BRANDHEISS

Test EIZO Foris Nova – OLED Monitor mit Rekord Speed
7/8

22 Zoll OLED-Monitor zeigt eine geniale Bildqualität und besitzt eine Bildaufbauzeit, die jeden Gaming-Monitor mit LED-Technik blass aussehen lässt

Backlight

Das selbstleuchtende OLED-Display des Foris Nova (kein Backlight) wird zwar mit einer Art Pulsweitenmodulation angesteuert bzw. kurz unterbrochen, doch ist die Lücke extrem kurz (im Bereich 1 ms) und deshalb in keiner Weise wahrnehmbar. Daher entstehen keine mit dem Auge sichtbaren Unterbrechungen im Lichtstrom (Flackern). Insgesamt ist der Monitor auch bei reduzierter Helligkeit (Steuerung der Helligkeit nur per Fernbedienung) für ermüdungsfreies Arbeiten geeignet. Die maximale Leuchtdichte liegt bei 317 cd/m², gemessen im kleinen Messfenster (circa 5 % Fenstergröße).

PWM-artige Ansteuerung des OLED-Displays
PWM-artige Ansteuerung des OLED-Displays

Subjektive Beurteilung

Dank der extrem kurzen Reaktionszeiten und des kurzen Input-Lags eignet sich der OLED-HDMI-Monitor EIZO Foris Nova bestens für Gaming-Einsätze. Der Unterschied bei den Reaktionszeiten zu gängigen Gaming-Displays ist so deutlich, dass er auch bei gängigen subjektiven Tests sofort auffällt. Beispielsweise werden im EIZO-Speedtest selbst bei 800 pix/s die Außenkanten des schnell bewegten Rechtecks kaum verformt.

Sound

Der Vollständigkeit halber hat der EIZO Foris Nova zwei Stereo-Lautsprecher mit je 1 Watt Ausgangsleistung an Bord. Für die Sounds des Betriebssystems reicht die Leistung, für mehr leider nicht.

DVD und Video

HD-Zuspieler wie Blu-ray-Player, HDTV-Empfänger und Spielekonsolen können direkt an die HDMI-Buchse des Foris Nova angeschlossen werden, der Ton wird an den Kopfhörer- oder Line-out-Ausgang weitergeleitet.

Im Entertainment-Bereich müsste sich der EIZO Foris Nova eigentlich ganz besonders zu Hause fühlen. Das tut er auch, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wer schon einmal einen OLED-TV erlebt hat, weiß, was er hinsichtlich des Schwarzwertes zu erwarten hat. Schwarz ist wirklich schwarz.

Die Flüssigkristalle eines LCD-Monitors können nicht selbst leuchten. Sie filtern lediglich das ständig präsente Licht der Hintergrundbeleuchtung (Backlight) mehr oder weniger stark heraus. Den LCD-Pixeln gelingt es aber nicht, das Licht komplett zu blocken. Es kommt immer etwas Restlicht durch, sodass Schwarz eher wie ein Dunkelgrau aussieht.

Das Heraufregeln der Helligkeit bringt dabei nichts, um den Kontrast zu verbessern. In der Regel verschlechtert sich dadurch eben auch der Schwarzwert in derselben Relation, sodass der Kontrast über alle Helligkeitsstufen konstant bleibt.

Die OLED-Technik bringt uns jetzt zurück auf einen Stand, den wir eigentlich mit den uralten Röhrenmonitoren schon einmal hatten. Während in Röhrenmonitoren Phosphorpartikel durch einen Elektronenstrahl zum Leuchten gebracht wurden, sind es bei OLEDs Millionen von kleinen RGB-LEDs, die selbstständig leuchten und individuell angesteuert werden können.

Idealerweise wird auf dem Weg zum Nachholen von Popcorn nicht unvermittelt durch eine Szene mit längerer Schwarzbild-Einblendung überrascht, denn dann wird es im Wohnzimmer wirklich schlagartig zappenduster.

So kann auch der EIZO Foris Nova bereits bei SD-Material mit einem erstklassigen Schwarzwert und einem phänomenalen Kontrast punkten. Das satte Schwarz sorgt für eine Tiefe und Räumlichkeit in der Darstellung, die man selbst gesehen haben muss, um die Begeisterung dafür zu verstehen. Besonders auffällig wird das in dunklen Szenen mit hellen Spitzlichtern, etwa bei Science-Fiction-Filmen.

Beim Farbraum bringt EIZO sein Know-how aus dem Bereich der Grafikmonitore ins Spiel. Die Farbraumabdeckung ist nicht nur enorm groß, sondern zudem so ausgelegt, dass die Farben sogar bei SD-Material (HDTV, sRGB) auf uns sehr natürlich gewirkt haben. Damit ist der EIZO Foris Nova auch in diesem Aspekt in der Lage, die aktuellsten Deep-Color-HDR-Filme farblich akkurat darzustellen, ohne dass bei stark gesättigten Bereichen die Differenzierung verloren geht.

Zumindest in puncto Schwarzwert und Kontrast verblasst die Begeisterung für den EIZO Foris Nova allerdings leider recht deutlich, sobald man ihn nicht ausschließlich bei vollständig abgedunkeltem Raum betreibt. Der Schwarzwert kann nämlich auch bei einem OLED nicht besser sein als das, was vom Display im abgeschalteten Zustand von der Raumbeleuchtung noch reflektiert wird. Das gilt natürlich für alle Monitore. Der Foris Nova hat in dieser Hinsicht aber einen eher mäßigen „Schwarzwert“.

Das mag die folgende Abbildung deutlich machen. Sie zeigt vorn den EIZO Foris Nova und dahinter den EIZO CS2731 – beide Displays sind etwa gleich geneigt und komplett abgeschaltet. Der Foris Nova erscheint dabei noch deutlich heller als der CS2731. Dunkler kann das Bild logischerweise ohnehin nicht werden, wenn man die Geräte einschaltet.

„Schwarzbild“ im Vergleich: vorn Foris Nova, hinten CS2731
„Schwarzbild“ im Vergleich: vorn Foris Nova, hinten CS2731

Auch beim Thema HDR sollte schon der Blick in das Datenblatt des EIZO Foris Nova die Erwartungshaltungen eher dämpfen. Eine Peak-Helligkeit von 330 cd/m² ist nicht gerade viel. Der Proband setzt zum Erzielen seines hohen Kontrastverhältnisses praktisch ausschließlich auf den Schwarzwert. Mathematisch kann man das Kontrastverhältnis bzw. den Dynamikumfang zwar über den Schwarzwert gegen unendlich laufen lassen. Das für unsere Wahrnehmung notwendige Gegenstück für hohe Dynamikumfänge – nämlich entsprechende Spitzenhelligkeiten – fehlt aber dennoch.

Am PC wird der Foris Nova auch ohne zusätzliche Treiber problemlos und auf Anhieb als HDR-Wiedergabe-Gerät erkannt. Im OSD stehen von „Auto“ bis „Hybrid LOG Gamma“ verschiedene Optionen für die HDR-Wiedergabe zur Verfügung. Wir haben uns bei vollständig abgedunkeltem Raum einige HDR-Filme über Netflix angeschaut und dabei mit einem LG-OLED-TV verglichen.

Um es kurz zu machen: Aus unserer Sicht kann der EIZO Foris Nova zwar HDR-Filme ansprechend wiedergeben, aber dabei mit einem deutlich günstigeren und wesentlich größeren OLED-TV nicht mithalten. Das liegt zum einen an der fehlenden Spitzenhelligkeit. Dadurch merkt man eigentlich gar nicht so genau, ob man einen SDR- oder einen HDR-Film vor sich hat. Der Wow-Effekt bleibt aus.

Zum anderen bieten OLED-TVs häufig ein dynamisches Tonemapping zur Verarbeitung des HDR-Signals. Das soll unter anderem verhindern, dass dunkle Szenen zu dunkel dargestellt werden. Und genau das mussten wir aber beim EIZO Foris Nova vor allem in der HDR-Einstellung „Auto“ feststellen. Wirklich verbessern konnten wir es auch mit den anderen Einstellungen nicht.

Hinsichtlich der Technik verarbeitet der EIZO Foris Nova digitale RGB- und YUV-Signale (4:2:2 und 4:4:4). Eine Anpassung des Dynamikbereichs ist über die Option „Eingangsbereich“ ebenfalls möglich. Eine 24p-Wiedergabe ist dagegen weder in der 4K- noch in der Full-HD-Auflösung verfügbar.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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