im Werksmodus, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im Werksmodus, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums im Werksmodus, 3D-Schnitt 2

Im Werksmodus wird der sRGB-Farbraum praktisch vollständig abgedeckt, aber auch signifikant überschritten. Das heißt, man bekommt außerhalb von Farbmanagement-fähigen Anwendungen an den Farbraumgrenzen teils etwas stärker gesättigte Farben, als im sRGB-Farbraum zulässig sind.

Für Unterhaltungs-Anwendungen spielt das keine Rolle, doch ist es beispielswiese in der Videobearbeitung nicht erwünscht. Daher haben wir uns im Folgenden auch das Werks-Preset „sRGB“ angesehen:

Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Modus, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Modus, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Modus, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Modus, 3D-Schnitt 2

Im Werks-Preset „sRGB“ wird der sRGB-Farbraum mit 98 % ebenfalls fast vollständig abgedeckt, zugleich aber auch sehr akkurat auf die geforderten Farbraumgrenzen zugeschnitten. Mittels Hardware-Kalibrierung gelingt das ebenfalls, wenn man sRGB als Zielfarbraum auswählt.

Abdeckung des sRGB-Farbraums nach HKL, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums nach HKL, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums nach HKL, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums nach HKL, 3D-Schnitt 2

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse jeweils für das Werks-Preset und nach einer Software-Kalibration – also im nativen Farbraum – zusammen:

Farbraum Abdeckung im Werks-Preset Abdeckung nach Kalibrierung
sRGB 98 % 99 %
Adobe RGB 76 %
ECI-RGB v2 68 %
DCI P3 RGB 77 %
ISO Coated v2 (FOGRA39L) 92 %

Nach einer Hardware-Kalibration auf sRGB als Zielfarbraum ist die sRGB-Abdeckung mit 97 % nur unwesentlich schlechter. Aktiviert man die Gleichförmigkeitskorrektur, liegt man auch hier bei 99 %.

Farbmodus: Custom (Werkseinstellung)

Nach dem Reset im OSD sind folgende Werte vorgegeben:

Bildmodus: Angepasst
Helligkeit: 100
Kontrast: 70
Gamma: 2,2
Farbtemperatur: Native
RGB: k. A.
Color-Gamut: k. A.
DUE Priority: k. A.
Schärfe: 50
Reaktionszeit: Standard

Die Erläuterungen zu den folgenden Charts haben wir für Sie zusammengefasst: Delta-E-Abweichung für Farbwerte und Weißpunkt, Delta-C-Abweichung für Grauwerte, und Gradation.

Diagramm: Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus „Angepasst“
Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus „Angepasst“

Wie bereits nach der subjektiven Begutachtung zu vermuten, liefert der ViewSonic VP2768-4K schon in der Werkseinstellung eine ausgezeichnete Graubalance. Die Werte sind im Durchschnitt wie auch bei der Range sehr gut. Mit 7200 K liegt der Weißpunkt aber etwas auf der kühlen Seite. Der Gammawert beträgt 2,18, und der Verlauf ist einigermaßen linear.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich sRGB-Modus mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“

Das Werks-Preset „sRGB“ unterscheidet sich zunächst durch den recht gut an die sRGB-Norm angepassten Gammaverlauf. Im Durchschnitt messen wir mit 2,18 ein praktisch perfektes Gamma. Wenig geändert hat sich die Farbtemperatur, die mit 7100 K schon merklich oberhalb der gewünschten 6500 K liegt.

Die Farbraumabdeckung (98 %) und die Farbabweichungen sind dafür hervorragend. Die Graubalance ist auch hier im Durchschnitt sehr gut (Delta-C-Average: 0.26). Lediglich die Range hat sich etwas verschlechtert (Delta-C-Range: 1.22). Insgesamt reicht das noch für ein sehr gutes Gesamtergebnis.

Wer sein Gerät nicht kalibriert und genaue Farben für die Bild- und Videoverarbeitung haben möchte, sollte diesen Modus verwenden und die Gleichförmigkeitskorrektur aktivieren.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Vergleich zur Software-Kalibration hat eine Hardware-Kalibration große Vorteile, da alle notwendigen Anpassungen via USB-Verbindung direkt in der Elektronik des Monitors erfolgen und nicht über die Grafikkarte. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden.

Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig. Dadurch kommt es auch nicht zu Tonwertbeschneidungen, und feine Farb- und Grauverläufe bleiben nach der Kalibration frei von Banding-Effekten. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Handware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage.

Für einen Grafikmonitor ist dieses Feature neben einer guten Gleichförmigkeit das Wesentlichste vor allem anderen. Das gilt vor allem für Displays mit erweitertem Farbraum. Da dieser außerhalb von nicht Farbmanagement-fähigen Anwendungen nicht gebändigt wird, kommt es zu einer falschen Darstellung mit oft überzogen gesättigten Farben.

Gute Lösungen ermöglichen daher die Kalibrierung auf eine Vielzahl an Kalibrierungszielen mit unterschiedlichen Farbräumen und Farbtemperaturen und den schnellen Wechsel zwischen diesen. Ist das nicht möglich, wird ein Großteil der Vorteile einer Hardware-Kalibration nicht genutzt.

Da der VP2768-4K grundsätzlich über dieses Feature verfügt, überrascht es umso mehr, wie stiefmütterlich es von ViewSonic angesichts der beworbenen Zielgruppe behandelt wird.

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