Test Eizo EV2785 – Perfektion pur in UHD/4K
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Reaktionsverhalten

Den EIZO EV2785 haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm auch in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 5 ms für GtG genannt. Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden und ermöglicht drei Reglerpositionen: „Aus“, „Standard“, „Verbessert“. In der Werkseinstellung ist die Option „Standard“ aktiviert.

60 Hz, Overdrive „Aus“

Bei 60 Hz und ausgeschaltetem Overdrive messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 14,2 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 13,3 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 18,6 ms, und der CtC-Wert wird mit 13,8 ms ermittelt.
Überschwinger sind keine zu beobachten, die Abstimmung ist völlig neutral.

Das Schaltzeitendiagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

60 Hz (Overdrive "Aus"): akzeptable Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Aus“): akzeptable Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive "Aus"): völlig neutrale Abstimmung
60 Hz (Overdrive „Aus“): völlig neutrale Abstimmung

60 Hz, Overdrive „Standard“

In der Werkseinstellung „Standard“ werden die Reaktionszeiten in einigen Fällen gekürzt jedoch bleiben sie mehr oder weniger gleich wie im ausgeschalteten Zustand. Die Falltime ist in diesem Modus teilweise sogar schlechter.

Abgesehen vom etwas besseren CtC-Wert kann man den Overdrive auch genauso gut ganz abschalten.

60 Hz (Overdrive „TF60“): kaum verbesserte Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „TF60“): kaum verbesserte Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „TF60“): völlig neutrale Abstimmung
60 Hz (Overdrive „TF60“): völlig neutrale Abstimmung

60 Hz, Overdrive „Verbessert“

Erst in der höchsten Einstellung „Verbessert“ bringt der Overdrive die Pixel in Bewegung und verhilft dem EIZO EV2785 zu erstaunlich flotten Schaltzeiten.

In der höchsten Stellung „Verbessert“ bei 60 Hz messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 12,8 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 7,7 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt schnelle 10,3 ms. Ein CtC-Wert von 4 ms ist ebenfalls ausgesprochen kurz.

In der Overdrive-Stellung „Verbessert“ ist allerdings eine gewisse Qualitätsverschlechterung in Form von Überschwingern bzw. Doppelkonturen nicht ganz zu vermeiden. Sie hält sich aber vergleichsweise noch in Grenzen.

60 Hz (Overdrive "Verbessert"): sehr schnelle Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Verbessert“): sehr schnelle Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive "Verbessert"): Überschwinger bleiben akzeptabel
60 Hz (Overdrive „Verbessert“): Überschwinger bleiben akzeptabel

Netzdiagramme

In den folgenden Netzdiagrammen sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall würden sich die grünen und die roten Linien eng am Zentrum befinden. Jede Achse repräsentiert einen in dem Pegel und der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

Grafik: 60 Hz, Overdrive "Aus"
60 Hz, Overdrive „Aus“
Grafik: 60 Hz, Overdrive "Standard"
60 Hz, Overdrive „Standard“
Grafik: 60 Hz, Overdrive "Verbessert"
60 Hz, Overdrive „Verbessert“

Latenzzeit

Die Latenz ist ein wichtiger Wert für Spieler, wir ermitteln sie als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Die halbe mittlere Bildwechselzeit ist beim EIZO EV2785 für einen Büromonitor mit knapp 5,2 ms schon fast sensationell kurz. Wäre da nicht der massive Input-Lag von 40,8 ms, der die gute Reaktionszeit wieder zunichte macht. Insgesamt macht das sehr behäbige 46 ms.

Der EIZO EV2785 ist damit wie zu erwarten primär ein Büromonitor, der Gelegenheitsspieler bei weniger reaktionslastigen Titeln mit einer sehr guten Bildqualität belohnt und ein Weilchen von der Arbeit ablenken darf.

Wir empfehlen, den EIZO EV2785 zum Spielen in der höchsten Overdrive-Stufe zu betreiben, um die Reaktionszeit etwas zu drücken. Die leichten Qualitätseinbußen durch etwas erhöhte Doppelkanten sind zu vernachlässigen. Für den Büro-Alltag und die EBV würden wir das Gerät dagegen in der Werkseinstellung belassen.

Alternative Messung der Latenz

Zur Messung der Bildverzögerung (Input-Lag) von Monitoren gibt es verschiedene Ansätze, weshalb sich nicht nur Testergebnisse und Herstellerangaben unterscheiden, sondern auch die Werte bei verschiedenen Publikationen. Zudem nennen Hersteller selten einen Wert für die Signalverzögerungszeit, und wenn doch, ist in der Regel nicht erkennbar, wie diese Messungen durchgeführt wurden.

PRAD verfolgt nach dem jüngsten Update der Testmethoden derzeit zwei verschiedene Ansätze. Zum einen setzen wir das nur etwas mehr als 100 Euro teure Messgerät von Leo Bodnar ein. Hierbei handelt es sich um ein vollintegriertes Messgerät mit Signalgenerator und Sensor, bei dem der Wert schnell vom Bildschirm abgelesen werden kann. Da die Lag-Zeit von der Messposition auf dem Bildschirm abhängig ist, können Sie alle drei Werte (oben, Mitte, unten) dem Diagramm entnehmen. Als Richtwert für die Latenz sollte der mittlere Wert herangezogen werden.

Grafik: Alternative Messung des Lags am HDMI-Eingang 1080p@60Hz
Alternative Messung des Lags am HDMI-Eingang 1080p@60Hz

Für den Anwender sind diese Werte aber mitunter nicht aussagekräftig, da sich in Kombination mit Grafikkarten, Treibern, Chromasubsampling sowie der verwendeten Auflösung und Framerate unterschiedliche Lag-Zeiten zugunsten oder zuungunsten des Monitors ergeben können. Zudem können die Messungen mit dem „Leo Bodnar LAG Tester“ nur am HDMI-Eingang bei 1080p@60Hz durchgeführt werden.

Die von uns angewendete Methode verfolgt daher einen anderen Ansatz. Dort messen wir die Verzögerung zwischen Bild und Ton (Audio-Ausgang der Soundkarte im Vergleich zum Signal des Lichtsensors am Monitor). Dies geschieht in der Regel am DisplayPort unter Einstellung der nativen Auflösung und bei höchster Bildfrequenz in der Bildschirmmitte.

Die real erlebte Bildverzögerung ist deshalb von oben erwähnten Faktoren (und weiteren wie DirectX) abhängig und sollte im Wertebereich zwischen Leo Bodnar und der PRAD-Messmethode liegen.

10 KOMMENTARE

  1. Kann mich dem Jubelartikel ganz und gar nicht anschließen. Habe das Gerät Anfang Jänner 2020 bestellt und 2 Monitore mit mittelmäßigem Bild und schlechter Verarbeitung bekommen.

    Zum Bild: Bei beiden Geräten gab es auf der Unterseite schwarze vertikale Streifen (hauptsächlich rechts, aber erkennbar über die gesamte Breite). Die Höhe der Streifen war unterschiedlich, maximal etwa 2cm.

    Zur Verarbeitung: Auf der Rückseite beider Monitore hatte das Plastik auf der oberen Seite deutlich erkennbare vertikale Verschmutzungen. Wie wenn Flüssigkeit darüber geronnen wäre. Auf einer Länge von ca 10cm. Wie gesagt, deutlich erkennbar wenn der Monitor nicht gerade an der Wand steht.

    Beim ersten Geräte hat EIZO noch gemeint es wäre ein Lieferschaden. Beim zweiten wurde mir die Rückgabe freigestellt – EIZO hat allerdings darauf hingewiesen, dass es sich sowohl beim „Bildfehler“ als auch bei der Rückseite um normale Abweichungen handelt.

    Ich kann mir nur schwer vorstellen wie diese Geräte durch die Qualitätskontrolle bei EIZO kommen. Wir haben im Büro mehrere Monitore anderer Hersteller (LG, Dell, Acer), die zudem deutlich günstiger sind. Alle haben ein wesentlich besseres Bild und auch die Rückseite ist in Ordnung.

  2. In der Coating Sektion fehlt der Bewertungssteil. Üblicherweise steht unter den Bildern noch ein Absatz wie: Monitor hat stumpf-mattes Coating oder so.

  3. Hatte ich echt übersehen. Hielt es wahrscheinlich für eine Werbeinblendung wegen „Perfekt in jeder Beziehung“. Für mich leider nicht, das sehe ich ab 2:05. Schade.

  4. Wie schaut das mit dem IPS-Glow bei schräger Draufsicht aus? Ich hatte zwei Mal einen Foris FS2434 ausprobiert, die stark aufgehellten Ecken gingen gar nicht. Ich will den Monitor unter anderem für Videos nutzen, oft mit dunkleren Inhalten bzw. schwarzen „Kino-Balken“. Nach der Enttäuschung habe ich mir einen 10 Jahre alten Eizo S2411W mit S-PVA-Panel für gerade mal 100 Euro geholt und bin damit insgesamt viel zufriedener. Ich bin bereit, viel Geld für einen Monitor auszugeben, doch dann bitte ohne derartige Bildmängel (nichts anderes ist der Glüh-Effekt für mich). Oder lieber doch auf OLED-Monitore warten?

    • Auf meinem heimischen Schreibtisch werkelt seit 2008 ein EIZO FlexScan S2231W vor sich hin mit aktuell 23.738 Betriebsstunden auf dem Buckel.
      Seit einigen Jahren verfolge die Prad-Tests neuer Monitore intensiver, weil ich gerne einen größeren Monitor (27 Zoll) mit einer höheren Auflösung nutzen würde. Mein jetziger hat gerade mal eine native Auflösung von 1680*1050… 😀

      Deshalb bin ich ebenfalls auf der Suche und würde für ein anständiges (EIZO-) Gerät tiefer in die Tasche greifen. Ich hatte es kurz nach dem Release mit dem EIZO FORIS FS2735 versucht: Der starke IPS-Glow und die ungleichmäßige Ausleuchtung an den Rändern und in den Ecken waren eine absolute Enttäuschung, ganz besonders im Vergleich zu meinem alten EIZO Gerät. Neben Filme (häufig im abgedunkelten Raum), Office-Betrieb ist auch der Gaming-Bereich das bevorzugte Einsatzszenario.

      Sehr nützlich finde ich daher u.a. die Bilder der Ausleuchtung bei normaler Belichtung in den Tests.
      Damit fällt das getestete Gerät für mich ebenfalls durch. Die hellen Stellen sind mir zu deutlich.

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