Test LG 27UK850-W – attraktives Gesamtpaket!
5/9

8
65205

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Obwohl der LG 27UK850-W keineswegs als Grafikmonitor beworben wird, besitzt er auch die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration.

Bei Standardmonitoren gibt es außer den Reglern im OSD (Helligkeit, Farbtemperatur, Gamma, RGB-Gain) keine Möglichkeit, direkt mit der Look-up-Table des Displays zu kommunizieren. Alle Anpassungen müssen in Form einer Software-Kalibration über die LUT der Grafikkarte erfolgen.

Dagegen werden bei einer Hardware-Kalibration die Kalibrierungseinstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist deshalb von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibration und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Handware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage.
Die dazu notwendige Software „True Color Pro“ (TCP) ist optional und muss erst über die LG-Website heruntergeladen werden. Für den Test lag uns TCP in der Version 4.0.9 vor. Im Gegensatz zum Test des LG 32UD99 hat die Software diesmal auf Anhieb reibungslos funktioniert.

Sie wirkt hinsichtlich Aufmachung und Funktionsumfang erstaunlich professionell. Im Gegensatz zu manch anderen Lösungen können alle wichtigen Einstellungen auf nur einer Seite vorgenommen werden. TCP unterstützt eine Vielzahl an Kolorimetern unterschiedlicher Hersteller und gibt im weiteren Verlauf sogar spezifische Hilfestellungen beim Handling – in unserem Fall zum i1 Display Pro von X-Rite.

Wie üblich haben wir als Kalibrierungsziel folgende Einstellungen gewählt: Farbraum „nativ“, Farbtemperatur „D65“, Gamma „2,2“, Helligkeit „140 cd/m²“.

TCP: Kalibrierungseinstellungen (Screenshot TCP)
TCP: Kalibrierungseinstellungen (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis nach der Kalibrierung (Screenshot TCP)

Der Kalibrierungsvorgang verlief beim LG 27UK850-W recht flott und war nach knapp zehn Minuten erledigt. Zu den wichtigsten Parametern (Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma) zeigt die Software gleich die Zielerreichung an. Das erstellte Farbprofil wird automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems eingetragen. Zum Abspeichern der Kalibrierungs-Ergebnisse sind zwei Speicherplätze bei den Bildmodi vorgesehen. Laut Handbuch speichert die Software eine neue Kalibrierung aber immer auf den Speicherplatz „Kalibrierung 1“. Dort ggfls. schon vorhandene ältere Daten werden jeweils auf den Speicherplatz 2 verschoben.

Dieses Verhalten scheint uns zwar nicht ganz optimal – es ist aber durchaus möglich, das Gerät auf zwei unterschiedliche Ziele zu kalibrieren und dann einfach per Knopfdruck hin und her zu schalten. Natürlich muss dann auch in der Windows-Farbverwaltung das verwendete ICC-Profil manuell gewechselt werden.

Anschließend hat man noch die Möglichkeit, das Kalibrierungs-Ergebnis mittels Validierung zu überprüfen. Eine Basic-Validierung ist in knapp zwei Minuten durchgeführt und generiert einen ausführlichen HTML-Report.

TCP: Ergebnis nach der Validierung (Screenshot TCP)
TCP: Ergebnis nach der Validierung (Screenshot TCP)

Ein PDF-Handbuch zur Software hatten wir nach der Installation zunächst vermisst. Stattdessen hat LG aber eine recht ausführliche HTML-Hilfe in die Software selbst integriert, die alle Funktionen recht gut erläutert.

Das Problem ist nicht der Funktionsumfang oder das Handling der Software, sondern das Ergebnis. Im Folgenden stellen wir zur Verdeutlichung die Ergebnisse der Software-Kalibrierung denen der Hardware-Kalibrierung gegenüber und fassen das Ganze zum Schluss im Fazit noch einmal zusammen.

Profilvalidierung

Diagramm: Profilvalidierung Software-Kalibrierung
Profilvalidierung Software-Kalibrierung

Im direkten Vergleich ist unschwer zu erkennen, dass sich das Ergebnis durch die Hardware-Kalibrierung nicht verbessert, sondern verschlechtert hat.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Diagramm: Profilvalidierung Hardware-Kalibrierung
Profilvalidierung Hardware-Kalibrierung

Der LG 27UK850-W zeigt keine auffälligen Drifts oder unschönen Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand in beiden Fällen ausreichend exakt. Bei der Software-Kalibrierung ist der Gammaverlauf recht gut an die sRGB-Norm angepasst. Bei der Hardware-Kalibrierung (auf den nativen Farbraum, Gamma 2,2) verläuft die Gamma-Kurve weitgehend linear, allerdings mit unschönem Knick nach unten oberhalb von 90 % der Helligkeit.

Bei der Hardware-Kalibrierung haben sich die Farbabweichungen etwas, die Graubalance aber deutlich verschlechtert. Für die Kalibrierung und unsere Messungen gönnen wir den Testgeräten mindestens 30 Minuten Aufwärmzeit. Die Profilvalidierung zur Hardware-Kalibrierung haben wir nach 24 Stunden wiederholt und dabei die Aufwärmzeit auf ca. zehn Minuten verkürzt. Unsere Messungen zeigen dabei eine vergleichsweise hohe Abweichung bei der Farbtemperatur von ca. 400 K.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Software-Kalibrierung
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Software-Kalibrierung

Noch deutlicher wird die Verschlechterung des Ergebnisses durch die Hardware-Kalibrierung im farbtransformierten Vergleich mit dem sRGB-Farbraum. Auch hier ist es vor allem die Graubalance, die signifikant schlechter ausfällt.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Diagramm: Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Hardware-Kalibrierung
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert) – Hardware-Kalibrierung

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch. Bei den Farbwerten sind keine nennenswerten Abweichungen zu erkennen. Hier ist das Ergebnis in beiden Fällen sehr gut. Die Farbraumabdeckung ist mit 99 % sRGB ebenfalls sehr gut.

Anders sieht es bei der Graubalance aus. Während sie bei der Software-Kalibrierung sogar ein sehr gutes Ergebnis erzielt, ist sie nach der Hardware-Kalibrierung nur noch zufriedenstellend.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

8 KOMMENTARE

  1. Hallo Michael,
    ich hatte die Anschlussprobleme LG an MacBook Pro 2017 auch. Es lag letztendlich am Kabel, nicht am Monitor. Es lohnt sich ein gutes DP-taugliches Kabel aus dem Zubehör zu probieren. Die Macs scheinen aus irgendeinem Grund empfindlicher zu sein als die PC-Kollegen. Ich habe mit Choetech gute Erfahrungen gemacht. Sowohl bei USB-C als auch beim Adapter USB-C zu HDMI.

  2. Sehr geehrtes PRAD Team,
    erstmal herzlichen Dank für diesen und alle anderen sehr ausführlichen Tests! Zum LG 27UK850: Wie realistisch ist es, dass es bei Ihrem Modell bzgl. Ausleuchtung und Farbreinheit um ein Montagsmodell handelt? Ich habe den Monitor kürzlich zusammen mit dem LG 27UD88 bestellt und ich habe das subjektive Gefühl (Messequipment ist leider nicht vorhanden), dass der 27UK850 einen wenig besser ausgeleuchtet ist. Auch kann ich keinen Farbreinheitsfehler über die Breite des Monitors erkennen.

  3. Wie sieht es aus mit freesync wird freesync 1 oder 2 unterstützt.und was ist der freesync Regelbereich von 40 bis 60 fps oder ein anderer?

  4. Ich habe mir den Monitor (UK650) aufgrund dieses Test-Berichts in der Buch geholt und gestern Abend leider massives Edge-Bleeding/IPS-Glowing feststellen müssen im dunklen Zimmer. Retournieren kann ich das nicht und via Einstellungen werde ich das sicher nicht minimieren können? Laut Amazon-Bewertungen kommt das bei dem Modell wohl häufiger vor.

    • Was denn nun, Bleeding oder Glow? Und was heißt bei dir massiv? Wir haben das ja im Video festgehalten (https://youtu.be/Lg7-IQczdfw?t=112) und wo es durchaus Unterschiede geben kann ist beim Bleeding. Der Glow sollte eigentlich ähnlich sein, denn Panel und Panelbeschichtung sind ja identisch. OK sehe gerade, du hast ja ein anderes Modell gekauft. Insofern frage ich mich weshalb Du deine Probleme zu einem anderen Modell schreibst. Ob dieser LG Monitor ein identische Panel einsetzt, was durchaus im Bereich des möglichen sein kann, weiß ich nicht.

  5. Vielen Dank für das nette Feedback, das freut mich natürlich!

    Zu den Wünschen: wir haben das in der Redaktion noch einmal besprochen. Den Wunsch nach den Umschaltzeiten kann ich schon verstehen, das dürfte auch andere interessieren. Das Problem ist, solche Messungen objektivierbar zu machen, da dabei sicherlich auch Grafikkarte und andere Komponenten eine Rolle spielen. Wir haben das Thema aber in der Redaktion noch einmal besprochen und werden es bei den nächsten drei Tests (EIZO EV3285, LG 34WK95U, ViewSonic VP2768-4K) probeweise in die Tests mit aufnehmen.

  6. Ich lese die Reviews von Herr Findeis wirklich sehr gerne – toller Schreibstil und lehrreich. Chapeau & Danke!

    Was ich mir in dieser (und anderen) Reviews noch (regelmäßig) gewünscht hätte:
    – umschalten zwischen Signalquellen (Zeit und Einfachheit; oft ein „Pain“ bei vielen Herstellern; Beispiel: Mein Alltags-SetUp PC Laptop, PC Desktop, Macbook an einem Dell Ultrasharp U2713h [ein Pain])
    – Besonderheiten beim Anschluss eines MacBooks Pro (funktioniert das an USB-C; DP)? Anscheinend hat LG derzeit Probleme mit Apple-Produkten (nicht nur mit Nvidia). Beispiele: selbst der Apple/LG 5K Ultrafine läuft nicht mit neuem MacMini. Der 38WK950 funktioniert anscheinend nicht am MacBook Pro 2018. Und auch der 32UD950 hatte seine Probleme mit USB-C =>> alles Gründe, den Anschluss eines Macs ebenfalls zu testen.

    • Ich kann den Wunsch nach Apple Produkten verstehen, das ist in unserem Fall leider nicht praktikabel. Jeder Redakteur müsste sich ein Macbook nur zu Testzwecken zulegen, da unserer Redakteure an Windows PCs testen und das ist leider nicht realisierbar. Es sein denn Apple stiftet uns für jeden Redakteur ein solches Macbook. Und das wird sicher nicht passieren 😉

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen