Test EIZO CG319X – Top Monitor für DCI-4K-Content
6/8

16
37 099

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Gegensatz zu Standardmonitoren bieten professionelle Displays von EIZO die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration. Die dazu notwendige Software heißt bei EIZO ColorNavigator und gehört generell auch zum Lieferumfang.

Dabei handelt es sich um ein mächtiges Kalibrationswerkzeug, das professionellen Ansprüchen gerecht wird und dennoch einfach zu bedienen ist. Hat man die Softwarelösungen anderer Hersteller erlebt, ist der ColorNavigator allein schon ein ausschlaggebender Grund, zu einem EIZO zu greifen.

Bei der Hardware-Kalibrierung werden die Kalibrierungseinstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschließend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist dagegen von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Hardware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Anwendung, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu meist nicht in der Lage. Bei einem Grafikmonitor ist das notwendige Zusammenspiel von Hard- und Software also ein ganz wesentliches Qualitätskriterium.

Zusammen mit dem EIZO CG279X wurde mit Version 7 auch gleich eine neue Hauptversion des ColorNavigators vorgestellt. Sie bringt eine ganze Reihe an Verbesserungen und kann auch mit dem EIZO CG319X verwendet werden.

Eine wesentliche Neuerung ist dabei die Einführung von „Standardkalibrierung“ und „Erweiterter Kalibrierung“. Die Einstellmöglichkeiten der erweiterten Kalibrierung sind kaum zu toppen. Doch auch die verfügbaren Möglichkeiten bei Standardkalibrierung haben bereits einen Umfang, von dem andere Hersteller noch träumen.

Das große Highlight der Standardziele ist, dass ein einziger Durchlauf genügt, um alle Ziele auf einen Schlag zu kalibrieren – ein erheblicher Geschwindigkeitsvorteil. Außer dem Cal-Modus sind ab Werk alle Farbmodi mit Standardzielen belegt.

ColorNavigator 7: Ablauf und Funktionsumfang

In der Einstiegsmaske findet man jetzt links sämtliche Farbmodi. An den Kürzeln „STD“ und „ADV“ erkennt man, ob es sich um eine erweiterte oder eine Standardkalibrierung handelt. Rechts kann man im Dropdown-Menü ein Ziel zuordnen. Passend dazu werden dann die Zieldetails und ggfls. das Ergebnis der letzten Kalibrierung angezeigt.

Im weiteren Verlauf sind bei einer frischen Installation zunächst nur Basisfunktionalitäten vorhanden. Über die Einstellungen kann man nach Bedarf weitere Funktionen modular als Extensions dazuschalten.

CN V7: Einstiegsmaske (Screenshot)
CN V7: Einstiegsmaske (Screenshot)
CN V7: Einstellungen mit Modul-Optionen (Screenshot)
CN V7: Einstellungen mit Modul-Optionen (Screenshot)

Wir beschreiben nachfolgend kurz den Ablauf für das Anlegen eines neuen Ziels mit manueller Eingabe der Daten. Alternativ können bereits vorhandene Ziele verändert sowie farbmetrische Zieldaten aus ICC-Profilen ausgelesen oder durch verschiedene Messungen ermittelt werden.

Zur Definition bzw. Änderung von Kalibrierungszielen gibt es unter „Monitoreinstellungen“ eine eigene Kalibrierziel-Verwaltung. Dort kann man in Ruhe beliebig viele unterschiedliche Ziele definieren und sie dann später kalibrieren und einem Farbmodus zuordnen.

Was in Version 6 noch auf mehrere Unterseiten verteilt war, ist jetzt zentral in einem Fenster verfügbar. Das Fenster erscheint zunächst recht klein, und man muss vertikal scrollen. Die folgenden Abbildungen zeigen jeweils einzelne Ausschnitte. Das Fenster ist aber skalierbar und lässt sich zum Vollbild erweitern. Somit hat man jetzt alle Einstellungen auf einmal im Blick.

CN V7: Einstieg Zielerstellung (Screenshot)
CN V7: Einstieg Zielerstellung (Screenshot)
CN V7: Helligkeit (Screenshot)
CN V7: Helligkeit (Screenshot)

Das Ziel kann frei benannt und auf Wunsch auch gleich mit einem Farbmodus verknüpft werden. Etwas versteckt ist ganz oben noch die Unterscheidung zwischen erweitertem und Standardmodus möglich.

1. Helligkeit, Schwarzwert und Weißpunkt

Der Einstellbereich des Schiebereglers für die Helligkeit lässt sich über die manuelle Eingabe erhöhen. Bisher waren auch dort maximal 200 cd/m² möglich. Mit der Version 7.0.7.7 steht zumindest beim EIZO CG319X auch der komplette Wertebereich des OSDs zur Verfügung (40–350 cd/m²).

Beim Weißpunkt kann zwischen verschiedenen Voreinstellungen in Kelvin (Referenz: Tageslichtstrahler, Lichtart D) und der individuellen Definition in xy-Normfarbwertanteilen gewählt werden. Der Schwarzpegel lässt sich auf Wunsch definiert anheben.

2. Tonwertkurve

Der Einstellbereich des Schiebereglers für den Gammawert lässt sich über die manuelle Eingabe erhöhen. Für die Kalibration stehen somit zunächst Gamma-Tonwertkurven (1.0–2.7) und die L*-Charakteristik zur Verfügung. Neu in CN V7 ist die Möglichkeit, Standard-Gammaverläufe wie die sRGB-Tonwertkurve auszuwählen.

Individuelle Tonwertkurven können ferner durch die Vorgabe eines geeigneten ICC-Profils – alle notwendigen Parameter sind dennoch flexibel anpassbar – oder das Laden einer Textdatei (CSV) mit entsprechenden Zuordnungen definiert werden.

CN V7: Schwarzwert, Weißpunkt (Screenshot)
CN V7: Schwarzwert, Weißpunkt (Screenshot)
CN V7: Gamma (Screenshot)
CN V7: Gamma (Screenshot)

3. Farbraum und Graubalance

In einem Farbmanagement-fähigen Workflow wird man meist auf Basis des nativen Monitorfarbraums arbeiten wollen. Das maximiert die Flexibilität. Alternativ steht eine Vielzahl an Standard-Farbräumen zur Auswahl. Falls das nicht reicht, können die farbmetrischen Daten der Primärfarben auch aus einem ICC-Profil extrahiert oder durch Vorgabe der xy-Normfarbwertanteile festgelegt werden.

Die Auswahlmöglichkeiten unter „Priority“ steuern den Kalibrationsvorgang in Bezug auf die Grauachse. Mit der Einstellung „Kontrast“ bleibt sie unverändert. Die LUT wird entsprechend nur hinsichtlich des gewünschten Weißpunktes angepasst. „Standard“ optimiert Graubalance und Tonwertkurve, hebt den Schwarzpegel aber nicht an. Durch eine Entscheidung für Graubalance wird die maximal mögliche Neutralität erreicht. Das bedingt die Anhebung des Schwarzpegels, um Farbstiche auch in den absoluten Tiefen zu vermeiden.

ICC-Profile können dabei nach wie vor als v2- oder v4-Typ gespeichert werden. Allerdings wird diese Option jetzt global in den übergreifenden Einstellungen und nicht mehr je Ziel getroffen. Ändert man später diese Option, ist keine neue Kalibrierung erforderlich. Die ICC-Profile im Farbmanagement des OS werden dann einfach von CN V7 ausgetauscht.

LUT-Profile werden nicht generiert (nur Shaper/Matrix). Angesichts der ausgezeichneten Linearität ist das verschmerzbar, zumal die Charakterisierung optional den tatsächlichen Schwarzwert des Monitors widerspiegelt.

Nach Verlassen der Kalibrierziel-Verwaltung kann man das neue Ziel einem Farbmodus zuordnen und dann den Kalibrierungsvorgang anstoßen.

CN V7: Graubalance und Farbraum (Screenshot)
CN V7: Graubalance und Farbraum (Screenshot)
CN V7: Zuordnung Ziel zu Farbmodus (Screenshot)
CN V7: Zuordnung Ziel zu Farbmodus (Screenshot)

Sofern vorhanden, kann man anstelle der internen Sonde auch ein externes Messgerät verwenden. Danach läuft der Kalibrierungsvorgang flott und selbsterklärend ab. Über den Verlauf wird man durch hübsch gemachte Animationen auf dem Laufenden gehalten.

Mit dem integrierten Sensor dauert der gesamte Vorgang ca. 2:30 Minuten. Mit dem i1Display Pro von X-Rite geht es noch mal fast eine Minute schneller. Verglichen mit vielen anderen Herstellern ist das ein Unterschied von Weltklasse-Athlet zu Altherrenmannschaft.

CN V7: Auswahl Messgerät (Screenshot)
CN V7: Auswahl Messgerät (Screenshot)
CN V7: Animierter Kalibrierungsvorgang (Screenshot)
CN V7: Animierter Kalibrierungsvorgang (Screenshot)

Am Schluss wird die Erreichung von wichtigen Parametern mit der Zielvorgabe gegenübergestellt. Optional kann man gleich noch eine Validierung anstoßen. Der Verlauf sämtlicher Vorgänge (Kalibrierung, Selbstkalibrierung, Validierung) wird dauerhaft gespeichert und ist übersichtlich einsehbar. So kann man sich auch später noch einen ausführlichen PDF-Bericht zu einem bestimmten Vorgang erstellen lassen.

Im professionellen Umfeld kann das Vorlegen eines Validierungsberichts in Verbindung mit farbkritischen Arbeiten im Kundenkontakt bares Geld wert sein. Die generelle Fogra-Zertifizierung als Softproof-Monitor des EIZO CG319X hatten wir ja schon erwähnt.

CN V7: Ergebnis und optionaler Start der Validierung (Screenshot)
CN V7: Ergebnis und optionaler Start der Validierung (Screenshot)
CN V7: Verlaufsanzeige pro Bildmodus (Screenshot)
CN V7: Verlaufsanzeige pro Bildmodus (Screenshot)

Für die nachfolgenden Messungen wurde das Gerät aus ColorNavigator heraus kalibriert (Color-Gamut „native“, Gamma 2,2, Farbtemperatur 6500 K, DUE „Uniformity“) und profiliert.

Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird.

16 KOMMENTARE

  1. You seem to have missed that this is BGR as the screen is flipped, same as the HP Z31x but not the Nec PA311D which is RGB. If you zoom in the interpolation pictures you can see the brownish left and bluish right halos on the letters which come with using subpixel font smoothing with the wrong layout.

    Also would be curious to know what you think of the lack of sharpness setting on this monitor as that should have probably been mentioned, it’s something that on the Z31x which I own I’ve found very bothersome as text is much harder to read than on a monitor that has it.

    • On page four you will find a coating picture. If we had noticed a blur in this regard, we would have written it in the test.

  2. Zum NEC PA311D schreiben Sie:
    „In der EBV wird man in der Regel zugunsten einer bestmöglichen Bildhomogenität die Gleichförmigkeitskorrektur auf die höchste Stufe setzen. Im Durchschnitt liegt der Kontrast dann bei 993:1. Berücksichtigt man nur den tatsächlich sinnvollen Helligkeitsbereich, sind es 900:1.“

    Ihre entsprechende Angabe zum Eizo CG319X lautet:
    „Hier sinkt die Maximalhelligkeit auf immer noch völlig ausreichende 303 cd/m². Auch das Kontrastverhältnis ist mit 1173:1 weiterhin ausgezeichnet.“

    (Beide Angaben beziehen sich auf vollen Helligkeitsausgleich.)
    Wenn man aber nun den Eizo ebenfalls nicht bei 303 cd/qm nutzt, sondern für Bildbearbeitung übliche Bereiche nutzt, dann singt wohl auch hier der Kontrast noch unter die 1173:1, oder?

    Mir ist so in Ihren Angaben leider keine direkte Vergleichbarkeit zu entnehmen.
    Ich nehme aber mal an, dass ganz grundsätzlich der Kontrast beim Eizo besser ist. Es wäre höchstens die Frage, ob man das auch so deutlich sieht.

    • Beim Vergleich der Kontrastverläufe der beiden Geräte (mit Gleichförmigkeitskorrektur) müsste der Unterschied eigentlich schon auffallen, zumal er ja auch im Test beschrieben ist…
      Das Kontrastverhältnis berechnen wir grundsätzlich als Durchschnittswert über den gesamten Helligkeitsbereit. Normalerweise verläuft die Kurve linear-waagrecht. Das ermittelte Kontrastverhältnis gilt also aber den gesamten Helligkeitsbereich – so wie beim EIZO.
      Beim NEC steigt die Kurve ungewöhnlicher Weise ab 60% bzw. 240 cd/m² plötzlich nach oben an und erreicht ab 80% bzw. 324 cd/m² ein Plateau von rund 1200:1. Zum einen findet in diesem Bereich aber keine EBV statt, zum anderen ist das – wie erwähnt – ein Hinweis darauf, dass vermutlich ab 60% die Gleichförmigkeitskorrektur nicht mehr richtig arbeitet.
      Die Bildhomogenität messen wir bei einer sinnvollen Arbeitshelligkeit von 140 cd/m². Wir gehen davon aus, dass der EIZO die hier ermittelten Ergebnisse über den gesamten Helligkeitsbereich liefern kann. Der NEC aber nur von 0 – 60%.
      Also ja, die Qualität eines True Black Panels von EIZO sieht man, v.a. in der Realität bzw. Praxis, wo die Summe der Gesamtlösung mehr ist als der stundenlange Vergleich einzelner Messwerte verraten kann.

  3. I just got a HP Z31x with an insane price. It will arrive tomorrow. Using a NEC PA302w which is very nice as well.

  4. Den von der Größer her vergleichbaren EIZO EV3285 haben Sie so positiv getestet, dass ich mich als ambitionierter Hobby-Fotograf hier bei diesem Gerät frage, ob es den Mehrpreis wert ist.
    Bislang konnte ich mich mit sRGB anfreunden und kann auch alle paar Monate mit einem externen Gerät kalibrieren. Bin unschlüssig, ob der vierfache Preis für mich sichtbar würde.
    Für einen hilfreichen Hinweis wäre ich dankbar.

    • Zwischen den Geräten liegen Welten und der Mehrpreis ist gerechtfertigt. Die EV-Serie ist für das Büro konzipiert, die CG-Serie ist für Profibildbearbeitung.

      • Ok. Was wäre denn ein 4K-32Zoll-Monitor für die Bearbeitung hochwertiger RAW-Fotos z.B. einer Canon EOS R5 oder 5DIV, der zwar finanziell günstiger aber relaitv „wenig schlechter“ ist von der Bildqualität her?

        • Keiner. Sorry aber es gibt schlichtweg keinen. Alleine schon die Hardwarekalibrierung ist von der Umsetzung und der Software einzigartig. Der Preis ist hoch, keine Frage, aber jeden Euro wert. Alternativ wäre noch der NEC MultiSync PA311D eine Option. Das war es dann aber auch schon. Oder Du gehst auf 27 Zoll, da hast Du deutlich mehr Auswahl. Falls Du weitere Fragen hast und das zu einer Kaufberatung wird, nutze bitte unser Forum. Eine Kaufberatung ist hier leider nicht darstellbar.

          • Der EIZO CG 279X ist zwar eine Alternative aber doch ein etwas anderer Monitor.
            Kann man den EIZO CG 319X auch bei einem nur möglichen Betrachtungs- und Arbeitsabstand von ca. 70cm noch gut nutzen oder sollte ist es augenschonennder, den CG 279X zu nehmen?
            Ist der CG 279X für die fast ausschließliche Fotobearbeitung mit wenig Video und eigenen Druckarbeiten auch für Awards besser geeignet als der CG 319X?
            Danke.

  5. Schönes Review. Ich frag mich nur: Ist der Eizo CG319X wirklich alternativlos? Der NEC PA311D unterstützt auch 4K. Hat sogar Pivot. Und ist deutlich günstiger.

    • Danke für den Hinweis. Die DCI-4K-Auflösung ist zwar selten, aber auch beim NEC PA311D zu finden. Den haben wir aber noch nicht getestet.

  6. Toller Monitor! Ich habe mich ja bereits vor diesem Test von den Vorteilen überzeugen lassen und warte nun eigentlich nur noch eine gute Gelegenheit ab.

    … es gab übrigens schon lange keine Usertests mehr. 🙂

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!