Test EIZO CG319X – Top Monitor für DCI-4K-Content
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Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Gegensatz zu Standardmonitoren bieten professionelle Displays von EIZO die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration. Die dazu notwendige Software heißt bei EIZO ColorNavigator und gehört generell auch zum Lieferumfang.

Dabei handelt es sich um ein mächtiges Kalibrationswerkzeug, das professionellen Ansprüchen gerecht wird und dennoch einfach zu bedienen ist. Hat man die Softwarelösungen anderer Hersteller erlebt, ist der ColorNavigator allein schon ein ausschlaggebender Grund, zu einem EIZO zu greifen.

Bei der Hardware-Kalibrierung werden die Kalibrierungseinstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschließend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Hardware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Anwendung, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu meist nicht in der Lage. Bei einem Grafikmonitor ist das notwendige Zusammenspiel von Hard- und Software also ein ganz wesentliches Qualitätskriterium.

Zusammen mit dem EIZO CG279X wurde mit Version 7 auch gleich eine neue Hauptversion des ColorNavigators vorgestellt. Sie bringt eine ganze Reihe an Verbesserungen und kann auch mit dem EIZO CG319X verwendet werden.

Eine wesentliche Neuerung ist dabei die Einführung von „Standardkalibrierung“ und „Erweiterter Kalibrierung“. Die Einstellmöglichkeiten der erweiterten Kalibrierung sind kaum zu toppen. Doch auch die verfügbaren Möglichkeiten bei Standardkalibrierung haben bereits einen Umfang, von dem andere Hersteller noch träumen.

Das große Highlight der Standardziele ist, dass ein einziger Durchlauf genügt, um alle Ziele auf einen Schlag zu kalibrieren – ein erheblicher Geschwindigkeitsvorteil. Außer dem Cal-Modus sind ab Werk alle Farbmodi mit Standardzielen belegt.

ColorNavigator 7: Ablauf und Funktionsumfang

In der Einstiegsmaske findet man jetzt links sämtliche Farbmodi. An den Kürzeln „STD“ und „ADV“ erkennt man, ob es sich um eine erweiterte oder eine Standardkalibrierung handelt. Rechts kann man im Dropdown-Menü ein Ziel zuordnen. Passend dazu werden dann die Zieldetails und ggfls. das Ergebnis der letzten Kalibrierung angezeigt.

Im weiteren Verlauf sind bei einer frischen Installation zunächst nur Basisfunktionalitäten vorhanden. Über die Einstellungen kann man nach Bedarf weitere Funktionen modular als Extensions dazuschalten.

CN V7: Einstiegsmaske (Screenshot)
CN V7: Einstiegsmaske (Screenshot)
CN V7: Einstellungen mit Modul-Optionen (Screenshot)
CN V7: Einstellungen mit Modul-Optionen (Screenshot)

Wir beschreiben nachfolgend kurz den Ablauf für das Anlegen eines neuen Ziels mit manueller Eingabe der Daten. Alternativ können bereits vorhandene Ziele verändert sowie farbmetrische Zieldaten aus ICC-Profilen ausgelesen oder durch verschiedene Messungen ermittelt werden.

Zur Definition bzw. Änderung von Kalibrierungszielen gibt es unter „Monitoreinstellungen“ eine eigene Kalibrierziel-Verwaltung. Dort kann man in Ruhe beliebig viele unterschiedliche Ziele definieren und sie dann später kalibrieren und einem Farbmodus zuordnen.

Was in Version 6 noch auf mehrere Unterseiten verteilt war, ist jetzt zentral in einem Fenster verfügbar. Das Fenster erscheint zunächst recht klein, und man muss vertikal scrollen. Die folgenden Abbildungen zeigen jeweils einzelne Ausschnitte. Das Fenster ist aber skalierbar und lässt sich zum Vollbild erweitern. Somit hat man jetzt alle Einstellungen auf einmal im Blick.

CN V7: Einstieg Zielerstellung (Screenshot)
CN V7: Einstieg Zielerstellung (Screenshot)
CN V7: Helligkeit (Screenshot)
CN V7: Helligkeit (Screenshot)

Das Ziel kann frei benannt und auf Wunsch auch gleich mit einem Farbmodus verknüpft werden. Etwas versteckt ist ganz oben noch die Unterscheidung zwischen erweitertem und Standardmodus möglich.

1. Helligkeit, Schwarzwert und Weißpunkt

Der Einstellbereich des Schiebereglers für die Helligkeit lässt sich über die manuelle Eingabe erhöhen. Bisher waren auch dort maximal 200 cd/m² möglich. Mit der Version 7.0.7.7 steht zumindest beim EIZO CG319X auch der komplette Wertebereich des OSDs zur Verfügung (40–350 cd/m²).

Beim Weißpunkt kann zwischen verschiedenen Voreinstellungen in Kelvin (Referenz: Tageslichtstrahler, Lichtart D) und der individuellen Definition in xy-Normfarbwertanteilen gewählt werden. Der Schwarzpegel lässt sich auf Wunsch definiert anheben.

2. Tonwertkurve

Der Einstellbereich des Schiebereglers für den Gammawert lässt sich über die manuelle Eingabe erhöhen. Für die Kalibration stehen somit zunächst Gamma-Tonwertkurven (1.0–2.7) und die L*-Charakteristik zur Verfügung. Neu in CN V7 ist die Möglichkeit, Standard-Gammaverläufe wie die sRGB-Tonwertkurve auszuwählen.

Individuelle Tonwertkurven können ferner durch die Vorgabe eines geeigneten ICC-Profils – alle notwendigen Parameter sind dennoch flexibel anpassbar – oder das Laden einer Textdatei (CSV) mit entsprechenden Zuordnungen definiert werden.

CN V7: Schwarzwert, Weißpunkt (Screenshot)
CN V7: Schwarzwert, Weißpunkt (Screenshot)
CN V7: Gamma (Screenshot)
CN V7: Gamma (Screenshot)

3. Farbraum und Graubalance

In einem Farbmanagement-fähigen Workflow wird man meist auf Basis des nativen Monitorfarbraums arbeiten wollen. Das maximiert die Flexibilität. Alternativ steht eine Vielzahl an Standard-Farbräumen zur Auswahl. Falls das nicht reicht, können die farbmetrischen Daten der Primärfarben auch aus einem ICC-Profil extrahiert oder durch Vorgabe der xy-Normfarbwertanteile festgelegt werden.

Die Auswahlmöglichkeiten unter „Priority“ steuern den Kalibrationsvorgang in Bezug auf die Grauachse. Mit der Einstellung „Kontrast“ bleibt sie unverändert. Die LUT wird entsprechend nur hinsichtlich des gewünschten Weißpunktes angepasst. „Standard“ optimiert Graubalance und Tonwertkurve, hebt den Schwarzpegel aber nicht an. Durch eine Entscheidung für Graubalance wird die maximal mögliche Neutralität erreicht. Das bedingt die Anhebung des Schwarzpegels, um Farbstiche auch in den absoluten Tiefen zu vermeiden.

ICC-Profile können dabei nach wie vor als v2- oder v4-Typ gespeichert werden. Allerdings wird diese Option jetzt global in den übergreifenden Einstellungen und nicht mehr je Ziel getroffen. Ändert man später diese Option, ist keine neue Kalibrierung erforderlich. Die ICC-Profile im Farbmanagement des OS werden dann einfach von CN V7 ausgetauscht.

LUT-Profile werden nicht generiert (nur Shaper/Matrix). Angesichts der ausgezeichneten Linearität ist das verschmerzbar, zumal die Charakterisierung optional den tatsächlichen Schwarzwert des Monitors widerspiegelt.

Nach Verlassen der Kalibrierziel-Verwaltung kann man das neue Ziel einem Farbmodus zuordnen und dann den Kalibrierungsvorgang anstoßen.

CN V7: Graubalance und Farbraum (Screenshot)
CN V7: Graubalance und Farbraum (Screenshot)
CN V7: Zuordnung Ziel zu Farbmodus (Screenshot)
CN V7: Zuordnung Ziel zu Farbmodus (Screenshot)

Sofern vorhanden, kann man anstelle der internen Sonde auch ein externes Messgerät verwenden. Danach läuft der Kalibrierungsvorgang flott und selbsterklärend ab. Über den Verlauf wird man durch hübsch gemachte Animationen auf dem Laufenden gehalten.

Mit dem integrierten Sensor dauert der gesamte Vorgang ca. 2:30 Minuten. Mit dem i1Display Pro von X-Rite geht es noch mal fast eine Minute schneller. Verglichen mit vielen anderen Herstellern ist das ein Unterschied von Weltklasse-Athlet zu Altherrenmannschaft.

CN V7: Auswahl Messgerät (Screenshot)
CN V7: Auswahl Messgerät (Screenshot)
CN V7: Animierter Kalibrierungsvorgang (Screenshot)
CN V7: Animierter Kalibrierungsvorgang (Screenshot)

Am Schluss wird die Erreichung von wichtigen Parametern mit der Zielvorgabe gegenübergestellt. Optional kann man gleich noch eine Validierung anstoßen. Der Verlauf sämtlicher Vorgänge (Kalibrierung, Selbstkalibrierung, Validierung) wird dauerhaft gespeichert und ist übersichtlich einsehbar. So kann man sich auch später noch einen ausführlichen PDF-Bericht zu einem bestimmten Vorgang erstellen lassen.

Im professionellen Umfeld kann das Vorlegen eines Validierungsberichts in Verbindung mit farbkritischen Arbeiten im Kundenkontakt bares Geld wert sein. Die generelle Fogra-Zertifizierung als Softproof-Monitor des EIZO CG319X hatten wir ja schon erwähnt.

CN V7: Ergebnis und optionaler Start der Validierung (Screenshot)
CN V7: Ergebnis und optionaler Start der Validierung (Screenshot)
CN V7: Verlaufsanzeige pro Bildmodus (Screenshot)
CN V7: Verlaufsanzeige pro Bildmodus (Screenshot)

Für die nachfolgenden Messungen wurde das Gerät aus ColorNavigator heraus kalibriert (Color-Gamut „native“, Gamma 2,2, Farbtemperatur 6500 K, DUE „Uniformity“) und profiliert.

Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird.

3 KOMMENTARE

  1. Schönes Review. Ich frag mich nur: Ist der Eizo CG319X wirklich alternativlos? Der NEC PA311D unterstützt auch 4K. Hat sogar Pivot. Und ist deutlich günstiger.

    • Danke für den Hinweis. Die DCI-4K-Auflösung ist zwar selten, aber auch beim NEC PA311D zu finden. Den haben wir aber noch nicht getestet.

  2. Toller Monitor! Ich habe mich ja bereits vor diesem Test von den Vorteilen überzeugen lassen und warte nun eigentlich nur noch eine gute Gelegenheit ab.

    … es gab übrigens schon lange keine Usertests mehr. 🙂

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