Test LG 27UK850-W – attraktives Gesamtpaket!
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HDR10

Der LG 27UK850-W konnte im Test unterschiedlichen HDR10-Content problemlos entgegennehmen und verarbeiten. Der eindeutige Wow-Effekt wie bei Geräten mit Local Dimming – beispielsweise dem ASUS PA32UC oder dem ASUS ROG Swift PG27UQ – blieb aber aus. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die beiden ASUS Modelle in einer ganz anderen Preisliga spielen.

Der LG 27UK850-W bietet auch die Möglichkeit, herkömmliche SDR-Inhalte mittels HDR-Emulation auf HDR zu trimmen. Die Bildmodus-Option im OSD nennt sich „HDR-Effekt“ und kann jederzeit anstelle eines anderen Bildmodus verwendet werden. In unseren Lesertests waren die Auffassungen zu dieser Funktion sehr unterschiedlich.

Daher haben wir uns diese Funktion auch genauer angesehen. Soweit für uns ersichtlich, handelt es sich dabei technisch gesehen primär um einen Bildverarbeitungstrick. Der Bildkontrast wird hier – vermutlich über die Gradation – massiv erhöht. Zusätzlich werden Strukturen – ähnlich dem Klarheitsregler in Lightroom – stärker betont. Dadurch wirkt das Bild mit HDR-Effekt auf den ersten Blick etwas schärfer, bei genauem Hinsehen aber schon deutlich überschärft. Vor allem aber gehen Details in dunklen Bildbereichen komplett verloren und versumpfen im Schwarz.

Mit Bildkontrast ist hier nicht der Dynamikumfang, also der Unterschied der Licht-Emission zwischen den hellsten und den dunkelsten Stellen gemeint, sondern die Manipulation der Tonwerte innerhalb desselben nativen Kontrastumfangs des Monitors.

Bei der Analyse der RAW-Dateien zeigt sich, dass die Spitzlichter mit HDR-Effekt sogar etwas weniger hell sind (gemeint ist hier die reale Lichtausstrahlung vom Bildschirm). Durch den deutlich kühleren Weißabgleich mögen sie aber subjektiv einen Tick heller aussehen.

Ob dieser Effekt nun sinnvoll ist und gefällt oder nicht, wollen wir mit der abschließenden Bilderstrecke dem Leser selbst überlassen. Das erste allein stehende Bild zeigt immer die Originaldatei (Screenshot). Danach kommt in Gegenüberstellung je eine exakt austarierte Foto-Aufnahme vom Bildschirm im Standardmodus (SDR) und dann im Bildmodus „HDR-Effekt“ – jeweils bei 100 % Helligkeit. Die Belichtungen sind völlig identisch und die Entwicklung absolut neutral (ohne Bildmanipulation der Aufnahme). Nur der Weißabgleich der Kamera wurde entsprechend angepasst.

Beim ersten Beispielbild haben wir dann noch die SDR-Aufnahme in Lightroom so angepasst, dass sie ähnlich wie LGs HDR-Effekt aussieht. Dazu waren nur zwei Handgriffe notwendig: Gradationskurve auf starken Kontrast und Klarheitsregler auf +15.

Beispiel 1, Original-Screenshot
Beispiel 1, Original-Screenshot
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, SDR – HDR-Effekt in Lightroom imitiert
Beispiel 1, Foto vom Bildschirm, SDR – HDR-Effekt in Lightroom imitiert
Beispiel 2, Original-Screenshot
Beispiel 2, Original-Screenshot
Beispiel 2, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 2, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 2, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 2, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 3, Original-Screenshot
Beispiel 3, Original-Screenshot
Beispiel 3, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 3, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 3, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 3, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 4, Original-Screenshot
Beispiel 4, Original-Screenshot
Beispiel 4, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 4, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 4, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 4, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 5, Original-Screenshot
Beispiel 5, Original-Screenshot
Beispiel 5, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 5, Foto vom Bildschirm, SDR
Beispiel 5, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt
Beispiel 5, Foto vom Bildschirm, HDR-Effekt

Praktisch in allen Bildern mit HDR-Effekt gehen in den Tiefen massiv Details verloren. Das Plus an Schärfeeindruck mag gefallen, aber im letzten Bild sieht es so aus, als ob der Protagonist ein massives Hautproblem hätte. Beim Originalbild kommt man auf diese Idee wohl eher nicht.

Bewertung

ab 539,00 €
4.1

(GUT)

Fazit

Der LG 27UK850-W entpuppt sich im Test als toller Allrounder mit einem Schwerpunkt auf den Unterhaltungsbereich. Ergonomie und Verarbeitung sind gut und solide, das Design weiß nicht nur aufgrund der flachen und rahmenlosen Bauweise zu gefallen.

Dabei hat LG in das ohnehin aufgrund der 4K-Auflösung schon sehr attraktive Paket auch noch HDR-Features und sogar die Möglichkeit zur Hardware-Kalibration hineingepackt. Das zwingt uns natürlich, diese Bereiche auch genauer unter die Lupe zu nehmen und bei der Hardware-Kalibrierung Vergleiche zu dedizierten Grafikmonitoren zu ziehen. Bei der Hardware-Kalibrierung und bei der Farbhomogenität hat das Gerät daher auch einiges an Kritik einstecken müssen.

Weder das Thema HDR noch die Hardware-Kalibrierung sollten aus unserer Sicht die entscheidenden Kaufkriterien für den LG 27UK850-W sein. Die Möglichkeit, problemlos HDR10-Content anzuschauen, ist aber auf jeden Fall eine willkommene Bereicherung.

Der Schwerpunkt des LG 27UK850-W liegt vor allem im Unterhaltungsbereich, also Video und Gaming. Die guten Reaktionszeiten sind überdurchschnittlich und werden ferner von AMDs FreeSync unterstützt. Selbstverständlich wird man sich auch an einem langen Büro-Arbeitstag über die augenfreundliche Schärfe der 4K-Auflösung freuen. Auch die modernen Anschlüsse mit USB-C-Unterstützung für Video, Stromversorgung eines Notebooks und Daten-Hub sind beruflich wie privat eine Bereicherung.

Beim LG 27UK850-W ist es weniger die Leistung in Einzeldisziplinen, sondern vielmehr die Summe des Gesamtpakets zu einem äußerst attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis, die uns eine Empfehlung aussprechen lässt.

Testlogo LG 27UK850-W

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8 KOMMENTARE

  1. Hallo Michael,
    ich hatte die Anschlussprobleme LG an MacBook Pro 2017 auch. Es lag letztendlich am Kabel, nicht am Monitor. Es lohnt sich ein gutes DP-taugliches Kabel aus dem Zubehör zu probieren. Die Macs scheinen aus irgendeinem Grund empfindlicher zu sein als die PC-Kollegen. Ich habe mit Choetech gute Erfahrungen gemacht. Sowohl bei USB-C als auch beim Adapter USB-C zu HDMI.

  2. Sehr geehrtes PRAD Team,
    erstmal herzlichen Dank für diesen und alle anderen sehr ausführlichen Tests! Zum LG 27UK850: Wie realistisch ist es, dass es bei Ihrem Modell bzgl. Ausleuchtung und Farbreinheit um ein Montagsmodell handelt? Ich habe den Monitor kürzlich zusammen mit dem LG 27UD88 bestellt und ich habe das subjektive Gefühl (Messequipment ist leider nicht vorhanden), dass der 27UK850 einen wenig besser ausgeleuchtet ist. Auch kann ich keinen Farbreinheitsfehler über die Breite des Monitors erkennen.

  3. Wie sieht es aus mit freesync wird freesync 1 oder 2 unterstützt.und was ist der freesync Regelbereich von 40 bis 60 fps oder ein anderer?

  4. Ich habe mir den Monitor (UK650) aufgrund dieses Test-Berichts in der Buch geholt und gestern Abend leider massives Edge-Bleeding/IPS-Glowing feststellen müssen im dunklen Zimmer. Retournieren kann ich das nicht und via Einstellungen werde ich das sicher nicht minimieren können? Laut Amazon-Bewertungen kommt das bei dem Modell wohl häufiger vor.

    • Was denn nun, Bleeding oder Glow? Und was heißt bei dir massiv? Wir haben das ja im Video festgehalten (https://youtu.be/Lg7-IQczdfw?t=112) und wo es durchaus Unterschiede geben kann ist beim Bleeding. Der Glow sollte eigentlich ähnlich sein, denn Panel und Panelbeschichtung sind ja identisch. OK sehe gerade, du hast ja ein anderes Modell gekauft. Insofern frage ich mich weshalb Du deine Probleme zu einem anderen Modell schreibst. Ob dieser LG Monitor ein identische Panel einsetzt, was durchaus im Bereich des möglichen sein kann, weiß ich nicht.

  5. Vielen Dank für das nette Feedback, das freut mich natürlich!

    Zu den Wünschen: wir haben das in der Redaktion noch einmal besprochen. Den Wunsch nach den Umschaltzeiten kann ich schon verstehen, das dürfte auch andere interessieren. Das Problem ist, solche Messungen objektivierbar zu machen, da dabei sicherlich auch Grafikkarte und andere Komponenten eine Rolle spielen. Wir haben das Thema aber in der Redaktion noch einmal besprochen und werden es bei den nächsten drei Tests (EIZO EV3285, LG 34WK95U, ViewSonic VP2768-4K) probeweise in die Tests mit aufnehmen.

  6. Ich lese die Reviews von Herr Findeis wirklich sehr gerne – toller Schreibstil und lehrreich. Chapeau & Danke!

    Was ich mir in dieser (und anderen) Reviews noch (regelmäßig) gewünscht hätte:
    – umschalten zwischen Signalquellen (Zeit und Einfachheit; oft ein „Pain“ bei vielen Herstellern; Beispiel: Mein Alltags-SetUp PC Laptop, PC Desktop, Macbook an einem Dell Ultrasharp U2713h [ein Pain])
    – Besonderheiten beim Anschluss eines MacBooks Pro (funktioniert das an USB-C; DP)? Anscheinend hat LG derzeit Probleme mit Apple-Produkten (nicht nur mit Nvidia). Beispiele: selbst der Apple/LG 5K Ultrafine läuft nicht mit neuem MacMini. Der 38WK950 funktioniert anscheinend nicht am MacBook Pro 2018. Und auch der 32UD950 hatte seine Probleme mit USB-C =>> alles Gründe, den Anschluss eines Macs ebenfalls zu testen.

    • Ich kann den Wunsch nach Apple Produkten verstehen, das ist in unserem Fall leider nicht praktikabel. Jeder Redakteur müsste sich ein Macbook nur zu Testzwecken zulegen, da unserer Redakteure an Windows PCs testen und das ist leider nicht realisierbar. Es sein denn Apple stiftet uns für jeden Redakteur ein solches Macbook. Und das wird sicher nicht passieren 😉

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